Das Bewusstsein eines Hundes   2 comments

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Es ist schon erstaunlich was ein Mensch zum Beispiel bei einem Hund welche Fähigkeiten entdecken kann. Vorausgesetzt er beobachtet den Hund genau und auch mit Liebe. Ein Mensch, der sich als Krone der Schöpfung sieht, kann das selbstverständlich nicht entdecken. Aber so ein Mensch will auch nicht einsehen, dass der Mensch auch nur aus dem Tierreich hervorgegangen ist. Von den Kreationisten, die die Evolutionslehre von Charles Darwin bestreiten, will ich gar nicht erst reden.

Aber zurück zum Tierfreund Martin Balluch, der eine äußerst innige Beziehung zu seinem Hundefreund Kuksi hat.

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Wenn ein Hund bewusst entscheidet

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In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ argumentiere ich, dass Hunde autonome und vernünftige Wesen sind, die bewusst entscheiden können, ganz unabhängig von ihrer Konditionierung. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Argumente dafür klar und deutlich dargelegt wurden und kein Zweifel mehr bestehen bleibt. In der Praxis begegnet mir dennoch ununterbrochen auch unter Tierschützer- und TierrechtlerInnen die Idee, dass Hunde nur mit Versuch und Irrtum auf Basis von Konditionierung lernen können, dass ihre Handlungsantriebe nur Reizreaktionen oder Triebe und Instinkte sind, dass es da keine Freiheit zur Entscheidung hinter diesen Schlappohren gibt.

Man könnte meinen, das sei ein Streit um des Kaisers Bart. Hunde sind unbestritten leidensfähige Wesen und so muss ihr Leid ethisch eine Rolle spielen. Reicht das nicht? Wozu über Intelligenz und Bewusstsein streiten? Beides wirkt einfach objektiv nicht fassbar. Abgesehen davon, darf es von den kognitiven Fähigkeiten eines Wesens abhängen, ob und wie es ethisch berücksichtigt wird?

Nein. Hier geht’s nicht um des Kaisers Bart. Hier geht es um die wichtigste und essenziellste Frage im Tierschutz: sind Tiere Wesen, wie wir Menschen, die frei entscheiden können und deren Entscheidung zu respektieren ist, oder sind es ganz andere Wesen als wir, die nur mit uns die Leidensfähigkeit teilen, aber ansonsten mehr oder weniger biologische Roboter darstellen, für die man jede Entscheidung zu treffen hat. Einmal führt das zur Forderung nach selbstbestimmten und selbstorganisierten Tiergemeinschaften, oder egalitären Gemeinschaften von Menschen und anderen Tieren, im zweiteren Fall führt das direkt ins Anthropozän, in eine Welt mit dem Menschen als Herrscher oder, netter gesagt, „Gärtner“, der alles zu bestimmen hat, weil er doch alles so viel besser weiß. Während wir für Menschen Mitbestimmung fordern, würde dann bei Tieren die Fremdbestimmung das beste Ziel sein, weil sie ja unfähig wären, für sich den besten Weg zu wählen.

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Als ein Mensch, der seit 3 Jahrzehnten mit Hunden lebt und ununterbrochen aus erster Hand mitbekommt, wie diese Wesen autonom und selbständig und frei sein können, ist mir die Vorstellung, sie auf ihre Leidensfähigkeit zu reduzieren, unbegreiflich. Nein, Mensch und Tier sind nicht grundsätzlich irgendwie anders, der eine frei, das andere unfrei, vernünftig versus unvernünftig, berechenbar versus unberechenbar. Diejenigen, die Tiere oder auch Hunde für fühlende Biomaschinen halten, sollen doch versuchen, ein Computerprogramm zu schreiben, das es ermöglicht, einen Roboter zu betreiben, der sich wie ein Hund verhält, von dem man, wie bei einem Hund, den so überzeugenden Eindruck bekommt, dass man mit ihm ein beidseitig liebendes Verhältnis hat, dass er vernünftig handelt, einen Charakter hat, eine Persönlichkeit. Trotz immer besserer Rechenleistung ist AI noch immer unendlich weit davon entfernt. Woran könnte das liegen? Entweder, dass die Natur einfach so viel besser programmieren kann, oder, dass das Hirn eines Hundes besser ist als der beste Supercomputer heute – oder doch, dass Bewusstsein etwas Anderes ist als ein Computer, als ein lernfähiges Computerprogramm, das sich lediglich nach Versuch und Irrtum selbst verbessert?

Ununterbrochen erlebe ich Entscheidungen meines Hundefreunds Kuksi, die ganz sicher nichts mit Instinkten oder Reizreaktionen zu tun haben. In unserem Zusammenleben fördere ich seine Autonomie und Selbständigkeit, und so wurde er zu einem Wesen, das auch selbst entscheidet und auf sich selbst gestellt die Probleme des Lebens angeht. Vor zwei Wochen wollte ich mit ihm eine Wanderung an einem bestimmten Ort machen. Wir blieben mit dem Auto stehen, aber er weigerte sich, auszusteigen. Er war nicht unfreundlich, aber bestimmt. Ich kann mir vorstellen, wie andere Hundeverantwortliche darin eine Rebellion sehen, die zu brechen ist. Was bildet sich der Hund ein, seine eigene Meinung zu haben? Tja, was bilde ich mir ein, über seine Meinung einfach hinweggehen zu können? Wir sind ein Stückchen weitergefahren, keine 2 km. Dann zeigt er mir an, jetzt will er hinaus. Ich bleibe stehen. Tatsächlich, sofort ist er bereit, los zu wandern. Wir hatten einen wunderschönen Tag.

Na sicher, hör ich die ZweiflerInnen, da hatte er eben an diesem Ort schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb wollte er nicht aussteigen. Nein, hatte er nicht. Ach, der Hund hat ja ganz andere Sinne, da hat eben etwas schlecht gerochen irgendwann vorher. Nein, hatte es nicht, wir hatten dort keine schlechten Erfahrungen, er hat dort nie irgendwie negativ reagiert. Er wollte einfach dort an diesem Tag nicht wandern, sondern woanders. Es war eine bewusste Entscheidung von ihm. Und das erlebe ich immer wieder. Er hat einfach eine klare Vorstellung, was er will und was nicht. Sicher, jedes einzelne Beispiel könnte man durch elaborate Konstrukte irgendwelcher Reizreaktionsimpulse „erklären“. Aber in der Menge und Komplexität, in der er ständig agiert, ist das nicht mehr sinnvoll möglich. Kein bestehendes Computerprogramm könnte genau so handeln, wie Kuksi das tut, obwohl es Computer gibt, die in vielen Bereichen wesentlich mehr als er – und ich – können. Aber Bewusstsein und einen freien Willen, das haben sie nicht, und werden sie auch nie haben, wie ich mit Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz aus der mathematischen Logik argumentiert habe. Das ist der Unterschied.

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Das Bewusstsein eines Hundes

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 21. März 2017 von hubert wenzl in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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2 Antworten zu “Das Bewusstsein eines Hundes

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  1. Ich kenne das von meinem Rex. Einerseits war er unheimlich einfühlsam und hat sich zurückgezogen wenn dicke Luft war
    und andererseits hat er es verstanden seinen Willen durchzusetzen. Alleine mit seinem Blick konnte er einen regelrecht hypnotisieren dass man nicht anders konnte als seinem Willen nachzugeben. In der einschlägigen Literatur heißt es: Hunde verstehen nur Kommandosprache. Dem muss ich voll und ganz widersprechen. Im Gegenteil wir konnten sogar gedanklich miteinander kommunizieren. Zumindest er mit uns – wie auch mit Blicken der Gesten.
    Hunde müssen noch über eine Kommunikationsfähigkeit verfügen die man mit Telepathie bezeichnen könnte, also ohne Sichtkontakt und das über relativ große Entfernungen.
    Z. B. wenn ich auf Arbeit Feierabend gemacht habe ist er zu Hause schon unruhig geworden und hat an der Wohnungstür gewartet. Und das auch zu ganz unvorhergesehenen Zeiten, dass man nicht von Gewohnheit sprechen kann.
    Rex war ein vollwertiges Familienmitglied. Er war der A Wolf und die Familie sein Rudel. Er kannte aber auch seine Grenzen was er darf und was nicht und wenn er gefordert wurde einzugreifen. Da gab es das Kommando „Rex Hilf“ und da ist er dann dazwischen gegangen dass sich keiner mehr traut hat mich oder Betti anzufassen. Ansonsten, z. B. auf Partys . . .
    Ich ging da ja immer ganz nackt und Betti dann auch. Und da wurden dann auch schon mal Spiele mit uns gemacht. Und da durfte Rex ja nicht dazwischen gehen. Erst wenn wir ihn dazu aufgefordert hätten . . . Dazu ist es aber nie ernsthaft gekommen.
    Überhaupt war Rex extrem gutmütig, auch anderen Hunden gegenüber. Wenn ihn ein anderer Hund angekläfft hat war er immer ganz verstört was das soll. Rex war so gutmütig der hat sich dann eher beißen lassen. Auf dem Hundespielplatz vom Tierheim kam es mal zu einer solchen Beißerei. Wo ich dann dazwischen gegangen bin und den anderen Hund zurückgehalten habe, der mich dabei in den rechten Arm gebissen hat. Das ganze war meinerseits mehr eine Reflexhandlung – ich musste ja Rex schützen.
    Umso größer war die Bewunderung der anderen Hundebesitzer, von denen sich keiner getraut hatte dazwischen zu gehen. Und dann eine Frau dazwischen gegangen ist die dazu noch splitternackt war.
    Meine Bisswunden haben wir in der Tierarztpraxis vom Tierheim erstversorgen lassen. Um mich anschließend in der Unfallstation von einem Krankenhaus richtig behandeln zu lassen.
    Das gehört eben auch mit dazu.
    Und sonst wenn Rex mal unpässlich war, war ich meistens mehr krank als er. Richig Krank war er sein ganzes Leben lang nicht, wenn dann nur immer irgendwie verletzt. In Glas getreten oder was im Ohr. Und er kam dann von sich aus an, mit einem Blick als wollte er sagen: “hilf mal“

    Rex haben wir mit 5 oder 6 Wochen aus dem Tierheim geholt, wo er anonym abgegeben wurde. Recherchen haben dann ergeben, dass er ein Altdeutscher Schäferhund aus der DDR-Zuchtlinie war. Also mit geradem Rücken und noch echten Wolfsgenen im Blut.

    Rex ist 9 Jahre alt geworden wo er uns verlassen hat. 16:00 haben wir noch miteinander gespielt und 17:45 war er tot. Auch der Notarzt den wir gerufen haben und der 20 Minuten später auch schon da war, konnte ihm nicht mehr helfen. Selbst wenn er noch schneller gekommen wäre, hätte er Rex Tod nur um einige Minuten höchstens Stunden hinauszögern können. Rex war kerngesund, seine Zeit war einfach abgelaufen.
    In Gedanken ist er aber immer noch mitten unter uns. Sein Saufnapf steht immer noch an der gewohnten Stelle und bekommt täglich frisches Wasser.

    Ich füge meiner Schilderung einen Link zu einer Geschichte bei, über einen Therapiehund bei: Mit dem Herzen sehen“ die mir auch nahe geht.

    https://sabnsn.wordpress.com/2013/02/19/mit-dem-herzen-sehen/


    glG Sabine

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  2. Ja Sabine ich weiß von deinen Erzählungen, dass Rex ein wunderbarer und äußerst gutmütiger Hund war.
    Danke auch für deinen Link zu der wunderbaren Hundegeschichte.

    So ein Haustier wird zum vollwertigen Familienmitglied. Und wenn so ein Tier von uns geht hinterlässt es eine große Lücke. Diese Haustiere sind eine enorme Bereicherung für das Familienleben. Ich und meine Frau wissen wie sehr uns Sunny fehlt, der anfangs März d.J. plötzlich von uns ging. Fünf Minuten vorher hatte er noch was gegessen. Dann lag er plötzlich tot da, (denke, dass es nur ein Herzinfarkt gewesen sein kann). So ein Schock ist schon schlimm. Tröstlich ist nur, dass Sunny nicht lange leiden musste. In Gedanken und im Herzen ist er bei uns.

    glG Hubert

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