Archiv für 30. Mai 2017

Wie starb Benno Ohnesorg?   1 comment

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Ich bin schockiert was in Deutschland vor 50 Jahren noch möglich war und welche Gesinnung da noch vorherrschte. Der FU-Student Benno Ohnesorg wurde vom damaligen Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras regelrecht niedergestreckt – durch einen Schuss in den Hinterkopf.

Am 2. Juni 2017 sind es 50 Jahre her, dass Benno Ohnesorg durch eine Polizeikugel starb. Es gab absolut keinen Grund zum Schießen. Karl-Heinz Kurras log, dass sich die Balken bogen. Es war ein Justizskandal, der zum Freispruch von Kurras führte. Der Fall ist bis heute nicht aufgearbeitet und war von vorne herein auf Vertuschen angelegt.

Aus daserste.de

Wie kam es zu dem Schuss?

An diesem Tag besuchte der Schah von Persien West-Berlin und Studenten gingen auf die Straße, um dagegen zu demonstrieren. Ein Schuss fiel. Der 26-jährige Ohnesorg starb. Geschossen hatte der Polizist Karl-Heinz Kurras. Wie kam es zu dem Schuss? Was geschah wirklich am 2. Juni 1967?

Die Dokumentation rekonstruiert minutiös die Abläufe. Sie geht allen Spuren in Ost und West nach. Wertet bislang unbekannte Akten, Fotos sowie verschollen geglaubte Filmschnipsel aus und interviewt zahlreiche Augenzeugen, von denen die meisten noch nie vor der Kamera standen. Ein investigativer Geschichtsthriller entstand. Im Juni 2017 jährt sich der Tod von Benno Ohnesorg zum 50. Mal.

Zwei gute Kommentare dazu:

Heike Zweers am 30.05.2017

Wie starb Benno Ohnesorg

Eine hervorragende Sendung, die endlich offen legt, was damals im Hintergrund ablief, und wie die Seilschaften und Verhaltensweisen aus der Nazi-Zeit damals noch funktionierten und die Gesellschaft beherrschten – ganz selbstverständlich! Ich bin von 1944. Diese Sendung hat mir sehr viele Zusammenhänge verdeutlicht! Als Schülerin erfuhr ich in der Schule (Gymnasium) nichts über die Zeit vor und während des 2. Weltkriegs. Aber auch nichts über die kritische gesellschaftliche Weiterentwicklung hin zu den 68-ern.

Volker Ulrichs am 30.05.2017

Schon unglaublich

Solche Zustände bei Polizei und Justiz kannte man bis dato nur aus Ländern, die man als sogenannte „Schurkenstaaten“ bezeichnet. Und vor dem Hintergrund, dass trotz dieser erdrückenden, neuen Erkenntnisse selbst im Jahre 2011 kein neues Verfahren eingeleitet wurde, muss man feststellen, dass das Unrecht und der Justizskandal der 60er Jahre bis zum heutigen Tage fortgeschrieben werden. Man will wohl abwarten, bis alle, die noch verurteilt werden könnten, verstorben sind. Da bleibt einem nur noch allertiefste Scham für diesen sogenannten „Rechtsstaat“ und man kann verstehen,dass der Frust und die Verachtung für die vorsätzliche Nichtaufklärung solcher Taten letztlich zur Bildung der Terrororganisation RAF führten. Man sah den Terror gegen die Protagonisten dieses Staatswesens quasi als letzte „Notwehr“ gegen einen Unrechtsstaat an. Umso mehr sollte das Ganze der heutigen Politik eine Lehre sein, was aus unrechtem Handeln des Staates gegen harmlose Bürger am Ende entstehen kann!

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http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wie-starb-benno-ohnesorg-100.html

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Aus der faz

Ob nun Anlass oder Ursache – es war eine Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik, eine, die zu „68“ führte, auf die sich die „Bewegung 2. Juni“ berief, eine, die für den Terror der RAF, insbesondere des Herbstes 1977 die Rechtfertigung liefern sollte und die 42 Jahre danach noch einmal eine zeithistorisch bedeutsame Wende erfuhr: Am 2. Juni 1967 wurde der Lehramtsstudent Benno Ohnesorg am Rande der Demonstration gegen den Schah von Persien von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras im Hof des Hauses Krumme Straße 66/67 in West-Berlin gegen 20.30 Uhr aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet.

Auf der Flucht vor Uniformierten und Beamten in Zivil, den „Greifern“, die Rädelsführer festhalten sollten, hatten sich Demonstranten, die gegenüber der Deutschen Oper zwischen Bauzäunen und Absperrungen eingezwängt worden waren, vermeintlich in Sicherheit gebracht. Der Hof erwies sich als Sackgasse. „Knüppel frei“, so lautete die Anweisung des Polizeipräsidenten Duensing, nachdem der Schah und seine Frau im Opern-Gebäude angekommen waren.

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der-student-benno-ohnesorg

Foto von faz. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-ard-fragt-wie-starb-benno-ohnesorg-15036433.html

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Der Historiker Eckard Michels verweist in seinem Buch „Schahbesuch 1967. Fanal für die Studentenbewegung“ darauf, dass in Teilen des akademischen Milieus der Besuch des Kaiserpaars „angesichts der seit Anfang Mai 1967 einsetzenden großen Sicherheitsvorkehrungen als ,Notstandsübung‘“ gegolten habe. Ausführende Staatsorgane hätten ihre Durchsetzungskraft auf die Probe stellen wollen.

Diesen Kontext lässt der ARD-Beitrag außer Acht. Stattdessen betont er die persönliche Tragik für die Familie und das skandalöse, bis heute nicht vollständig aufgearbeitete Vertuschen und Entwenden aller Beweise, die den Schützen Kurras in Erklärungsnot gebracht hätten. Bei der Obduktion waren Teile des Schädelknochens Ohnesorgs verschwunden. Es ließ sich nicht mehr entscheiden, aus welcher Entfernung der angeblich in Notwehr schießende Polizist abgedrückt hatte. Film- und Bildmaterial (vor Ort waren zahlreiche Reporter) wurden nicht ausgewertet, Augenzeugen zu den Prozessen nicht geladen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-ard-fragt-wie-starb-benno-ohnesorg-15036433.html

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Auszug aus Wikipedia

Am 2. Juni 1967 erschoss der damalige Kriminalobermeister Kurras bei einem Polizeieinsatz gegen Demonstranten in West-Berlin den FU-Studenten Benno Ohnesorg mit seiner Dienstwaffe durch einen Schuss in den Hinterkopf. In den folgenden Strafprozessen wurde Kurras trotz Widerlegung der von ihm behaupteten Notwehrsituation vom Verdacht der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Dies und weitere Tatumstände trugen zur Radikalisierung der Studentenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin bei. Die später gegründeten Terrorgruppen Bewegung 2. Juni und RAF bezogen sich auf Ohnesorgs Erschießung.

Die Erschießung Benno Ohnesorgs

Am 2. Juni 1967 war Kurras bei einer Demonstration gegen den Staatsbesuch von Mohammad Reza Pahlavi an der Deutschen Oper als ziviler „Greifer“ eingesetzt. Die monatelang vorbereitete Polizeimaßnahme sah vor, die Demonstranten auf engem Raum einzukesseln, dann von der Mitte her mit Schlagstöcken und berittener Polizei auseinanderzutreiben und an den Außenrändern mit Wasserwerfern zu empfangen. Als „Rädelsführer“ betrachtete Einzelpersonen sollten bei einer weiteren Aktionsphase, genannt „Füchse jagen“, verhaftet werden. Um diese ausfindig zu machen, wurden Polizisten in Zivilkleidung unter die Demonstranten gemischt; zu ihnen gehörte Kurras. Er trug als Dienstwaffe eine Pistole vom Typ Walther PPK, Kaliber 7,65 mm.

Entgegen der Weisung des Regierenden Bürgermeisters Heinrich Albertz begann die polizeiliche Auflösung der angemeldeten Versammlung erst während der Opernvorstellung und ohne den vorgeschriebenen Räumungsbefehl. Die Polizei verprügelte zuerst Einzelne, dann ganze Gruppen, auch am Boden Sitzende, mit Schlagstöcken und verfolgte Fliehende dann bis in Nebenstraßen und Hauseingänge hinein. Kurras und etwa zehn uniformierte Polizeibeamte stellten einige geflohene Demonstranten im Innenhof des Hauses Krumme Straße 66/67.

Ihnen folgte Benno Ohnesorg, um zu beobachten, was den Geflohenen geschehen würde. Als die Polizei einige der Anwesenden verprügelte und die übrigen hinaustrieb, wollte auch er den Innenhof verlassen. Dabei wurde er von drei Beamten im Polizeigriff festgehalten und verprügelt. In dieser Situation schoss Kurras um 20:30 Uhr Ohnesorg aus kurzer Distanz in den Hinterkopf. Mehrere, wenige Meter entfernte Augenzeugen sahen das Mündungsfeuer in etwa 150 cm Höhe, hörten das Schussgeräusch und sahen Ohnesorg zu Boden fallen. Einige Zeugen hörten den Dialog eines Polizeikollegen mit Kurras:

    „Bist du wahnsinnig, hier zu schießen?“ – „Die ist mir losgegangen.“

Auf Fotografien ist Kurras Sekunden vor und nach dem Schuss unbedrängt im sauberen Anzug erkennbar. Auf einer Tonbandaufnahme der Szene sind deutlich ein Schuss und danach der Befehl zu hören:

    „Kurras, gleich nach hinten! Los! Schnell weg!“

Kurras durfte entgegen der damaligen Strafprozessordnung noch in der Nacht Ohnesorgs Leiche besichtigen. Im Blick auf die Hämatome des Getöteten erklärte er, dieser müsse angesichts der erhaltenen Prügel „ein ganz Schlimmer“ gewesen sein.

Ohnesorg starb, nachdem Polizisten einem Arzt das Leisten von Erster Hilfe für ihn verweigert hatten, beim Transport in ein West-Berliner Krankenhaus. Als Todesursache im Totenschein gab ein Arzt auf Weisung des Chefarztes eine „Schädelverletzung durch Gewalteinwirkung mit einem stumpfen Gegenstand“ an. Bei der Obduktion Ohnesorgs am folgenden Vormittag stellte der zuständige Arzt fest, dass man die tödliche Kugel im Gehirn belassen, jedoch das Schädelstück mit dem Einschussloch herausgesägt und die Haut darüber zugenäht hatte. Eine sofort eingeleitete Suche nach dem Schädelstück blieb ergebnislos.

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Ohnesorgs Erschießung und der Freispruch des Todesschützen mobilisierte bundesweite Proteste der damaligen westdeutschen Studentenbewegung. Dass Fritz Teufel, Mitglied der Kommune I, monatelang inhaftiert wurde, während Kurras nur beurlaubt worden war, empörte viele.

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Ohnesorgs Todestag diente auch später gegründeten Terrorgruppen als Bezugsdatum, so der Bewegung 2. Juni. Zu deren Gründungsmotiven erklärten Ralf Reinders und Ronald Fritzsch:

    „Die eigentliche Politisierung kam erst mit der Erschießung Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967. Nach all den Prügeln und Schlägen hatten wir das Gefühl, daß die Bullen auf uns alle geschossen haben. Gegen Prügel konntest du dich ja ein Stück weit wehren. Daß aber einfach jemand abgeknallt wird, ging ein Stück weiter.“

Zu der entsprechenden Namensgebung heißt es weiter: „Alle wußten, was der 2. Juni bedeutet. […] Mit diesem Datum im Namen wird immer darauf hingewiesen, daß sie zuerst geschossen haben!“

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https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kurras

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Gruß Hubert