Archiv für 15. August 2017

Glauben heißt nicht wissen     8 comments

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Religion will sich oft mit Zirkelschlüssen beweisen, zum Beispiel Gott hat die Bibel geoffenbart, also ist das was in der Bibel steht war.

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Kann man den Glauben begründen?
Antwort: Seit wann beruht Glauben auf einer Begründung?

 

Das Problem der Begründung des Glaubens

Die entscheidende Grundfrage ist die: Was wissen wir eigentlich – sicher? Jede Philosophie und jede Religion setzt sich mit der Frage auseinander. Und jedes Zeitalter beschäftigt sich mit der Frage aufs Neue. Es gibt zwar die »aufgeklärte« Position, nach der eine Religion nicht wahr, sondern nur in moralischem Sinne nützlich zu sein hat, das ist in keinem Fall die fundamentalistische Haltung: Demzufolge ergibt sich der moralische Anspruch als Folge aus dem Wahrheitsanspruch. Was ist wahr?Die verschiedenen Religionen hatten und haben darauf stets Antworten parat.Die Antwort ist: Man muss es nicht wissen, man muss es nur glauben! Und der Glauben braucht keine Begründung.

Das Münchhausentrilemma

Wenn wir uns die Antworten ansehen, sehen wir dieselben Muster: Es ist wahr, weil es geoffenbart wurde, es ist wahr, weil es in einer heiligen Schrift steht, es ist wahr, weil es eine Autorität verkündet hat (als Papst unfehlbar ), weil es der Tradition entspricht. Alle die Dinge führen uns direkt in das Münchhausen-Trilemma (nach Hans Albert), d. h., wir landen entweder in einem Zirkel, was logisch fehlerhaft ist in einem unendlichen Regress, was in Praxis undurchführbar ist oder gelangen zu einer willkürlichen Aussetzung des Begründungspostulats, was uns direkt in den Dogmatismus führt. Die Religionen landen i. d. R. im Dogmatismus (»Es ist wahr, weil der Papst ex cathedra entschieden hat« oder »Es ist wahr, weil die Bibel es sagt«), oder in einem logischen Zirkel (»Die Bibel ist von Gott geoffenbart und aus dem Grund wahr. Wir wissen es, weil die Schreiber der Bibel es sagen. Die Bibel wiederum gibt uns Zeugnis, dass die Verfasser derselben göttlich inspiriert wurden« – die Argumentationsweise wird von Hank bzw. seinen Freunden benutzt . Es ist in der Mehrheit der Fälle nicht so plump wie in den Beispielen hier, die nur ein allgemeines Muster zeigen sollen. Ich bezeichne die Denkweise als archaisch oder vorwissenschaftlich.

Wenn man Gründe für den dogmatischen Anspruch sucht, stößt man auf einen logischen Zirkel. Mindestens eine der drei Positionen lässt sich gegen jede Begründung vorbringen, gegen subjektive Erfahrungen, d. h., jede Begründung ist hinterfragbar. Außer, Denkverbote verhindern es. Es handelt sich hier nicht um ein Argument gegen die archaische Denkweise, die moderne Denkart ist davon genauso betroffen. In der heutigen Geisteshaltung wird daraus nur der Schluss gezogen, jeden absoluten Wahrheitsanspruch anzufechten und ihn nicht für die eigene Position zu reklamieren (Skeptizismus).

Während religiöse Anschauungen sich gegen die Kritik zu immunisieren suchen, also ihre Ansprüche wider die Vernunft durchzusetzen trachten. Die (oft erfolgreiche) ↑Immunisierung ist die wahre Bedrohung des Verstandes, sie suggeriert, dass man das Ende allen Wissens erreicht hätte, wo man erst am Anfang steht oder bei einem Irrtum.

 

Die Stufen der Erkenntnis

Wir können folgende drei Stufen der Erkenntnis postulieren, die aufeinander aufbauen: Wahrnehmung, sie ist unbewusst und unkritisch.Erkenntnis, sie ist bewusst und unkritisch. Wissenschaft, sie ist bewusst und kritisch. Der religiöse Glauben ist der zweiten Stufe zuzuordnen. Mag sein, der Glaube ist kritisch, aber nicht gegen seine eigenen Grundlagen, sondern überwiegend anderen Weltanschauungen gegenüber. Eine schöne Beschreibung des hier kurz skizzierten Problems gibt Dr. Michael Schmidt-Salomon in: →Das Münchhausen-Trilemma oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen?

Es gibt drei Methoden, mit denen Menschen ein Verhalten rechtfertigen, das sich nicht vernünftig begründen lässt: Tradition – das haben wir schon immer so gemacht. Mehrheit – die anderen machen das ja auch alle so. Religion – oft gemischt mit den beiden vorigen »Begründungen«. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, die Genitalien kleiner Kinder zu beschneiden. Wenn es Tradition ist, oder die Mehrheit es tut, oder man eine Religion anführen kann – ist es erlaubt. Und wer sich gegen die Praxis ausspricht, der ist ein Feind von Tradition und Religion.

 Es ist ein Zweck der organisierten Religion, das für wahr und das Verhalten für richtig befinden zu können, dass kein Mensch ernst nehmen würde. Es wird eindringlich »Respekt« von den Religionen eingefordert: Weil normalerweise kein rationaler Mensch auf die Idee käme, solche abwegigen Gedanken zu respektieren. Was erwachsene religiöse Menschen freiwillig und ohne Zwang unter sich machen, wäre kein Thema und zu tolerieren (nicht respektieren). Kritisch wird es erst, wenn daraus Forderungen an die Allgemeinheit abgeleitet werden.

Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende allen Wissens.

Johann Wolfgang von Goethe.

Glauben heißt nicht wissen

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Gruß Hubert

Amigos in Südtirol – Kronplatz AG   Leave a comment

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Heute mal etwas Lokales, es gibt ja auch da Schweinereien. Man schanzt dem privaten Bergfotografie-Museum der Kronplatz AG, die sonst schon im Geld schwimmt durch den Winter-Tourismus 3 Millionen an Steuergeldern zu und hat dazu eine Anlassgesetzgebung gemacht. Der Kronplatz ist Südtirols Skiberg Nummer eins und schwimmt geradezu im Geld.

Da die Kronplatz AG ein Privatunternehmen mit Gewinnabsicht ist, hätte sie keinen Anspruch auf Beiträge des Landes gehabt. Um ihr dennoch öffentliches Geld zuschanzen zu können, änderte die Landesregierung am 7. Februar 2017 kurzerhand die Förderrichtlinien für Museen und Sammlungen ab. Nun können Gemeinden, die als Antragsteller berechtigt sind, Förderbeiträge zu erhalten, diese an Dritte weitergeben.

Den Brunecker Oppositionspolitikern hat man bei der Zustimmung wesentliche Fakten verschwiegen, sonst hätten sie niemals dafür gestimmt.
„Schwerwiegend ist für uns auch, dass die Kronplatz Seilbahn AG einen Beitrag von ganzen 3 Millionen Euro erhält, während alle anderen privaten Museen des Landes insgesamt 1,3 Millionen Euro bekommen.“ Der Vorgang ist ein höchst intransparent. Das ist eine ausgesprochene „Machlerei“. Und Arno Kompatscher, der Landeshauptmann von Südtirol ist mittendrin (oder mittenmang, wie man in Berlin sagen würde).

Sind die 3 Millionen Euro, die der Landeshauptmann der Kronplatz AG zugesichert hat, also tatsächlich “absolut gerechtfertigt”, wie Christian Tschurtschenthaler sagt? (Landes-Abgeordneter der SVP aus Bruneck). Wird der Rechnungshof aktiv? Müsste er ja bei so einem rechtlich höchst fragwürdigem Vorgang, wo im gesetzlichen Graubereich getrickst wurde.

Hier aus salto.bz.de

“Wir hätten sicherlich dagegen gestimmt.” Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler sind verärgert. Am 22. Februar stimmen die beiden Brunecker Gemeinderäte für das Museum für Bergfotografie PMOA, das am Kronplatz entstehen soll. Wie alle der 22 an jenem Abend anwesenden Gemeinderäte. Nun fühlen sich die beiden Oppositionellen – Cornelia Brugger sitzt seit ihrem Austritt aus dem PD als freie Rätin im Gemeinderat, Hanspeter Niederkofler ist Sprecher der Grünen Fraktion – gelinde gesagt an der Nase herum geführt. “Der Brunecker Stadtrat hat zum Bergfotografie-Museum nicht ausreichend informiert”, klagen sie – und sprechen von “schwerwiegender Unterlassung”.

Am Donnerstag hatte salto.bz die Hintergründe aufgedeckt, die es dem Bauherrn, der Kronplatz Seilbahn AG, ermöglichen, an öffentliche Förderbeiträge für die Errichtung des Museums zu gelangen. Ganze 3 Millionen Euro erwarten sich die Privaten vom Land – und Landeshauptmann Arno Kompatscher hat die Summe bereits im Dezember 2016 zugesichert. Da die Kronplatz AG ein Privatunternehmen mit Gewinnabsicht ist, hätte sie allerdings keinen Anspruch auf Beiträge des Landes gehabt. Um ihr dennoch öffentliches Geld zuschanzen zu können, änderte die Landesregierung am 7. Februar kurzerhand die Förderrichtlinien für Museen und Sammlungen ab. Nun können Gemeinden, die als Antragsteller berechtigt sind, Förderbeiträge zu erhalten, diese an Dritte weitergeben.

Opposition im Dunkeln

Das alles bleibt den Brunecker Gemeinderäten, die das Projekt zwei Wochen später absegnen und damit grünes Licht für das Ansuchen um Beiträge für die Stadtverwaltung geben, verschwiegen. Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler werfen nun dem Brunecker Bürgermeister, Roland Griessmair, und seinem Stadtrat fehlende Transparenz vor: “Wenn sie in der Gemeinderatssitzung im Februar darüber informiert hätten, dass es bereits ab Dezember 2016 Kontakte zwischen dem Land und der Kronplatz Seilbahn AG zur Gewährung eines öffentlichen Beitrags gab, wofür die Förderkriterien eigens abgeändert wurden, hätten wir sicherlich gegen den Antrag gestimmt.”
Ein Wort, das Brugger und Niederkofler in ihrer gemeinsamen Erklärung immer wieder verwenden: schwerwiegend. Die Oberflächlichkeit der Brunecker Stadtregierung sei “eine schwerwiegende Unterlassung, und schwerwiegend ist auch, dass die Landesregierung ad hoc und für einen privaten Interessenten die Förderkriterien abgeändert hat, um so erst eine öffentliche Finanzierung in beachtlichem Ausmaß zu ermöglichen”.

Bereits die Grünen Landtagsabgeordneten hatten das Vorgehen der Landesregierung als “absolut fragwürdig” bezeichnet und darauf hingewiesen, dass zahlreiche Museumsprojekte im Land auf stand-by gesetzt wurden, “während die Finanzierung potenter Privater wie auf Schienen läuft”. Gegen ein Museum für Bergfotografie an sich haben weder die Grünen in Bozen noch Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler in Bruneck etwas. Vielmehr geht es ihnen um eine gerechte und ausgeglichene Förderung, so die Brunecker Oppositionspolitiker: “Schwerwiegend ist für uns auch, dass die Kronplatz Seilbahn AG einen Beitrag von ganzen 3 Millionen Euro erhält, während alle anderen privaten Museen des Landes insgesamt 1,3 Millionen Euro bekommen. Es ist sicher einfacher, unternehmerisch tätig zu sein, wenn 50 Prozent der Kosten von der öffentlichen Hand übernommen werden, aber es ist in diesem Fall nicht korrekt. Es ist richtig, die Kultur zu finanzieren und die Museen zu fördern, aber die Regeln sind einzuhalten und es braucht Fairness gegenüber allen Interessenten.

 

Hier weiterlesen:

Amigos in Südtirol – Kronplatz AG

Siehe auch hier:

Der Kronplatz-Paragraph

Die Landesregierung hat das Museumsgesetz abgeändert, um der Kronplatz AG für das geplante Museum für Bergfotografie drei Millionen Euro zukommen zu lassen.

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Die alte Bergstation am Kronplatz

Neuer Glanz für altes Gebäude: In der alten Bergstation am Kronplatz soll ein Museum für Bergfotografie entstehen. Foto: Stadtgemeinde Bruneck

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Auszug.

Bauen und verwalten will das Museum die Kronplatz AG. Die Gemeinde Bruneck beteiligt sich finanziell nicht an der Errichtung. An öffentliches Geld wird die Aktiengesellschaft trotzdem kommen.

Das Problem – und seine Lösung

Ende des Vorjahres wendet sich die Kronplatz Seilbahn AG direkt an die Landesregierung. Und fragt nach, ob die rechtliche Möglichkeit besteht, Gelder aus dem Fördertopf der Abteilung Museen zu beziehen. Man erhofft sich bei einer Investitionssumme von 6 Millionen Euro einen maximalen Beitrag von 50 Prozent, sprich 3 Millionen Euro. Die will die Landesregierung auch bereitstellen, wie aus dem Schreiben des Landeshauptmannes an die Kronplatz AG später offensichtlich hervorgehen wird.
Zunächst aber wendet sich der zuständige Landesrat Florian Mussner an die Rechtsabteilung des Landes und gibt bei Renate von Guggenberg ein Gutachten in Auftrag.
Deren Antwort lautet Nein. Weder erlauben die geltenden Richtlinien zur Förderung von Museen und Sammlungen, Antragstellern mit Gewinnabsicht – etwa einer AG –, Beiträge zu erhalten. Noch dürfen Gemeinden als Gesuchstellende zugestandene Förderbeiträge an Dritte weitergeben. Das bestätigt die Anwältin des Landes in einem Schreiben vom 30. November 2016.

“Es ist daher notwendig, die gegenständlichen Kriterien in diesem Sinne zu ändern”, empfiehlt von Guggenberg und liefert einen entsprechenden Änderungsvorschlag mit: Art. 3, der sich auf die Anspruchsberechtigten von Fördergeldern bezieht, müsste am Ende von Absatz 4 um den Satz “Die Gemeinden können den Beitrag jenen Subjekten abtreten, denen sie die Umsetzung des Bauvorhabens auf der Grundlage einer eigens dafür abgeschlossenen Vereinbarung übertragen haben” ergänzt werden.

Vom Rat zur Tat

Landeshauptmann Arno Kompatscher höchstpersönlich informiert den Präsidenten der Kronplatz Seilbahn AG, Werner Schönhuber, am 1. Dezember 2016 über die rechtliche Hürde und wie sie aus dem Weg zu schaffen ist – und schreitet zur Tat. Bereits zwei Monate später genehmigt die Landesregierung mit dem Beschluss Nr. 147 vom 7. Februar 2017 die Änderung der Förderrichtlinien wie von Renate von Guggenberg vorgeschlagen. Der Verdacht, dass dies zum Vorteil der Kronplatz AG passieren könnte, kommt niemandem. Zumindest wird er nicht öffentlich laut.

Arno Kompatscher schreibt an Werner Schönhuber

Drei Millionen und Weihnachtsgrüße: Am 1. Dezember 2016 schreibt Arno Kompatscher an Werner Schönhuber

 

In Bruneck scheint man nur darauf gewartet zu haben, denn jetzt geht es Schlag auf Schlag. Damit die Gemeinde Bruneck in Bozen um die Beiträge ansuchen kann, muss der Gemeinderat grünes Licht für das Bergfotografie-Museum geben. Am 22. Februar wird das Projekt den Gemeinderäten präsentiert. Zwei Tage vorher hat der technische Landesbeirat das Vorhaben positiv begutachtet.
Während der Debatte im Gemeinderat betont man, dass der Gemeinde selbst keine Kosten entstehen, sie wohl aber beim Land um einen Beitrag ansuchen wird. Der Landeshauptmann habe der Kronplatz Seilbahn AG einen Investitionsbeitrag “in Aussicht gestellt”, heißt es in dem Beschluss, den der Gemeinderat einstimmig absegnet. Die eilig herbeigeführte Ad-hoc-Abänderung der Förderungsrichtlinien bleibt unerwähnt.

Auszug aus dem Brunecker Gemeinderatsbeschluss vom 22. Februar 2017

Seit 7. Februar möglich: Auszug aus dem Brunecker Gemeinderatsbeschluss vom 22. Februar 2017

 

Am 20. März stimmt der Brunecker Stadtrat schließlich der Unterzeichnung der Vereinbarung, die die neuen Förderrichtlinien als Voraussetzung für den Zugang zu den Landesbeiträgen vorsieht, mit der Kronplatz AG zu.

[…]

Derweil fragt man sich anderswo: “Überall soll gespart werden – wie wird man die Zahlung rechtfertigen, wenn der Rechnungshof anklopft?”

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https://www.salto.bz/de/article/09082017/der-kronplatz-paragraph

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Gruß Hubert

Zuckerbrot und Peitsche: Franziskus‘ Versöhnungs-Trip   2 comments

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Was soll das scheinheilige Vorgaukeln von Verständnis für Homosexuelle vom Papst? Für die katholische Kirche ist Homosexualität Sünde und damit basta.

Aus dem nachfolgendem Kommentar von Norbert Schönecker:

„Für die Katholische Tradition, die eine gleich große Rolle spielt wie die Bibel, gilt zudem klipp und klar: Die Kirche hat homosexuelle Betätigung in ihrer Lehre immer und überall ausgeschlossen. Diese Tradition ist verbindlich.“

Der Papst (und die katholische Kirche) hält Homosexuelle ja für ganz armselige Typen. Sein gespieltes Mitleid kann er sich unter sein weißes Käppchen schmieren.

Was sollen diese nicht glaubwürdigen Entschuldigungen? Diese Masche kennt man ja schon vom verstorbenen Papst Johannes Paul II.

Hier ein Artikel der atheistischen Richard Dawkins Foundation vom 01.06.2016 – von Dennis Riehle

Papst Franziskus ist auf mich zugegangen. Nein, nicht nur auf mich. Auf alle Homosexuellen, aber auch auf die Armen, die Benachteiligten und Schwachen. Auf alle, die die katholische Kirche in ihrer Vergangenheit verletzt haben könnte.

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Da scheint es vielleicht ganz praktisch, dass man nicht ins Detail geht. Es könnte länger dauern, bis diese Liste abgearbeitet ist.

Doch was soll ich nun mit dieser Geste, mit der Handreichung? „Danke und auf Wiedersehen, Herr Pontifex!“? Irgendwie wäre mir danach, denn ich weiß nicht wirklich, wie ich mit solch einer öffentlichkeitswirksamen Schau umgehen will. Die katholische Welt steht fast Kopf, aber auch ein bisschen die Protestanten, die Orthodoxen und andere Gläubige.

Sie sind begeistert von diesem Schritt, den Franziskus gegangen ist. So emotional, so leidenschaftlich, so selbstlos. Und dann auch noch solch eine Barmherzigkeit, solch eine Gnade!

Ja, genau das ist das Problem. Wieder werde ich den Gedanken nicht los, dass dort ein älterer Mann vor mir steht und dem kleinen, hilflosen und in seiner persönlichen Entwicklung so entglittenen, schwulen Ungläubigen nochmals deutlich macht, wie arm dran er doch ist und dass man über all seine Sünde hinwegsehen könne – denn dieser, der Schöpfungsgeschichte entflohene und verlorene Sohn kann ja eigentlich nichts für seine Situation, er will eigentlich nur spielen, seinen Schnuller zurück und möglichst bald wieder Sex.

Eine Bitte um Verzeihung sieht für mich anders aus. Denn sie ist mit Glaubwürdigkeit verbunden. Mit dem Zugeständnis, dass das, was passiert ist, eben nicht noch einmal vorkommen wird. Bei Franziskus dagegen, da will ich es nicht wahrhaben. Mir scheinen seine ständigen Vorstöße des Samariters wie ein Locken und Reizen mit Zuckerbrot und Peitsche. Eine Entschuldigung, damit die Menschheit jubelt – und dann die Einschränkung, dass man an den Normen eigentlich nichts ändern wolle. Der Schwule, die Lesbe, sie bleiben also irgendwie die Schmuddelkinder, nicht nur der katholischen Kirche.

Es ist eine geschickte PR, die Franziskus da fährt. Er erweckt den Anschein, dass auch Rom die Menschenwürde schätzt und die Homosexuellen entsprechend als Geschöpfe des Herrn respektiert. Ob damit aber ebenso gleiche Rechte verbunden sind, Toleranz und Akzeptanz, damit tut sich nicht nur der Papst schwer. Denn über die konservative Exegese der Heiligen Schrift kann auch er nicht hinwegsehen – und betrachte ich den ehemaligen Erzbischof auf alten Videos, dann wollte er schon damals nicht an der Überzeugung rütteln, wonach Schwule und Lesben per se in der Abkehr von Gottes Wort leben.

Wer um Vergebung bittet, der sollte auch etwas dafür anbieten. Und es ist sicher nicht der herunterschauende Blick des Mitleids, der überzeugt. Es wäre die bedingungslose Annahme, die Jesus eigentlich auch formuliert. Doch Franziskus, aber ebenso viele deutsche Würdenträger, schaffen es nicht, ohne sich noch eine kleine Hintertür offen zu lassen. Erst, wenn sie mit der Gutheißung eines jeden Menschen auch die Freiheit verbinden, die Verantwortung für das – meinetwegen auch gläubig geführte – Privatleben des Einzelnen ohne dogmatische Vorgabe in die Hand des Gegenübers zu legen und gerade dann noch zu ermutigen: „Du sollst ein Segen sein!“ (1. Mose 12,2), könnte das was mit Versöhnung werden. Bis es aber so weit kommt, brauche ich wohl wirklich noch ein Leben nach dem Tod…

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Zuckerbrot und Peitsche: Franziskus‘ Versöhnungs-Trip

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Hier noch ein gutes Video von Harald Lesch, den ich sehr schätze.

GOTT – gibt es ihn? Harald Lesch – Übrigens…zur „Gottesformel“

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Gruß Hubert