Archiv für 13. September 2017

Halali auf Wolf und Bär – radikale Älpler   2 comments

 

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Nachdem bei uns in Südtirol vor allem die ländliche Bevölkerung nur mehr ein Thema kennt – nämlich wie machen wir Südtirol wolfsfrei. Man ist für kein Argument von Wolfsexperten zugänglich. Alles ist auszurotten was in diese Schädel nicht reingeht. Was ich da erlebt habe am 3. September bei einer Fahrt zu den Bayerischen Seen vom Busfahrer und dem Reiseleiter. Das war eine wilde Polterei. Aber ich konnte ja nicht aussteigen um diesen Gestalten zu entgehen. Jedenfalls habe ich das dem Reiseunternehmen gemeldet, denn ich bin ja nicht gratis mitgefahren. Neutralität wäre da schon gefragt.

In Österreich scheint es auch schlecht bestellt zu sein, wenn man an ein Zusammenleben mit Bär und Wolf denkt. Fast alle Bären wurden schon wild abgeschossen.

Hierzu ein Auszug von Martin Balluch.

Was für eine Heuchelei, wenn die Jägerschaft und ihre Büttel aus der Politik in Österreich behaupten, es sei so grausam, wenn wildernde Hunde Rehe reißen! Machen Wölfe das so anders? Ist das nicht natürlich? Und wenn ich mir die verletzten Beine von angeschossenen Rehen anschaue, dann frage ich mich, ob der Tod durch Hunde nicht vorzuziehen wäre. Aber in Wahrheit töten Hunde praktisch nie Rehe in Österreich. Ich habe noch nie einen solchen Fall erlebt, obwohl ich schon seit Jahrzehnten mit Hunden in den österreichischen Bergen unterwegs bin! Durch JägerInnen verletzte Tiere habe ich aber schon oft gesehen!

IMG_7145kleinAber neben den Hunden sind jetzt plötzlich auch die Wölfe die furchtbaren Übeltäter in Österreich, die unbedingt wieder „reguliert“ sprich ausgerottet werden sollen, wenn es nach der Jägerschaft geht. Und auf Geheiß der Jägerschaft gibt es bereits die Horrorgeschichten über die „blutrünstigen Bestien“ in den Medien. Sogar Frauen und Kinder seien gefährdet und wer nicht noch alles. In Rumänien haben immer schon Wölfe gelebt, wesentlich länger, als es dort Menschen gibt. In Rumänien sind die Wölfe nie ausgerottet worden, nicht einmal in der Anzahl reduziert. In den Südkarpaten gibt es etwa 2500, und man hört sie heulen, findet ihre Spuren und sieht sie sogar ab und zu persönlich. Ein ganz tolles Erlebnis! Dabei sind die Südkarpaten flächenmäßig lediglich so groß wie die Alpen von Wien bis Osttirol. Man stelle sich vor, da würden 2500 Wölfe leben! Aber dass das ohne Probleme ginge, zeigt das rumänische Vorbild.

Doch Rumänien könne man nicht mit Österreich vergleichen, heißt es dann. Wir seien übervölkert, während dort die pure Wildnis herrsche. Aber das ist ganz klar falsch. Die Bevölkerungsdichte in den Südkarpaten ist mit der in den österreichischen Alpen völlig vergleichbar. Jeder bewohnbare Boden ist bewohnt, jede nutzbare Weide als Alm genutzt, überall gibt es Forststraßen und auch Wanderwege und Hütten.

IMG_7336detailWenn nun in Österreich Angst geschürt wird, dass Wölfe Menschen töten könnten, dann verweise ich auf Rumänien. Dort ist seit Menschengedenken nie ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden. In Österreich gibt es Giftschlangen, z.B. die Kreuzotter. Und ab und zu beißen sie jemanden und ab und zu stirbt auch wer. Eine Aufregung wert? Nein, das gehört einfach zur Natur dazu, wie Blitz und Steinschlag. Würden Giftschlangen erst jetzt nach Österreich einwandern, wäre vermutlich die Aufregung groß, aber weil wir schon daran gewöhnt sind, mit ihnen zu leben, ist alles ganz anders. Ich hoffe, bald haben wir uns auch an die Wölfe gewöhnt.

Und die Schafe? Ich zitiere Wolfsexperten Kurt Kotrschal aus der Presse http://diepresse.com/home/meinung/wisskommentar/5261550/Mit-Federn-Haut-und-Haar_Ein-paar-Fakten-zur-Rueckkehr-der-Woelfe: „In der Landwirtschaft geht es um den Schutz der Weidetiere. Das muss man aber nicht nur negativ sehen. So verlor man auf den Schweizer Almen vor Ankunft der Wölfe etwa 10.000 Schafe pro Jahr. Nun leben dort fünf Rudel, Tendenz steigend. Die nötigen Schutzmaßnahmen reduzierten die Verluste auf 5000 Schafe, plus etwa 500, die an die Wölfe gehen; keine schlechte Bilanz, also.“

IMG_7120kleinEines ist jedenfalls klar: der rumänische Wald in den Südkarpaten ist ungleich weniger durch Verbiss geschädigt als jener in Österreich, und die Natur deutlich besser im ökologischen Gleichgewicht. Was dort an Jungwald heranwächst, an Tannen und Buchen, überall! Was es da für Mischwälder gibt, oft hoch hinauf bis 1400 m! Ich würde mir sehr wünschen, dass sich Österreich daran auch ein Beispiel nimmt!

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Halali auf Wolf und Bär – radikale Älpler

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Vielleicht wäre das ja eine Methode den Fans von einer wolfsfreien Zone, um Wölfe oder vielleicht auch Bären zu vergrämen. Muss ich ihnen mal vorschlagen. Denn Hirtenhunde lehnen sie ja strikt ab. Es darf ja nichts kosten. Da ist es doch einfacher einfach alle Wölfe und Bären abzuknallen und die Jäger hätte ja ihre Freude daran.

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Heutige Meldung, der Bürgermeister von Welschnofen, Dejori, gibt Wölfe frei zum Abschuss, aus „Sicherheitsgründen“. 🙂

21 Std.Vor 21 Stunden

BM Dejori: Selbsthilfe bis Abschussregelung vorliegt, Jagdrevier muss öffentl. Sicherheit garantieren zur Not abschiessen

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Auf da Felsenwand, in am Steirag’wand,
wenn i da mei lieba Herzog sich,
wenn sei Büchserl knallt und da Gamsbock fallt,
war’s a Wunda, wenn i’s Heimweh krieg‘?

https://www.lieder-archiv.de/der_erzherzog_johann_jodler-notenblatt_501850.html

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Natürlich nur als Satire und Sarkasmus gemeint, nicht dass mir jemand noch auf die Idee kommt, diese bayerische „Meisterjodlerin“ würde mir gefallen. 😉

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Gruß Hubert

 

 

Religion?   Leave a comment

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Einige meiner Ansicht nach sehr gute Erklärungen zu Religion von Richard Dawkins in einem Interview mit dem Spiegel. Dass sie einem Christen oder gar Fundamentalisten nicht gefallen ist mir schon klar. Aber ich bin nicht einer, der es allen recht machen möchte.

Aus Spiegel.de

Richard Dawkins„Religion? Die Wirklichkeit hat ihre eigene Magie“

Er gilt als einer der einflussreichsten Evolutionsbiologen der letzten Jahrzehnte. Vor allem aber macht Richard Dawkins mit vehementen Attacken gegen Kreationismus und fundamentalistische Religiösität von sich reden. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt er, warum er keinen Glauben braucht.

Skulptur von Damien Hirst: Ist Evolution eine Tatsache?

AFP

Skulptur von Damien Hirst: Ist Evolution eine Tatsache?

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SPIEGEL ONLINE: Professor Dawkins, Ihr letztes Buch „The Greatest Show on Earth – The Evidence for Evolution“ ist in Deutschland mit dem Titel „Die Schöpfungslüge – Warum Darwin Recht hat“ erschienen. Sind Sie damit glücklich?

Richard Dawkins: Nicht ganz, denn das scheint in eine negative Richtung zu deuten. Der englische Titel ist positiv besetzt. Er ist erbaulich, er soll die Schönheit des Lebens feiern und wie prächtig es ist, diese Schöpfung zu verstehen. Der deutsche Titel ist kritisch und klingt angreifend. Auch das findet sich durchaus im Buch, aber der Titel verschiebt den gesetzten Schwerpunkt.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Schwerpunkt soll Ihr Buch denn haben?

Dawkins: Einen positiven. Eine fast romantische Sicht der Schöpfung als etwas Schönes und Erklärbares – als etwas, das schön ist, weil es erklärbar ist. Aber es ist auch der Versuch, Menschen von Irrtümern zu befreien. Vor allem in Amerika, aber auch in anderen Teilen der Welt, wo Menschen von fundamentalistischer Religiosität beeinflusst wurden zu glauben, dass das Leben als willentlich gestaltet erklärt werden könnte und sollte. Ich halte das für eine faule und nicht hilfreiche Erklärung, und obendrein für eine falsche.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie selbst denn nie eine religiöse Phase in Ihrem Leben?

Dawkins: Aber sicher, ich war ja auch einmal ein Kind.

SPIEGEL ONLINE: Also halten Sie Religiosität für etwas, das wir mit dem Erwachsenwerden überwinden sollten?

Dawkins: Sie kennen sicher diese Worte des heiligen Paulus: Als ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.

SPIEGEL ONLINE: Der amerikanische Genetiker Dean Hamer hat die Hypothese aufgestellt, dass der Mensch ein Gott-Gen besitze, dass wir alle also eine Art Prädisposition zu religiösem Denken besäßen.

Dawkins: Ich würde es vorziehen, wenn wir sagten, dass wir eine Menge genetischer Prädispositionen für eine Menge psychologischer Eigenschaften besitzen, aus denen sich unter den entsprechenden Umständen Religiosität entwickeln kann. Ich denke da auch an Dinge wie eine Prädisposition, Autoritäten zu gehorchen, was unter gewissen Umständen sogar nützlich sein kann. Oder an die, sich vor dem Tod zu fürchten oder bei einer Eltern-Figur Schutz zu suchen, wenn man Angst hat. Das alles sind voneinander getrennte psychologische Prädispositionen, die einen Menschen unter den entsprechenden kulturellen Umständen in die Arme der Religion treiben, mit der man aufwächst. Ich würde das nicht Gott-Gen nennen.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich Religion in einem evolutionären Sinn nicht als außergewöhnlich erfolgreich erwiesen?

Dawkins: Die Idee, dass konkurrierende menschliche Gesellschaften aus religiösen Memen Kraft gewonnen haben, ist in gewissem Maße wahr. Mich erinnert das aber eher daran, wie in Großbritannien das rote Eichhörnchen durch das Graue verdrängt wurde. Das hat nichts mit einem natürlichen Ausleseprozess zu tun, es ist eine ökologische Erbfolge, ein Verdrängungswettbewerb. Wenn also ein Stamm einen Kriegsgott verehrt, dessen junge Männer in dem Glauben erzogen werden, dass es ihre Bestimmung ist, hinaus zu ziehen, als Krieger zu kämpfen und dass ein Märtyrertod einen direkt in den Himmel bringt, dann sieht man da eine Menge machtvoller, sich gegenseitig verstärkender Meme am Werk. Wenn derweil der konkurrierende Stamm einen friedvollen Gott anbetet und daran glaubt, die andere Wange hinzuhalten, wäre es denkbar, dass sich das nicht durchsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Aber einer Religion zu folgen, die die Überlebenschancen des Einzelnen nicht fördert, scheint evolutionärer Logik doch zu widersprechen …

Dawkins: Aber ja, es gibt ganz offensichtlich einen Konflikt zwischen dem Überleben von Memen und Genen. Aber wir kennen doch solche Konflikte, manchmal gewinnt das eine, manchmal das andere.

SPIEGEL ONLINE: Aber Religion hat auch eine sanfte Seite, sie spendet Trost. Sie selbst zitieren im Buch einen Bischof, um Ihre Argumentation zu stützen.

Dawkins: „The Greatest Show on Earth“ ist ein Buch gegen den Kreationismus. Deshalb habe ich nichts dagegen, den Schulterschluss mit einem Bischof zu suchen, der ebenfalls gegen Kreationismus ist – und zwar aus dem guten Grund, weil dieser seiner Religion den Ruf verdirbt. Ich habe nichts gegen zeitlich begrenzte Allianzen gegen gemeinsame Feinde.

SPIEGEL ONLINE: Dass ein Kreationist Ihr Buch liest und von der Evolutionslehre überzeugt wird, scheint schwer vorstellbar. Ihre Stammleserschaft aber braucht wohl kaum von der Evolutionslehre überzeugt zu werden. Für wen haben Sie dieses Buch eigentlich geschrieben?

Dawkins: Vor allem für Leute, die zwischen den Stühlen sitzen. Es soll um die Beweise für Evolution gehen. Ich glaube nicht ernsthaft daran, dass ich die Meinung fanatischer Fundamentalisten ändern könnte. Die würden so etwas eh nicht lesen. Aber ich gehe davon aus, dass es Tausende von Menschen gibt, die ehrlich interessiert sind. Leute, deren Meinung man nicht ändern, sondern die man nur ein wenig in eine Richtung bringen muss, weil sie bisher einfach nicht über diese Dinge nachgedacht haben.

SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie nicht, dass Sie die mit Ihrer mitunter kräftigen Ausdrucksweise verschrecken könnten?

Dawkins: Wo haben Sie denn eine kräftige Ausdrucksweise entdeckt?

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch nennen Sie Ihre Gegner „Holocaust-Leugner“, „ungebildet“, „lächerlich“ und „bis an Perversion grenzend verblendet“.

  Dawkins: Ich vermute vielmehr, dass das viele amüsieren wird. Wenn ich einen Autor lese, der irgendeinen Idioten verhöhnt, dann würde mich das amüsieren, nicht abschrecken. Es mag solche geben, die das abschreckt, und in Bezug auf diese Leser hätte ich in solchen Passagen des Buches versagt. Aber ich vermute, dass es mehr geben wird, die das unterhaltend finden.

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Religion?

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Richard Dawkins zu Religion und Gott (deutsch)

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Hans Zimmer_ Now we are free /The Horse Whisperer/ fanmade

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Ohne Religion… Jetzt bin ich frei.

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Gruß Hubert