Archiv für 31. Oktober 2017

Rassismus im italienischen Fußball – Ultras von Lazio Rom verunglimpfen Anne Frank   Leave a comment

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Es ist unglaublich wie viele Ultrarechte es bei italienischen Fußballvereinen gibt. Vor allem Lazio Rom hat da unrühmliche Bekanntheit erlangt. Übrigens Ciro Immobile, der jetzt bei Lazio Rom spielt, war auch bei Borussia Dortmund vor einigen Jahren unter Vertrag, konnte sich da aber nie durchsetzen.

Die Sprüche, Gesänge, Spruchbänder müssen nicht kommentiert werden. Mehr Hass kann man kaum verspritzen. Was solche Leute in der Birne haben, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist aber nicht nur Lazio Rom wo es solche Ultrarechten und Neofaschisten gibt, sondern auch zum Beispiel bei Inter Mailand, Hellas Verona, Ascoli, Brescia und noch einige andere.

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Rom  Lazio-Trainer Simone Inzaghi sprach von „ganz wenigen faulen Äpfeln“. Auch Vereinssprecher Arturo Diaconale gab sich fassungslos und beteuerte, an den antisemitischen Ausfällen sei nur eine ganz kleine Zahl der Fans beteiligt gewesen. Es war zwar einer der übelsten, aber beileibe nicht der erste Skandal dieser Art, als Lazio-Ultras vergangenes Wochenende im Stadion von Rom antisemitische Slogans und Aufkleber anbrachten, die unter anderem das von den Nazis ermordete jüdische Mädchen Anne Frank im Trikot des Rivalen AS Rom zeigten. Inzwischen sind 20 Verdächtige ermittelt, darunter drei Minderjährige. 13 von ihnen droht Anklage wegen Anstiftung zum Rassenhass. Lazio ist seit Jahrzehnten der Verein der Rechten in Italiens Hauptstadt und berüchtigt für seine Hooligan-Gruppe der „Irriducibili“, der Unbeugsamen, wie sie sich nennen. Dass es sich bei denen um wenige faule Äpfel handele, ist eine gefährliche Untertreibung.

Lazio ist kein Einzelfall. Italiens Stadien seien „Laboratorien der extremen faschistischen und rassistischen Rechten, die den Fußball mit politischem Hass vermischen“, schreibt La Repubblica. Seit Jahrzehnten geht das so. Die rechten Ultras zeigen den römischen Gruß, verherrlichen das Dritte Reich und verhöhnen schwarze Spieler mit Affenlauten. Die Irreducibili etwa sorgten schon vor fast zwanzig Jahren für Skandale,

als sie die gegnerischen Fans mit riesigen Spruchbändern grüßten, auf denen „Judenfans“ zu lesen war oder „Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause“. Seither müssen Transparente für Stadion vorher geprüft und genehmigt werden.

Militante Neofaschisten

Laut Bericht der nationalen Beobachtungsstelle für Sportveranstaltungen wurden zuletzt 400 Ultra-Gruppen in ganz Italien gezählt, mit mehr als 40.000 Anhängern. 151 davon sind politisch ausgerichtet, davon 85 rechts und davon mehr als die Hälfte rechtsextrem. Rund 8000 rechte Ultras gibt es, vor allem in Mittel- und Norditalien, bei Vereinen wie Inter Mailand, Hellas Verona, Brescia, Ascoli und Lazio Rom. Alle Gruppen pflegten enge Verbindungen zueinander und machten Stimmung gegen Flüchtlinge und Zuwanderung, heißt es im Bericht.

Die Digos-Sonderermittler der italienischen Terror- und Extremismus-Bekämpfung haben die Szene seit Jahren im Visier. Die meisten ihrer Anführer sind führende Köpfe militanter neofaschistischer Organisationen wie Casa Pound, Forza Nuova, Veneto Fronte Skinhead. Der Sprecher der Ultras von Hellas Verona etwa ist Chef von Forza Nuova Norditalien und gehört zur Bewegung „Verona den Veronesen“. Seine Leute grölen Chöre wie: Siamo una squadra fantastica, fatta a forma di svastica“ – „wir sind eine fantastische Mannschaft, gemacht in Form des Hakenkreuzes“.

Für rassistische Slogans und Symbole können Geldstrafen und Stadionverbote verhängt werden. Lazio-Spieler Paolo di Canio etwa musste 10.000 Euro zahlen, nachdem er 2005 im Stadion den Arm zum „römischen Gruß“ der italienischen Faschisten erhoben hatte. Harte Strafen aber werden nicht verhängt, Italiens Justiz hält sich zurück, auch aufgrund der Gesetzeslage. So sorgte 2015 ein Freispruch für Verona-Ultras für Empörung, die im Stadion den faschistischen Gruß gezeigt hatten. Laut Gesetz müsse damit die Absicht verbunden sein, die faschistische Partei neu zu gründen, argumentierte der Richter: Das sei bei Sportveranstaltungen nicht gegeben. Erst neulich hat das Parlament gegen die Stimmen des Mitte-Rechts-Lagers eine Verschärfung beschlossen, mit der neofaschistische Propaganda und Verbreitung von Nazi- und Mussolini-Devotionalien künftig unter Strafe stehen.

Unterstützung für die Ultras

„Es wurde viel zu viel Nachsicht geübt“, sagt Carlo Smuraglia, Vorsitzender des italienischen Partisanenverbandes Anpi. In Italien fehle eine echte antifaschistische Kultur, „in den Schulen, unter den Bürgern, in den Institutionen, und auch unter den Richtern“. Man habe das Phänomen kleingeredet, auch die Vereine seien allzu oft stumm geblieben. Das bestätigt der Sportsoziologe Maurizio Marinelli vom Studienzentrum der Polizei. Ihm zufolge sind die Verbindungen der extremistischen Fans zu den Vereinsspitzen ein großes Problem. „Die tun so, als wäre nichts. Und unterstützen die Ultras in vielen Fällen sogar.“

Der Vereinschef von Lazio, Claudio Lotito, ist eine Ausnahme, er distanziert sich seit langem. Die „Irreducibili“ hassen ihn dafür, wegen Morddrohungen braucht er Leibwächter. Doch auch er fiel jetzt unangenehm auf. Zwar verurteilte er die Anne-Frank-Aufkleber und versprach, jährlich 200 Ultras in die Gedenkstätte Auschwitz zu schicken. Vor seinem Entschuldigungs-Besuch in der Synagoge von Rom aber war er am Flughafen belauscht worden, wie er am Telefon sagte: „Wir bringen das Theater hinter uns.“

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Rassismus im italienischen Fußball – Ultras von Lazio Rom verunglimpfen Anne Frank

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Hier noch ein Auszug aus dem Spiegel.

2007 wurde der damalige Werder-Bremen-Stürmer Boubacar Sanogo im Weserstadion von Lazio-Fans mit Affengeschrei verhöhnt. Als der Stadionsprecher vor Spielbeginn einen Aufruf gegen Rassismus verlas, reagierten die Lazio-Anhänger mit dem Hitlergruß.

• Im April 2009 wurde Inter-Mailand-Spieler Mario Balotelli im Pokal-Halbfinale gegen Juventus Turin von Anhängern des Gegners mit rassistischen Gesängen beleidigt. Daraufhin verurteilte ein Sportgericht des italienischen Verbands die Turiner, das Heimspiel gegen US Lecce unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen.

• Während der Europa-League-Partie gegen Tottenham im September 2012 wurden Jermain Defoe, Aaron Lennon und Andros Townsend von Lazio-Fans rassistisch beleidigt. Lazio-Tore werden von rechten Ultras schon mal mit „Duce, Duce“-Rufen gefeiert, mit dem sie den faschistischen Diktator Benito Mussolini hochleben lassen. Auch Hakenkreuzflaggen hissten sie schon.

Der Präsident des Fußballverbandes FIGC, Giancarlo Abete, hat bereits um ein Treffen mit Italiens Polizeichef Antonio Manganelli gebeten, um Maßnahmen gegen Rassismus in den Stadien zu erörtern. Abete will zudem die Zusammenarbeit zwischen Clubs und Sicherheitskräften verstärken. Zuletzt liegt es aber auch an den Fans selbst, gegen die Täter etwas zu unternehmen. Die Spieler des AC Mailand haben bereits ein Zeichen gesetzt.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/rassismus-im-italienischen-fussball-hitlergruss-und-duce-duce-rufe-a-875985.html

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Gruß Hubert