#MeToo: „Moralischer Totalitarismus“ oder Aufklärung?   1 comment

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Man möchte meinen, dass einige Exponenten des Feminismus, zum Beispiel solche die auf Twitter sehr aktiv sind, den Geschlechterkampf wollten, die Männer fern von sich halten möchten. Ich glaube einigen dieser Amazonen gelingt das recht gut. Sie strahlen eine deutliche Feindschaft gegenüber dem ehemals starken Geschlecht 😉 aus. Am besten wir Männer schauen Frauen nicht mehr zu lange an und sprechen sie auch nicht an, dann ersparen wir uns viel Ärger und steigern unsere Lebensqualität… ob, da eine Armlänge reicht? … hmmm, da war jetzt schon ein bisschen Ironie dabei. Bei Feministinnen ist ja nachvollziehbar, dass sie Männer in die Rolle drängen wollen, die sie bei sich beklagen. Aber es gibt ja auch männliche Feminister, wie dieser Kolumnist und Autor Georg Diez vom Spiegel. Die Einschüchterungsversuche über Männer sind klar erkennbar.

 

Hier ein m.M.n. guter Artikel von deutschlandfunkkultur.de

Eine Frau wehrt mit ausgestrecktem Arm einen Mann ab. (imago / Reporters)

Seit Wochen gibt es eine erbitterte Debatte darüber, ob #Metoo für notwendige Aufklärung über sexuelle Belästigungen und Missbrauch sorgt oder von Hysterie bestimmt ist (imago / Reporters)

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In der Diskussion über sexuellen Missbrauch haben die Schriftstellerin Thea Dorn und der Kolumnist Georg Diez sehr unterschiedliche Positionen vertreten. Dorn warnt im Zusammenhang mit #Metoo vor „moralischem Totalitarismus“, während Diez dieses Argument als „Grabplatte“ für einen überfälligen Diskurs kritisiert.

Unter dem Hashtag #MeToo berichten seit mehreren Wochen unzählige Frauen von ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung oder Missbrauch – meist anonym, teilweise aber auch unter Nennung der Beschuldigten, für die das existentielle Konsequenzen haben kann, wie der Fall Kevin Spacey zeigt. Unsere Studiogäste sind unterschiedlicher Ansicht, ob es um notwendige Aufklärung geht oder einen neuen moralischen Totalitarismus, wie die Schriftstellerin Thea Dorn kürzlich im Deutschlandfunk Kultur beklagte. Ein Vorwurf, den der Publizist Georg Diez in seiner Kolumne wiederum als „Grabplatte“ für eine sinnvolle Debatte bezeichnete.

 

Thea Dorn (dpa / picture alliance)Die Schriftstellerin Thea Dorn (dpa / picture alliance)

 

Im Gespräch mit Diez verteidigte Dorn nun ihre Wortwahl: „Totalitär“ bedeute, dass nicht mehr differenziert, sondern nur noch in „gut“ und „böse“ unterteilt werde, sagte sie. „Widerstreitende Werte“ würden als Merkmal einer offenen Gesellschaft nicht mehr anerkannt. „Eine totalitäre moralische Ideologie leugnet den schönen, alten Kant-Satz: Dass der Mensch aus einem krummen Holz geschnitzt ist und sich deshalb nicht gänzlich Gerades daraus zimmern lässt.“ In der Debatte rund um #MeToo werde versucht, eine solche Moral „zu inthronisieren“, die „das Krumme, das in uns ist“ leugne und stattdessen versuche, einen „neuen Menschen“ zu schaffen.

Hysterische Debatte

Thea Dorn sagte, sie empfinde die Debatte als „äußerst hysterisch“ und paranoid. Mit Unterstützung der Massenmedien entstünde „so etwas Ähnliches wie öffentliche Meinungsgerichtshöfe“. Die nachträgliche Entfernung des US-Schauspielers Kevin Spaceys aus einem noch in Arbeit befindlichen Ridley-Scott-Film nannte sie als Beispiel für „Säuberungsaktionen“. All das sei zwar noch von einem totalitären Staat wie unter Hitler oder Stalin „meilenweit entfernt“, „aber die Tendenzen führen in so eine Richtung“.

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Mit der Sexismus-Debatte ziehe „ein neuer Totalitarismus“ auf, hat Thea Dorn bei uns behauptet. Georg Diez kritisiert das auf SPIEGEL ONLINE. Für die weitere Debatte, hier das Original-Interview:
dlfkultur.de/400306

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Georg Diez hielt dagegen, dass gerade in dieser Beschreibung der Debatte selbst ein Mangel an Differenzierung liege. Er warf Dorn vor, zu übersehen, „wie viele Tausende von komplizierten Fällen es gibt“. Stattdessen konzentriere sie sich allein auf Spacey, aber selbst diesen Fall betrachte sie nicht „systematisch oder differenziert“. Stattdessen prügele Dorn mit einer „antirationalistischen Empiriefeindlichkeit“ auf ein Phänomen ein, das sich doch gerade erst entwickle und von dem noch gar nicht abzusehen sei, wohin. Ihre Argumente wirkten wie eine „Grabplatte des Diskurses“, kritisierte Dietz.

Dorn entgegnete, dass der Fall Spacey zeige, wie bereits vor der juristischen Klärung des eigentlichen Sachverhalts „eine Karriere vernichtet“ werde.  Anders als bei dem US-Filmproduzenten Harvey Weinstein seien die Vorwürfe gegen Spacey „durch nichts zu rechtfertigen“. Die Schriftstellerin nannte es  alarmierend, dass jemand „so systematisch fertig gemacht“ werde. Diez hingegen führte Dorns Bewertung auf eine ungenügende Recherche zurück. Schließlich gehe es bei Spacey „mehr als 20 Fälle von nachgewiesenem sexuellen Missbrauch“. Auch gerieten durch die Fokussierung auf den US-Schauspieler zahlreiche andere Fälle aus dem Blick, auch der „strukturelle Sexismus im Silicon Valley“.

Dorn sieht in #MeToo eine Verharmlosung „brutaler sexueller Gewalt“, nämlich dadurch, „dass eine Frau, die mal eine ungewollte männliche Hand am Oberschenkel oder im Ausschnitt hatte, sich genauso auf dem Opfermarktplatz tummelt“. Dadurch würden die echten Opfer verhöhnt.

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Georg Diez , aufgenommen am 15.10.2009 auf der 61. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt am Main. (picture-alliance / dpa / Arno Burgi)Der Kolumnist und Autor Georg Diez (picture-alliance / dpa / Arno Burgi)

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Strukturen sexueller Schieflage

Diez warf ihr vor, „zu ignorieren, wie Sexismus und sexuelle Gewalt zusammenhängen“. Man müsse sich die „Strukturen sexueller Schieflage“ anschauen, die sich in Gehältern ebenso wie in der Geschlechterverteilung in bestimmten Branchen und Unternehmen äußerten. „Hier haben Leute etwas erlebt und versuchen es zu beschreiben – so schafft man Öffentlichkeit.“ Nicht nur Gerichte würden „Wahrheit“ schaffen, sondern auch gesellschaftliche Prozesse.

Angesprochen auf einen Satz der Journalistin Laura Himmelreich, die die Abschaffung des Sexismus darin sieht, all das „zu beseitigen, was zu Machtungleichheit führt“, sagte Dorn: Dieser Satz sei entweder „lächerlich“ oder „hochgradig gefährlich“. Sie erkenne darin das Projekt eines „neuen Menschen“ wieder, das historisch – von der französischen Revolution bis zum Kommunismus und Nationalsozialismus – immer gescheitert sei. Eine Gesellschaft ohne Machtungleichheit sei eine „gelähmte“ Gesellschaft, die Forderung danach sei „absurd“. Stattdessen müsse es darum gehen, „Macht sinnvoll einzuhegen“.

Mit Gleichmacherei habe #MeToo, nichts zu tun, widersprach Diez: „MeToo heißt eine Vielzahl von einzelnen Stimmen, eine Vielzahl von einzelnen Geschichten.“ Die Angst vor Prüderie könne er nicht verstehen, vielmehr gehe es doch um einen höflichen, aufmerksamen Umgang der Geschlechter miteinander – um eine Anerkennung der Menschen in all ihrer ‚Krummheit‘. Das bedeute auch, „widersprüchlich und offen und neugierig für die Krummheit der anderen“ zu sein.

Wehrhafte Frauen

Dorn hatte kürzlich im Interview mit Deutschlandfunk Kultur gesagt, dass Bezeichnungen wie „Mäuschen oder Pussy“ kein Grund seien, einen Mann in einem öffentlichen Medium anzuprangern. Frauen müssten solche Äußerungen aushalten. Im Gespräch mit Diez präzisierte sie ihre Haltung: So etwas auszuhalten, sei nicht weiblicher Masochismus, sondern genau das Gegenteil. Daraus spreche die Erkenntnis, „dass ich mich auch als Frau wehren, verteidigen muss“, statt „die Schulhofaufsicht“ zu rufen.

Die entscheidende Frage für eine Zivilgesellschaft sei, wo die Grenze zwischen Eigenverantwortung und staatlicher (juristischer, polizeilicher) Intervention verlaufe. Dorn vertrat die Ansicht, dass erst eingeschritten werden müsse, wenn es sich um Verbrechen handele und „brutale sexuelle Übergriffe“ vorlägen. Ein „schiefer Blick“, zweideutige Bemerkungen oder „Grabschen“ fielen  hingegen nicht unter diese Kategorien. „Eine erwachsene Frau muss sich dessen bitte erwehren können! Wie will die denn sonst durch die Welt kommen?“

Unzulässige Vereinfachung?

Diez zeigte sich über diese Weltsicht „betrübt“ und rügte die unzulässige Vereinfachung – „als ob wir in der Wildnis wohnen“. Der Autor verwehrte sich dagegen, dass eine Frau sich gegen sexuelle Übergriffe selbst verteidigen müsse. Wenn Dorn diese Stärke für sich in Anspruch nehme, dann sei das ein Privileg, entbinde sie aber nicht davon, in einer Demokratie auch die Schwäche anderer Menschen zu akzeptieren und deren Situation zu verstehen. „Es geht darum, in einer Gesellschaft Normen festzulegen, die verbindlich sind für alle und genau zu formulieren: Wie wollen wir miteinander leben?“ Man könne nicht einfach akzeptieren, dass man „Männern zwischen die Beine treten muss, weil es halt so ist“.

Dorn sprach dagegen von Überempfindlichkeit. Schon ein verkorkstes Kompliment oder eine ungewünschter Blumenstrauß würden heutzutage skandalisiert – Diez widersprach dieser Darstellung. Dorn führte weiter aus, wo für sie die Grenze zwischen verbrecherischer, „brutaler“ Gewalt und bloßer Belästigung verlaufe: „Habe ich eine veritable Chance, mich zu wehren – kann ich abhauen, kann ich dem zwischen die Beine treten? Oder hab ich die nicht mehr?“ Diesen Maßstab lege sie an, um die Berichte aus Hollywood zu bewerten. Solange das „vermeintliche Opfer“ noch habe Nein sagen können, sei das zwar „lästig“, ekelhaft und unschön, aber noch kein Verbrechen.

Frage der wirtschaftlichen Rationalität 

Diez hielt dagegen, dass Sexismus und sexuelle Gewalt nicht so einfach voneinander zu trennen seien. Die Diagnose einer kultivierten „Überempfindlichkeit“ in bestimmten Gruppen, die wirklich wichtige Probleme aus dem Blick geraten lasse – wie sie der Philosoph Robert Pfaller in seinem neuen Buch „Erwachsenensprache“ vorbringe – disqualifizierte Diez als privilegierte Position: Sie lasse „ökonomische Bedingungen aus, soziale Bedingungen aus“ und „reduziert das Spielfeld des Politischen“ auf die eigenen Prioritäten. Gerade dadurch würden Grundsatzfragen vermieden: Eine gerechte Wirtschaftsordnung lasse sich nicht von Geschlechterfragen trennen, weil die „Frage der wirtschaftlichen Rationalität“ immer noch sehr stark männlich geprägt sei.

Diesen Vorwurf wollte Dorn nicht gelten lassen: Die Fähigkeit, sich gegen männliche Übergriffe zu wehren sei empirisch nachweisbar absolut keine „Klassenfrage“. Die Alternative zur Stärkung individueller „Abwehrkräfte“ liege darin, „Umwelt so zu säubern, dass all das, was einen bedrohen könnte, verschwindet“. Sie plädierte eindeutig für ersteres: „Putzt nicht die ganze Welt durch!“ Diez wehrte sich dagegen, die Debatte auf diese beiden Extreme zu reduzieren und mahnte dazu, gerade den „interessanten Graubereich“ dazwischen in den Blick zu nehmen – dort finde der „ernsthafte Diskurs“ statt.

Komplexes System der Einschüchterung

Zuletzt kam, mit Blick auf den Weinstein-Skandal, die Frage zur Sprache, welche beruflichen Risiken in der Verteidigung gegen sexuelle Übergriffe zumutbar seien. Dorn vertrat die Ansicht, solange keine „kartellartigen Zustände“ herrschten und das System offen genug sei, um den Arbeitgeber wechseln zu können, sei auch hier die individuelle Abwehr gefragt. Es gebe schließlich „kein Recht darauf, eine Schauspielkarriere zu machen“. 

Diez sagte, dass die entsprechenden Berichte und die Schilderungen der betroffenen Schauspielerinnen ein komplexes System der Einschüchterung erkennen ließen. Während Diez schließlich darauf bestand, dass auch plötzliche und späte Berichte über Missbrauch nachvollziehbar seien, vermutete Dorn, etwa bei dem US-Filmstar Angelina Jolie, „opportunistisches Verhalten“.

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#MeToo: „Moralischer Totalitarismus“ oder Aufklärung?

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Gruß Hubert

Eine Antwort zu “#MeToo: „Moralischer Totalitarismus“ oder Aufklärung?

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  1. Erschreckend was es gibt. Es schaut fast wie Satire aus – ist es aber nicht. Da nehmen Frauen die Rolle von Burschenschafter ein. Laut eigener Aussage sind sie die älteste Burschenschaft der Welt. Sie wollen den Mann an den Herd zwingen und das weltweite Matriarchat einführen. Und er soll gefälligst Kinder zeugen. Bundeskanzler Kurz wird auch aufs Korn genommen, der mit 31 noch immer nicht für Nachwuchs gesorgt hat. Das sei Verschwendung sagen die forschen Mädels.

    3-Sat: Die Burschenschaft Hysteria

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    Unsere Scheiden sind aus Stahl singen sie bei Position 25 Sekunden. Da würde sich ein Mann sich ja überlegen ob er es zu einer Penetration kommen lassen soll. Dumme Gören sage ich da nur.

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    Hier noch ein interessantes Interview mit Thea Dorn als Auszug.
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    Dorn: Als ich jung war, in den 70ern, 80ern, hatten meine Eltern von vornherein ein solides Misstrauen. Also deshalb waren sie strikt dagegen, dass ihre Tochter Sängerin, Künstlerin wird, weil sie fanden, das ist dieses, ich glaube, damals sagte man halbseidene, unseriöse Milieu. Das hat sie keine Sekunde daran gehindert, Bildungsbürger zu sein, ins Theater zu gehen.

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    Vor 30, 40 Jahren hat man dem Künstler zugestanden, gewissermaßen ein halber Outlaw zu sein. Mittlerweile in unserer eben, wie ich sagen würde, hysterisch-bigott hypermoralisierten Gesellschaft, wo wir angeblich so viel toleranter sind und libertärer, erwarten wir von einem Künstler, dessen Antriebskraft natürlich auch das Abgründige sein muss, die Lust daran, über die Stränge massiv zu schlagen, – das sollen auf einmal alles brave Schwiegersöhne und Benimmlehrer sein? Das ist spießiger und furchtbarer als der Geist der 50er und 60er, wo der Bürger sagte, oh, oh, diese verkommenen Künstler, aber man ließ sie verkommene Künstler sein.

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    Karkowsky: Da werden Ihnen nun manche Feministinnen vermutlich antworten, auch verbaler Sexismus ist bereits Gewalt gegen Frauen und dass sexuelle Belästigung – so hab ich’s auch bei Wikipedia gelesen – ein Mittel zur Machtausübung ist. Also ich dachte immer, es geht um Sex, aber offenbar ist die Definition da doch eine andere.
    „Das ist ein neuer Totalitarismus, der da heraufzieht, ein moralischer“

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    Dorn: Ich halte diese Definition für fatal verkehrt. Ich glaube, dass diese Definition nicht zu einer weiteren Befreiung … Ich halte die Emanzipation für eine der großartigsten Errungenschaften der Menschheit, ich glaube aber, dass diese Idee, man könne Machtverhältnisse oder Kränkungen oder Beleidigungen aus der Welt schaffen, das ist ein neuer Totalitarismus, der da heraufzieht, ein moralischer, und es schürt ja auch eine fürchterliche Paranoia.

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    In so einem System bin ich doch von morgens bis abends nur noch damit beschäftigt zu überlegen, hat mich wer beleidigt, hat mich wer komisch angeguckt, hat mich wer irgendwie genannt, anstatt den Leuten, den Menschen zu sagen: Kinder, das gehört zum Erwachsenwerden, das gehört, um in dieser Welt zu überleben, dass man eine gewisse Abwehrkraft entwickelt. Und wie gesagt, ich wiederhole es noch mal: Vergewaltigung ist ein widerliches, abstoßendes Verbrechen, aber nicht jeder, der mich Mäuschen oder Pussy oder ich weiß nicht was nennt, das ist kein Problem, das muss ich aushalten.

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    Karkowsky: Nun trat ja heute vor genau einem Jahr ein neues Gesetz zur sexuellen Belästigung in Kraft, so heißt der Paragraf, sexuelle Belästigung, Paragraf 184i StGB. Auch der hat anfangs bei vielen Männern Verunsicherung ausgelöst, auch bei mir, gebe ich zu. Denn da steht wörtlich: Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Da steht eben nicht in den Schritt fassen, an den Po, an den Busen. Nun war dieses Gesetz ja ein Schnellschuss nach der Kölner Silvesternacht, glauben Sie, das muss womöglich noch mal deutlicher machen, wen es eigentlich wirklich bestrafen will?

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    Dorn: Ich halte es für ein zentrales Problem bei all diesen Debatten, ich glaube nicht, dass man sinnvoll über einen einzigen Fall von sexueller Belästigung reden kann, ohne über den Kontext zu reden. Wenn Sie mir jetzt mitten in diesem Gespräch oder nachher, wenn ich durch den Volkspark heimgehe, mich quasi anfallen und mir wo hin greifen, würde ich auch erst versuchen, mein Bein solide zu platzieren, und dann würde ich um Hilfe schreien.

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    Wenn ich jetzt aber mit Ihnen bereits zwei Flaschen Wein getrunken habe, es ist morgens halb drei an der Hotelbar und Sie machen das, würde ich vermutlich auch sagen ‚Heute mal nicht, lass mal …‘, aber ich würde doch keinen Skandal draus machen. Also das ist das, was ich an diesen Diskussionen so einfach wirklich tief nicht verstehe, dass man diese ganzen Situationen … und ich meine, wir haben ein Rechtssystem, was dafür da ist, sozusagen den konkreten Fall zu betrachten. Und ich würde auch sagen, natürlich, es gibt Fälle, wo bereits das Angrapschen ein schlimmer Übergriff ist, den ich in keinem Fall will, es gibt aber sehr viele Fälle … und wir wissen, dass die meisten sexuellen Delikte eben nicht die sind, wo einer im Park angegrapscht wird, sondern wo man sich kennt.

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    Karkowsky: Kevin Spacey im Abseits und Thea Dorn plädiert für mehr Differenzierung in den aktuellen Sexismusdebatten. Frau Dorn, herzlichen Dank für das Gespräch!

    Dorn: Gern geschehen.
    http://www.deutschlandfunkkultur.de/thea-dorn-zur-sexismus-debatte-das-ist-ein-neuer.1008.de.html?dram:article_id=400306

    Na dann, noch schöne männliche Grüße

    Liken

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