Archiv für 27. März 2018

Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web   Leave a comment

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Ja ja, die besorgten Bürger…

Rechte beklagen sich oft, dass man (Linke meinen sie damit) mit ihnen nicht sprechen will. Aber demokratischen Überzeugungen und eine offene Gesellschaft stehen nicht zur Disposition. Außerdem sagen Linke NEIN zu Diskriminierungen, Rassismus und Antisemitismus.

Aus belltower.news

Sie tarnen sich als besorgte Bürgerinnen und Bürger, werfen mit pseudowissenschaftlichen Argumenten um sich, posten offen rassistische Parolen oder verstecken ihre Hetze unter dem Deckmantel des Humors: Neonazis versuchen mithilfe ganz bestimmter Kommunikationsstrategien im Internet zu mobilisieren, zu rekrutieren und ihren Hass zu verbreiten. Eine neue Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung klärt auf und gibt Tipps für Gegenstrategien.

Von Alice Lanzke und Johannes Baldauf

Auf knapp 40 Facebook-Seiten entlädt sich in den letzten Monaten  die geballte Menschenverachtung gegen Flüchtlinge in Deutschland – unter Titeln wie „Nein zum Heim“ oder „Asylflut stoppen“ finden sich zahlreiche Gruppen und Seiten, auf denen gegen Flüchtlingsunterkünfte gehetzt wird. Die Diskussionen scheinen einem Muster zu folgen: Nachdem bekannt wird, dass im sächsischen Schneeberg Flüchtlinge in einer ehemaligen Kaserne untergebracht werden, gründet sich die Facebook-Gruppe „Schneeberg wehrt sich“, in der gegen die verfolgten und oft traumatisierten Menschen gehetzt wird. Wenig später ruft die NPD zu Demonstrationen auf, der sich mehrere Tausend Bürgerinnen und Bürger anschließen.

Was auf den ersten Blick wie eine willkürliche Ansammlung von Protestseiten wirkt, deutet bei genauerem Hinsehen auf eine abgestimmte Strategie hin. NPD-Kader diskutieren an vorderster Front mit, die Parolen der vermeintlichen Bürgerinitiativen sind identisch mit NPD-Slogans. Auch deshalb hat der Berliner Verfassungsschutz die Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf ins Visier genommen und spricht von engen Verbindungen zur NPD. Die Rolle der NPD in der Flüchtlingsdiskussion zeigt, dass Rechtsextreme die sozialen Netzwerke hochprofessionell nutzen, um ihre Propaganda zu verbreiten.

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, erklärt: „Die NPD hat das Potential der Asyldebatte entdeckt, um die Sorgen der Bürger für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Dass hinter den meisten Bürgerinitiativen organisierte Rechtsextreme stecken, ist für den normalen Nutzer kaum zu erkennen.“

Gezielte Wortergreifungsstrategien

Diese und andere Taktiken stehen im Fokus der neuen Broschüre „Viraler Hass. Rechtsextreme Wortergreifungsstrategien im Web 2.0“. Über ganz bestimmte Themen versuchen Neonazis Anschluss zu nicht-rechten Nutzerinnen und Nutzern zu finden. Das kann in einer vermeintlich harmlosen Internet-Diskussion über Tierschutz ebenso passieren wie über eine Online-Kampagne zum Thema Kindesmissbrauch. Mithilfe gezielter Strategien der Wortergreifung streuen sie ihre menschenverachtende Propaganda professionell in die Debatte ein.

Die Strategien zur Ansprache sind dabei ganz unterschiedlich: Mal lassen sie Diskussionen eskalieren, wie im Fall der Bürgerinitiativen. Dann wieder gerieren sie sich als Kümmerer, was etwa bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer diesen Jahres zu beobachten war.

Anetta Kahane erklärt dazu: „Wer diese Strategien nicht kennt, wird schnell Opfer der subtilen Hetze. Umso wichtiger ist es, die rechtsextremen Taktiken erkennen und erwidern zu können.“

Per Mausklick zur Menschenverachtung

Nicht alle rechtsextremen Argumente im Netz haben eine Tarnkappe auf: Nicht selten posten Neonazis offen rassistische Parolen, hetzen munter gegen Sinti und Roma oder posten unverhohlen islamfeindliche Bilder. Auch solche drastischen Inhalte können Teil einer rechten Kommunikationsstrategie sein. Und ebenso wichtig ist es, hier zu widersprechen: Ohne Gegenwind haben Neonazis das Gefühl, eine stille Unterstützerschaft hinter sich zu wissen, verbreiten auch online ein Gefühl der Angst und bringen nicht-rechte Stimmen zum Verschweigen.

Gerade in den sozialen Netzwerken ist Gegenwind wichtig, haben sich Facebook, Twitter und Co. doch als ideale Kanäle für rechtsextreme Propaganda erwiesen: Innerhalb von Sekunden kann potenziell ein breites Publikum erreicht werden. Kein Wunder also, dass Rechtsextreme das Web 2.0 intensiv und geschickt nutzen. Mit Demo-Ankündigungen, Live-Tweets oder Online-Chats versuchen sie, ihre Internet-Öffentlichkeit zu stärken und eine rechte Meinungsführerschaft aufzubauen. Durch Verlinkungen und Weiterleitungen klicken sich unbedarfte Userinnen und User schnell immer tiefer in das Netz aus rechter Menschenverachtung.

Hilfe fürs gemeinsame Engagement

Beim Kampf gegen solchen Online-Hass ist diese Broschüre eine Handreichung. Sie benennt und beschreibt die unterschiedlichen rechtsextremen Kommunikationsstrategien deutlich anhand verschiedener Beispiele und gibt Tipps im Umgang mit der menschenverachtenden Propaganda. Weiterführende Informationen sind per QR-Code verlinkt, dazu kommt ein Anhang mit rechtsextremen Codes und Erkennungszeichen.

Anetta Kahane dazu: „Klar ist: Nur mit dem gemeinsamen Engagement nicht-rechter Nutzer kann das Internet ein demokratischer Ort ohne Hass und Menschenverachtung sein – dabei soll diese Broschüre helfen.“

Service

Die Broschüre kann gegen Erstattung der Portokosten per Email an netz@amadeu-antonio-stiftung.de bestellt werden. Zudem steht sie hier als PDF zum Download bereit – oder einfach auf das Bild klicken!

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Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web

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Marzahn-Hellersdorf Bürgerwehr Verfassungsschutz nimmt Bürgerinitiative ins Visier

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NPD-Werbeplakat in Hellersdorf.

NPD-Werbeplakat in Hellersdorf.

Foto: Markus Wächter / Waechter

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/4467444 ©2018

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Antifaschistische Grüße – Hubert

 

Veröffentlicht 27. März 2018 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Bei Adolf hätte es das nicht gegeben   1 comment

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Nach dem Krieg, in den 1950-er bis Mitte der 1960-er Jahre, herrschte ein unmöglicher Mief in Deutschland. Erschreckend auch die radikalen Aussagen mancher Bieder-Männer und -Frauen. Das hätte es unter …..

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Bei Adolf hätte es das nicht gegeben (1965)

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Gammler in Berlin – „Verbrannt hätte man sie früher“ (1965)

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Langhaarige Maenner & eine intolerante Gesellschaft (1970)

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Da war es wohl bitter notwendig, dass dann die 68-er Bewegung kam um dieses alte, verkrustete und muffige Denken aufzubrechen. Auch die sexuelle Befreiung brauchte es. Dass Homosexuelle wegen Unzucht eingesperrt wurden – da dauerte es noch einige Jahre bis das abgeschafft wurde.

Hier noch etwas zum „Schwulen-Paragraf“ 175

Aus tagesspiegel.de
„Die widernatürliche Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts ist mit Gefängnis zu bestrafen“, hieß es 1871 unter Paragraf 175, RStGB. Homosexuelle Handlungen dieser Art führten zur „Entartung des Volkes und dem Verfall seiner Kraft“. Vor allem schwule Männer, aber auch Lesben, Trans- und Interpersonen wurden in der Kaiserzeit, in der Weimarer Republik und vor allem während der NS-Regimes diskriminiert, verfolgt, eingesperrt und ermordet. Unter Adolf Hitler wurde Paragraf 175 verschärft, etwa 50 000 Menschen wurden verurteilt, rund 15 000 Schwule in Vernichtungslagern ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Deutschland ein neues Grundgesetz, neue Strafgesetzbücher. Darin enthalten war auch, nahezu unverändert, Paragraf 175 in der Nazifassung von 1933.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/bundesrepublik-und-paragraf-175-homosexuelle-berichten-ueber-ihre-verfolgung-unter-adenauer/12650290.html

Fast 100 Jahre lang, von 1872 bis 1969, stand Sex unter Männern in Deutschland unter Strafe. Der 175, erstmals in Kraft getreten mit dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich, stellte fest: „Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen.“

Gegen 100 000 Männer wurde ermittelt, 64 000 hat man verurteilt

1935 wurde der Paragraf von den Nationalsozialisten verschärft, die Strafen erhöht. Nach 1945 wurde eben diese Fassung von der Bundesrepublik weiter angewendet. Anstatt homosexuelle KZ-Häftlinge als Opfer des Nationalsozialismus anzuerkennen, wurden manche von ihnen von Neuem ins Gefängnis gesteckt, um ihre „Reststrafe“ abzusitzen.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/verfolgung-von-homosexuellen-paragraf-175-die-spaete-gerechtigkeit/19721974.html

Erst 1994 (!) wurde der Paragraf 175 ganz abgeschafft.

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Gruß Hubert