Archiv für 6. April 2018

Gerhard Vollmer:  Bin ich ein Atheist?      Leave a comment

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Wie man im folgenden sieht ist es gar nicht so einfach zu definieren was ein Theist oder ein Atheist ist. Vor allem ist es schwer oder sogar unmöglich zu sagen was Gott sein soll. Vor allem stoßen alle Religionen an einen toten Punkt, wenn es um die Theodizee geht. KEINE hat darauf eine akzeptable Antwort.

Aus dem Buch: „Die Lehre des Unheils“, von Gerhard Vollmer.

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Aufgabe dieses Beitrages ist nicht, ein persönliches Bekenntnis  abzulegen (obwohl der Schluß ein solches Bekenntnis enthält).  Auch geht es nicht darum, den Meinungsforschern einen Dienst  zu erweisen und mitzuteilen, ob hinter meinem Namen bei  »Theist« oder bei »Atheist« ein Kreuz gemacht werden soll.  Vielmehr soll darüber nachgedacht werden, wie jemand, der sich  die Titelfrage stellt, eine Antwort finden könnte.

Zwei Grundfragen der analytischen Philosophie lauten:   Was meinst du damit? Und: Woher weißt du das (was du zu  wissen glaubst)? Die Reihenfolge der Fragen ist wesentlich:  Zuerst muß die Bedeutung eines Satzes klar sein; danach kann  nach seiner Wahrheit (beziehungsweise nach unserer  diesbezüglichen Überzeugung) gefragt werden; und erst im  dritten Schritt besteht die Chance für Argumente, für eine  Begründung, für die Angabe von Gründen oder Wissensquellen. 

Behaupten zwei Personen, sie seien Atheisten, so brauchen sie  doch keineswegs dasselbe zu meinen: Sie können das Wort  »Atheist« sehr verschieden verstehen und verwenden. In  meinem Verständnis ist ein Atheist jemand, der nicht an (einen)  Gott glaubt, genauer: der nicht an die Existenz (eines) Gottes  glaubt. Dementsprechend ist ein Theist jemand, der an (einen)  Gott glaubt. Glaube ich an Gott? Glaube ich, daß es (einen) Gott  gibt? Um das herauszufinden, müßte ich zunächst wissen, was es  heißt, an Gott beziehungsweise an die Existenz Gottes zu  glauben. Was also bedeutet das Wort »Gott«, und was bedeutet  »glauben«? Was meine ich damit? Offenbar haben wir jetzt zwei  Erklärungsprobleme. Zweifellos ist dabei »glauben« leichter zu  verdeutlichen als »Gott«. Im folgenden werden wir das Wort  »glauben« im Sinne einer starken oder schwachen Überzeugung  verstehen. An (einen) Gott glauben heißt dann also, von der 
Existenz (eines) Gottes überzeugt zu sein. Diese Überzeugung  braucht nicht ununterbrochen zu bestehen und nicht über alle  Fragen und Zweifel erhaben zu sein. Es genügt, wenn wir die  Existenz (eines) Gottes in der Regel ehrlich bejahen.  Wer oder was aber ist Gott? Nicht nur Theologen wissen, wie  schwer diese Frage zu beantworten ist. Manche meinen, daß es  gar nicht möglich oder jedenfalls nicht gelungen sei, dem Wort  »Gott« eine verstehbare Bedeutung zu geben. Dann hat auch der  Ausdruck »an Gott glauben« keine verstehbare Bedeutung, und  dann können wir – genaugenommen – auch den Atheisten nicht  so definieren, wie wir das getan haben. Denn wenn ein Atheist  jemand ist, der nicht an Gott glaubt, und ich nicht weiß, wer  oder was Gott ist, dann weiß ich auch nicht, was ein Atheist ist.  Logischerweise weiß ich dann auch nicht, was ein Theist ist und  was Theologie (als Lehre von Gott) ist. Texte, in denen das Wort  »Gott« wesentlich vorkommt, kann ich überhaupt nicht  verstehen. Auch die Titelfrage »Bin ich ein Atheist?« kann ich  dann nicht verstehen und somit erst recht nicht beantworten.  Freilich ist es durchaus üblich, auch solche Kritiker Atheisten zu  nennen, die das Wort »Gott« als bedeutungslos oder sogar als  undefinierbar ansehen.

So meint etwa Charles Bradlaugh:   »Der Atheist sagt nicht: >Es gibt keinen Gott<; vielmehr sagt er:  >Ich weiß nicht, was du mit Gott meinst; ich habe keine  Vorstellung von Gott; das Wort »Gott« ist für mich ein Klang,  der keine klare oder deutliche Behauptung enthält. […] Den Gott  der Bibel verneine ich; an den christlichen Gott glaube ich auch  nicht; aber ich bin nicht so voreilig zu behaupten, es gebe  überhaupt keinen Gott, solange du nicht bereit oder in der Lage  bist, mir Gott zu definieren.<«‘  Offenbar hätten wir dann den Atheisten doch anders definieren  müssen, nämlich als jemanden, der entweder das Wort »Gott«  für bedeutungslos hält oder die Existenz (eines) Gottes in jeder  üblicherweise vorgeschlagenen und verstehbaren Bedeutung  verneint. Wir könnten also unsere Definition in dieser Hinsicht  erweitern und vollständigkeitshalber auch solche Personen
Atheisten nennen, die dem Wort »Gott« eine verstehbare  Bedeutung gänzlich absprechen. Im folgenden werden wir  jedoch versuchen, dem Wort »Gott« doch eine intersubjektiv  annehmbare Bedeutung zu geben. Vorarbeit dazu ist ja in  jahrhundertelanger Diskussion geleistet worden, und wir  können uns darauf stützen.

Alle theistischen Positionen haben einen – freilich recht weiten – Gottesbegriff gemeinsam. Danach ist Gott ein höheres oder  höchstes personales Wesen, Schöpfer und Urgrund der Welt,  mächtig, klug, gut, gerecht. In den verschiedenen Religionen und  Theologien hat er über diese Eigenschaften hinaus noch viele  weitere, die uns hier nicht zu beschäftigen brauchen. Aber auch  innerhalb dieser Gemeinsamkeiten gibt es zahlreiche  interessante Unterscheidungsmöglichkeiten.

Eine erste Unterscheidung betrifft die Frage, ob die bereits ge- nannten Merkmale – Macht, Wissen, Güte usw. – wörtlich zu  nehmen sind oder in einem übertragenen, metaphorischen,  symbolischen Sinne.  Versteht man sie metaphorisch, etwa wenn es heißt, Gott sei die  Liebe, oder wenn Jesus sagt: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und  das Leben«, so sind die Wörter unserer Sprache letztlich nur  Trittsteine, nur Wegweiser, nur Analogien. In der theologischen  Sprechweise haben sie dann nicht dieselbe Bedeutung wie in  unserer Alltagsoder auch in der Wissenschaftssprache.  Diese Gottesvorstellung nennt Paul Edwards metaphysisch.  Kritiker werden dagegen einwenden, in solch metaphorischer  Redeweise taugten diese Wörter zwar zum Reden, zum  »Verweisen«, aber eben doch nicht für eine klare Definition.  Versteht man die genannten Merkmale Gottes dagegen  buchstäblich, dann hat Gott Macht wie ein Mensch (nur mehr),  er weiß etwas, wie wir Menschen etwas wissen (nur mehr,  vielleicht sogar alles), und er ist gerecht, wie ein Richter gerecht  ist oder sein sollte (nur noch gerechter), usw.   Diese Auffassung von Gott nennt Paul Edwards anthropomorph.

Unter den anthropomorphen Gottesvorstellungen lassen sich  zwei wichtige Gruppen unterscheiden. Im einen Fall hat Gott  alle genannten Merkmale in einem besonders hohen Maß, aber  doch nicht in unendlicher Fülle. Im anderen Fall ist er in allem  vollkommen, perfekt, allmächtig, allwissend, allgütig, ewig,  allgegenwärtig, unendlich gerecht usw.  Zu allen drei Gottesvorstellungen – zur metaphysischen, zur end- lichen, zur unendlichen – gibt es unter Philosophen, aber auch  unter christlichen Theologen, früher wie heute, ernsthafte  Vertreter. Es ist bekannt, daß solche unbegrenzten Fähigkeiten  zu Paradoxien führen. Beliebt ist die Allmachtsparadoxie: Kann  Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst  nicht tragen kann? Kann er es nicht, so gibt es etwas, was er  nicht kann; also ist er nicht allmächtig. Kann er ihn jedoch  schaffen, so kann er ihn nicht tragen; also ist er ebenfalls nicht  allmächtig. Andere derartige Fragen sind: Kann Gott lügen?  Kann er gegen die logischen Gesetze verstoßen? Kann er  Vergangenes ungeschehen machen?

Schwerwiegender ist die Frage, ob Allmacht, Allwissen und  Allgüte miteinander vereinbar sind. Ist Gott allgütig, so möchte  er menschliches Leid verhindern; ist er allwissend, so weiß er,  wie das zu bewerkstelligen wäre; ist er allmächtig, so kann er das  auch in die Tat umsetzen. Wieso ist unser Leben dann von  Angst, Trauer und Schmerz durchwebt? Diese Frage nach der  Theodizee, nach der Verantwortung und der Rechtfertigung  Gottes für die Existenz des Übels in der Welt, ist für die  Theologie, gleich welcher Religion, eine der schwierigsten  überhaupt. 

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 6. April 2018 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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Ich bin kein Freund von Religion!   Leave a comment

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Ich kann Tierschützerin Bettina Marie Schneider da nur zustimmen. Vor allem versuchen Religionen den freien Geist zu zügeln und einzupferchen. Absolute Wahrheiten, die sie ja glauben zu haben, mag ich schon gar nicht.

Für die Freiheit und das Leben aller Tiere!


Tierschützerin Bettina Marie Schneider am 10. März 2018 in ihrem Blog über Religionen:

Ich bin kein Freund von Religion. Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Katholizismus mit seinen Vorurteilen gegen Homosexualität, einem gewöhnungsbedürftigen Frauenbild und der ewigen Sündhaftigkeit war zum Glück keine Einbahnstraße und ein Kirchenaustritt war unkompliziert und ohne jeden Nachteil machbar.

Offen beschrieb ich in der Vergangenheit, was mich an dieser Religion stört, auch ihr gespaltenes Verhältnis zu Tieren. Nie wäre jemand auf die Idee gekommen, mich deshalb als Nazi oder rechtslastig zu bezeichnen. Das Christentum darf kritisiert, abgelehnt und sogar verdammt werden. Daran hat sich bis heute wenig geändert. „Gott sei dank.“

Ganz anders sieht es bei der „Religion des Friedens“ aus, dem Islam. Diese Religion mag ich persönlich noch etwas weniger als die meisten anderen Religionen und ich könnte jede Menge gute Gründe dafür nennen. Zudem ist sie urplötzlich allgegenwärtig.

Deren Anhänger fordern Raum für…

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Veröffentlicht 6. April 2018 von hubert wenzl in Uncategorized