Archiv für 11. Juni 2018

Julien Offray de La Mettrie: Der Mensch ist auch nur eine Maschine!   Leave a comment

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Julien Offray de La Mettrie sagte sicher in provokatorischer Absicht, der Mensch sei nur eine Maschine. Dies war wohl in erster Linie auf René Descartes gemünzt, der bei der grausamen Vivisektion meinte die Schmerzensschreie der Tiere würden nicht mehr als das Ticken einer Uhr bedeuten. Descartes war vom Christentum stark beeinflusst. Wo bleibt die Distanzierung der katholischen Kirche? Dieser Institution haben Tiere nie etwas bedeutet. Tiere haben in der Kirche keinen Platz tönte es ja aus dem Vatikan vor nicht so langer Zeit.

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Das Tier ist eine Maschine!

In seinen „Discours de la méthode“ (von 1637) sieht der französische Philosoph René Descartes die Tiere als «Automaten», die den Regeln der Mechanik und der Logik entsprechend funktionieren.

Er stützt sich dabei auch auf Erkenntnisse der Medizin und Naturwissenschaften, die seiner Zeit einen immer tieferen Einblick in die Funktionsweise der Lebewesen ermöglichten. Zugleich wurden mechanische Maschinen immer weiter entwickelt. (siehe hierzu Kapitel Mechanische Vorläufer der
Roboter )

Descartes wurde am 31.März 1596 in La Haye, Touraine geboren und starb am 11. Februar 1650 in Stockholm.

Der Mensch ist auch nur eine Maschine!

behauptete der französische Arzt, Philosoph und Satiriker Julien Offray de La Mettrie (1709 – 1751) in seinem 1747 erschienenen Werk „L`homme machine“ (Der Mensch ist eine Maschine).

Damit griff er die Idee von Descartes auf und übertrug sie konsequent auf den Menschen. Der Mensch hat somit keinen eigenen Willen, sondern verhält sich nur entsprechend der biologisch und chemisch vorgegebenen Abläufe in seinem Körper.

Glaube, Liebe, Hoffnung, Angst – dies alles seien nur Vorstellungen, die uns der Körper durch naturwissenschaftlich erklärbare Prozesse in unserem Körper vorgaukelt.

La Mettrie vertrat also eine radikal materialistisch-atheistische (Gott ablehnende) Weltanschauung und musste deswegen sowie wegen seiner satirischen Angriffe auf die korrupte Gesinnung führender Mediziner Frankreichs außer Landes gehen.

Nach seiner Entlassung als Militärarzt wurde er von Friedrich II. in Preußen aufgenommen.

Er sagte, dass «Fähigkeiten der Seele dermassen von der eigentümlichen Organisation des ganzen Körpers abhängen, dass sie ersichtlich nur diese Organisation selbst sind» und skandalisierte die intellektuelle Öffentlichkeit in einem heute nur schwer noch nachvollziehbaren Maße.

Zitate:
„Je ne me trompe point, le corps humain est une horloge, mais immense, et construite avec tant d‘Artifice et d‘Habilité, que si la roue qui sert à marquer les secondes, vient à s‘arrêter; celle des minutes tourne et va toujours son train…“ La Mettrie 1748
„Bewegt sich der Blutkreislauf mit zu grosser Geschwindigkeit, kann die Seele nicht schlafen. Ist die Seele zu erregt, kann sich das Blut nicht beruhigen: es rast mit einem hörbaren Geräusch durch die Adern: dies sind die beiden wechselwirkenden Ursachen der Schlaflosigkeit.“ La Mettrie (1748), 1990, 33

„Die verschiedenen Zustände der Seele stehen also immer in Wechselbeziehung zu denen des Körpers. Um aber diese ganze Abhängigkeit und ihre Ursachen besser zu beweisen, wollen wir hier die vergleichende Anatomie in Anspruch nehmen; legen wir die Eingeweide des Menschen und der Tiere bloss!“ La Mettrie (1748), 1990, 43.

“Je ne reconnais aucune différence entre les machines que font les artisans et les divers corps que la nature seule compose (…) Car, par exemple, lorsqu’une montre marque les heures par le moyen des roues dont elle est faite, cela ne lui est pas moins naturel qu’il est à un arbre de produire des fruits.“ René Descartes, Les Principes de la philosophie, quatrième partie, art. 203 (éd. Alquié), Garnier t. III , 1973, pp. 520-521.

„Im übrigen ist es für unsere Ruhe gleichgültig, ob die Materie ewig oder ob sie geschaffen worden ist, ob es einen Gott gibt oder ob es keinen gibt. Welche Verrücktheit, sich damit abzuquälen, was man unmöglich erkennen kann und was uns nicht glücklicher machen würde, würden wir es bewerkstelligen.“ La Mettrie (1748), 1990, 87
„Da aber alle Fähigkeiten der Seele so sehr von dem eigentümlichen Bau des Gehirns und des ganzen Körpers abhängen, dass sie offensichtlich nur dieser organische Bau selbst sind, so haben wir es mit einer gut „erleuchteten“ Maschine zu tun!“ La Mettrie (1748), 1990, 95
„Die „Maschine“ funktioniert bei La Mettrie nicht so sehr als Abwertung des Lebendigen, sondern weitaus mehr als heuristische Erkenntnisklammer. Wenn wir uns die Tiere, um ihr „Funktionieren“ besser verstehen zu können, probehalber als Maschinensystem vorzustellen versuchen, so gibt es keinen Grund, weshalb wir dasselbe Gedankenexperiment nicht auch mit uns selbst, dem Menschen – Homme Machine – tun können.“ (Jauch 1998, 233)

„Der Übergang von den Tieren zum Menschen ist kein gewaltsamer; die wahren Philosophen werden darin übereinstimmen. Was war der Mensch vor der Erfindung der Wörter und der Kenntnis der Sprachen? Ein Tier seiner Art, das mit sehr viel weniger natürlichem Instinkt als die anderen – für deren König er sich damals noch nicht hielt – sich nicht mehr vom Affen und den anderen Tieren unterschied als der Affe selbst von diesen; ich meine durch eine Physiognomie, die ein grösseres Unterscheidungsvermögen verrät.“ La Mettrie (1748), 1990, 53

„Er [der Mensch] ist gegenüber dem Affen und den intelligentesten Tieren das, was die Planetenuhr von Huygens gegenüber einer Taschenuhr von Julien Leroy ist. Wenn mehr Instrumente, mehr Räder und mehr Triebfedern nötig waren, um die Bewegungen der Planeten als die Stunden anzuzeigen oder zu wiederholen, und wenn Vaucanson mehr Kunstfertigkeit benötigte, seinen Flötenspieler herzustellen als eine Ente, dann hätte er davon noch mehr aufbieten müssen, um einen Sprecher anzufertigen – eine Maschine, die nicht länger als unmöglich betrachtet werden kann, vor allem in den Händen eines neuen Prometheus. Es war also ebenso notwendig, dass die Natur mehr Kunstfertigkeit und Technik aufwandte um eine Maschine herzustellen und zu erhalten, die alle Regungen des Herzens und des Geistes anzeigen konnte; denn wenn man am Puls auch nicht die Stunden ablesen kann, so ist er doch zumindest das Barometer für die Wärme und die Lebhaftigkeit, nach der man die Natur der Seele beurteilen kann.“ La Mettrie (1748), 1990, 53

„Human society … appears like a great, an immense machine, whose regular and harmonious movements produce a thousand agreeable effects. As in any other beautiful and noble machine that was the production of human art, whatever tended to render its movements more smooth and easy, would derive a beauty from this effect, and, on the contrary, whatever tended to obstruct them would displease upon that account … This account, therefore, of the origin of approbation and disapprobation, so far as it derives them from a regard to the order of society, runs into that principle which gives beauty to utility …; and it is from thence that this system derives all that appearance of probability which it possesses.“ Adam Smith, The Theory of Moral Sentiments, 1759, VII.III.5

Übersetzung (mit Google) vom Abschnitt „Human society … appears like a great… (

„Die menschliche Gesellschaft … erscheint wie eine große, eine gewaltige Maschine, deren regelmäßige und harmonische Bewegungen tausend angenehme Wirkungen hervorbringen. Wie bei jeder anderen schönen und edlen Maschine, die die Produktion der menschlichen Kunst war, würde alles, was dazu neigte, ihre Bewegungen glatter und leichter zu machen, eine Schönheit von diesem Effekt erhalten, und im Gegenteil, was auch immer dazu neigte, sie zu stören, würde ihm missfallen account … Dieser Bericht über den Ursprung der Billigung und Mißbilligung, soweit er sie aus der Rücksicht auf die Ordnung der Gesellschaft herleitet, läuft auf jenes Prinzip hinaus, das der Nützlichkeit Schönheit gibt …; und von daher leitet dieses System das ganze Auftreten der Wahrscheinlichkeit ab, das es besitzt. „Adam Smith, Die Theorie der moralischen Gefühle, 1759, VII.III.5

 

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Gruß Hubert