Karlheinz Deschner: Das schwärzeste aller Verbrechen   5 comments

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Biblischer Tierschutz? Archaischer Respekt vor dem nicht-menschlichen Leben?
Der nackte Egoismus einer Viehzüchterreligion!

Das Elend der Tiere, dieser permanente Massenmord, der eigentlich jeden auch nur halbwegs Sensiblen sofort um den Verstand bringen müßte (und zwar ganz ungeachtet der tiefen Tolstoi-Sentenz: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben), resultiert im jüdisch-christlichen Raum aus der ebenso albernen wie anmaßend aufgeblasenen Bibellehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen, der »Spitzenaussage alttestamentlicher Anthropologie« (Walter Gross), aus jenem arroganten Anthropozentrismus also, wonach dicht auf Gott der Mensch kommt und dann erst der Rest der Welt. Während in der vorchristlichen Rangfolge des Heidentums, im Hellenismus, nach Gott der Makrokosmos rangierte und der Mensch in die Natur eingereiht, nicht über sie gestellt wurde, was für jede evolutive Sicht selbstverständlich ist. Doch für »die christliche Sicht des Verhältnisses von Mensch und Tier bleibt grundlegend, wie die Bibel … dieses Verhältnis bestimmt« (EKD Texte 41, 1991, S. 4).

Im Neuen Testament, in dem das Tier eine viel geringere Rolle spielt, ist ein Wort gleich des ersten Christen bezeichnend, dieses Abschreckungsobjektes kat exochen. Fragt Paulus doch nach dem zitierten Diktum des Deuteronomiums, dem dreschenden Ochsen nicht das Maul zu verbinden, im typischen Krone-der-Schöpfung-Pathos (nebenbei, trotz Bestreitung, seiner Entlohnung wegen): »Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? Oder redet er nicht allenthalben um unseretwillen?« Wie der Völkerverderber (Brief des Paulus an die Römer 1,22ff.) tiervergötternde Heiden ja auch »Narren« schmäht, weil sie »gedient dem Geschöpf statt dem Schöpfer«.

 

Und heute? Klipp und klar erklärt 1993 der »Katechismus der Katholischen Kirche«: »Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig …

Ja, hält dieser katholische Katechismus nicht weiter Tür und Tor offen für jede Scheußlichkeit gegenüber einer ganz und gar wehrlosen, ganz und gar schuldlosen, aber ganz und gar versklavten Kreatur? Gegenüber Geschöpfen, die oft in ihrem Erleben, Fühlen, wie Genetik, Biologie, Verhaltensforschung, wie ja auch alltägliche Erfahrungen zeigen, uns in vielem sehr ähnlich, uns nicht selten inniger, treuer zugetan sind selbst als menschliche Freunde?

Doch fort und fort darf das animal rationale mit (nicht nur) katholischem Plazet Leichen genießen; fort und fort darf es weiter sich vollstopfen mit Fleisch und Fisch bis zum Rande seines Fassungsvermögens, wofür Jahr um Jahr Milliarden »Mitgeschöpfe« verröcheln müssen, weit mehr als die Hälfte unbetäubt: ist ja auch nach den EKD Texten 41, 1991, das »Gewaltverhältnis« zwischen Mensch und Tier »grundsätzlich unaufhebbar«.

Und weiter darf der Mensch, laut »Weltkatechismus«, sich geschäftlich der Tiere bedienen. Und wie bedient er sich? Indem er Robben-Babys vor den Augen ihrer Mütter zu Tode knüttelt. Indem er Karakul-Lämmer gleichsam pränatal aus dem Mutterleib prügelt. Indem er in den Ferkel-und Hühnerbatterien, den Mastboxen und Dunkelställen die ihm rettungslos, ihm wie Sachen, nein, wie Dreck Ausgelieferten derart zusammenpfercht, daß sie in ihrer Not einander Schwänze und Ohren abbeißen oder die eigenen Jungen fressen.

Man bedient sich der ohnmächtigen Kreatur auch, der »Mitgeschöpfe«, indem man ungezählte Kälbchen auf qualvollstem Transport ihren Schlächtern lebend, sterbend, schon krepiert zukarrt, um die »Frühvermarktungs-«, die »Herodes-Prämie« zu kassieren, ein Schimpf-und-Schand-Geld sondergleichen, für das ich dem zuständigen Minister telegraphisch seinen eigenen Namen vorschlug – Deutschland ist führend!

Weiter darf das Monster der Schöpfung Tiere zum Amüsement gebrauchen. Und wie gebraucht es sie? Indem es zum Beispiel Enten, Gänsen, Hühnern um die Wette die Köpfe abreißt. Indem es beim »Steer Busting« die Tiere mit dem Lasso an den Hinterläufen fängt und herumschleift, bis sie sterben. Indem es Stieren, vor ihrem Todeskampf in der Arena, die Nase mit Watte verstopft, die Augen mit Vaseline verkleistert. Indem es an gewissen Heiligenfesten in Spanien mit pfarrherrlichem Beistand Ziegen und ihre Jungen lebend vom Kirchturm stürzt.

Und »natürlich« darf der Mensch auch künftig seine »Mitgeschöpfe« kaum vorstellbar gräßlich zu Tode schinden. Zwar sollen Tierversuche für die Medizin heute wissenschaftlich wertlos sein – doch auch andernfalls wäre ich ausnahmslos dagegen.

Ihr Wert für die Wirtschaft aber ist unbestritten. Und liest man, »daß der Vatikan einer der größten Aktionäre einer bekannten Pharma-Firma« sei, »welche Vivisektion betreibt«, so wird wohl deutlich, warum noch die fürchterlichste Tortur der Welt, diese gesammelte immerwährende Grausamkeit bis zum Tod, für das Papstgeschäft »sittlich zulässig« ist, warum auch und gerade für Seine Heiligkeit Johannes Paul II. Tiere »natürlich … Gegenstand (! ) von Experimenten sein« können (23. 10. 1982) – von Experimenten, die der Hindu Gandhi »das schwärzeste aller Verbrechen« nennt. (Diesem Verbrechen fielen 1989 allein in Deutschland – nach einem allerdings sehr unvollständigen Regierungsbericht – 2,64 Millionen Tiere zum Opfer.)

Freilich, wie sollte die Gemeinschaft der Heiligen (und Scheinheiligen), wie sollte eine monopolistische Marktform im Mantel der Religion, die jahrhundertelang auch »Ebenbilder Gottes« unbarmherzig peinvoll-böse mund- und mausetot machte, deren phänomenalster Werbeautor Augustin, angeblich »umflossen vom milden Glanze unbegrenzter Güte« (Martin Grabmann), in Wirklichkeit Urvater aller mittelalterlichen Henkersknechte, schon um 400 sogar das Foltern – selbst von (schismatischen) Christen – nicht nur eine Bagatelle im Vergleich zur Hölle nennen, sondern geradezu als »Kur« (emendatio) heils- und inquisitionsgeschichtlich etablieren konnte, wie sollte eine Kirche, die unmittelbare und mittelbare Mörderin von Hunderten von Millionen schuldloser Menschen, tierisches Leben nicht nur verbal, nicht nur sub specie momenti und sei es mit noch so sonorer Phraseologie in Sonntagsreden, Tiergottesdiensten, durch Tiersegnen, Weihwasserbespritzen et cetera, sondern tatsächlich schützen? Wie sollte sie Tieren eine »Seele« zugestehen, die sie, beim Rauben fremder Länder, noch Menschen anderer Rasse und Lebensart absprach!

Auch viele Rom-Katholiken empörte dieser »Weltkatechismus«. Renato Moretti, der wackere Franziskaner, schrie gar: »Satan ist im Vatikan eingezogen!« – und irrte nur in der Zeitform, dem Präsens, allerdings um Jahrhunderte.

Immerhin gibt es Gottesdiener, beschämend wenige, die nicht bloß moderat für die »unbeweinte Kreatur« streiten (Joseph Bernhart), sondern die auch den »Verrat der Kirchen an den Tieren« geißeln (Carl Anders Skriver), dabei aber das Christentum rechtfertigen, reinwaschen wollen oder, wie der sicher meritenreiche Oxforder Theologe und Tierethiker Andrew Linzey, wenigstens den »Geist des Evangeliums«, das doch ohne jeden bestimmten Anhalt dafür ist. Nirgends lehrt der evangelische Jesus: Schützt die Tiere – nach dem Zeugnis der Evangelisten hat er vielmehr »bei zweitausend« getötet.

Und Albert Schweitzer? Der hoch zu schätzende Lehrer der »Ehrfurcht vor dem Leben«? Aber war er überhaupt, in letzter Konsequenz, Christ? Der exzellente Kenner der Leben-Jesu-Forschung, der resümiert: »Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, das Gottesreich verkündete und starb, um seinem Werk die Weihe zu geben, hat nie existiert«? Der redliche Denker, der noch drei Jahre vor seinem Tod schwarz auf weiß beteuert, »daß die ethische Religion der Liebe bestehen kann, ohne den Glauben an eine ihr entsprechende, die Welt leitende Gottespersönlichkeit«? Es ist nicht mein Problem.

Mit Vorliebe sucht man heute das Alte Testament zu salvieren. Ungeachtet duzendweiser wutschäumender Ausrottungsdirektiven seines Götzen betont man die angebliche Achtung der »Schrift« vor dem Leben, ihr altes Schöpfungswissen, die Schöpfungsgemeinschaft von Mensch und Tier und so weiter – nichts als vages, sich auch schnell in Widersprüche verhaspelndes Gestammel oder glatte Heuchelei; ein blamabler Bankrott. In aller Regel nämlich ist aus der Bibel ganz klar das Gegenteil herauszulesen und deshalb auch ganz klar das Gegenteil hervorgegangen. Und zu dem Auftrag, der ihr so fatal voransteht und unserer Historie geradezu posaunenhaft präludiert, gehört nun einmal untrennbar der Nachhall, die Wirkung.

Wie erbärmlich jedoch, die Wurzeln des Unheils im Alten Testament, im Christentum zu ignorieren und die Schuld dafür besonders und immer wieder auf das entchristlichte (gewiß nicht zu entlastende, hemmungslos entfesselte, nichts als profitgeile) Wirtschaftssystem der Moderne zu schieben. Denn wie Hitlers Ermordung der Juden die Konsequenz ihrer fast zweitausendjährigen blutrünstigen Verfolgung durch die Kirchen ist, so ist die jeder Beschreibung spottende moderne Vermarktung des Tieres nichts als die technisch forcierte und »perfektionierte« Fortsetzung einer nie abreißenden Total-Verbrennung* durch alle christlichen Zeiten, das Resultat letztlich des Anfangsschreis: »Machet sie euch untertan.« Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben; stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion – nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.“

* Hier stand ursprünglich das Wort »Holocaust«. Doch PC – die herrschende political correctness – verbietet es, zumal seit der Walser-Bubis-Debatte im Winter 1998/1999, das Wort »Holokaust« oder englisch holocaust mißbräuchlich zu verwenden. Einzig und allein die rassistisch motivierte Ermordung von Millionen europäischer Juden durch Nazis in Hitlers Machtbereich dürfe Holokaust genannt werden. Eine Inflationierung des Begriffs sei es, wenn alle möglichen anderen Völker- und Massenmorde als »Holokaust« bezeichnet würden. Und wenn auch noch, so verfügen die Wächter der political correctness, im hysterischen Jargon der Tierschützer von einem »Holokaust der Tiere« gesprochen werde, dann liege die latent judenfeindliche Entwertungsstrategie klar zutage. Ich halte dagegen: Umgekehrt wird ein Schuh draus! Das altgriechische Wort holokaustos bedeutet »ganz und gar verbrannt«: ein Brandopfer zur Verehrung der Toten und der Götter, bei dem alle opferbaren Teile des Opfertieres auf dem Altar verbrannt wurden. Also waren es amerikanische Marketing-Designer, die den Begriff holocaust von den auf Götteraltären geopferten Tieren auf die industriell vernichteten Juden übertrugen – was eigentlich politisch höchst inkorrekt ist, ein Euphemismus.

Quelle: »Für einen Bissen Fleisch« Buch von Karlheinz Deschner

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Gruß Hubert

5 Antworten zu “Karlheinz Deschner: Das schwärzeste aller Verbrechen

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  1. Starker Tobak und zu kurz gedacht weil er alles andere:
    Religionen, Ideologien, Kulturen ausblendet, welche das um ein Vielfaches übertreffen.

    Zumal der Umgang mit Tieren in der heutigen Gesellschaft nicht von religiösen, sondern von ökonomischen Grundsätzen geleite ist.

    Es ist die Gesellschaft allgemein . . .

    Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.
    Gandhi, Mahatma

    Rechtsanwalt und Pazifist

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  2. Der Tobak ist leider so stark. Es ist alles belegt was zum Beispiel im katholischen Katechismus steht.
    Die Religionen hätten die Pflicht gegen die unaussprechlichen Grausamkeiten, die Menschen Tieren antun, ihre Stimme zu erheben. Andernfalls können / müssen sie auch sonst ihre Klappe halten. Ich brauche keine Religion, ich habe schon lange mit ihnen abgeschlossen.
    Dass die Ökonomie es zu verantworten hat, dass vor allem mit „Nutztieren“ so brutal umgegangen wird ist schon klar. Aber auch da hat der Verbraucher seine Schuld, weil die allermeisten ja billiges Fleisch wollen, egal ob mit Tierqual erkauft, weil alles so schnell und billig auf dem Rücken der Tiere gehen muss.
    Die Religionen bzw. ihre Vertreter, haben aber ihr Recht über Moral zu reden verloren, wenn sie bei Grausamkeiten, die Tieren angetan werden schweigt. Im Gegenteil, es wird von den Religionen nicht nur Tierqual geduldet, anlässlich von religiösen Traditionen fördert sie auch noch Tiergrausamkeiten.

    Aber hier ein Beispiel vom Judentum, die anlässlich des jüdischen Feiertages „Jom Kippur“ als Parallele zum islamischen Opferfest, Zehntausende von Hühnern in Kapparot-Sühne-Ritualen arg misshandelt und tötet.
    Zum Video: wie blöd und grausam die Religion die Menschen doch macht. Mir graust davor.
    Unglaublich diese Grausamkeit aufgrund religiösen Wahnsinns.

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  3. ich stimme dir durchaus zu. Ich habe lediglich darauf aufmerksam gemachtn dass der Herr Deschner das mit »Katechismus der Katholischen Kirche«: zu kurzsichtig sieht.
    https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/die-todesstrafe-franziskus-gegen-katechismus
    auch darüber kan man diskutieren – man muss es aber kennen:
    http://www.kathpedia.com/index.php/Katechismus_der_Katholischen_Kirche

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  4. Die von Papst Franziskus geforderte Änderung im Katechismus betrifft aber nur die Todesstrafe, die bis jetzt von der Kirche noch erlaubt ist. Man muss dann schauen ob es dazu kommt. Die Streichung der Todesstrafe im Katechismus wird ja schon seit 25 Jahren gefordert, wie man im Link von katholisch.de nachlesen kann. So prangerte schon Johannes Paul II. die Todesstrafe ebenso als unchristlich an wie sein Nachfolger Benedikt XVI.
    Was die Tiere betrifft wurde im Katechismus kein Satz und kein Komma geändert.
    Karlheinz Deschner konnte das mit der geplanten Änderung der Todesstrafe (wenn es dann auch wirklich umgesetzt wird) auch nicht wissen, da er schon im April 2014 gestorben ist und das Buch schon einige Jahre früher geschrieben hat.

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  5. Es ist vornehmlich die Schuld der abrahamitischen unheiligen Drei – Judentum, Christentum und Islam, dass wir heute vor dem Ruin der Erde stehen, denn diese teuflische Gilde hat Dreiviertel der Menschheit dieses Erdballes mit ihrer speziesistischen und lebensfeindlichen Doktrin, die sie ueber Jahrhunderte hinweg der Menschheit zwangsverfuetterte, vergiftet!

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