Archiv für 27. Oktober 2018

Brasiliens unmöglicher Präsidentschaftskandidat Bolsonaro   1 comment

.

Ich frage mich was die Brasilianer im Kopf haben. Die spinnen ja. Egal was vorher war, so einen Ultrarechten kann man doch nicht wählen. Der sympathisiert ja mit Schlägertrupps. Bei dem ist es sicher, dass viele Linke ins Gefängnis wandern werden. Mal sehen wie es den Arbeitern geht, ob Gewerkschaften verboten werden, oder immer wieder ein Führer umgebracht wird. Das brasilianische Volk zeigt keine demokratische Reife, wenn sie so einen nach oben hieven. Und das im fünftgrößten Land der Erde. Aber jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Es ist auch bekannt, dass lateinamerikanische Länder immer wieder einen Zug zu autoritären Führern haben.

Aus tagesschau.de

Der rechtsextreme Kandidat Bolsonaro hat gute Chancen, Brasiliens nächster Präsident zu werden. Er profitiert von einem Frust-Votum nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs und der Korruption.

Sie drehen am Gashebel und lassen den Motor aufheulen: 83 Motorrad-Klubs von Rio de Janeiro haben sich an einem Nobelstrand von Rio verabredet, um den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro zu unterstützen, den sie nur „Mito“ nennen – Mythos.

Unter den Männern in Lederjacken, die auf zwei Rädern entlang von Rios Prachtstränden Richtung Copacabana brausen, sind etliche Ex-Militärs, die Bolsonaro – selbst ein ehemaliger Fallschirmjäger – vorbehaltlos unterstützen. Ihre Verehrung nimmt beinahe religiöse Ausmaße an: „Er ist unser Licht, der von oben Entsandte, der Brasilien reinigen wird von dem Schmutz“, beschwört Paulo Cesar mit ernster Miene.

Sozialer Aufstieg stoppt den Hass nicht

Mit „Schmutz“ meinen sie die Zeit der linken Arbeiterregierung, die von 2003 bis 2016 an der Macht war. Unter Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva stiegen zwar mehr als 20 Millionen Brasilianer aus der Unter- in die Mittelschicht auf und Minderheiten wie Homosexuelle, Afrobrasilianer und Indigene bekamen mehr Rechte als jemals zuvor in Brasiliens Geschichte.

Dass damit nicht alle Brasilianer einverstanden waren, wurde jedoch erst sichtbar, nachdem die Wirtschaft einbrach, ein gewaltiger Korruptionsskandal ans Licht kam und schließlich Jair Bolsonaro es schaffte, sich als Wortführer einer konservativen Bewegung zu inszenieren.

Wahlkampf mit sozialen Medien

Hilfreich waren Bolsonaro dabei die sozialen Medien – allen voran WhatsApp und Facebook. Hier positionierte er sich, auch dank massiver Falschmeldungen, als politischer Außenseiter. Er versprach, mit politischem Filz aufzuräumen und traditionelle Familienwerte hochzuhalten.

Erfolg mit rechtsexremen Provokationen

Dies brachte ihm vor allem im gut organisierten Lager der Evangelikalen zahlreiche Stimmen ein. Die charismatischen Prediger werben in ihren Messen offen für Bolsonaro – und schauen dabei großzügig über dessen rechtsextreme Äußerungen hinweg.

Dabei tritt diese Seite bis heute erschreckend offen zu Tage: Vor Jahren hatte er live im Fernsehen erklärt, „mit Wahlen erreicht man rein gar nichts, sondern nur dann, wenn Militärgeneräle (…) 30.000 Korrupte umbringen.“

2016 widmete er seine Stimme im Kongress dem berüchtigten Folterer Carlos Alberto Ustra. Und zuletzt im Wahlkampf-Endspurt drohte er der Opposition mit „Säuberungen“, die er durchführen werde. „Entweder ihr geht ins Ausland oder ihr landet in Haft“, rief er grinsend der Arbeiterpartei zu.

Hetze gegen Minderheiten findet Unterstützung

Erstaunlich wenige Brasilianer stören sich an diesen Entgleisungen Bolsonaros, obwohl sie klar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen. Auch die Hetze gegen Minderheiten wie Indigene und Afrobrasilianer oder seine frauenfeindlichen und homophoben Äußerungen scheinen seine Anhänger entweder zu teilen oder zumindest zu tolerieren.

„All das ist Ausdruck einer mangelnden Vergangenheitsbewältigung Brasiliens“, sagt der Wissenschaftler Oliver Stuenkel von der Stiftung Getulio Vargas. „Anders als in Argentinien und Chile hat in Brasilien nie eine Aufarbeitung der Folter und Morde der Militärdiktatur stattgefunden und auch in den Schul-Lehrplänen fehlt die historische Einordnung dieser Herrschaft.“

Gefährliche Wahlversprechen

Dementsprechend sieht die Zeitschrift „The Economist“ Bolsonaro als reale Gefahr für die Demokratie Brasiliens – ein Risiko, zu dem die Wirtschaftselite des Landes schweigt. Die expandierende Agrarlobby erwartet politische Geschenke von Bolsonaro, was die Abholzung des Regenwaldes noch weiter beschleunigen dürfte.

Ob der Ex-Fallschirmjäger neben Klientelpolitik aber auch das politische Format besitzt, nötige unpopuläre Reformen durchzuziehen, ist offen. Ohne eine zügige Reform des Rentensystems droht ein Rückfall in die Schuldenkrisen und die Hochinflation früherer Zeiten.

Von Matthias Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro

Brasiliens unmöglicher Präsidentschaftskandidat Bolsonaro

.

Siehe auch:

Mit Fake News zum Wahlsieg?

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien deuten Umfragen auf einen Sieg des ultra-rechten Kandidaten Bolsonaro hin. Der setzt im Wahlkampf auf eine Fake-News-Kampagne.

„Wir werden eine große Säuberung durchführen. Die linke Clique wird sich unseren Gesetzen unterordnen müssen, wenn sie hier bleiben will. Sonst müssen sie abhauen oder sie werden in den Knast wandern.“ Wenige Tage vor der Wahl wird der Ton noch einmal rauer in Brasiliens Wahlkampf: Jair Bolsonaro, der ultra-rechte Kandidat, der die Wahl am Sonntag nach allen Umfragen gewinnen wird, heizt die Stimmung noch an.

Seinen Anhängern ruft Bolsonaro zu: „Diese roten Verbrecher werden wir aus unserem Vaterland verstoßen.“ Sein Gegner in der Stichwahl, Fernando Haddad, werde Ex-Präsident Lula da Silva schon bald im Gefängnis Gesellschaft leisten. So spricht ein Mann, der schon bald das fünftgrößte Land der Erde regieren dürfte.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

 

Mit Fake News zum Wahlsieg?

.

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 27. Oktober 2018 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

Getaggt mit , ,