Archiv für 17. November 2018

Die Logik des Verbrechens   Leave a comment

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Mein Name ist Ulme. Wenn ihr diese Zeilen lest, bin ich bereits zerfetzt über die Regenbogenbrücke geschleift worden. Vor fünf Jahren zogen mich zwei starke Arme mit Hanfkälberstricken aus dem Leib meiner Mutter. Sturzgeburt trifft es ganz gut, denn ich fiel aus 1,5 Metern Höhe und mein Kopf schlug auf den Gitterrost. Bevor mir klar wurde was passiert, lag ich in einer Schubkarre. Der zweite Sturz an diesem Tag erfolgte beim abkippen in das Kälberiglu. Bin gespannt wann ich meine Mama sehen werde und ob ich ihr gefalle. Das ist also die Welt.

Die nächsten Jahre sind schnell erzählt. Meine Mama lernte ich nie kennen und auch mir wurden meine 4 Kinder entrissen. Der Körper wurde schnell schwächer und krank. Ständige Entzündungen in meinem Euter machten mich wahnsinnig vor Schmerz. Das Laufen war vergleichbar mit einem Gang über glühende Kohlen, denn an meinen Ballen befanden sich blutige Abszesse der Mortellaro-Krankheit. Vor einer Wochen konnte ich nicht mehr aufstehen. Meine Hüfte war kaputt, die Gelenke ein morsches Gebälk, das Fieber wie eine Heizdecke in meinem Bauch.

Versuchte guten Willen zu zeigen, hoffte dass man mich sieht. Immer wenn Menschen in meiner Nähe waren, rief ich um Hilfe und signalisierte das drohende Unheil. Zu den Melkzeiten quälte man mich mit dem Stromstock noch ein paarmal in die Höhe. Trotz aller Bemühungen konnte ich einfach nicht mehr. Mit dem Traktor zerrte mich ein Hanfseil aus der vertrauten Enge des Stalles. Mir war klar was da geplant wurde und mit aller Kraft stand ich nochmal auf die zittrigen Beine. Niemand sollte sehen wie schlecht es mir geht, damit sie mich wieder zurück bringen.

Die erste Kurve im Transporter warf mich zum letzten mal auf den Boden. Mehrere Tage hatte ich es nicht mehr ans Futter und Wasser geschafft. Als die Ladeklappen aufgestoßen wurden, machte mir der Geruch von Blut und Kot ganz schöne Angst. Der Stromstock lies meinen Körper zusammenzucken, immer und immer wieder, obwohl mir doch die Kraft zum Aufstehen einfach fehlte. Dieses mal war es eine schwere Eisenkette um mein schmerzendes hinteres Bein. Trotz Leid und Qual versuchte ich mitzuhelfen. Sanftmütig bis zum bitteren Ende. Mein Körper war zu schwer für diese Praktiken und das Kniegelenk zerbrach. Die Seilwinde riss mich über die Laderampe. Hautfetzen blieben an den scharfen Kanten des Transporters hängen.

So lag ich nun mit den offenen Wunden im Dreck des Wartebereichs vom Familienbetrieb B. in S. Ihr nennt ihn Metzger des Vertrauens. Nach Stunden der Qual und unbeschreiblichen Schmerzen, blitzen nochmal die Stromschläge in meinem Gesicht. Eine Mistgabel bohrte sich durch die dünne Haut in meine Knochen. Bei aller Liebe, aber seht ihr mich denn nicht. Ein Bolzen zerfetzte meine Schädeldecke und drang in mein Gehirn ein. Die Stimmen konnte ich noch hören und ich spürte abermals die grausame Kette. Zwei Minuten nach dem Schuss drang ein scharfes Messer in meinen Hals ein. Das Blut quoll heraus und ich kämpfte um Luft.

Nein ich bin noch nicht tot. Mein großer Körper blutet langsam aus und mein Schmerzzentrum wird wird bis zuletzt über intakte Gefäße im Wirbelkanal versorgt. Fünf Jahre gab ich meinen letzten Milch- und Bluttropfen für euren Konsum. Ich gab euch alles und bekam dafür nichts.

Dennoch hasse ich euch nicht, denn ihr glaubt auch nach meiner Geschichte an die schöne Haltung, den liebevollen Transport und die humane Schlachtung. Während ihr diesen Text gelesen habt, sind wieder tausende meiner Freunde zappelnd an den Ketten jämmerlich verendet.

Wisst ihr auch warum dies alles getan wird? Liebe Menschen weil es euch so gut schmeckt.
In meinen letzten Sekunden dachte ich nicht an meine Schmerzen, sondern hoffte auf ein besseres Leben für meine Kinder.

Eure Ulme

Text wurde kopiert

Quelle: Facebook

https://www.facebook.com/sterntv/videos/vb.120409127973461/308090129781645/?type=2&theater

Veröffentlicht 17. November 2018 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Abschied von Grauvieh-Kuh Bora   1 comment

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Eine berührende Geschichte von Grauvieh-Kuh Bora, die es in Todesangst durch einen beherzten Sprung schaffte dem unmenschlichen Schlachthof zu entkommen. Schlussendlich landete sie auf einem Gnadenhof und lebte dort noch viele glückliche Jahre. Allzu leicht wird vergesseen, dass Rinder intelligente und sensible Lebewesen sind.

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Gnadenhof Esternberg: Abschied von der alten Kuh Bora

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Gnadenhofleiterin Anita schreibt: „Ihr Mut hatte sie vor 11 Jahren vor dem Schlachthof gerettet: damals war die Grauviehkuh Bora schon auf dem Transporter am Schlachthof in Vorarlberg angekommen, hatte den grausigen Geruch nach Blut und Todesangst ihrer Artgenossen in der Nase, welche bereits vor ihr in der Tötungsmaschinerie angelangt waren. In der Panik des bevorstehenden Todes schaffte sie es aber damals, durch einen beherzten Sprung über die Rampe dem unmenschlichen Schlachthof zu entfliehen. Ihre Rettung war eine nahe gelegene Wohnsiedlung, in Todesangst lief sie sogar in ein Haus und fand sich im Kinderzimmer wieder! Bora hatte das große Glück, daß die Menschen ihre ausweglose Situation erkannten und das Tier nicht mehr an das Schlachtmesser ausliefern wollten.

Tierliebende Leute kauften die außergewöhnliche Kuh zum Schlachtpreis frei, sie durfte 2007 mit ihrem Artgenossen Viktor, der ein ähnliches Schicksal erlitten hatte (er ist bereits vor 2 Jahren verstorben), auf dem ANIMAL SPIRIT-Gnadenhof in Esternberg einziehen. Trotz der schlimmst-möglichen Erfahrung, die sie mit Menschen machen mußte, zeichnete sie sich durch ihren besonders sanftmütigen und ruhigen Charakter aus.

Es waren elf glückliche Jahre, die das Grauvieh in unserer wunderbaren Herde geretteter Rinder verbringen durfte. Bora zog sich im letzten Winter einen schlimmen Sturz zu, von dem sie sich trotz aller tierärztlichen Mühen nie mehr richtig erholte, das Gehen und Aufstehen fiel ihr immer schwerer. Die letzten Tage verschlechterte sich ihr Zustand drastisch und ein Aufstehen war dann gar nicht mehr möglich.

Es sind die traurigsten Augenblicke in unserer sonst so wunderbaren Arbeit mit den Tieren, wenn man spürt, daß es dem Ende zugeht und man sich für immer wird verabschieden müssen. Auch Bora selbst hat es gespürt, mit ihren wunderbaren braunen, großen Kuhaugen schien sie zu sagen: „Danke für all eure Liebe und Pflege, aber unser gemeinsamer Weg ist hier zu Ende…“ Um ihre kein unnötiges Leiden zuzumuten, hat sie schließlich unser Hof-Tierarzt erlöst. Am 12. November hätte sie ihren 20. Geburtstag gefeiert!

Wie allen Mitgeschöpfen auf unserem Gnadenhof die diese Welt verlassen haben, werden wir sie immer in unseren Herzen und Gedanken bewahren.“

Es folgt ein berührendes Schreiben vom damaligen Retter Alf Waibel an das Animal Spirit-Gnadenhof-Team.

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Abschied von Grauvieh-Kuh Bora

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Gruß Hubert