Archiv für 11. Dezember 2018

Argumentiert AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wie „Reichsbürger“?   Leave a comment

.

Diese Alice Weidel war mir von Anfang an unsympathisch, vor allem auch ihr aggressives Auftreten. Eine Wortwahl wie sie in „Reichsbürger“-Kreisen verwendet wird geht gar nicht – so wie sie sie in einer Mail verwendet hat.

Von belltower.news

Im Wahlkampf äußert sich die AfD vermehrt rassistisch (vgl. BTN). Die „Welt am Sonntag“ hat nun eine E-Mail veröffentlicht, die ein Bekannter von Alice Weidel angibt  im Jahr 2013 von ihr erhalten zu haben. Sie ist offen rechtsextrem und verbreitet Reichsbürger-Ideologie. Eine Analyse.

.

2017-09-11-weidel-1280x720

Alice Weidel auf einer Pressekonferenz in Berlin am 28.08.2017. (Quelle: dpa)

.

Bisher hatte AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel vor allem die öffentliche Funktion, die AfD bürgerlicher und vielseitiger erscheinen zu lassen. Eine lesbische Betriebswirtschafterin mit internationaler Arbeitserfahrung, die mit ihrer Freundin aus Sri Lanka in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt und zwei Söhne hat, an der Spitze einer rechtspopulistischen Partei – das sollte, trotz anderslautender Parteiprogramme und Äußerungen von Mitfunktionär_innen,  der lebende Beweis sein, dass es mit der Homo- und Transfeindlichkeit, aber auch dem Sexismus in der Partei nicht weit her sei. Auch, dass die Partei nicht nur für alte weiße Männer interessant ist, sollte Alice Weidel verkörpern (vgl. BTN, II).

Doch ohne inhaltliche Übereinstimmungen kommt auch ein so gut passendes Alibi wie Alice Weidel nicht in die Führungsposition der AfD. Mit ihrer Islamfeindlichkeit hielt die 38-Jährige nie hinter dem Berg – begründet mit der angeblichen Angst vor Sexismus und Homofeindlichkeit „der Muslime“ äußerte sie schon früh rassistische und undifferenzierte Dinge über muslimische Migrant_innen und Geflüchtete (vgl. BTN). Auch bei der Elitenschelte, gerade in Bezug auf die Parteien in Deutschland, war Weidel stets dabei.

Trotzdem gefiel ihr offenbar auch ihr bürgerlich-konservatives Image: So sprach sie sich für ein Parteiausschlussverfahren gegen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aus, zu dem es dann allerdings  (wieder einmal) nicht kam. Im laufenden Bundestagswahlkampf ist es mit der Zurückhaltung allerdings nicht mehr weit her: Wenn ihr Co-Spitzenkandidat Alexander Gauland Bundesintegrationsministerin Aydan Özoguz in der Türkei „entsorgen“ will, möchte Weidel sich nicht distanzieren, auch den Rassismus darin nicht sehen (gerade wiederholt, vgl. Welt). Ein Radikalisierungsprozess?

Offenbar nicht. Die „Welt am Sonntag“ veröffentlicht am Wochenende eine E-Mail, die Weidel im Jahr 2013 unter ihrer Email-Adresse an ihren damaligen Bekanntenkreis aus dem Frankfurter Finanzmilieu von Banker_innen, Kaufleuten und Unternehmenberater_innen geschickt haben soll. So versichert zumindest der Empfänger der Mail, die mit Weidels Spitznamen „Lille“ unterzeichnet ist,  und untermauerte seine Aussage mit einer eidesstattlichen Erklärung. Die Mail ist brisant, weil sie nicht „nur“ rassistisch und demokratiefeindlich ist, sondern in rechtsextremer Sprache und Begrifflichkeit verfasst ist, wie sie in „Reichsbürger“-Kreisen verwendet wird.

 

In der Mail heißt es:

 

Satz 1: „Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungfeinden, von denen wir regiert werden.“

Das heißt:

Es gibt ein „Wir“.

Und es gibt „kulturfremde Völker“ – ein Begriff der „Neuen Rechten“, der den biologischen Rassismus (es gäbe „Rassen“) durch einen kulturalistischen Rassismus („verschieden Kulturen“) ersetzen will- und diese „Völker“ sind also der als „unsere“ definierten Kultur fremd: Hier genannt werden „Araber“ und „Sinti und Roma“ – beides offenkundig als rassistische und antiziganistische Sinnbilder dessen gemeint, was Weidel nicht als Teil „unserer“ Gesellschaft ansieht.

Bedrohung wird aufgebaut durch das Naturkatastrophen-Verb „überschwemmt“.

Die „Überschwemmung“ passiert aber nicht einfach, sondern hat für Weidel offenbar Methode -> „systematische Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft“. Und wer will die zerstören, sogar planvoll?

„Verfassungsfeinde(n), von denen wir regiert werden“ – Feind ist also die Bundesregierung, die Deutschland in diesem Weltbild bewusst zerstöre. Das ist, was Reichsbürger denken, die sowohl die Bundesregierung nicht anerkennen als auch Verschwörungserzählungen verbreiten, dass die Zerstörung dessen, was sie als „deutsch“ ansehen, bewusst geschehe.

Vgl. zu beliebeten Verschwörungserzählungen: Begriffe, Trends und Dauerbrenner der Verschwörungsideologien

Satz 2:  „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen.“

„Diese Schweine“ – Entmenschlichung durch Tier-Metapher

„Marionetten der Siegermächte des 2. Weltkriegs“ -> ist die antisemitisch konnotierte Verschwörungserzählung der „heimlichen Strippenzieher“ in der Welt kombiniert mit der bei Reichsbürger_innen beliebten Erzählung, deutsche Regierungen seien seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr unabhängig, sondern verträten andere als deutsche Interessen.

„Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten“ -> Verschwörungserzählung, dass Deutschland viel mehr Macht und Einfluss in der Welt haben könnte, wenn es nicht von externen Mächten geknechtet würde.

Und wie geschieht das? Durch „molekulare Bürgerkriege“, die in Städten stattfinden sollen und durch „Überfremdung“, also durch Migrant_innen ausgeführt werden sollen – immer noch, so die Verschwörungserzählung, im Auftrag der Bundesregierung, die ihren Auftrag dafür wiederum von der USA, Großbritannien, Frankreich und Russland bekomme („alliierte Siegermächte“).

Satz 3: „Lies doch mal diesen Link durch zur „Souveraenitaet“ Deutschlands.“

Die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland in Frage zu stellen ist eine klassische Reichsbürger-Erzählung, vgl. BTN: Was wollen eigentlich Reichsbürger_innen?

Satz 4: „Dass D gar nicht souveraen ist, duerfte doch fuer den ekelhaften Fatalismus in der Tagespolitik z.B. unsere Enteignung durch die Eurorettung, korrumpierte Judikative (Bundesverfassungsgericht) erhellend sein…“

 

Hier wird die Verschwörungserzählung weitergesponnen: Weil also die Bundesregierung nicht für Deutschland arbeite, sondern für die „Siegermächte“, sei ihr also die Tagespolitik egal und damit auch die Beschädigung Deutschlands.

Die Beispiele sind hier die Eurorettung  – und der Widerstand gegen Euro und Eurorettung führte ja zur Gründung der AfD.

Aber auch die „korrumpierte Judikative“, die in der Mail noch explizit  als „Bundesverfassungsgericht“ benannt wird. Damit wird fundamentales Misstrauen gegen Deutschland als Rechtsstaat geäußert.

Satz 5: „Mehr dazu ein anderes Mal: http://www.terra-kurier.de/Deutschland.htm

Dankenswerterweise benennt die Verfasserin hier auch noch eine Quelle all ihrer verschwörungsideologischen „Weisheiten“: Der „Terra-Kurier“ ist eine  rechtsextreme, antisemitische Verschwörungs-Website mit Anknüpfungspunkten an esoterische Milieus in der Tradition von Jan Udo Holey, Ernst Zündel oder Horst Mahler.  Auf der Website finden sich „Klassiker“ der Verschwörungsideologie von „9/11 als Inside Job“ über Ufos und Chemtrails bis zu verschwörungsideologischen Interpretationen aktueller Ereignisse (vgl. BTN), aber auch ausführliche Texte über eine angebliche zionistische Verschwörung gegen die Deutschen oder über das „Deutsches Reich“ als Heilsraum .

Über Alice Weidels Lesetipp freut sich die Redaktion übrigens: „Die Redaktion des TK möchte ganz entschieden nochmals betonen, regelmäßige Leser kennen diese Einstellung ja bereits, dass wir uns von jeglicher Nähe zu bundesdeutschen Systemparteien distanzieren. Dies gilt auch für die AfD und deren Vertreter und Kandidaten. Wenn allerdings diese Vertreter der Parteien auch den Terra-Kurier lesen und einige Artikel gar weiterreichen, dann begrüßen wir diese Haltung ohne Sympathisantentum für diese Partei zu entwickeln. Die Wahrheiten im TK sind für alle da!“

Die Sprache und Gedankenwelt dieser Email ist eindeutig: Nur jemand, der sich auf die Reichsbürger-Bewegung positiv bezieht, würde auf die Idee kommen, solche Worte und Ideen zu verbreiten.

Weidels Bekanntenkreis freute sich 2013 übrigens nicht über ihre Hinwendung zur rechtsextremen Ideologie und distanziert sich nach Mails wie dieser. Weidel war damals bereits  bei der „Wahlalternative 2013“ engagiert, der Vorläufer-Organisation der AfD.

Die „Welt am Sonntag“ berichtet, dass Alice Weidel im Vorfeld versuchte, die Veröffentlichung der Mail zu verhindern. Nach der Veröffentlichung verlautbarte AfD-Sprecher Christian Lüth, Alice Weidel habe ihm versichert, die Mail stamme nicht von ihr, sie sei „eine Fälschung“. In einem Interview mit „Welt-Online“ am Sonntag, den 10.09.2017,  nach Veröffentlichung der Mail fragt die Moderatorin Alice Weidel selbst, ob diese eine eidesstattliche Erklärung abgeben werde, dass die Mail nicht vor ihr stamme. Darauf sagte Weidel: „Das werden sie sehen, was wir tun werden.“ Ja sagt sie nicht.

.

Argumentiert AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wie „Reichsbürger“?

.

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. Dezember 2018 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

Getaggt mit , , ,

Mama, wo gehöre ich hin?   Leave a comment

.

Rebloggt von Bettina Schneider, guteskarmatogoblog.wordpress.com

Gedanken von Bettina Schneider zum Spendenmarathon des Tierschutz-Shops

Es ist kuschlig warm in der Küche. Ich habe Kerzen angezündet und Musik angemacht und während ich gedankenverloren auf einem Keks kaue, lese ich immer und immer wieder ein paar Zeilen durch… ich sollte sie vielleicht übersetzen… meine Freundin Martha von SCARS, Athen, hat sie mir geschrieben. Ich fühle mich plötzlich schlecht, weil ich trotz der Wärme die Kälte bis auf die Knochen spüre, die jetzt an so vielen Orten den Tieren auf der Straße in die Glieder schleicht. Wenn es Abend wird, wenn sie den ganzen Tag noch nichts Essbares gefunden haben und die Feuchte und Kälte ihnen die letzten Kräfte raubt…die Hoffnung und den Lebenswillen. Ich weiss, dass sie auch heute keinen Unterschlupf finden werden und zitternd in einer dunklen Ecke, unter einem Busch oder in einem Hauseingang kauern…bis vielleicht eine Fee vorbei kommt, die etwas Futter verteilt.

hundewelpen
Mavropigi…nur zwei haben überlebt…sie waren bereits halb verhungert, ehe wir sie fanden.

.

Alle unsere Helfer tun das jeden Abend, wenn sie sich auf den schweren Weg machen, den Ärmsten der Armen das Leben auf der Straße etwas zu erleichtern und sie tun das mit dem Futter, das wir ihnen senden. Sonst wäre auch das nicht möglich. Der Spenden Marathon des Tierschutz-Shops, der gerade läuft ist, unsere einzige Chance, als teilnehmender Verein so viel Futter zu erhalten, wie benötigt wird, um alle unsere Tiere  an den Futterstellen in Griechenland über den Winter zu bringen. 30 Vereine dürfen an diesem Marathon teilnehmen und für jeden Verein bedeutet diese Teilnahme …Futter…mit etwas Glück so viel, dass keines der Tiere in Obhut, diesen Winter hungern muss…nicht in den Sheltern und auch nicht auf der Straße an den Futterstellen.

Trotzdem  bleibt die bange Frage: Wird es reichen? Werden die Menschen auch diesmal vertrauen, dass ihre Spenden ankommen? Wissen sie, wie dringend wir auf diese Spenden angewiesen sind und dass tatsächlich jedes Gramm jeder Euro ankommt und bald viele Leben retten wird? Ich hoffe es so sehr, denn obwohl wir in unserem Verein unglaublich viel auf die Beine stellen…ohne die Aktionen des Tierschutz-Shops, die Werbung für unsere Anliegen, Logistik und vor allem Transportkosten ermöglichen, müssten wir an allen wichtigen Stellen einsparen.

Haben wir genügend Futter, können wir die restlichen Spendengelder für Kastration, medizinische Behandlung, für Unterkünfte, Hütten, Futterspender, Adoptionsvorbereitungen, Impfungen und andere wichtige Dinge verwenden. Haben wir genügend Futter, können wir immer wieder noch armen Einzelkämpfern, verzweifelten Rentnern, engagierten Helfern, zusätzlich zu unseren laufenden Projekten unter die Arme greifen, können wir ihren Tieren Leben und ihnen, Hoffnung schenken.

.

faith2
Faith… in einem Beutel mit Flüssigkeit im Müll  entsorgt…er hat überlebt ❤

.

Ich öffne den Link zu unserer Spenden-Wunschliste und stelle erleichtert fest, dass sich langsam aber sicher, der Zähler der benötigten Menge annähert und bin so unendlich dankbar, dass wir dabei sein dürfen. Wir werden es schaffen…bald werden wieder voll beladene Trucks Richtung Griechenland rollen und dort von den ehrenamtlichen Helfern mit Tränen in den Augen in Empfang genommen werden. Tränen der Dankbarkeit, die die Spender selten zu sehen bekommen. Oh, ich wünschte, sie wüssten, wie kostbar ihre Geschenke sind… Sack für Sack, Dose für Dose…nicht nur für die Tiere sondern auch für die Menschen, die ihr Leben den Straßentieren widmen. So wie ich ❤

Dann übersetze ich doch Marthas Zeilen, schreibe ihr, dass alles gut wird und hoffe, auch für  den armen Spiro wird alles gut…irgendwann…irgendwie…und es war noch nicht zu spät, ihn von der Straße zu holen…

.

received_871934693013298.jpeg
Spiro…er kämpft noch ❤

.

„Mama…wo gehöre ich hin? Sie sagen, Zuhause ist da, wo man willkommen ist. Aber ich war niemals irgendwo willkommen. Mama, wo ist mein Zuhause? Ist es dort, wo ich ich hingehe, wenn ich meine Augen schließe, der ferne Ort, wo ich keinen Hunger und keine Schmerzen mehr spüre und auch nicht mehr einsam bin? Oder ist mein Zuhause da, wo meine Augen von Eiter verklebt sind, wo ich Druck auf den Lungen habe und kaum noch atmen kann, auch nicht mehr essen, weil mein Mund so weh tut und wo alle Menschen mich verachten?

Gestern brachte man mich von der Straße weg an einen Ort, der sich „Pflegestelle“ nennt. Überall gab es Futter und ich wusste gar nicht, was ich davon essen sollte…also aß ich gar nichts. Es gab ein Bettchen für mich, so groß und weich, dass ich gar nicht wusste, wohin ich mich legen sollte…also schlief ich am Boden und selbst da gab es überall Kissen für mich. Aber ich bin immer noch verwirrt. 

Mama…wenn du mich hören kannst, wo auch immer du jetzt bist…Wo ist mein Zuhause? Ist es da, wo ich bin, wenn ich die Augen öffne oder sollte ich an den friedlichen Ort gehen, den ich nur erreiche, wenn ich meine Augen für immer schließe? Wohin soll ich gehen, Mama…wohin?“

(Martha Politis Athanassiou von SCARS, für Spiro) 

 

Falls ihr ein Päckchen für Spiro und alle anderen Fellchen unserer Partner in Griechenland packen möchtet…hier geht es zum Link. Dankeschön!!!!

https://www.tierschutz-shop.de/wunschliste/frieden-fuer-pfoten-peace-for-paws-e-v/

 

SPIRO – Video

https://videopress.com/embed/UjUHjnlj?hd=0&autoPlay=0&permalink=0&loop=0

.

 

Veröffentlicht 11. Dezember 2018 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

Getaggt mit , ,