Archiv für 11. März 2019

Vom Schlachter zum Veganer   Leave a comment

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Die wenigsten Menschen denken daran wenn sie Fleisch essen, dass sie ein Tier essen das leben wollte, gleich wie Menschen auch. Sie denken auch nicht daran dass es kein humanes Töten, oder Töten ohne Riesenangst und Schmerzen gibt. Ich möchte wissen wie viel Fleisch noch gegessen würde, wenn jeder Fleischesser das Tier selbst töten müsste. Im folgenden Beitrag reden Leute, die genau wissen von was sie reden, was sich in Schlachthäusern abspielt.

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Fünf ehemalige Mitarbeiter der Fleischindustrie erzählen ihre ganz persönliche Geschichte

Thomas, Peter, Philipp, Riccardo und Tom haben etwas gemeinsam:
Sie haben jahrelang in Mastbetrieben oder Metzgereien gearbeitet.

Ein Teil der ehemaligen Schlachter, Fleischer und Metzger war dafür zuständig, wöchentlich hunderte Tiere zu schlachten. Heute leben sie alle vegan.

In einem sehr ausführlichen, emotionalen und persönlichen Interview erzählen sie uns, wie es dazu kam. Lasst euch von ihrer positiven Veränderung inspirieren.

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Disclaimer: Dieses Interview spiegelt die Realität und den Alltag in Schlachtbetrieben wieder und ist nichts für schwache Nerven. Bitte seid euch dessen bewusst. Wir werden nie Bilder von leidenden Tieren zeigen, aber ihr wisst selbst – unser Verstand ist oft die größte Waffe.

Hallo zusammen. Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für das Interview nehmt. Ihr habt als Metzger und Schlachter gearbeitet und lebt mittlerweile alle vegan. Erzählt doch mal, wie es dazu bei euch kam. Hat sich die Empathie von einer auf die andere Sekunde entwickelt oder war das ein längerer Prozess?

Thomas: Es war ein schleichender Prozess vom Vegetarier zum Veganer, ausschlaggebend waren meine letzten Tage im Schlachthof. Eine kleine Gruppe nicht ausgebildeter Leute sollten den Sachkundenachweis fürs Betäuben/Töten ablegen. Ein schlechter Horrorfilm war noch Comedy dagegen. Das hat mich erschüttert und war der Moment um der Branche den Rücken zu kehren.

Peter: Ich habe als Jugendlicher eine Lehre zum Fleischer Feinkost & Konserven angetreten, da ich in meinem Traumjob als Koch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatte und diese Ausbildung damit gut harmoniert hätte. Als kleiner Junge half ich regelmäßig in der Landwirtschaft aus, meine Großeltern lebten noch auf dem Land. Hierdurch bin ich sehr früh mit der Landschlachtung in Kontakt gekommen. Für mich war es das natürlichste auf der Welt, sein Fleisch selber zu produzieren, von daher gehörte auch die Tötung der Tiere für mich dazu. Innerhalb meiner Ausbildung jedoch kam ich erstmals bewusst mit dem Schlachthof in Kontakt, was mich erschütterte.

Gleich zu Beginn fielen mir die angstvollen Schreie der Tiere auf, der penetrante Geruch nach Kupfer vom Blut vermischt mit dem Schweiß der Arbeiter und den Angstgerüchen der Tiere. Ich sah die Transporter voller Tiere, deren Angst war förmlich spürbar und dann die Arbeiter, die gefühlskalt die Tiere zur Schlachtung trieben – unbarmherzig und hart, denn die Arbeiter am Band bekamen Akkordlohn. Unzureichend betäubte Tiere wurden einfach aufgehangen und abgestochen, denn es blieb einfach keine Zeit für eine Nachbetäubung, denn die nächsten Tiere wurden reingetrieben. Wenn man die Augen der Tiere sieht, bei den Schweinen ängstlich, panisch, bei den Rindern traurig und leer – und sogar Tränen, dann berührt es das Herz. Dieses kann man aus meiner Sicht nur mit Alkohol betäuben und am Ende verliert man jegliches Gefühl für das Leben und den Gefühlen der Tiere, das wollte ich nicht.

Innerhalb der Fleischerei, wo ich letztlich die Produkte verarbeitete, ging es gut, aber jedes Mal wenn der Schlachthof auf dem Programm stand wurde mir schlecht.
Ich habe nach der Ausbildung auch nicht mehr in dem Beruf gearbeitet, schlachtete jedoch mit einer Kolonne längere Zeit auch noch auf dem Land, jedoch nicht mehr beruflich.
Im Jahr 2005 stellte ich nach und nach mein Handeln in Frage. Ja, ich war überzeugter Fleischesser und ich bezog mein Fleisch aus der Nachbarschaft, insbesondere von meinen schwedischen Nachbarn, denn dort hatte ich inzwischen ein kleines Häuschen erworben. Das dortige Fleisch kam vornehmlich aus der Jagd, Fisch angelte ich mir selber zurecht. Meine Überzeugung war bis dahin, dass die Tiere ja bis zum Tod gut gelebt hatten, aber immer mehr sah ich die Augen der Tiere, die ich selber getötet hatte und empfand immer mehr Mitleid. Ich hinterfragte, ob ich einem Lebewesen sein größtes Gut, nämlich sein Leben, nehmen durfte, nur um es zu essen. Ein mehrjähriger Kampf.
Den letzten Tropfen in dieses Fass goss am Ende ein Hecht – tatsächlich kein typisches Schlachthoftier, sondern ein Hecht. Ich hatte wieder einmal in Schweden geangelt und konnte einen Hecht ins Boot holen. Als ich ihn betäuben wollte und ihm in die Augen schaute – was zuvor problemlos ging – konnte ich nicht mehr zuschlagen und ich setzte dieses Tier wieder zurück. Ich sah ihm bei der Flucht zu und freute mich für ihn. Zuhause erzählte ich meiner Frau nichts davon, ich hatte einfach nichts gefangen und den Rest des Urlaubes hatten wir eben immer etwas anderes unternommen als angeln. Zuhause dauerte es ein klein wenig, bis ich dann nach Hause kam und meiner Frau mitteilte, dass ich per sofort vegan leben würde. Meine Frau hatte dieses schon erahnt und schloss sich meinem Weg an.

Philipp: Der Umdenkprozess begann bei mir erst vor wenigen Jahren. Ich hatte als Nebenerwerb ein Freilandgehege mit Schweinen und mit der Zeit entstand eine sehr starke Bindung zu diesen wunderbaren Tieren. Ihre Tötung führte letztendlich zur Wende, denn auch das schönste Leben rechtfertigt keinen bestialischen Tod für einen Gaumenschmaus.

Riccardo: Bis zum Dezember 2017 war ich überzeugt dass ich einen gesunden Lebensstil habe und mich bewusst ernähre. So weit ich mich erinnere ass ich täglich ein bis zwei mal Fleisch. Meistens einmal zu Mittags und einmal zum Abendessen. Auch Eier konsumierte ich erschreckend viele, bis zu 15 Eier zu essen war für mich normal. Mein Lieblingsrestaurant war ein Steakhouse welches ich regelmässig besuchte und auch viele Freunde dazu animierte mitzukommen. Als ich dann am 19. Dezember 2017 mit meinem Kumpel David (Koch) bei Thomas zu Hause war, sagte er uns beiläufig dass er vegan ist. Das Bild von Thomas passte für mich gar nicht in das Bild eines Veganers und deswegen wurde ich skeptisch und fragte nach. Da ich Thomas mit seinen 42 Jahren als sehr gesundheitsbewusst, sportlich und gesund wahrgenommen habe, wollte ich es genau wissen. Wir redeten etwa eine Stunde lang darüber weshalb er vegan wurde und dadurch entstand eine spannende und respektvolle Diskussion. Irgendwann schaute ich David an und sagte: “David, wir müssen wohl unser Ego zur Seite legen und uns eingestehen dass Thomas recht hat.”

„Mein grösstes Fragezeichen zu diesem Zeitpunkt war: “Was esse ich dann noch? Ich kann doch nicht auf alle Dinge, die ich sonst esse, verzichten!”

Riccardo Tweet

Thomas kochte uns dann etwas leckeres und fragte: “Ist der Geschmacksunterschied von dem, im Vergleich zu dem was ihr sonst esst, mehr Wert als ein Tierleben?”
Ich habe die Frage mit nein beantwortet und entschloss mich, rund 90 Minuten nachdem ich mich zum ersten mal mit Veganismus beschäftigt habe, auf mein Herz zu hören und vegan zu werden.

Gleich am nächsten Tag reduzierte ich den Konsum von Tierischen Produkten um rund 80-90% und nach drei Monaten Schritt für Schritt umstellen, war ich dann vegan und handle seit dem konsequent nach meinen Werten.

Wie lange wart ihr denn dort aktiv und was waren eure Aufgaben?

Thomas: Ich hab insgesamt 20 Jahre als Metzger gearbeitet, bzw. 17 Jahre als Personaldienstleister für Schlachthöfe. Hauptsächlich im Bereich der Zerlegung, aber auch einige Jahre Schlachtung. Ich habe somit mehr Personal koordiniert, beschafft, die Arbeit kontrolliert. Ebenso mehrfach täglich den Bereich der Tötung. Ich bin heute erschüttert welche Aufnahmen in den Medien gezeigt werden. Diese “Zustände” kenne ich aus meiner Laufbahn so nicht. Natürlich kam es auch im Bereich der Rinderschlachtung zu Fehlbetäubungen, aber ich, als auch der Schlachtmeister und Inhaber, haben darauf geachtet, dass es “vernünftig” abläuft.

Peter: Beruflich nur die kurze Zeit der Ausbildung, jedoch schlachtete ich weitere 15 Jahre bei Landwirten, die ich kannte. Beruflich war meine Hauptaufgabe während der Zeit die Zerlegung der Tiere und die Wurstzubereitung.

Philipp: Meine Ausbildung zum Metzger liegt bald 20 Jahre zurück. Bei dem Betrieb handelte es sich um eine kleine Dorfmetzgerei. Mir wurden sämtliche Tätigkeiten von der Betäubung/Tötung bis zur Wurstherstellung beigebracht. Die Woche begann grundsätzlich mit der Schlachtung von Schweinen, dann folgten, je nach Bedarf, Kälber/Rinder/Bullen und zu bestimmten Festen auch Schafe und Lämmer. Der Umgang mit dem Bolzenschussgerät oder der Strombetäubungszange war für mich nach kurzer Zeit Routine.

Seit meines erfolgreichen Abschlusses habe ich nicht mehr in diesem Beruf gearbeitet, aber noch ein paar Jahre Hausschlachtungen durchgeführt.

Riccardo: Ich arbeitete für 4 Jahre hinter der Fleischtheke des grössten Supermarktes der Schweiz. Dort verarbeitete ich Fleisch, Fisch, Wurstwaren und Käse. Die Tiere wurden im Schlachthof getötet, dann wurden die Körperteile in Stücke geschnitten und diese wurden uns zugeliefert damit wir das Fleisch weiter verarbeiten konnten. Wir schnetzelten, hackten, trennten Koteletts, enthäuteten Leber, marinierten, panierten und machten das Fleisch bereit zum kochen. Im Hintergrund verarbeiteten wir also Fleisch und an der Theke verkauften wir das abgewogene Fleisch den Kunden.

Gab es trotzdem einen ausschlaggebenden Moment, der euch dazu bewegt hat, euch gegen euren Job zu entscheiden? Da hängt in dem Moment ja erstmal auch eure Existenz dran. Beschreibt bitte mal, was euch dazu bewegt hat, diesen Schritt zu gehen.

Thomas: Als ausschlaggebend würde ich diesen Moment bezeichnen wie oben beschrieben. Du fängst an zu grübeln ob das alles so richtig ist was du machst. Von diesem Moment an habe ich auch bewusst immer die Betäubung beobachtet, und habe festgestellt, dass die Schweine, wenn sie im Fahrstuhl nach unten ins Gas fahren schlimme Qualen erleiden und es kein Entkommen gibt. Die Schreie prägen sich ein. Eins schwirrt mir auch immer im Kopf rum, das war ein schöner, pechschwarzer Bulle, echt wie gemalt, der nicht sterben wollte. Sechs Mal wurde er geschossen. Es war aber keine Fehlbetäubung, es war der richtige Punkt und die richtige Stelle, aber er wollte nicht gehen. Sowas vergisst du nie.

Peter: Die Entscheidung war für mich keine existenzielle Entscheidung, da ich ja noch zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn stand, aber sie hatte Auswirkungen, nämlich das ich eben keine Kochausbildung antrat und mehrere Jahre meine Berufe wechselte und somit in unterschiedlichen Berufszweigen Erfahrung sammeln durfte, bevor ich 199 meine Umschulung zum Steuerfachangestellten abschloss und seitdem bei meinem jetzigen Arbeitgeber tätig bin.

Philipp: Diese Entscheidung hatte damals noch gar nichts mit den Tieren zu tun. Ich wollte diese harte und auch schmutzige Arbeit für schlechte Bezahlung einfach nicht mehr machen.

Riccardo: Den Metzgerberuf verließ ich drei Jahre bevor ich vegan wurde.
Ich war einfach nicht glücklich dort und war auch nie stolz dort zu arbeiten. Es war mir immer unwohl über die Fleischbranche zu sprechen und so weiß ich heute auch dass ich im Herzen schon immer vegan war, jedoch mich von der Gesellschaft zu jemandem formen ließ, der ich nicht war. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich in den ersten zwei Wochen meiner Ausbildung mit meinem Arbeitskollegen sprach und er sagte: “Ihr habts schon viel lockerer, wir mussten früher noch für paar Wochen auf den Schlachthof.”

Darauf antwortete ich: “Zum Glück, denn das könnte ich niemals tun.”
Ich war am Anfang einer dreijährigen Ausbildung in der Fleischindustrie und wusste dass ich niemals freiwillig ein Tier töten könnte. Dass also alles was ich verkaufte gegen meine Werte ist, realisierte ich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Fleisch schmeckte mir und mir wurde gesagt dass es gesund und notwendig ist.

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Man hört immer wieder von Schlüsselmomenten, wo Mitarbeiter von Schlachtbetrieben bestimmte Tiere an Gnadenhöfe abgegeben haben.

Gab es auch Momente, wo ihr emotionale Nähe zu einem bestimmten Tier entwickelt habt oder gab es sogar Situationen, wo ihr oder eure Kollegen ein bestimmtes Tier kurzfristig doch noch „verschont“ haben?

Thomas: Man hätte so viele mitnehmen wollen, aber wenn sie einmal hinter den Mauern sind gibt es kein Entrinnen mehr. Du musst im Kopf den Schalter umlegen, sonst geht es nicht. Wenn dir ein neugieriges Schwein an den Fingern schnüffelt und es im nächsten Moment getötet wird ist nicht schön. Da musst du aushalten.

Peter: Das geschah außerhalb des eigentlichen Schlachtens, nämlich beim Angeln:
Ich hatte wieder einmal in Schweden geangelt und konnte einen Hecht ins Boot holen. Als ich ihn betäuben wollte und ihm in die Augen schaute – was zuvor problemlos ging – konnte ich nicht mehr zuschlagen und ich setzte dieses Tier wieder zurück. Ich sah ihm bei der Flucht zu und freute mich für ihn. Zuhause erzählte ich meiner Frau nichts davon, ich hatte einfach nichts gefangen und den Rest des Urlaubes hatten wir eben immer etwas anderes unternommen als angeln.

Philipp: Ich kann mich nicht erinnern damals ein Tier verschont zu haben, leider! In mein Gedächtnis haben sich jedoch viele grausame Ereignisse eingebrannt. Emotionale Nähe zu einem Tier entsteht oft schon durch einen einzigen Blick in die Augen.

Ich kann mich sehr gut an einen sanftmütigen Ziegenbock erinnern. Seine Besitzerin führte ihn mit einem Seil am Halsband in den Hof. Ich hatte ihm extra eine Schale Kraftfutter vorbereitet um ihn dann stressfrei schießen zu können. Er hatte jedoch so große Hörner, dass ich den Bolzenschussapparat nicht richtig positionieren konnte und es waren drei Schüsse notwendig um eine halbwegs wirksame Betäubung zu erzielen. Seinen Todeskampf sehe ich heute noch.

Riccardo: Da ich nur in der Fleischveredelung gearbeitet habe, kann ich keine solche Geschichte teilen.

Wie haben eure Arbeitskollegen und euer Umfeld reagiert, als ihr ihnen gesagt habt, dass ihr nicht mehr Teil dieses Systems sein möchtet?

Thomas: Ich bin zuerst ausgestiegen und dann kurze Zeit später den Schritt zum Vegetarier gemacht. Zum Veganer wurde ich später. Ich kenne niemanden in meinem Umfeld der sich positiv geäußert hat. Sie kannten mich als Metzger, und dann plötzlich die Fronten wechseln war ein Unding. Ich musste mir sehr viel dummes Zeug anhören. Aber wahrscheinlich weil viele mit meiner konsequenten Art nicht klar kommen.

Wie sagte mein damaliger Nachbar: vom Saulus zum Paulus, alles Spinnerei, alle Tierschützer sind verrückt…

Peter: Da ich in der Ausbildung war, wurden meine Empfindungen bzgl. Schlachthof damit abgetan: „Na, da gewöhnst du dich schon dran, da mussten auch wir durch.“ Natürlich habe ich nicht den vollen Einblick in meine Gefühle offenbart, als Mann ist man(n) ja stark und unantastbar. Ich wollte mich aber auch nicht daran gewöhnen, sah ich immer mehr von den Schlachthofarbeitern beim Trinken, sogar während der Arbeitszeit. So wollte ich nie werden.

Philipp: Viele meiner Kunden der geschlachteten Freilandschweine hatte kein Verständnis für meine 180-Grad Wende. „Besser wie du es gemacht hast, kann es niemand“ und „deine Schweine hatten doch das schönste Leben auf Erden“ waren nur ein Bruchteil der Aussagen.

Riccardo: Meiner Meinung nach ist es immer eine Frage, wie man etwas kommuniziert. Ich habe ganz einfach gesagt dass ich mich ausführlich informiert habe und dies nicht mehr unterstützen möchte. Meiner Gesundheit, den Tieren, der Erde und den ärmsten Menschen auf der Welt zu liebe.

Tierschutzorganisationen und sogar Blogger verschaffen sich immer wieder Zutritt zu Schlachthöfen, um auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen. Was haltet ihr von solchen Aktionen?

Thomas: Ich finde es gut und notwendig, aber es ist traurig, dass so etwas überhaupt notwendig ist und in den Betrieben sämtliche Kontrollinstanzen versagen. Es ist natürlich für Außenstehende immer grausam zu sehen wenn ein Tier ermordet wird. Das sind niemals schöne Bilder. Ich sehe das Problem an dem fehlenden Interesse der Politik verschiedene Dinge nachhaltig zum positiven ändern zu wollen.

Peter: Ich gehe mit dem Urteil von Naumburg konform und sehr solche Aktionen als Nothilfe an. Ich möchte jedoch deutlich betonen, dass ich nicht toleriere, wenn sich manche Aktivisten im falschen Aktivismus wiederfinden und unvorbereitet einfach in Ställe eindringen. Ich sehe jedoch viele gut geschulte Aktivisten, die zuvor über gute Recherchen sich die Hintergründe zu den Betrieben eingeholt haben und auch beim Eindringen die hygienischen Vorschriften einhalten, das ist für mich Voraussetzung.

Philipp: 2017 ließ ich mich für die Soko Tierschutz mit versteckter Kamera als Kopfschlächter in zwei Schlachthöfen anstellen und sorgte mit den Aufnahmen für einen großen medialen Skandal. Die Arbeiter verloren daraufhin ihre Arbeitsplätze und ein Schlachthof (Eschweiler) wurde geschlossen. Die Ermittlungen gegen den Schlachthof Düren laufen bis heute. Einer der damals größten Abnehmer dort war McDonalds, der die Zusammenarbeit mit Düren daraufhin kündigte. Diese Aufdeckungsarbeit ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden und ich bin bis heute an Recherchen aller Art beteiligt. Solange die Kontrolle der Betriebe systematisch versagt, werde ich mit Aufdeckungen weiterhin auf das Leid der Tiere aufmerksam machen. Die Verbraucher haben ein Recht auf die Wahrheit die hinter tierischen Produkten steckt und sollten sie in den Regalen liegen lassen.

Riccardo: Ich finde diese Aktionen gut und nötig, so lange keine anderen Lebewesen dabei verletzt oder angegriffen werden. Diese Aktionen sollten friedlich verlaufen und zur Aufklärung dienen. Es ist gut, wenn die Medien Aufwind um dieses Thema machen und dies in Zeitungen, Radio und Fernsehn behandeln ,damit mehr Menschen darauf aufmerksam gemacht werden.

Euer gemeinsames Video ging viral und hat viel positives Feedback erhalten. Auch viele Medien haben positiv darüber berichtet. Wie kam es dazu, dass ihr das Video gemacht habt und wie habt ihr euch kennengelernt?

Thomas: Ich war mit Phil über Facebook befreundet, und ihm kam die Idee mit noch ein paar anderen ehemaligen Metzgern das Video zu erstellen. Ich war sofort begeistert und dann ging es auch sehr schnell. Leider hatten wir fünf noch keine Gelegenheit uns alle persönlich kennenzulernen, das wird aber kurzfristig nachgeholt.

Peter: Ich stand mit Phil schon länger in Kontakt, da wir beide auch vieles an Tierquälereien dokumentiert hatten. Ich habe mich dabei zwar auf ein anderes Klientel konzentriert, aber doch kam es so zu einem Gedankenaustausch, wobei wir einen relativ ähnlichen beruflichen Werdegang feststellten.
irgendwann kam die Idee zum Video und wurde immer weitergedacht, auch unsere anderen 3 Kollegen kamen hinzu. Dann hieß es: „Videobotschaft, maximal 30 Sekunden und los“. So musste es sein, wir drehten alle mit unserem Handy ohne Script, lediglich der Daumen auf uns selber und der Finger in die Kamera zum Text: „Wenn ich mich ändern kann, dann kannst du es auch“, war die Vorgabe. Wir hatten alle zwar Hoffnungen auf eine entsprechende Verbreitung, aber diesen Erfolg hatte niemand von uns in seinen kühnsten Träumen erahnen können.

Philipp: Wir haben uns über die sozialen Medien kennengelernt. Jeder von uns steuerte Vorschläge und Ideen zu diesem gemeinsamen Projekt bei. Es sollte kein professioneller Film, sondern einfach ein simpler Zusammenschnitt eigener kurzer und authentischer Clips sein.

Riccardo: Durch Thomas bin ich auf das Radiointerview von Philipp Hörmann bei Radio Proton gestoßen. Dieses Interview fand ich so spannend und gelungen, dass ich beim Sender auf der Facebook-Seite kommentierte und dabei erwähnte, dass ich auch in der Fleischindustrie arbeitete. Phil kontaktierte mich dann und erzählte mir vom Projekt “Metzger gegen Tiermord”. Ich erzählte Thomas davon und so bildete sich eine Gruppe von veganer Ex-Metzgern.

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Ihr agiert unter dem Namen „Metzger gegen Tiermord“ und unter dem Hashtag – #IchBinDabei ist euer Video viral gegangen. Wie wichtig seht ihr Social Media im Zusammenhang mit Aufklärung dazu, was hinter den Wänden der Schlachtbetriebe passiert?

Thomas: Du kannst natürlich über Social Media unwahrscheinlich schnell Informationen verbreiten. Ich weiß nur nicht, ob es sinnvoll oder abschreckend ist Fleischesser täglich damit zu bombardieren. Wir missionieren auch nicht! Das kann auch nach hinten losgehen. Es ist ein sehr sensibles Thema, und somit sind auch sehr viele Veganer dabei die sehr emotional handeln und schimpfen. Aber ich habe es schon sehr oft erlebt, dass viele Fleischesser beschimpft wurden. Und das ist der falsche Weg um sie abzuholen. Die Geräuschkulisse kann man über die sozialen Medien aber nicht transportieren – das „live“ zu erleben ist Horror pur.

Peter: Die Fleischlobby ist sehr einflussreich, sie besetzt sogar die wichtigen politischen Posten. Eine perfekte PR-Kampagne vermittelt den Kunden immer den Eindruck der freilaufenden Tiere die glücklich geschlachtet wurde. Niemand hinterfragt, ob es ein glückliches Töten überhaupt geben kann, die PR hat ganze Arbeit geleistet. In den TV Anstalten kamen Skandale selten  zur Thematisierung, denn natürlich zahlte die Tierlobby viel Geld durch Werbung.
Die Verbreitung der Social Medias ermöglichte dann jedoch auch Tierschützern und Tierrechtlern ihre Entdeckungen außerhalb der normalen Medien zu verbreiten und hierdurch kamen auch die TV Anstalten hinzu und berichteten. Die Social Medias sind mir als Tierrechtler ein Segen geworden, denn hierdurch kann niemand die Verbreitung der tierquälerischen Tierhaltung verhindern.

Philipp: Social Media sehe ich als Aufklärungsplattform der Zukunft. Die jüngeren Generationen wachsen nahezu ausschließlich damit auf und deshalb müssen wir sie genau dort abholen und aufklären.

Tom: Dank Social Media wird wenigstens ansatzweise die Möglichkeit gegeben den Menschen zu zeigen was da abgeht. Aber selbst Fotos und Videos sind nicht 100% „real“. Es fehlen die Gefühle, die Energie, die Gerüche, die Geräusche… Was denkst du, warum Gewächshäuser Wände aus Glas haben und Schlachthäuser nicht?

Trotzdem denke ich, von uns schimpft keiner. Wir reden so respektvoll wie möglich. Wir wissen, was den Menschen möglicherweise die Augen und das Herz öffnet. Beschimpfungen tun beides nicht.

Riccardo:  Social Media ist meiner Meinung nach für jede Bewegung essentiell.
Nie zuvor war es möglich innert Stunden und Tagen hundertausende von Menschen zu erreichen, ohne in den Medien zu kommen. Heute sind wir so stark miteinander vernetzt dass sich Informationen viel schnell verbreiten können. Videos, Dokumentationen und Vorträge welche Online zu finden sind, helfen Veganismus zu verbreiten und die Menschen aufzuklären.

Wie schafft ihr es, hier in Gesprächen konstruktiv zu bleiben? Was ist euer Weg?

Thomas: Vielmals kommt von den omnivor lebenden Menschen immer eine Entschuldigung wie: Ich kauf nur Bio, beim Metzger des Vertrauens oder ich esse nur ganz wenig Fleisch. Ich sag ihnen dann immer, dass sie sich dafür nicht rechtfertigen oder entschuldigen müssen, aber vielleicht einfach mal drüber nachdenken sollen ob Bio, ganz wenig oder Metzger des Vertrauens nicht auch Tod bedeuten.

Du kannst nur versuchen sie auf den richtigen Weg zu bringen, das gelingt aber nicht immer über das Thema Tierschutz, auch Thema Umwelt spielt oft eine große Rolle. Mit Ablehnung oder moralischer Überheblichkeit erreichst du nichts.

Peter: Nun ja, ich habe selber viele Jahre benötigt alles zu verstehen, habe ich also das Recht meinem Gegenüber diese Entwicklung abzusprechen? Ich denke, als Neuveganer glaubt man, dass dadurch dass ich es verstanden habe mein gegenüber es auch verstehen muss, dem ist aber nicht so, er benötigt ebenso Zeit wie ich auch. Ich halte ihm einen Spiegel vor, indem ich die gesamte Grundlage seiner gesellschaftlichen Entwicklung – Fleisch ist gesund, Milch ist wichtig – in Frage stelle.
Nein, da müssen wir mit Geduld herangehen und dass ist Ziel unserer Kampagne:
Du bist nicht schuldig, du wusstest es bisher nur nicht besser. Nun jedoch bitten wir dich, informiere dich. Wir haben genauso gedacht und gelebt wie du, konnten jedoch die gesellschaftlichen Vorurteile selber bewerten und haben uns empathisch entschieden. Sei auch du dabei.

Philipp: Ich überzeuge mit Wissen und Fakten. Ich kenne nahezu alle Bereiche der „Nutz“tierhaltung und habe auch Erfahrung betreffend Züchtung/Mast. Wir haben schlichtweg die besseren Argumente und es genügt diese sachlich an die Menschen zu bringen.

Riccardo:  Ich führe mir vor Augen, dass ich Aktivist bin für eine bessere Welt, für all das Leid welches tierische Produkte verursachen. Und um effizient den Veganismus zu verbreiten, muss ich eine Strategie wählen die nicht zwingend mir passen muss, sondern gute Ergebnisse bringt. Deswegen versuche ich mein Bestes mein Ego raus zu nehmen und mein Gegenüber auf die Art und Weise zu erreichen dass diese Person offen dafür wird und sich mit der Thematik auseinander setzt.

In meinem Umfeld konnte ich viele Erfolge feiern und zahlreiche Menschen dazu begeistern und inspirieren vegan zu werden, sich rein pflanzlich zu ernähren oder den Konsum von tierischen “Produkten” stark zu reduzieren. Dies gelang mir hauptsächlich indem ich Verständnis für die Meinung meines Gegenübers zeigte und stets freundlich und respektvoll blieb.

Könnt ihr verstehen, dass dennoch immer noch Millionen Menschen das Bewusstsein und die Empathie zu diesem Thema fehlen? Welche Gründe dafür seht ihr hauptsächlich?

Thomas: Unwissenheit kann es vielmals nicht mehr sein – es gehen und gingen genügend Bilder durch die Medien. Es ist einfach das ausblenden der “Produktionsabläufe” und… für mich ein riesen Problem: Der Preis! Es ist viel zu billig und wird als Wegwerfartikel gehandelt. Es muss um einiges teurer werden damit der Konsum rückläufig ist, so ist es mit allem was im Überfluss da ist.

Peter: Unwissenheit definitiv nicht, sondern Verdrängung. Der Mensch verdrängt, was sein Innerstes erschüttert. Jeder weiß um die Zustände in den Schlachthöfen und in den Mastbetrieben, aber man beruhigt sein Gewissen gerne damit, dass wir ja schon immer Fleisch gegessen hatten – was so übrigens nicht stimmt, denn z.B. im Mittelalter war es den reichen vorbehalten Fleisch zu essen, die Armen erhielten es äußerst selten. Da es ja die Gesellschaft so praktiziert muss es ja in Ordnung sein. Durch diesen Gesellschaftszwang ist schon so viel Unheil über die Menschheit gekommen, denken wir an die Kriege. Niemand hinterfragt, weil man Angst vor der Wahrheit hat. Wer sieht heute noch auf unseren Wiesen und Feldern Kühe und Schweine – dieses sieht man äußerst selten und doch stinkt es überall nach Gülle. Wo kommt die her? Es möchte keiner wissen. Die PR der Fleischlobby tut ihr weiteres, um die Menschen zu täuschen und ihnen ein Gutfühlgefühl zu geben. Für mich sollte jedes tierische Produkt, gleich den Zigaretten, mit einem Bild der Tierhaltung, bzw. Schlachtung versehen werden. Sir Paul Mc. Cartney sagte einst: „Wenn Schlachthäuser aus Glas wären, dann würde niemand mehr Fleisch essen.“

Philipp: Unwissenheit ist heutzutage nur noch schwer zu begründen, denn die Menschen haben nahezu unbegrenzten Zugang zu sämtlichen Medien. Es ist sicher auch die Angst seine eigene Lebenseinstellung in Frage zu stellen. „Wir haben es immer so gemacht… Tradition… wir wurden so erzogen…“ – es ist schwer festgefahrene Gewohnheiten zu verändern.

Riccardo: Ich denke, dass es nicht nur ein Problem von Bewusstsein bezüglich Veganismus ist. Die Gesellschaft hat viele Menschen geformt das zu glauben was in den Medien gesagt wird, nicht mehr selber zu hinterfragen und ihre Probleme mit Problemen von anderen schön zu reden. 

Auch in Bezug auf Gesundheit, Ökologie, Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsentwicklung, Drogen und Umgang mit Menschen sehe ich oft Menschen die völlig ohne Bewusstsein durch die Welt “vegetieren”. Deshalb denke ich dass es ein Ganzheitliches Problem ist. Menschen sind gerne in der Komfortzone und suchen gerne den Schuldigen überall nur nicht bei sich selber. Viele fühlen sich in der Opferrolle wohl weil sie die Verantwortung abgeben können und sich selber keinen Schritt aus Ihrer Wohlfühlzone raus bewegen müssen. Doch dieses Denken hat uns dorthin geführt wo wir jetzt sind, in eine Welt wo Liebe, Respekt und Nachhaltigkeit nicht sehr gross geschrieben wird. Deswegen sollten wir als gutes Beispiel vorangehen und Menschen dazu inspirieren, sich für eine bessere Welt einzusetzen.

Was empfehlt ihr Menschen, die etwas ändern möchten, aber noch nicht wissen, wie sie anfangen sollen?

Thomas: Ich verleihe dann gerne mal ein vegetarisches Kochbuch damit sie sehen was man alles essen kann. Anfangs dachte ich auch: „Super, nur noch Nudeln, Kartoffeln und Reis!“ – doch ich wurde eines besseren belehrt. Auch gut kommt immer: Sie zum Essen einladen.

Peter: Kontakte zu veganen Gruppen aufbauen, Rezepte aus guten veganen Kochbüchern zu testen, Magazine und Blogs zu abonnieren und die China Study zu lesen für alle, die sich auch dem gesundheitlichen Aspekt nähern möchten. In den Städten trifft man heute so viele Tierschutzorganisation und inzwischen fast überall auch Anoumymos for the Voiceless (AV) mit ihren Cube.
Sprecht sie an, outet euch, fragt um Rat. Sie helfen euch gerne.

Philipp: Sie sollten sich mit gleichgesinnten und erfahreneren Menschen verbinden. Die vegane Bewegung ist größtenteils sehr hilfsbereit und möchte Neueinsteiger unterstützen. Man ist überall bei Veranstaltungen herzlich willkommen und trifft tolle Leute. Es gibt (kostenlose) vegane Starthilfen und Apps von Tierschutzorganisationen. Auch YouTube sind viele tolle Videos dazu zu finden.

Riccardo: Einerseits werden die meisten Menschen durch jemanden im Umfeld dazu inspiriert. Diese sollten auf jeden Fall Tipps von ihren veganen Freunden holen. Dazu gibt es Online auch unzählige Videos, Blogs und Websites welche wertvolle Tipps zur Umstellung geben. Anderseits gibt´s jedoch auch Menschen, die sich selber informiert haben und diese sollten die Onlinetools nutzen. Es gibt zum Beispiel auch die Challenge 22, die dich auf dem Weg zur Umstellung begleitet.

Welchen Berufen geht ihr heute nach und was hat sich in der Zeit seit dem Umdenken für euch persönlich geändert?

Thomas: Ich hab eine Pension mit kleinem angeschlossenen Gnadenhof, habe Ponys, Esel, Schweine, Ziegen, Kaninchen, Katzen und Hunde. Außerdem bin ich Tierheilpraktiker, Verhaltenstherapeut für Hunde, Katzen, Pferde, Ernährungsberater für Hunde und fange bald die Ausbildung zum Hundetrainer an.

Was sich geändert hat? Man ist freier im Kopf und nicht mehr gefangen in dieser Maschinerie. Es war natürlich auch sehr lustig, als ich die Ausbildung zum Tierheilpraktiker gemacht habe. Da hat mir jeder unterstellt, ich müsse wohl jetzt das gut machen was ich die Jahre zuvor Böses getan habe.

Peter: Ich bin seit vielen Jahren in einer international handelnden Biounternehmung für Lebensmittel tätig. Was sich geändert hat? Ich bin Pazifist geworden, löse also keine Probleme mit Gewalt. In Bezug auf die Tierrechte bin ich geduldiger geworden und bin auch bereit Zwischenschritte – als solche auch definiert – zu respektieren.

Philipp: Bin heute Berufsfeuerwehrmann und Rettungsassistent (nicht Rettungssanitäter). Die vegane Lebensweise in Verbindung mit aktiver Tierrechtsarbeit macht mich zufrieden und mir tut die Zeit vor dem Erwachen in Bezug auf die Opfer meines Konsums sehr leid.

Riccardo: Aktuell arbeite ich aktiv mit meinem Freund Thomas an unserem gemeinsamen Projekt V-Form.
Auf Youtube und Instagram bieten wir Inhalte zum Thema Veganismus. Wir haben schon Events geplant, durften an Veranstaltungen und Schulen sprechen und verbreiten den Veganismus über unsere Kanäle aktiv.

Durch meine Umstellung zum Veganer realisierte ich was mich wirklich glücklich macht.  Meine Zeit dazu zu nutzen die Welt besser zu machen. Meine Energie in etwas zu investieren was anderen Lebewesen Mehrwert gibt und etwas bewirken. Mit V-Form wollen wir Bewusstseinserweiterung rund um das Thema Veganismus betreiben und Menschen inspirieren. Zahlreiche Menschen welche durch uns vegan wurden, haben sich bereits bei uns bedankt und sind nun selber ein Teil der Community welche gegen Außen den Veganismus verbreiten.

Habt ihr eine Art „Flashbacks“ oder Gewissenskonflikte „etwas gut machen zu müssen“?

Peter: Nein, da brauche ich nichts gut zu machen, denn ich denke, jeder Mensch wird Fehler machen, sein gesamtes Leben. Die Größe eines Menschen basiert darauf, wie er mit seinen Fehlern umgeht, bzw. diese vermeidet, wenn er sich bewusst ist, dass sein Handeln falsch war.

Philipp: Die Bilder von kämpfenden Tieren im Sterbeprozess wird man nicht mehr los. Die panischen Schreie in den Treibgängen oder der Betäubungsbox hört man immer wieder. Der unglaubliche Lärm in Verbindung mit Blut-/Uringestank brennt sich unauslöschlich ins Gedächtnis. Ja ich kenne die Geschichte hinter einem Schnitzel und möchte dieses Leid beenden. Meine Vergangenheit kann ich nicht ändern, die Zukunft sehr wohl und ja, ich werde versuchen vieles gutzumachen!

Riccardo:  So sehe ich es nicht, hätte ich die Informationen gehabt welche ich heute habe, hätte ich von Anfang an anders gehandelt. Deswegen liegt mir so viel daran diese Informationen mit der Welt zu teilen.

Ich denke manchmal an den besagten schwarzen Bullen, den werde ich wohl nie aus dem Kopf bekommen. Gut machen kann ich nur, indem ich den Tieren was zurückgebe. Und das tue ich mit Liebe und Hingabe.

Gibt es zum Schluss noch etwas, was ihr den Lesern mitteilen möchtet?

Thomas: Ich wünsche mir, dass jeder mal tief in sich geht, und mal seinen Konsum überdenkt und sich ernsthaft die Frage stellt ob er diese Ausbeuterindustrie weiter unterstützen möchte. Hier werden nicht nur Tiere ausgebeutet, als Mensch bist du auch nichts wert in diesen Betrieben.

Peter: Ja, hinterfragt bitte „Traditionen“, folgt nicht immer der Herde. Nur weil andere etwas machen heißt es nicht, dass es in Ordnung ist. Habt auch keine Angst vor Veränderungen, denn Veränderungen sind Erweiterungen des eigenen Horizontes. Selbst meine Mutter wurde mit 72 Jahren Veganerin – das ist keine Entscheidung des Alters, sondern der Empathie.

Philipp: Solange der Verbraucher mit seinem Einkauf den Auftrag für die Ausbeutung in der Haltung, die Gewalt der Transporte und die bestialische Tötung gibt, wird sich nichts ändern. Diese Erkenntnis ist gleichzeitig auch die große Chance. Lasst tierische Produkte in den Regalen liegen und füllt sie mit mit pflanzlichen Alternativen.

Riccardo: Bitte denkt nicht nur an euch, denkt an eure Familie, zukünftigen Generationen, an die schöne Erde auf der wir leben dürfen und an eure Gesundheit.

Danke, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt. Tiefsten Respekt für euren späteren Werdegang und euer Umdenken.

Thomas´ Gnadenhof: www.landpension-freiimfelde-luckau.de 

Tom´s YouTube-Channel: V-Form

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Vom Schlachter zum Veganer

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Gruß Hubert