Archiv für 18. März 2019

Es bräuchte nur einen einzigen Beweis   Leave a comment

.

Oft wird Atheisten von Gläubigen vorgehalten, dass sie halt auch einen Glauben haben. Das ist nicht so. Denn Atheisten glauben nur nicht an eine Existenz eines Gottes, wie es Gläubige tun.

Aus awq.de

Es bräuchte nur einen einzigen verifizierbaren Beweis, um Atheismus zu zerstören.

.

t4w3wq8f7ej

.

In Gesprächen mit Gläubigen wird man als Atheist mitunter mit gar wundersamen Ideen konfrontiert. An einigen dieser Ideen kann man erkennen, dass sie – bewusst oder unbewusst – von falschen Voraussetzungen ausgehen.

Dann wird zum Beispiel gerne mal behauptet, ein atheistischer Standpunkt sei ja “auch nur ein Glaube.” Das ist schon mal insofern lustig, weil “auch nur” ja impliziert, dass Glaube nichts Besonderes ist. Dass Atheismus das genaue Gegenteil von religiösem Glauben ist, scheint ihnen nicht klar zu sein.

Fragt man weiter nach, kommt oft heraus, dass sie von ihrem eigenen, religiösen Standpunkt aus denken. Und dass sie sich manchmal gar nicht vorstellen können, dass man auch in Weltanschauungsfragen mit rationalen Methoden weiter kommen kann als mit Glaube.

Sie sind der Meinung, Atheisten müssten dieselben Nöte haben wie sie selbst, wenn es darum geht, das eigene Weltbild mit dem eigenen Anstand, Verstand und mit der persönlichen intellektuellen Redlichkeit in Einklang zu bringen.

Dabei ist es genaugenommen viel einfacher, ehrlicher und komfortabler, in einer nicht um religiöse Phantasien erweiterten Scheinwirklichkeit zu leben.

Glaubensgewissheit dank Denkverzicht

Interessant ist es auch, Gläubige zu fragen, wie stark oder wahr sie ihre eigene Glaubensüberzeugung einschätzen. Nicht selten hört man dann, mit dem Brustton der Überzeugung: “Natürlich 100 Prozent!” Fragt man den Theisten, ob er sich vorstellen könne, dass ihn irgendetwas – ein Erlebnis, eine Erkenntnis, was auch immer – auch nur einen Millimeter von dieser 100%-Marke abbringen könnte, lautet die Antwort, oft mit derselben Überzeugung: “Nein, natürlich nicht.”

Dabei handelt es sich keineswegs nur um einfältige, naive Gemüter. Sondern durchaus auch um Zeitgenossen, die ein äußerst kritisches und rationales Denken anwenden. Aber nur, solange es nicht um ihre Glaubensgewissheiten geht. Denn an dieser halten sie unbeirrbar fest. Ohne sie je kritisch zu hinterfragen.

…nur bis zum Beweis des Gegenteils

Anders sieht es bei Menschen mit einem rationalen Standpunkt aus. Denn bei einem solchen gelten Erkenntnisse immer nur bis zum Beweis des Gegenteils.

Natürlich wird auch ein rational-kritisch denkender Mensch Überzeugungen und Gewissheiten haben. Diese basieren allerdings, anders als beim religiös Gläubigen, nicht auf Dogmen und Glaubenslehren. Sondern auf Erkenntnis und Wissen. Gewonnen durch Beobachtung, Versuch, Prüfung der Plausibilität.

Kritisch zu denken bedeutet nicht, ständig alles grundsätzlich in Frage zu stellen. Oder generell an allem zu zweifeln. Kritisch denken bedeutet aber zum Beispiel sehr wohl, etwas, für das es keinen verifizierbaren Beweis gibt, bestenfalls als Hypothese anzuerkennen. Und dementsprechend zu behandeln.

Unredlicher Umgang mit einer schlechten Hypothese

Hierin unterscheidet sich ein atheistischer von einem theistischen Standpunkt wohl am deutlichsten. Denn wer an Gott glaubt, tut so, als gäbe es diesen Gott tatsächlich. Und zwar, ohne dafür irgendwelche seriösen Beweise liefern zu können. Oder zu verlangen.

Er behandelt eine (schlechte, längst widerlegte) Hypothese wie eine evidenzbasiert bewiesene Tatsache. Jede Lehre, die von Menschen geglaubt werden muss, kann deshalb bestenfalls so hypothetisch sein wie die Hypothese, auf der sie basiert. Damit ist unter anderem auch die komplette angemaßte Wissenschaft der Theologie obsolet. Weil der Kernpunkt aller theologischer Betrachtung bis zum Beweis des Gegenteils eine rein menschliche, völlig beliebig definierbare Fiktion ist.

Bewältigungsstrategien

Stattdessen verfügen sie oft über ein ganzes Arsenal an Methoden, mit denen sie versuchen, diese kleine, aber schwerwiegende Unredlichkeit zu bewältigen. Doch egal, ob die Bibel als “Beweis” herhalten muss (Klassischer Fehlschluss: “Die Bibel ist das Wort Gottes. In der Bibel steht, dass es Gott gibt. Also gibt es Gott.”), ob persönliche Empfindungen oder die kulturelle Dimension von Religionen als “Beweis” angeführt werden – bis heute gibt es keinen seriösen Beleg für eine außerhalb von menschlicher Phantasie existierende Gottheit. Keinen einzigen.

Und wenn gar nichts mehr hilft, definiert man Gott einfach als irgendetwas Beliebiges. Oder man sagt: “Gott muss man nicht beweisen, weil man ihn ja gar nicht beweisen kann.” Wer so “argumentiert”, entzieht sich damit jeder ernsthaften Diskussion. Das Niveau sinkt dann manchmal in absurde Tiefen wie zum Beispiel: “Wieso glaubst du? – Weil halt.” 

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn Religionen harmlose Phantasien von Menschen mit schwach ausgeprägtem Sinn für die Realität wären. Wie ein Blick in die 10bändige Kriminalgeschichte des Christentums bis in die heutige Gegenwart hinein erschreckend eindrucksvoll belegt, sind Religionen allerdings keineswegs harmlos. Sondern saugefährlich.

Aber sprich nur ein Wort…

Wer einen rationalen, offenen Standpunkt vertritt, wird auch bereit sein, diesen Standpunkt zu verändern. Nämlich dann, wenn neue, verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, die den bisherigen Standpunkt korrigieren. Oder widerlegen.

Was als Beweis anerkannt werden kann und was nicht, ist nach wissenschaftlichen Maßstäben heute präzise definiert. Hierbei geht es nicht um Dogmatismus. Sondern um Wahrscheinlichkeiten. Ein einziger solcher Beweis würde genügen, dass wohl jeder Atheist die Existenz Gottes anerkennen würde. Allerdings wäre damit auch jeder Glaube überflüssig.

.

Es bräuchte nur einen einzigen Beweis

.

Gruß Hubert

Es reicht nicht. Amen   Leave a comment

.

Ein guter Artikel in der SZ zum Thema Missbrauch in der Kirche von Heribert Prantl.

Aus sueddeutsche.de

Es genügt ja nicht, eine Konferenz abzuhalten und eine bußfertige Rede an den Schluss zu setzen.

.

Ein Anfang, nicht mehr. Auf eine Jahrtausendkrise muss die katholische Kirche mit einer Jahrtausendreform antworten. Das Treffen im Vatikan bringt diese Antwort aber noch nicht. Die alten Machtstrukturen müssen überwunden werden.

Von Heribert Prantl

 

Papst Franziskus müht sich sehr; er ist guten Willens. Viele seiner Bischöfe sind es auch; sie sind zerknirscht, sie sind demütig; aber nicht alle sind es und manche sind es erst geworden, als es nicht mehr anders ging angesichts der ungeheueren Dimension der Verbrechen, die man als lässliche Sünden nicht mehr wegschieben konnte. Die Taten waren nie lässlich, sie waren immer ungeheuerlich; sie waren und sind auch ein ungeheuerlicher Missbrauch des Vertrauens der Gläubigen. Viele Christen fühlen sich um ihre spirituelle Heimat betrogen – auch deswegen, weil das Selbstmitleid der Kirche sehr viel größer war als ihr Mitleid mit den Opfern. Diese Zeit hat Papst Franziskus mit eindringlichen Worten beendet. Aber das reicht nicht.

Es genügt ja nicht, eine Konferenz abzuhalten und eine bußfertige Rede an den Schluss zu setzen. Die Krise ist zu groß, der Skandal überall, die sexuelle Gewalt von Priestern urbi et orbi. Die ewige Vertuscherei, die der Papst nun so verdammt hat, funktioniert in der modernen Welt nicht mehr. Franziskus weiß, dass nicht der Teufel der Kirche Schmutz ins Gesicht geworfen hat, wie das noch sein Vorgänger Benedikt behauptet hat. Um es in der Sprache der Religion zu sagen: Kirchenfunktionäre haben Jesus Schmutz ins Gesicht geworfen. Dieser Schmutz kommt nicht von außen, er kommt von innen. Franziskus ist einer, dem man glaubt, was er sagt. Aber dieser ungewöhnliche Papst und sein Katalog von Maßnahmen kommen zu spät; sie setzen nicht das Signal der großen Umkehr.

Es geht ja nicht um irgendeine Krise. Es geht um eine Jahrtausendkrise. Sie handelt von den Zehntausenden von Priestern, die sich schuldig gemacht haben, sie handelt von Legionen Opfern, die an deren Taten zerbrochen sind. Sie handelt davon, dass die Kirche die Verbrecher als Priester weiter arbeiten und weiter Verbrechen begehen ließ. Die Krise handelt von den beinah mafiosen Strukturen, mit denen man das hindrehte. Die Krise handelt vom Misstrauen, das nun auch die große Mehrzahl der Kleriker trifft, die untadelig ihrer Berufung nachgehen. Die Krise erfasst das Innerste, Leib und Seele der Kirche, sie entwertet den Anspruch, Sitte und Moral zu lehren.

Auf eine Jahrtausendkrise muss die Kirche mit einer Jahrtausendreform antworten

Auf eine Jahrtausendkrise kann man nur mit einer Jahrtausendreform antworten. Ein paar mahnende Papiere reichen da nicht. Die katholische Kirche braucht das, was die Mediziner „restitutio in integrum“ nennen – vollständige Ausheilung. Dazu gehört eine kompromisslose Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft in allen Fällen sexueller Gewalt. Dazu gehört die sofortige Öffnung aller einschlägigen Akten und Archive, beginnend beim Vatikan. Dazu gehört die Entlassung aller Priester, die sich sexueller Gewalt schuldig gemacht haben. Dazu gehört eine Abkehr vom zölibatären Zwang; den es nun seit tausend Jahren gibt. Das reicht, das hat viel Unheil angerichtet. Der Zwang diskreditiert auch die Priester, die in freier Entscheidung zölibatär leben wollen; sie haben ein Recht auf ein Leben ohne Verdächtigungen.

Zu den Zeichen des Aufbruchs würde es gehören, mit den alten Machtstrukturen zu brechen. Die Vertreibung der Frauen aus aller Macht, die die Kirche zweitausend Jahre lang betreibt – sie muss ein Ende haben. Es reicht. Die Kirche, ihre engagierten Geistlichen und Gläubigen, brauchen eine gute Zukunft. Es braucht daher ein Konzil, das solche Reformen angeht.

.

Es reicht nicht. Amen

.

 

.

Wir haben taube Kinder missbraucht, wir waren mindestens 10. Das Geständnis von Provolos Priester.

.

.

Gruß Hubert

Veröffentlicht 18. März 2019 von hubert wenzl in Kirchenkritik, Uncategorized

Getaggt mit ,