Archiv für 23. März 2019

Undercover für den Tierschutz   Leave a comment

.

Vor diesem Mann habe ich allergrößte Hochachtung. Denn er macht das aus Idealismus und begibt sich auch in Gefahr. Zu verdienen gibt es ja im Tierschutz nichts.

Aus haz.de

Manchmal führt kein Weg am Fleischessen vorbei: Tierrechtler Friedrich Mülln, Gründer der „Soko Tierschutz“.
Manchmal führt kein Weg am Fleischessen vorbei: Tierrechtler Friedrich Mülln, Gründer der „Soko Tierschutz“. Quelle: Moritz Frankenberg
.
.

Hannover

Er könnte auch ein später Student sein, wie er da in dem vegetarischen Restaurant in Hannover sitzt. Kapuzen-Sweatshirt, gestutzter Bart, hohe Stirn und ein paar widerspenstige rötliche Haarbüschel. Ein offenes Gesicht. Er hat das Menü gegessen, vegan, jetzt trinkt er Rhabarberschorle. So also sieht jemand aus, den die Agrarindustrie als Feind betrachtet. Als Kriminellen gar. Friedrich Mülln ist Tierrechtsaktivist. Er ist der Kopf eines bayerischen Vereins, der sich den Namen „Soko Tierschutz“ gegeben hat. Soko wie Sonderkommission – als seien die Tierschützer offizielle Ermittler. Das sind sie nicht. Und doch sorgen ihre Recherchen regelmäßig für Wirbel. Unlängst haben sie den Skandal um den Schlachthof in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) aufgedeckt.

Das war im Oktober. In früheren Jahren bereits hatten sich Friedrich Mülln und sein Team in Niedersachsen mit dem Geflügelkonzern Wiesenhof angelegt, hatten Videos von der Ausstallung von Puten in einer Mastfarm bei Garrel gefilmt. Nun also Bad Iburg. Der Schlachthof dort war Mülln aufgefallen, weil aus einem Milchviehbetrieb in Sachsen-Anhalt kranke und tote Tiere Richtung Iburg abtransportiert wurden. Mülln bekam Hilfe von jemandem aus dem Umfeld des Schlachthofs. Sein Team installierte verdeckte Kameras; die Aufnahmen zeigen, wie Rinder Elektroschocks bekommen, wie sie mit einer Art Seilwinde vom Hänger gezerrt werden. Die Geschichte schlug hohe Wellen. Heute ist der Betrieb geschlossen.

.
.
Undercover unterwegs
.
.

Undercover unterwegs: Friedrich Mülln bei einem Einsatz auf einer polnischen Pelzfarm im Jahr 2013. Quelle: privat

Wie wird man Tierrechtler? Friedrich Mülln, 39, war sechs, als seine Eltern mit ihm von Lörrach in Baden-Württemberg nach Laufen in Oberbayern umgezogen sind. Er sprach keinen Dialekt, er hatte rote Haare, „Pumuckel“ haben sie ihn in der Schule genannt und jahrelang gehänselt. Damals entwickelte er ein feines Gespür für das Thema Gerechtigkeit. Was seine Integration in der Schule aber nicht beförderte: Später, als die anderen am Wochenende nach München in die Disco fuhren, fuhr er in die Slowakei, um eine Fuchsfarm und ihre tierquälerischen Praktiken auszuspionieren.

.

Undercover für den Tierschutz

.

Gruß Hubert