Schlachthofskandale – Das System der Rinderschänder?   Leave a comment

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„Zwei Drittel der Bauern sind vernünftig“, sagt Jonny. „Für ein Drittel ist das Vieh nur eine Geldquelle.

Von paz-online.de

Aufgenommen mit versteckter Kamera: Rinder werden illegal auf Hänger gezerrt.
Aufgenommen mit versteckter Kamera: Rinder werden illegal auf Hänger gezerrt. Quelle: Soko Tierschutz
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Stade

Jonny und Christin bestellen sich je eine Ofenkartoffel. Nein, kein Fleisch, sagen sie, nur die Kartoffel. Es ist nicht so, dass die beiden Vegetarier wären. Sie reden bloß gerade über kranke Kühe und halbtote Kühe und ganz tote Kühe. Irgendwie schmeckt es dann nicht richtig. „Ich bin auch etwas vorsichtig geworden, was meinen Milchkonsum angeht“, sagt Jonny. Er grinst. Es ist kein fröhliches Grinsen.

Jonny und Christin, 29 und 22 Jahre alt, heißen nicht Jonny und Christin, aber ihre richtigen Namen tun nichts zur Sache. Zur Sache tut: Sie haben bis vor Kurzem bei einem Milchbauern im Kreis Stade gearbeitet, aber sie haben es nicht mehr ausgehalten, wie dort mit den Rindern umgegangen wurde. Sie erzählen von verendeten Kühen mit Pansenazidose, einer Krankheit, die durch schlechtes Futter entsteht. Sie schildern, wie eine Kuh auf dem Hof lag und nicht mehr hochkam, und sie wurde einfach liegengelassen, eine Woche lang. Sie berichten von toten Tieren, die der Chef am Ende mit dem Radlader aus dem Stall geholt hat. „Zwei Drittel der Bauern sind vernünftig“, sagt Jonny. „Für ein Drittel ist das Vieh nur eine Geldquelle.“

 

Tierrechtler dokumentieren Misshandlungen

Dass es Bauern gibt, denen das Lebewesen Tier ziemlich egal zu sein scheint, würde auch Friedrich Mülln unterschreiben. Es ist sein Job, solche Menschen auffliegen zu lassen. Mülln leitet die Soko Tierschutz aus Bayern. Soko, das klingt nach offizieller Ermittlungstruppe – das ist sie nicht, die Soko Tierschutz ist ein privater Tierrechtsverein. Aber ein erfolgreicher.

Seit 2013 dokumentiert der Verein, meist mit heimlich gedrehten Videos und mit verdeckten Informanten wie Jonny und Christin, Verstöße gegen den Tierschutz bei Nutztieren. Zuletzt hatte der Verein sieben Schlachthöfe im Visier. Sechs davon – in Fürstenfeldbruck, Eschweiler, Tauberbischofsheim, Hohengöhren im Kreis Stendal und in Bad Iburg und in Düdenbüttel bei Stade in Niedersachsen – sind inzwischen geschlossen.

 

Kranke Rinder geschlachtet

Düdenbüttel war der letzte Fall. Ein kleiner Betrieb am Ende einer Straße mit ein paar Wohnhäusern und dem Friedhof des Ortes, eine wortkarge Betreiberfamilie, drei Generationen. Nur gut 9000 Tiere wurden hier im Jahr geschlachtet, die allermeisten waren Rinder. Aber auch Rinder, die man nicht schlachten darf.

Nutztiere, die krank sind oder die nicht aus eigener Kraft auf einen Hänger gehen können, darf man nicht schlachten. Man darf sie nicht mal transportieren. Unter strengen Auflagen ist eine Notschlachtung auf dem Hof möglich, im schlimmsten Fall muss das Tier getötet werden und kommt in die Tierkörperbeseitigung.

Steckt System hinter der Quälerei?

Das Problem ist: Notschlachten und Töten kostet Geld. Das Tier illegal zum Schlachthof zu schaffen, bringt vielleicht noch ein paar Euro. „Es war ein stehender Spruch bei uns“, sagt Jonny: „Wenn die Kuh nicht mehr laufen kann, kommt sie nach Düdenbüttel.“ Denn in Düdenbüttel hat man solche Tiere angenommen. Und so kam es zu Bildern wie denen, die die Soko Tierschutz aus Düdenbüttel und aus Bad Iburg und von anderswoher verbreitet hat: verletzte Kühe, mit Seilwinden auf den oder vom Hänger gezerrt, mit Mistforken und Elektroschockern traktiert. Blutende Wunden, ausgerenkte Glieder, und die Schlachtungen wurden dann manchmal auch noch schlampig ausgeführt. Kurz: Tierquälerei.

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Friedrich Mülln, Gründer der Soko Tierschutz
Friedrich Mülln, Gründer der Soko Tierschutz. Quelle: Moritz Frankenberg
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Steckt ein System dahinter? „Ja“, sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz. Es gehe in diesen Fällen oft um „Downer“, ausgelaugte Kühe, verbraucht durch viel Milchgeben in kurzer Zeit, wundgelegen im Stall, krank durch minderwertiges Futter. Mülln schätzt, „sehr konservativ“, dass es in Deutschland 100.000 Tiere im Jahr treffe. Der Bauer wolle noch etwas Geld rausschlagen, Tiertransporteur und Schlachthof machten mit. Und die Veterinäre, die alles zu beaufsichtigen hätten, guckten weg.

Hier weiterlesen:

Schlachthofskandale

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Gruß Hubert

 

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