Archiv für 3. Juni 2019

Die Barmherzigkeit der Bombe   Leave a comment

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Vor allem von christlicher Seite kommt oft das Argument, dass man zuerst was für die Menschen tun sollte, bevor man was für Tiere tut. Das hieße dann in Konsequenz, dass für Tiere NIE etwas getan werden könnte, denn der Mensch in all seinen negativen Eigenschaften (ich erspare mir eine Aufzählung), macht ja selbst all die Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten, all die Ausbeutung, egal ob beim Menschen selbst, bei den Tieren (da im Höchstmaße), oder bei der Natur. Der Mensch, dieser Ausbeuter und Unterdrücker par excellence, er ist ein egozentrischer Anthropozentrist, der sich selbst als das höchste Wesen sieht, mit dem höchsten Wert. Die Tiere haben für die meisten Menschen einen weit untergeordneten oder gar keinen Wert. Wie könnte man sonst zum Beispiel in China Nerzen lebend das Fell abziehen? Aber China ist nicht das einzige Land wo man mit Tieren brutal umgeht. Der Mensch ist eben auch ein Speziesist, gierig ohne Ende sowieso.

Die Bloggerin Bettina Marie Schneider schreibt einmal:

„Tiere und Menschen … wir sind den Tieren nicht wirklich überlegen. Wir sind alle Tiere! Was uns Menschen so besonders macht:
Wir sind einfach bösartiger als jede andere Spezies!

Missbraucht…misshandelt…gefoltert…ausgebeutet…getötet.

Unser Leben, unsere gesamte Zivilisation basiert auf Folter, Ausbeutung , Raub und Gewalt an Schwächeren und Wehrlosen.

Ich sehe sie! Ich sehe sie alle, und ich kann sie sogar hören, wenn ich an Tiertransporten vorbei fahre, an  Zwingern und Schlachthöfen…ich fühle mit jedem Bild mit jeder Information, was sie fühlen … und niemand hört, was ich höre und niemand sieht, was ich sehe.

Seit ich zum Beispiel weiß, dass Schweine in etwa die Intelligenz und Empfindungsfähigkeit, damit auch das Schmerzempfinden und die Fähigkeit für Angst und Verzweiflung, eines dreijährigen Kindes haben… nicht nur vermute, denn es ist unumstritten wissenschaftlich belegt…seit ich das also weiß, und sehe, was sie erdulden müssen, wie unsäglich sie gehalten werden, wie bestialisch gequält bis zur Schlachtung… wie ihnen ohne Betäubung die Hoden abgeschnitten werden… bin ich nicht mehr die gleiche Frau, ist meine heile Welt nicht mehr dieselbe und alle meine Werte wurden aus den Angeln gehoben.

Wo steht geschrieben, Menschen wären wertvoller als andere Lebewesen, nur weil sie Menschen sind? Diese Überzeugung stammt einzig von Menschen, die diesen Hochmut auf Aussagen ihrer Götter zurück führen, Götter…die vielleicht gar nicht existieren. Sicher ist einzig: Das von uns verursachte Tierleid existiert, genau wie ihre Würde und ihre Rechte. Und jetzt???

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Sieh mir in die Augen und sag mir womit ich dieses Leid verdiene?
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[…]

Ich versuche mich zu arrangieren und das Thema Tiere zu vermeiden. Wenn ich es Fremden erzähle, wird es oft herunter gespielt, lächerlich gemacht…ich bin lästig…oder verrückt…oder beides? Fakten und Forschungsergebnisse über Leidensfähigkeit und Intelligenz, soziale Bindungsfähigkeit und Bedürfnisse der Tiere werden ignoriert.

Ich weiß genau, dass nicht ich es bin, die verrückt ist. Es sind die anderen, die Blinden, die Tauben, die vorgeben, all das nicht zu bemerken … die ausblenden, was wir an den Tieren verbrechen. Die nur deshalb noch Morgens in den Spiegel sehen können, weil sie den anderen Lebewesen, den NICHT-Menschen, Leidensfähigkeit, Würde und Intelligenz …die Seele absprechen. Nur wenn sie das erfolgreich verleugnen, können sie weiterhin mit ruhigem Gewissen, ihr Leben ohne Rücksicht weiterleben. Sie tun genau das und sie werden mir jeden Tag fremder.

Ich gebe noch nicht auf. Aber ich möchte von Tieren nichts mehr hören und sehen, zumindest wenn Menschen dabei involviert sind. Denn Tiere und Menschen…das endet fast immer mit einer Geschichte , die ich nicht hören möchte.

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https://guteskarmatogoblog.wordpress.com/2019/05/29/aber-bitte-nichts-mit-tieren-ich-mag-nichts-von-tieren-sehen-und-hoeren/

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Helmut F. Kaplan auf Facebook gibt auch den christlichen Kirchen einen ganz großen Schuldanteil wie wir in der christlichen Kultur mit Tieren umgehen (und ich gebe da ihm vollkommen recht, da denke ich schon lang e so):

„Die Schuld der Kirche am Elend der Tiere (Teil 1 von 3) (Video) zu finden im Internet, wer will.

Vortrag auf dem Kirchentag Mensch und Tier am 28.08.10 in Dortmund: „Die Schuld der Kirchen ist eine zweifache: Weltanschaulich liefern sie die Grundlage für den Tiermißbrauch, politisch schweigen sie zum Tiermißbrauch. Und dieses Schweigen enthält eine Botschaft: Tiere sind nicht wichtig, Ihr könnt so weitermachen.“ – mit Helmut F. Kaplan.
Fatal sind die untenstehenden drei Aussagen der christlichen Kirchen für die Tiere. Sie richten immens viel Unheil für die Tiere an.“

Die Vernunftbegabtheit des Menschen
die Gottesebenbildlichkeit
und die unsterbliche Seele des Menschen

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Jetzt aber zur Barmherzigkeit der Bombe.

Von Helmut F. Kaplan

Angesichts der aberwitzigen Überrüstung ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis wir uns aus Dummheit, Bösartigkeit oder Versehen selbst in die Luft jagen. Und was bedeutet dies für die Tiere und für die Tierrechtsbewegung? Nüchtern betrachtet ist die Chance, dass die Tierrechtsbewegung in absehbarer Zukunft einen substantiellen Durchbruch erlebt, ebenso gering wie die Chance, dass wir aus dem Rüstungswahn noch einmal herauskommen. Deshalb wäre der Weltuntergang für die Tiere eigentlich ein Segen. Denn damit fände das grauenhafte Leben und Leiden, das wir ihnen bereiten, ein Ende.

Das muss man sich veranschaulichen und vergegenwärtigen: Wir bereiten den Tieren eine so elende Existenz, dass die ultimative Katastrophe für sie eine Erlösung wäre – „Barmherzigkeit der Bombe“.

Und was bedeutet dies ganz konkret für moralisch denkende Menschen im allgemeinen und für Tierrechtler im besonderen? Wenn wir hochfliegende Hoffnungen auf eine “Verbesserung der Welt” zeitlich und zahlenmäßig auf ein realistisches Maß reduzieren, so erscheinen Bemühungen zur Mehrung des Glücks und zur Verringerung des Leidens nach wie vor sinnvoll. Denn wenn wir auch nicht DIE Menschen oder DIE Tiere retten können, so können wir einzelnen Menschen und einzelnen Tieren sehr wohl helfen, sie glücklich machen – oder zumindest weniger unglücklich machen. Leiden lindern und Glück fördern sind Werte an sich. Letztlich vielleicht die einzigen Werte überhaupt.

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Die Barmherzigkeit der Bombe

 

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Tierrechte im philosophischen Kontext

Von Helmut F. Kaplan

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Tierrechte sind subjektive Rechte von Tieren. Die Tierethik untersucht, inwiefern Tiere, ggf. einschließlich des Menschen, aus moralischer Sicht über solche Rechte verfügen. Darüber hinaus werden Tierrechte als Teile einer staatlichen Rechtsordnung diskutiert. (Wikipedia)

Voraussetzung für die Verwirklichung von Tierrechten ist, daß man zuerst einmal einen Begriff von Tierrechten hat. Und zwar einen nachvollziehbaren und praktikablen Begriff von Tierrechten. Das ist bis jetzt nicht der Fall. Es gibt lediglich so etwas wie in verschiedene theoretische Kontexte eingebettete Rohfassungen des Tierrechtsbegriffs. In meinem Buch „Tierrechte: Wider den Speziesismus“ erarbeite ich nun einen meines Erachtens nachvollziehbaren und praktikablen basalen Tierrechtsbegriff. Er gründet auf dem von Peter Singer vorgeschlagenen Gleichheitsprinzip.

Menschen und Tiere: Nicht gleich aber vergleichbare Interessen

Kein vernünftiger Mensch behauptet, daß Menschen und Tiere in einem faktischen Sinne gleich wären. Menschen und Tiere haben – wie auch die Menschen untereinander – unterschiedliche Interessen. Deshalb wäre es auch völlig verfehlt, Menschen und Tiere gleich zu behandeln, denn unterschiedliche Interessen rechtfertigen und erfordern eine unterschiedliche Behandlung. So brauchen etwa Hunde und Katzen im Unterschied zu Menschen keine Religionsfreiheit und kein Wahlrecht – weil sie damit nichts anfangen könnten. Und Männer brauchen im Unterschied zu Frauen keinen Schwangerschaftsurlaub – weil sie nicht schwanger werden können.

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tierrechteMeditations / Pixabay

Tierrechte nach dem Gleichheitsprinzip

Was das Gleichheitsprinzip fordert, ist schlicht dies: Wo Menschen und Tiere gleiche bzw. ähnliche Interessen haben, da sollen wir diese gleichen bzw. ähnlichen Interessen auch gleich berücksichtigen:

  • Weil alle Menschen ein Interesse an angemessener Nahrung und Unterkunft haben, sollen wir dieses Interesse auch bei allen Menschen gleich berücksichtigen – und dürfen nicht willkürliche Diskriminierungen aufgrund von Rasse oder Geschlecht vornehmen. Also kein Rassismus und Sexismus.

  • Und weil sowohl Menschen als auch Tiere ein immenses Interesse haben, nicht zu leiden, sollen wir dieses Interesse bei Menschen und Tieren auch gleich berücksichtigen – und dürfen nicht willkürliche Diskriminierungen aufgrund der Spezies vornehmen. Also kein Speziesismus.

Wir sagten: Gleiche bzw. ähnliche Interessen von Menschen und Tieren sollen gleich berücksichtigt werden. Anders formuliert: Tiere haben das Recht, daß ihre Interessen gleich berücksichtigt werden wie vergleichbare menschliche Interessen. Tierrechte sind dann die Summe der Ansprüche, die sich aus dieser gleichen Berücksichtigung ergeben. Der entscheidende Satz, der diesen Tierrechtsbegriff charakterisiert, lautet also:

Tiere haben das Recht, daß ihre Interessen gleich berücksichtigt werden wie vergleichbare menschliche Interessen.

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https://tierrechte-kaplan.de/

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Gruß Hubert

Es gibt keinen guten Tag, um zu sterben   Leave a comment

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Es gibt keinen guten Tag, um zu sterben

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43792720 – pleading eyes of cows behind fence

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Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit?
An einem Tag, der die Erinnerung des Sommers in sich trägt,
und die Verheißung bunter Herbsttage.
An dem das Leben nach Umarmung ruft,
weil es geliebt und gelebt werden möchte.
Ein lauer Wind flüstert von Sehnsucht –
von duftenden Sommerwiesen, kühlem Gras,
und einem Leben, das vielleicht kaum eines war.

Es gibt keinen guten Tag, um zu sterben,
wenn die Zeit noch nicht gekommen ist.
Und kein Tod gleicht dem anderen.
Er spiegelt sich tausendfach in den verständnislosen Augen jener,
die ihm in schaukelnden Gefängnissen entgegenfahren.
Manchmal ist der Tod gnädig
und breitet seine Schwingen über schlafende Wesen aus.
Nicht an jenem Ort.

Ihre unbarmherzigen Henker sind nicht sehend.
Ihnen fehlt die Liebe zum Lebendigen.
Vielleicht haben sie selbst niemals Liebe erfahren,
und ihr Herz ist unter dem Gewicht des Todes entschwunden.
Doch wie können sie schlafen, wie können sie leben?
Mit all den flehenden, von Todesangst erfüllten Blicken?
Hunderte an einem Tag, Tausende in einer Woche,
Hunderttausende in einem Jahr.
Millionen Tode in einem Menschenleben.

Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit?
Nicht die Menschen, und auch nicht die Tiere.
Kein Tier ist ein Nutztier,
sondern Teil des großen Ganzen, wie ich es bin.
Ihre Sehnsucht nach Leben ist auch die meine.
Und ihr Glück. Ihre Liebe. Ihre Freude.
Ihr Kummer. Ihr Schmerz.
Ihre Angst. Ihr Leid.

Und auch in ihrem Tod bin ich ihnen verbunden.
In der verzweifelten Hoffnung, dass der Tod gnädig ist,
dass er schnell kommt und die Hand des Henkers keine Fehler macht.
In der kindlichen Hoffnung, dass im Land hinter dem Regenbogen,
dieser anderen Welt, deren Namen niemand kennt,
ein besseres Sein auf sie wartet.
In der Hoffnung, dass sich die Menschen wieder erinnern:
Wie es einmal war, ein Kind zu sein.
Mit diesem Staunen und der Liebe zum Leben, die Ausdruck allen Seins ist.
Mit dieser Liebe, die allen Lebewesen galt.
Und mit der Erinnerung an den Schmerz im Herzen,
wenn der Tod das Leben mit sich fortgerissen hat.

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Es gibt keinen guten Tag, um zu sterben

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Gruß Hubert