Archiv für 17. Juni 2019

Der Verrat an den Tieren   Leave a comment

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Die wenigsten Menschen machen sich darüber Gedanken bzw. ist es ihnen nicht bewusst, welches Leid hinter dem Milchkonsum bzw. deren weiteren Produkten besteht. Den Kühen wird das Kalb wenige Stunden nach der Geburt weg genommen. Man stelle sich vor einer Mutter würde das Kind nach der Geburt genommen… Kein einziges Kind kann die Kuh behalten – und wenn das Kalb weiblich ist, dann ereilt es das gleiche Schicksal, es gibt kein Entkommen. Die männlichen Kälber behandelt man als Wegwerf-Ware, denn sie haben keinen Wert und sie gehen einem grausamen Schicksal entgegen. Ein „Nutztier“ könnte sich wirklich nur sehnlichst wünschen nie geboren zu werden um nicht der menschlichen Ausbeutung und Grausamkeit ausgeliefert zu sein.

Ein anderes Beispiel:

Damit die Fohlen nach dem Verkauf an den Händler überhaupt den Transporter besteigen, wird die Mutterstute vorangeschickt, denn nur so folgt ihr das Kleine vertrauensvoll. Dann werden die beiden durch eine Klappe getrennt. Das verängstigte Fohlen hat eine schreckliche Reise mit einem noch schrecklicheren Ziel vor sich und eine trauernde Stute, die oft schon wieder trächtig ist, bleibt allein zurück. Nach einem qualvollen Transport werden die Fohlen in nicht artgerechten Mastanlagen aufgezogen und nach genügender Gewichtszunahme geschlachtet. Welcher Pferdezüchter, der sich dieses subventionierten Verbrechens schuldig macht, kann nachts mit ruhigem Gewissen schlafen? Wie kann eine derartige Grausamkeit von Politikern zugelassen werden?

https://hubwen.wordpress.com/2019/06/15/tierrechtsextremisten/

Von Philosoph Helmut F. Kaplan

“Das ist Verrat in reinster Form”

Der Philosoph Helmut F. Kaplan über die alltäglichen Massaker in den Schlachthöfen und den Zusammenhang von Ernährung und Moral

Der Österreicher Dr. Helmut F. Kaplan (geb. 1952) hat mit seinen Büchern und anderen Publikationen wesentlich dazu beigetragen, die Philosophie der Tierrechte im deutschsprachigen Raum populär zu machen. Am bekanntesten ist sein bei Rowohlt erschienenes Buch “Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung”. In “Tierrechte – Die Philosophie einer Befreiungsbewegung” (Echo-Verlag) stellte Kaplan alle wichtigen Argumente der Tierrechtsbewegung fachlich fundiert und allgemein verständlich dar. Seine neuesten Bücher sind “Der Verrat des Menschen an den Tieren” (Vegi-Verlag) und “Freude, schöner Götterfunken” (Books on Demand). Im September 2007 wurde Helmut Kaplan der Tierschutzpreis der Hans-Rönn-Stiftung verliehen. Mit dem in Salzburg lebenden Philosophen und Autor sprach Ingolf Bossenz.

Herr Dr. Kaplan, Weihnachten, das wichtigste christliche Schlachtfest, ist noch nicht lange vorbei und schon haben wir wieder Ostern, an dem es – was Leid und Tod von Tieren betrifft – kaum weniger erbarmungslos zugeht. Dabei sollen diese christlichen Feste doch von Frieden und Versöhnung künden.

Dieser evidente Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit müsste eigentlich jeden Menschen, der sich auch nur einen Rest von Mitgefühl bewahrt hat, tief treffen: Es wird gefeiert, gesungen, man ist zu Tränen gerührt – und das bei Festen, die alljährlich für Millionen nicht menschlicher Kreaturen wahre Massaker bedeuten. Auf der einen Seite das Gerede von Liebe und Vergebung, auf der anderen Seite das Gemetzel in den Schlachthöfen. Schaltet man den Fernseher ein und gerät in eine der unzähligen Einkaufs-, Koch- oder Esssendungen – was kaum zu vermeiden ist -, bekommt man den Eindruck, dass sich die ganze Welt nur noch um eines dreht: um das Töten von Tieren für den Gaumenkitzel der Menschen. Umso wichtiger ist daher jeder Einzelne, der sich darüber aufregt und etwas dagegen tut.

Was denn zum Beispiel?

Nichts einfacher als das, weil sich die Lösung und damit die Auflösung dieser Verlogenheit buchstäblich vor unserer Nase befindet – auf dem Teller. Kaum jemand hat es treffender ausgedrückt als der griechische Philosoph [[Plutarch]] vor über zweitausend Jahren: “Für einen Bissen Fleisch nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und das bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu erfreuen seine Bestimmung gewesen wäre.”

Da Plutarchs Worte bis heute immer noch viel zu wenig Widerhall gefunden haben, stellt sich die generelle Frage nach dem Platz der Tiere im moralischen Wertesystem des Menschen. Welche Kriterien sehen Sie da als die entscheidenden?

Moralisch entscheidend und für den Menschen typisch ist, wie wir uns gegenüber jenen Tieren verhalten, mit denen wir in der so genannten Zivilisation zusammenleben, die von uns abhängig sind und die uns absolut “nichts getan” haben. Von den Diensten, die uns diese Tiere erweisen und erweisen können, machen wir ausgiebig Gebrauch. Nehmen Sie nur den vielfältigen Einsatz von Hunden: Sie fahnden unter anderem nach Drogen, sie suchen nach Verschütteten, sie führen Blinde. Zugleich werden sie in Kriegen bei der Minensuche und zu anderen militärischen Zwecken missbraucht.

Tiere werden aber nicht nur in der Ausnahmesituation Krieg rücksichtslos ausgebeutet und zu Tode geschunden, sondern auch – und vor allem – unter “ganz normalen” Bedingungen. Was doppelt tragisch ist, weil es einerseits die Zahl der betroffenen Tiere in unendliche Höhen treibt und weil andererseits diese Praktiken den “Ausnahmen” an Schrecken und Grausamkeit in nichts nachstehen. Ich spreche von den gewöhnlichen Massakern in den Schlachthöfen, dem alltäglichen Verrat des Menschen an den Tieren.

Verrat bezeichnet gemeinhin das Hintergehen von Menschen oder Institutionen, denen man moralisch und/oder rechtlich zur Treue verpflichtet ist. Wie lässt sich diese zwischenmenschliche Kategorie auf das Verhältnis des Menschen zum Tier anwenden?

Tiere, die von uns abhängen und uns nichts getan haben, zu denen Menschen vielleicht sogar einmal gut waren, finden sich auf einmal in der Hölle eines Schlachthofes wieder, umgeben von Menschen, die ihnen die ungeheuerlichsten und grauenhaftesten Dinge antun. Das ist Verrat in reinster Form. Und beteiligt sind daran nicht nur jene, die das Bolzenschussgerät oder das Messer führen, sondern auch alle, in deren faktischem Auftrag sie das tun – die Konsumenten, die sich an den Fleischtheken der Supermärkte bedienen.

Aber dieser Verrat wird – wie ja der unvermindert hohe Fleischverzehr zeigt – von den wenigsten Menschen als solcher empfunden.

Weil nach wie vor die Schimäre einer moralischen Kluft zwischen Menschen und Tieren die Ethik beherrscht. Aber die Annahme einer solchen Kluft ist irrational und hat vor allem religiöse Ursachen, zum Beispiel den Glauben, dass nur der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen sei und nur er eine unsterbliche Seele habe. Würden wir endlich ernst nehmen, was wir seit Darwin wissen – dass es EINE Evolution ALLEN Lebens gab und gibt -, würde diese Kluft verschwinden und wir würden unsere moralische Verantwortung auch gegenüber Tieren erkennen.

Ihnen geht es aber nicht nur um Verantwortung. “Tiere haben Rechte”, behaupten Sie dem Titel eines Ihrer Bücher zufolge. Welche Rechte verstehen Sie darunter?

Es geht vor allem um das Recht auf Leben, um das Recht auf physische Unversehrtheit und um das Recht auf Freiheit von Schmerz und Leid – jedenfalls, so weit das von uns Menschen abhängt. Das bedeutet: Wenn wir wissen, dass Tiere leiden, sollten wir Leiden verhindern. Und wo wir nicht sicher sind, ob Tiere leiden, sollten wir möglicherweise Leiden verursachende Handlungen unterlassen. Leider sind solche Erwägungen reine Theorie – weil wir in der Praxis selbst Tiere mit erwiesener größter Leidensfähigkeit behandeln, als wären sie leblose Gegenstände. Verwiesen sei nur darauf, wie in Schlachthöfen etwa mit Rindern oder Schweinen umgegangen wird!

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Hier weiterlesen:

Der Verrat an den Tieren

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So sehr leiden Kühe und Kälber beim Auseinanderreißen – was immer geschieht. Auch das ist Verrat!

Herzzerreißende Trennung von Kuh und Kalb

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Gruß Hubert