Archiv für 19. Juni 2019

Interview mit Daniela Böhm   Leave a comment

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Ich habe großen Respekt vor Daniela Böhm, Tierschützerin und Tierrechtlerin. Sie ist Buchautorin und Tochter des berühmten Schauspielers Karlheinz Böhm.

Hier ein interessantes Interview mit ihr von Beate Förster. November 2017.

Den Tiefschlaf beenden

Daniela Böhm (56) – wie sich die Buchautorin und Tochter des berühmten Schauspielers und Menschenfreunds Karlheinz Böhm (1928 – 2014) für Tierrechte einsetzt. Bekannt wurden u.a. ihre Mahnwachen, die sie seit einigen Jahren immer wieder vor dem Schlachthof in München abhält.

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War dein Vater mit seinem Engagement ein Vorbild für dich?

Ich habe meinen Vater immer unendlich für sein großes Engagement bewundert und für das, was er mit „Menschen für Menschen“ in Äthiopien geschaffen hat. Sein Lebenswerk, das ihm so am Herzen lag, und das auch mir am Herzen liegt, besteht dank toller Menschen in der Organisation weiter fort. Mein Vater war und ist ein großes Vorbild für mich in seinem unermüdlichen Einsatz und dem Kampf gegen Unrecht und Ungerechtigkeit, aber ich glaube, ich hätte mich genauso für Tierrechte eingesetzt, wenn ich nicht so einen Vater gehabt hätte. Allerdings gibt mir der Gedanke an ihn immer wieder Kraft und es berührt mich sehr, was und wie viel er geleistet hat.

Hast du die Tierliebe von deinen Eltern übernommen?

Ich glaube, die war irgendwie schon immer da. Aber bestimmt spielte der Einfluss meiner Mutter, einer natürlichen Vegetarierin, und die Tatsache, dass wir immer Hunde hatten, eine große Rolle. Es ist ganz wichtig, dass Eltern ihren Kindern Achtung, Liebe und Respekt für die Tiere vermitteln.

Welche Tiere leben aktuell bei dir?

Mein Hund Tino, der aus einem italienischen Tierheim kommt, und zwei Kaninchen. Nayeli stammt aus dem Münchner Tierheim und für Yoda wurde seinerzeit ein neuer Platz gesucht. Alle drei schätze und liebe ich sehr. Und ich finde, man kann viel von Tieren lernen.

Seit wann lebst du vegan – und warum?

Ich lebe seit 2010 vegan, davor war ich 35 Jahre lang Vegetarierin, seit meinem fünfzehnten Lebensjahr. Man kann nicht für Tiere einstehen und Fleisch essen, bzw. andere tierische Produkte, die mit Tierleid verbunden sind, wie Milch und Käse. Auch ich war mir leider lange nicht bewusst, welches Elend hinter der Milchindustrie steckt. Das Einstehen für Tierrechte und der Konsum tierischer Produkte widersprechen sich, denn letzten Endes bedeutet es, dass man bestimmte Tiere für schützenswert hält und andere wiederum nicht. Das ist eine Art von Rassismus, den der Mensch den Tieren auferlegt hat, eine Klassifizierung in mehr wert, weniger wert oder gar nicht, in lebens-, liebenswert oder nicht.

Wie hast du dein Engagement für den Tierschutz und Tierrechte verstärkt?

Das war 2010, als ich begonnen hatte, vegan zu leben. Durch die erneute und intensive Beschäftigung mit dem Thema Tierrechte entstand in mir der starke Wunsch, mich zu engagieren, auch durch das Schreiben. Damit hatte ich zwei Jahre vorher angefangen und 2011 erschien dann mein drittes Buch „Heute ist ein ganz anderer Tag“ – Tierschicksale erzählt aus der Sicht von Tieren.

Was hast du mit den Aktionen vor dem Schlachthof in München schon erreicht und wie reagieren die Menschen?

Seit der ersten Mahnwache im Juli 2014, die damals über 36 Stunden ging, habe ich mich niemals gefragt, was ich unmittelbar damit erreiche. Diese Aktion entstand aus einem Moment der tiefsten Verzweiflung über das immense Leid, das den Tieren, und gerade auch den sogenannten Nutztieren, angetan wird. Ich wollte ein Zeichen setzen, Aufmerksamkeit schaffen. Darum geht es bei diesen Mahnwachen. Gerade an diesem Ort, an dem das Leid der Tiere unmittelbar geschieht, auch wenn sie natürlich schon vorher beim Transport und in der katastrophalen Massentierhaltung leiden.

In München liegt der Schlachthof mitten in der Stadt, es kommen Passanten vorbei, manchmal erhält man Zustimmung, mal ein verächtliches Lächeln oder gehässige Kommentare. Da ist alles dabei. Auch seitens der Mitarbeiter und Fahrer der Fleisch- oder Tiertransporter. Aber ich habe im Laufe der Zeit schon viele konstruktive Gespräche geführt, genauso wie meine Mistreitenden. Es ist mir immer wichtig, einen Dialog auf Augenhöhe zu führen. Ich sehe die Mahnwachen „Ein Licht der Hoffnung“ als Teil der friedlichen Widerstandsbewegung für die Tiere, gerade auch an diesen Orten! Um den Menschen, die hier arbeiten, zu zeigen, dass es andere Menschen gibt, die Nein zu diesem Unrecht sagen. Der Mahnwachenaktionstag mit Mahnwachen vor Schlachthöfen in ganz Deutschland, der aus der Münchner Aktion hervorgegangen ist, findet mittlerweile viermal im Jahr statt. Es gibt ungefähr 4500 Schlachthöfe in Deutschland! Ich wünschte mir, dass eines Tages überall an diesen dunklen Orten die Lichter brennen. „Ein Licht der Hoffnung“ ist eine unabhängige Bewegung und lebt vom Aktivismus eines jeden Einzelnen. Auf Facebook gibt es eine offizielle Seite mit allen Infos.

Welches sind deine weiteren Aktionen und Ziele im Bereich der Tierrechte?

Nach der erfolgreichen Münchner Petition, die zur Folge hatte, dass die tierrechtlichen Maßnahmen am dortigen Schlachthof verschärft wurden, habe ich eine neue Petition gestartet, deren Forderung vor allem die Videoüberwachung der Schlachthäuser in Deutschland ist sowie die verstärkte Präsenz von Amtstierärzten in den Bereichen Entladung, Betäubung und Schlachtung. Wenn die Videoüberwachung in Schlachthöfen ab kommenden Jahr in Frankreich möglich ist, muss es in einem anderen EU-Land genauso umgesetzt werden können. Innerhalb von einem Monat haben 77.000 Menschen die neue Petition unterzeichnet und ich hoffe, dass es noch viel mehr werden. Zur Übergabe werde ich persönlich nach Berlin fahren, denn sie richtet sich an die Bundeskanzlerin, den Landwirtschaftsminister und die Abgeordneten des Bundestags.

Wie kann man Menschen am besten von der veganen Idee überzeugen?

Wahrscheinlich, indem man nicht allzu sehr versucht, sie zu überzeugen. Meine Erfahrung ist mittlerweile, dass es am besten ist, die Argumente, die dafür sprechen – und ich persönlich kenne und sehe nur positive – auf eine sanfte Art und Weise vorzustellen. Gerade den gesundheitlichen Aspekt, da werden ja viele Menschen hellhörig, aber natürlich auch, indem man auf die traurigen Bedingungen der Tiere und ihr Recht auf Leben hinweist oder die katastrophalen Auswirkungen des Fleischkonsums auf unsere Umwelt. Das Ganze aber am besten ohne erhobenen Zeigefinger. Ich glaube, es ist ein ähnlicher Mechanismus wie beim Rauchen – ein Angriff verstärkt nur die Verteidigung und Abgrenzung. Andererseits bin ich der Ansicht, dass man auf einer Demo ruhig mal laut und wütend seine Meinung über dieses grenzenlose Unrecht kundtun kann und sollte. Das gehört auch zum Thema Aufmerksamkeit schaffen, und viele Menschen scheinen ja leider noch in einer Art Tiefschlaf zu sein, was das Tierleid betrifft.

Sind andere Menschen deinem Vorbild hinsichtlich der veganen Lebensweise gefolgt?

Von einigen weiß ich es. Wahrscheinlich ist es aber oft schwer zu sagen, inwiefern man selbst ausschlaggebend war. Oft kommt einfach eins zum anderen. Da liest jemand einen erschütternden Bericht über Schlachthäuser, dann sieht er eine Doku über Massentierhaltung im Fernsehen oder auf YouTube, und schließlich spricht er mit einem Freund, der bereits vegan lebt. Die Reihenfolge kann aber auch umgekehrt oder länger sein. Plötzlich wird derjenigen Person etwas wirklich bewusst, und das ist der Beginn einer Veränderung.

Über welche Erfolge freust du dich?

Wenn ich sehe, dass sich etwas für die Tiere bewegt, dass es wieder ein Stückchen vorwärts geht. Erfolge von Petitionen, die Tatsache, dass immer mehr Menschen ihr Herz und die Augen für die Tiere öffnen. Der Anruf meines Bruders, als er mir vor ein paar Monaten mitteilte: „Ich lebe jetzt auch vegan!“ Und ich freue mich, wenn mir Menschen schreiben oder sagen, dass sie meine Bücher und Geschichten berühren.

Was liegt dir besonders am Herzen?

Dass diese Welt gerechter wird und ein glücklicher Ort für Menschen und Tiere – nicht zuletzt für die Erde selbst! Manchmal bin ich nur verzweifelt über diese ganze Ausbeutung und Ungerechtigkeit in so vielen Bereichen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Wirtschaftssystem mit seiner Gier nach noch mehr Wachstum und Profit den Hauptanteil daran trägt. Es ist absurd und regelrecht perfide, dass wegen Geld Waffen hergestellt und Kriege geführt werden, dass arme Länder ausgebeutet werden, wie einst von den Kolonialherren, dass die Erde zerstört wird, dass Tiere wie am Fließband produziert werden, dass Menschen von Monsanto und Co. krank gemacht werden und am Ende vielleicht nicht einmal einen Arzt bezahlen können! Diese Aufzählung könnte ich jetzt noch länger fortführen. In meinem neuesten Buch „Das Mädchen aus dem Niemandsland“ geht es um ein Mädchen, das eines Tages nach New York kommt und diese Gesellschaft mit einem vollkommen neutralen Blick hinterfragt, weil sie weder Geld, Profitstreben, Leistungsdruck, Waffen, soziale Ungerechtigkeit oder religiöse Machtstrukturen kennt. In den Gesprächen mit den Menschen, die ihr begegnen, bringt sie ihre Verwunderung, ihr Erstaunen und Unverständnis über eine Gesellschaftsstruktur zum Ausdruck, die allem widerspricht, damit Menschen und Tiere auf diesem Planeten ein glückliches und erfülltes Leben führen können.

Was gibt dir Hoffnung in Sachen Tierrechte?

Das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für die Sache der Tiere sind in den letzten Jahren enorm gewachsen, zumindest in vielen Ländern. Und ich glaube fest daran, dass dieser Prozess immer stärker wird. Dabei machen mir besonders die ganz jungen Menschen Hoffnung. Ich kenne so viele wunderbare junge Menschen, die sich mit Herzblut für die Rechte der Tiere einsetzen. Aber genauso natürlich viele andere Menschen jeden Alters, denen die Rechte der Tiere ein großes Anliegen sind.

Wird sich die vegane Idee weiter verbreiten?

Unbedingt! Noch wollen es Politiker ja nicht zugeben, aber wir werden es uns irgendwann schlichtweg nicht mehr leisten können, Fleisch zu essen, um alle Menschen zu ernähren – das ist ja jetzt schon leider so, doch es wird mit der ständig wachsenden Weltbevölkerung noch mehr zum Thema werden. Und auch deshalb, weil wir diesen armen Planeten zugrunde richten. Die massive Fleischproduktion trägt einen erheblichen Anteil daran, auch in Bezug auf den Klimawandel, das ist bekannt. An erster Stelle müsste und sollte für mich aber immer der ethische Aspekt stehen. Ich glaube daran, dass immer mehr Menschen ihr Herz öffnen werden. Denn das Leid der Tiere ist so immens geworden, dass es eigentlich unfassbar und nur noch erschütternd ist.

ZUR PERSON:

Der Wunsch, Schwächeren zu helfen, die Welt ein kleines bisschen lebenswerter zu machen, dieses Lebensziel teilt Daniela Böhm mit ihrem Vater Karlheinz Böhm. Er lebte seine Vision, indem er vielen Menschen in Äthiopien eine Zukunftsperspektive gab. Sie verleiht den Schwächsten auf diesem Planeten eine Stimme, den Tieren. Mit ihrem Einsatz für Tierrechte und in ihren poetischen Büchern.
Von klein auf fasziniert von der Welt der Tiere, wächst in Daniela Böhm schon früh ihre Liebe zu unseren vierbeinigen und gefiederten Mitgeschöpfen. Das Talent zum Schreiben wurde ihr bereits durch ihre Mutter und Urgroßeltern in die Wiege gelegt, ein wichtiger Grundstein für ihre spätere Entwicklung zur Autorin. Ihre Mutter, die Schauspielerin und Sängerin Gudula Blau, verfasste drei Kinderbücher, die sie auch selbst illustrierte. Stark inspiriert wurde Daniela Böhm vor allem durch die Tiergeschichten Manfred Kybers, der sich früh für Tierrechte einsetzte und bereits 1930 den Welttierschutzpreis in Genf erhielt.
Heute ist Daniela Böhm aus der Tierschutz- und Tierrechtsszene nicht mehr wegzudenken. Aktiv setzt sie sich seit vielen Jahren dafür ein, Tiere als unsere Schwestern und Brüder anzuerkennen und als solche zu respektieren. Ob als Gastrednerin bei Veranstaltungen, in ihren regelmäßigen Artikeln bei »fellbeisser« und »hinter den schlagzeilen«, dem Online Magazin von Konstantin Wecker, oder bei den von ihr initiierten Mahnwachen vor Schlachthöfen in ganz Deutschland. Wenn sie in der Öffentlichkeit über das Grauen der Schlachthäuser spricht, über die Qualen der Tiere in der Milchwirtschaft oder bei Tierversuchen, kann man sich der Eindringlichkeit ihrer Worte kaum entziehen. Sie bewegen zum Umdenken, sie bewegen Menschen zu ersten Schritten hin zu einer umweltverträglicheren Lebensform in Richtung veganer Lebensweise.

Mehr Infos: Ein Licht der Hoffnung

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Interview mit Daniela Böhm

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. Juni 2019 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Massentierhaltung: Deutschland ist die Toilette Europas   Leave a comment

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Es gibt zu viel Gülle, weil zu viele Tiere für die vorhandenen Flächen gehalten werden. Die Klöckner macht wieder mal eine saudumme Aussage. Es ist schon erschreckend mit wie wenig Hirn man Ministerin werden kann.

Massentierhaltung: Deutschland ist die Toilette Europas | heute-show vom 05.04.2019

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Reden wir über Gülle! Die Scheiße riecht nicht nur scheiße, sondern versaut unser aller Grundwasser.

 

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Gruß Hubert