Archiv für 27. Dezember 2019

Päpste des Verderbens   Leave a comment

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Wenn von manchen Religioten gesagt wird, dass es die Kirche auch wegen der Moral braucht, denen kann man nur einen Spiegel vorhalten und zeigen wie es viele Päpste mit der Moral hielten. Verderblicher geht es nicht.

Aus dem Spiegel

„Beweis höchsten Verderbens“

Päpste fast aller Jahrhunderte predigten geschlechtliche Enthaltsamkeit und hielten sie selber nicht. Das belegt mit zum Teil unbekanntem Material der Kirchenhistoriker Deschner in einem neuen Buch.
Sie priesen die Keuschheit und koitierten wie jedermann. Ihren Geistlichen verboten sie die Frauen und hielten sich selber Maitressen. Sie ließen Ehebrecher töten, aber begatteten Verheiratete.“

Zu solch hartem Urteil über nicht wenige Päpste kommt der im fränkischen Haßfurt lebende Literatur- und Kirchenhistoriker Karlheinz Deschner in einer „Sexualgeschichte des Christentums“, die in wenigen Tagen erscheinen soll und neue Details über das mißliche Verhältnis der katholischen Hierarchie zur Sexualität enthält**.
An zahlreichen Beispielen aus der Kirchengeschichte demonstriert Deschner unter anderem, daß vor allem manche Päpste zwischen dem 9. und 17. Jahrhundert einen bemerkenswerten Trend zur freien Liebe zeigten.

So lebte Bonifaz VI. (896) schon als einfacher Priester dermaßen ausschweifend, daß ihn Papst Johannes VIII. (872 bis 882) zeitweilig suspendierte. Papst Sergius III. (904 bis 911) zeugte mit seiner Mätresse Marozia (verheiratet war sie unter anderem mit dem Herzog Alberich von Spoleto) den späteren Papst Johannes XI. (931 bis 935). Und Papst Johannes X. (914 bis 928) wäre ohne die Hilfe seiner mächtigen Geliebten Theodora, Markgräfin von Tuszien, nie auf den Papstthron gekommen.

Zur dunkelsten Figur des „dunklen“ zehnten Jahrhunderts, so referiert Deschner die historischen Quellen, entwickelte sich Papst Johannes XII. (955 bis 964). Bereits mit 18 Jahren oberster Hirte, verwandelte er den Lateran (Roms damaligen Papstpalast) in ein Privatbordell. Er schlief gar mit seinen eigenen Schwestern. Und während immer mehr Synodenbeschlüsse (wie der von Augsburg im Jahre 952) die Geistlichen zur Ehelosigkeit verpflichteten, verführte der Papst Rompilgerinnen.
Ähnlich schrankenlos gaben sich die Päpste erst wieder im 15. und 16. Jahrhundert. Daß damals Päpste Söhne und Töchter zeugten und protegierten, galt als normal. Aber auch anderes fiel kaum auf, so etwa, daß Papst Sixtus IV. (1471 bis 1484) in Rom ein Bordell erbaute und daraus 20 000 Dukaten bezog. Den Bau von Sankt Peter finanzierte der damalige Franziskanermönch und Förderer des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens wahrscheinlich teilweise mit Geldern von Prostituierten. Vom Stundenlohn römischer Dirnen profitierte auch Papst Clemens VII. (1523 bis 1534), der kurz nach seiner Papstwahl Steuern von Prostituierten zum Bau des Konvents Santa Maria della Penitenza verlangte.

Papst Innozenz VIII. (1484 bis 1492) dagegen wandte seine Aufmerksamkeit vor allem den Frauen im eigenen Haus zu. Seinen Kindern bereitete er im Papstpalast glänzende Hochzeiten.

Sein Nachfolger Alexander VI. (1492 bis 1503) soll sich sogar in seine Tochter Lukrezia verliebt haben; er feierte im Jahr 1500 mit 50 Huren eine Orgie, von der man in Rom noch lange sprach. Seine Maitresse Julia Farnese ließ er als Muttergottes portraitieren, sich zu ihren Füßen. Alexander-Nachfolger Julius II. (1503 bis 1513), ehemaliger Franziskaner und Vater von drei Töchtern, hatte die Syphilis.

Selbst bis ins 19. Jahrhundert hinein lebten die Päpste vermutlich weniger abstinent, als man bisher annahm. Zwar schirmte die Kirche das Intimleben ihrer Oberhäupter in den beiden letzten Jahrhunderten hermetisch ab und hält das historische Material unter strengem Verschluß. Kirchenhistoriker stießen jedoch — unabhängig von Deschner unlängst bei Forschungsarbeiten in Rom auf einige Hinweise. Demzufolge soll beispielsweise Papst Pius IX. (1846 bis 1878), dem die römische Kirche die Dogmen von der Unbefleckten Empfängnis Mariens und von der Unfehlbarkeit des Papstes verdankt, Vater mehrerer Kinder gewesen sein. Und von Papst Leo XIII. (1878 bis 1903), der mit seiner Sozialenzyklika „Rerum novarum“ als erster Papst zur Arbeiterfrage Stellung nahm, vermuten Historiker, daß er von seinem Posten als Nuntius in Brüssel abberufen wurde, weil er ein Verhältnis hatte.

Doch solch ein Leben nach Lust und Laune genehmigten die Päpste ungern ihrem Klerus. Schon Papst Siricius (384 bis 399) wie auch viele andere Päpste befahlen, beim Beischlaf ertappte Mönche und Nonnen ins Gefängnis zu werfen.

Andere Päpste drängten den Klerus, wenigstens nach außen den Schein eines enthaltsamen Lebens zu wahren. So empfand es Papst Benedikt VIII. (1012 bis 1024) als „Beweis höchsten Verderbens“, daß die Kleriker nicht heimlich, sondern öffentlich Unzucht trieben. Und um dem Zölibat ein Stück näher zu kommen, erklärte der päpstliche Legat Kardinal Lorenzo Campeggio 1524 in Straßburg, es sei für Priester eine weit größere Sünde, wenn sie Ehemänner würden, als wenn sie Dirnen im Hause hielten. Papst Innozenz VIII. zweifelte denn auch nicht daran, daß in Rom fast jeder Kleriker seine Konkubine oder Prostituierte habe. Ähnliches bestätigte das Konzil von Trient (1545 bis 1563). Es verordnete wegen des ausgedehnten Liebeslebens in den Klöstern, daß selbst ein Bischof ein Kloster nur noch in Begleitung eines älteren Klerikers betreten dürfe.

Für die sozialen Probleme, die mit dem heimlichen Liebesleben in Klerus und Kloster entstanden, interessierte sich Papst Innozenz allerdings genauso wenig wie alle seine Vorgänger und Nachfolger. Während nämlich die Päpste und Bischöfe ihre Kinder ungestört großziehen konnten, blieb den von Mönchen geschwängerten Nonnen und nach Einführung des Zwangszölibats den von Klerikern geschwängerten Konkubinen häufig nur Abtreibung oder Kindstötung übrig.

Berichten über das Frühmittelalter zufolge fand man in einem römischen Klosterteich eine erhebliche Anzahl von Kinderschädeln. Und als zur Zeit der Reformation viele Klöster auf gehoben wurden, entdeckte man Kinderknochen und Kinderskelette in Gräbern, Sickergruben und in geheimen Klosterverstecken, so etwa im Stralsunder Birgitten-Kloster.
Deschner-Frage: „Gewissenskonflikte, -Not kümmert das die Päpste?“

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Siehe auch:

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/41652119

 

Päpste des Verderbens

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Gruß Hubert