Archiv für 11. Januar 2020

Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten beenden!   Leave a comment

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Es ist unfassbar was Tiere bei den Tiertransporte zum Teil über tausende Kilometer mitmachen. Theorie und Praxis der betreffenden „Tierschutzgesetze“ gehen ganz weit auseinander – habe zum Teil nichts miteinander zu tun. Wirtschaftlichkeit ist die oberste Prämisse. Tierleid spielt da keine Rolle.

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Von Peta.de

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Viele Menschen kennen die traurigen und angsterfüllten Augen der Schweine, Rinder oder Hühner, wenn sie auf den Straßen transportiert werden – meist auf dem Weg in den Schlachthof. Laut einer Kleinen Anfrage wurden im Jahr 2012 zwischen den EU-Mitgliedsstaaten über 100.000 Rinder, mehr als 12 Millionen Schweine und Ferkel sowie fast 900 Millionen Geflügel „gehandelt“. Hinzu kommen Tausende Tiere, die in und aus Drittländern transportiert werden (1). 2017 sollen 70.000 Rinder und etwa gleich viele Schweine in sogenannten Langstreckentransporten in Nicht-EU-Staaten transportiert worden sein (2). Alleine in Deutschland werden jedes Jahr etwa 800 Millionen Tiere in Schlachthäusern getötet – nicht selten sehen die Tiere auf den Transporten zum ersten Mal das Tageslicht, da sie ihr entbehrungsreiches Leben bis dahin in Zucht- und Mastfabriken fristen mussten.

Die Tierschutztransportverordnung

Diese Verordnung gilt für jeden kommerziellen Tiertransport und soll die Tiere während der Zeit des Transportes – wie der Name schon sagt – schützen. Wie so oft liegen Theorie und Praxis auch hier weit auseinander, denn die meist unzureichenden Kontrollen zeigen, dass häufig nicht einmal die minimalen gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Eine spezifische Verkehrskontrolle der Polizeidirektion Oldenburg im Jahr 2014 zeigte beispielsweise eine erschreckende Beanstandungsquote von über 70 %.

Zudem ist die Formulierung oftmals sehr schwammig, und die Verordnung wird in den europäischen Ländern unterschiedlich angewendet. So werden beispielsweise Fahrzeuge zugelassen, bei denen sich die Tiere durch falsche Trennvorrichtungen verletzen können oder in denen eine unpassende Trinkvorrichtung angebracht ist.

Aufgrund der hohen Tieranzahl auf den Fahrzeugen können Transporteure oder Kontrolleure bei Transporten meist nicht alle Tiere in Augenschein nehmen. Häufig lassen sich die vorgeschriebenen Punkte in der Praxis auch schlicht nicht umsetzen – wie beispielsweise, mehrere Hundert Kälber während der vorgeschriebenen einstündigen Ruhepause zu tränken.
Auch das vorgeschriebene Platzangebot hat nichts mit „Schutz“ zu tun. So hat ein Schwein mit einem Gewicht von rund 120 Kilogramm nur 0,55 m² Platz – also weniger als in etwa die Grundfläche einer Duschwanne. Oft verletzen sich die Tiere gegenseitig, da sie beispielsweise aus Platzmangel auf liegende Artgenossen treten.

Die Agrarlobby, die mit Tierhaltung, Tiertransporten und Tierschlachtungen viel Geld verdient, übt einen sehr starken Einfluss auf die Politik aus. Es ist unbegreiflich, dass die Tierschutztransportverordnung bei der Änderung im Jahr 2007 nicht auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht wurde. Dies zeigt einmal mehr, dass Wirtschaftlichkeit auch hier vor gelebtem Tierschutz steht.

Dauer der Tiertransporte

Laut Verordnung dürfen innerstaatliche Transporte zu einem Schlachtbetrieb nicht länger als acht Stunden dauern. Die Praxis sieht durch zahlreiche „Ausnahmen“ jedoch anders aus: Geflügel und Kaninchen dürfen zwölf Stunden transportiert werden, und theoretisch kann ein Transport endlos dauern, wenn Schweine nach 24 Stunden (Wasser muss immer vorhanden sein), Rinder nach 29 Stunden (inklusive einer Stunde Pause für Wasser und eventuell Nahrung) und Jungtiere nach 19 Stunden (inklusive einer Stunde Pause für Wasser und eventuell Nahrung) eine 24-stündige Ruhepause außerhalb des Transporters erhalten. Auf diese Weise werden Tiere oft tagelang durch Europa oder über die Grenzen hinaus transportiert.

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Kälber, die eigentlich noch die Zuwendung der Mutter bräuchten, werden oft tagelang transportiert, um im Ausland billiger gemästet zu werden.

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Die häufigsten Leiden

Jeder Transport bedeutet Stress für die Tiere – oft verletzen sie sich oder sterben langsam und qualvoll auf den Transportern. Dabei spielt die Transportdauer keine entscheidende Rolle, denn auch bei kurzen Strecken sind Verletzungen und Todesfälle keine Ausnahme. Das Leiden verlängert sich aber natürlich mit der Dauer des Transportes.
Neben den teils sehr schlechten Witterungsbedingungen (Hitze, Kälte) stellen Kontrollen häufig überladene Transporter mit dehydrierten Tieren fest, oder solche mit einer zu geringen Deckenhöhe, sodass sich die Tiere den Rücken stoßen und aufscheuern. Nicht selten werden zudem eingeklemmte Körperteile sowie fehlende oder falsch angebrachte Trennwände dokumentiert, was zu Beinbrüchen, Quetschungen und anderen schlimmen Verletzungen bis hin zum Tod führen kann.

Ein weiteres Problem: Oft werden Tiere zum Schlachthof transportiert, die eigentlich nicht mehr „transportfähig“ sind. Teilweise liegt dies an Landwirten und Transporteuren, die nicht davor zurückschrecken, Tiere gesetzeswidrig gewaltvoll auf die Fahrzeuge zu zwingen. Zudem hat der Gesetzgeber hier erneut (bewusst) schwammige Aussagen formuliert, denn die Grenze zwischen „leicht erkrankt/verletzt“ und „erkrankt/verletzt“ – und somit transportunfähig – ist nicht klar geregelt und daher mehr oder weniger frei interpretierbar. Auch eine sogenannte Todesrate ist bei Tiertransporten eine einkalkulierte Größe und kann gerade beim empfindlichen Geflügel schnell einige Prozent betragen.

Theorie und Praxis könnten unterschiedlicher nicht sein

 Laut Artikel 3 der Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport (EG) 1/2005 darf ein Transport nur genehmigt werden, wenn „den Tieren Verletzungen und Leiden erspart werden und ihre Sicherheit gewährleistet ist“ (3). Demnach sollte es theoretisch seit Jahren keine Lebendtiertransporte mehr auf europäischen Straßen geben. Der Europäische Gerichtshof entschied 2015 zudem mit einem Grundsatzurteil, dass europäisches Tierschutzrecht bis ins Zielland eines Tiertransports gilt. Doch obwohl zahlreiche Vorschriften der Europäischen Tierschutztransportverordnung, wie beispielsweise die tatsächliche Transportdauer oder die Verfügbarkeit von Abladestationen, weder innerhalb noch außerhalb der EU eingehalten oder sichergestellt werden können, genehmigen deutsche Veterinäre häufig Transporte in Nicht-EU-Staaten. Kontrolliert werden die Transporte kaum. Dabei ist den Verantwortlichen in den Veterinärämtern, Zuchtverbänden und in der Politik längst klar, dass die meisten Langstreckentransporte gegen die Transportverordnung verstoßen und somit schlichtweg illegal sind. Aus wirtschaftlichen Gründen werden sie jedoch dennoch genehmigt.

Immer mehr Veterinäre verweigern seit Beginn des Jahres 2019 die Abfertigung von Langstreckentransporten. Vorgesetzte sowie mehrere Politiker setzen diese Tierärzte jedoch massiv unter Druck, die Transporte wieder freizugeben.

Was Sie tun können

Kaufen Sie keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier, denn hinter diesen Erzeugnissen steckt großes Tierleid.

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Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten beenden!

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Gruß Hubert