Archiv für 24. Januar 2020

Historiker: «Leider liest Trump keine Bücher»   3 comments

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Ich finde das ist eine gute Analyse des Schweizer Historikers Jakob Tanner unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz. Er zeigt gut auf wie Trump tickt. Der Beitrag stammt vom Anfang von Trump als Präsident. Aber das tut der Charakterisierung keinen Abbruch.

Aus aargauerzeitung.ch

Der Zürcher Historiker Jakob Tanner sagt, wie die Schweiz auf den neuen US-Präsidenten reagieren soll

Herr Tanner, im Juni schrieben Sie in dieser Zeitung, eine Wahl Trumps käme einem Schwanengesang der zwei SchwesterRepubliken Schweiz und USA gleich. Trump ist gewählt. Ist die amerikanisch-schweizerische Freundschaft vorbei?

Jakob Tanner: Was vorherrscht, ist Unsicherheit, absolute Unberechenbarkeit. Trump gibt allen zu verstehen, dass man mit ihm Überraschungen erleben wird. Er praktiziert einen politischen Autoritarismus. Man kann bei ihm – anders als bei Obama oder bei Reagan – kaum prognostizieren, was passieren wird. Man weiss noch nicht einmal, ob sein Gebaren Ausdruck
von geballter Inkompetenz ist oder ob er doch eine Agenda hat. Ich vermute Ersteres.

Haben die Medien ihn nicht konsequent genug durchleuchtet?

Die Medien boten Trump eine Plattform in der Annahme, dass er sich mit seinen Aussagen selber erledigt. In Abwandlung einer Aussage des Investors Peter Thiel lässt sich sagen: Seine Anhänger nahmen ihn immer ernst, aber nie wörtlich. Die meisten Medien nahmen ihn hingegen wörtlich, aber nicht ernst. So haben sie auch noch die dümmsten seiner Botschaften verbreitet. Das Ergebnis sehen wir jetzt.

Und was bedeutet dieses Ergebnis konkret für die Schweiz?

Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Rede von den «Two Sister Republics». Die USA und die Schweiz waren sich offenbar sympathisch und lernten voneinander. In der Eidgenossenschaft waren viele von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 beeindruckt. Die USA erteilten den absolutistischen Systemen in Europa eine Absage und wagten ein demokratisches Experiment. Die schweizerische Bundesverfassung von 1848 war durch das amerikanische Vorbild beeinflusst. Trump erteilt der Tradition der Aufklärung eine Absage. Ebenso der transatlantischen Freundschaft, auf welcher der sogenannte «Westen» basiert.

Muss uns als Schweiz denn überhaupt kümmern, dass Trump das aufgeklärte Amerika auf den Kopf stellt?

In der schweizerischen politischen Kultur kommt die protzende Zurschaustellung von Reichtum, wie sie Trump in seinem Tower inszeniert, schlecht an. Hierzulande sind die linken und liberalen Kräfte stark genug, um ein Kippen in einen «Trumpismus» zu verhindern. Dennoch muss uns die Entwicklung in den USA zu denken geben. Trump hat mit seinen Hasstiraden enorm polarisiert, es gibt Hunderte gewalttätiger Übergriffe, die durch diesen Rassismus von oben motiviert wurden. Auch in der Schweiz sind solche Spannungen zu bemerken. Wirtschaftlich war das Verhältnis Schweiz – USA immer asymmetrisch. Die Meinung, der «Business-Präsident» Trump habe Verständnis für die schweizerische Wirtschaft, ist trügerisch. Zur neuen Unsicherheit gehört, dass Trump willkürlich einzelne Unternehmen angreift. Es schwebt ein digitales Damokles-schwert über allem, da könnte auch die Schweiz in den Hammer laufen.

Trump unterteilt die ganze Welt in Winner und Loser. Wie erklären Sie sich als Historiker sein radikales Denken?

Trumps Weltbild ist stark beeinflusst von seinen Juristen. Wenn man nur lange genug repetiert, dass etwas nicht stimmt, dann entsteht irgendwann der Eindruck, es stimme nicht. So denkt er. Das mag in einer emotional aufgeladenen Wahlkampagne funktionieren, aber sicher nicht in Auseinandersetzungen mit China, Russland oder der EU. Da hilft eine Winner-Attitüde rasch nicht mehr weiter. Das wird zu schwierigen, auch unkontrollierbaren Situationen führen.

Wie gefährlich ist es, dass Trump auf allgemein anerkannte Fakten pfeift?

Diese Post-Truth-Diskussion ging schon vor Trump los. Trump verschärfte sie. Seine Behauptungen sind nur zu einem geringen Prozentsatz durch Fakten fundiert. Und er versteht nichts von Ökonomie. Er will mit protektionistischen Zöllen Arbeitsplätze in den Rustbelt zurückbringen, die dort vor allem aufgrund technologischer Innovation und Produktivitätssteigerungen verloren gingen. Er will den Reichen gigantische Steuergeschenke machen, die Staatsverschuldung senken, gleichzeitig das Militär aufrüsten und riesige Infrastrukturprogramme auslösen. Das geht rechnerisch nicht auf. Bleibt zu hoffen, dass das US-System der «Checks and Balances» das Schlimmste verhindern kann.

Muss sich die Schweiz als kleiner Staat nun Trumps Visionen beugen? Oder darf man die «sister republic» auch mal ganz unschweizerisch zurechtweisen?

Der neutrale Kleinstaat verhielt sich immer opportunistisch nach aussen. Das zeigte sich in der Zeit des Nationalsozialismus ebenso wie im Kalten Krieg. Trump wird sich von der schweizerischen Haltung nicht beeindrucken lassen. Dies sollte die Schweiz aber nicht entmutigen, eine konstruktive Aussenpolitik zu betreiben. Es wird viele Konflikte geben, wo eine solche wichtig werden könnte.

Der Einfluss der USA auf die Schweiz war ja bisher immer auch kultureller Art. Kunst, Literatur, Hollywood …

Trump ist eine Antithese zur faszinierenden kulturellen Vielfalt der USA. Er grenzt Gegner aus. Die «Soft Power», bislang eine der grossen Stärken Amerikas, wird abnehmen. Aber das «Jahrhundert der Amerikanisierung» ist sowieso abgelaufen.

Haben Sie einen Lese-Tipp für Donald Trump? Er scheint ja durchaus noch die eine oder andere Wissenslücke zu haben.

Leider liest er keine Bücher. Deshalb: Nein.

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Historiker: «Leider liest Trump keine Bücher»

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. Januar 2020 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Tierversuche in der Medizin   Leave a comment

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Tierversuche sind einfach niederträchtig und verwerflich!

Von Peta.de

Medizinische Forschung

Medizinische Forschung kann sowohl im Bereich der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung stattfinden. Während bei der Grundlagenforschung erlangte Erkenntnisse fast nie zu einer Anwendung beim Menschen führen und der direkte Nutzen solcher Tierversuche für den Menschen nicht nachweisbar ist, ist die angewandte medizinische Forschung dem Einsatz beim Menschen nahezu direkt vorgelagert. Hier soll beispielsweise die Wirksamkeit von Medikamenten getestet werden.

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Auch der weitere Verlauf der Medikamentenentwicklung findet in Tierversuchen statt – gesetzlich vorgeschrieben, obwohl die Zahlen erschreckend sind: 92 bis 95 Prozent aller medizinischen Wirkstoffe, die im Tierversuch funktionieren und als sicher eingestuft werden, kommen niemals auf den Markt – weil das Medikament beim Menschen nicht wirkt oder teils gefährliche Nebenwirkungen auftreten. Offensichtlich wird dieses Problem der mangelnden Übertragbarkeit, wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Pharmaskandalen wie beispielsweise um Contergan, TGN1412 oder Viagra kommt.

Trotzdem werden bei Tieren künstlich Schlaganfälle herbeigeführt, ihre Gene werden manipuliert und sie werden dadurch künstlich krankgemacht, sie werden geklont oder ihnen werden Krebszellen implantiert. Dabei sind die Misserfolgsquoten enorm: Für Alzheimer und Krebs liegt die Misserfolgsrate für die Zulassung neuer Medikamente bei 96,6 %. Im Fall der Schlaganfall-Forschung sogar bei einer unglaublichen Misserfolgsquote von 100 % bei 1.000 neuen, an Tieren getesteten Wirkstoffen und 100 klinischen Studien.

Beispielsweise wird seit den 1980er-Jahren an Hunden geforscht, um eine Heilmethode für Muskeldystrophie (MD) zu finden. Die Hunde, denen gezielt lähmende Muskelerkrankungen angezüchtet wurden, können nur unter großer Anstrengung gehen, schlucken und atmen. Sie sterben schließlich an den Folgen. Doch selbst Jahrzehnte dieser Forschung mit missbrauchten Hunden haben noch keine Heilungs- oder Therapiemöglichkeit für Menschen mit dieser schrecklichen Krankheit hervorgebracht – die künstlich erzeugte Muskelerkrankung der Hunde ist schlichtweg nicht mit MD beim Menschen vergleichbar: Eine Analyse von Studien zu MD an Hunden hat gezeigt, dass eine Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen problematisch ist. Einige Studien kommen beim Menschen sogar zu völlig entgegengesetzten Ergebnissen. Es gibt zudem bessere Möglichkeiten, Patienten mit MD zu helfen: Verschiedene innovative, humanrelevante Techniken haben bereits zur Entwicklung vielversprechender Therapien geführt.

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Oft werden medizinische Errungenschaften als Argument für die Notwendigkeit von Tierversuchen angeführt. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele: Bei der Erforschung von Polio (Kinderlähmung) beispielsweise wurde lange der falsche Infektionsweg untersucht – hätte man sich bei der Forschung nicht auf Rhesusaffen, sondern auf menschliche Patienten konzentriert, hätte deutlich schneller ein Impfstoff gefunden werden können. Auch wenn Tierversuche an vielen Forschungsergebnissen beteiligt waren, bedeutet das nicht, dass diese Errungenschaften nicht auch mit tierfreien Methoden hätten erreicht werden können. Auch einzelne medizinische Erfolge ändern nichts daran: Tierversuche sind unzuverlässig. Das Hauptproblem: Sie finden schlichtweg im falschen Organismus statt – ein Ergebnis aus Tierversuchen sagt nichts darüber aus, wie der menschliche Organismus reagieren wird. Es gibt bereits zahlreiche tierfreie Methoden, die tatsächlich für den Menschen relevante Ergebnisse liefern. Die Entwicklung in diesem Bereich ist rasant, dennoch müssen Entwicklung und Validierung dieser zuverlässigen Methoden deutlich stärker gefördert werden.

Tierversuchsfreie Methoden

Pluripotente Stammzellen eröffnen viele Möglichkeiten: In Zellkulturen können so menschliche Gewebe kultiviert werden. Beispielweise ist es Biotechnologen gelungen, aus menschlichen Stammzellen voll funktionierende Blutgefäße zu kultivieren. Die einen Millimeter großen Kapillargebilde ermöglichen erstmals die Erforschung von Erkrankungen der Blutgefäße direkt an menschlichem Gewebe. Somit gibt es für u. a. für Diabetiker die Hoffnung auf neue, wirksame Medikamente!

Auch durch sogenannte Organoide konnten schon Erfolge erzielt werden. Organoide sind aus menschlichen Zellen gezüchtete Organe im Mini-Format. Beispielsweise konnten Wissenschaftler durch die Nutzung sogenannter Hirn-Organoide eine potenzielle Ursache für tödliche Hirnmissbildungen finden, die durch eine seltene genetische Störung ausgelöst werden. Die als Miller-Dieker-Syndrom bekannte Störung war zuvor bereits erfolglos an Mäusen erforscht worden.

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Der „Human-on-a-chip“ ist ein Testsystem, das den Spagat zwischen Zellkultur und einem ganzen Organismus schaffen will. Bei dieser Methode sind alle relevanten Organe in Miniaturformat zu einem Organismus zusammengefügt: Testsubstanzen können so also den kompletten simulierten menschlichen Körper durchlaufen. Das Modell ist die nächste Generation der Modelle „2-Organ-Chip“ und „4-Organ-Chip“ des Berliner Biotechnologie-Unternehmens TissUse.

In-silico-Verfahren können beispielsweise die menschliche Biologie und das Fortschreiten sich entwickelnder Krankheiten simulieren. Diese ausgeklügelten computergestützten Techniken können etwa vorhersagen, wie neue Medikamente im menschlichen Körper reagieren.

Zudem wird personalisierte Medizin immer mehr in den Fokus rücken: Die Wirkung von Medikamenten unterscheidet sich oft selbst von Person zu Person. Deswegen lässt sich nur schwer voraussagen, ob ein Medikament einem bestimmten Patienten tatsächlich hilft oder vielleicht sogar zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. In Zukunft könnte durch die Analyse der kompletten DNA ein „digitaler Zwilling“ angelegt werden, um geplante Behandlungen durchzuspielen. Auch die oben genannten Beispiele wie Zellkulturen, Organoide oder Multiorganchips lassen sich personalisieren.

Erfahren Sie mehr über tierversuchsfreie Methoden.

https://www.peta.de/tierversuchsalternativmethoden

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Tierversuche in der Medizin

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Gruß Hubert