Historiker: «Leider liest Trump keine Bücher»   3 comments

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Ich finde das ist eine gute Analyse des Schweizer Historikers Jakob Tanner unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz. Er zeigt gut auf wie Trump tickt. Der Beitrag stammt vom Anfang von Trump als Präsident. Aber das tut der Charakterisierung keinen Abbruch.

Aus aargauerzeitung.ch

Der Zürcher Historiker Jakob Tanner sagt, wie die Schweiz auf den neuen US-Präsidenten reagieren soll

Herr Tanner, im Juni schrieben Sie in dieser Zeitung, eine Wahl Trumps käme einem Schwanengesang der zwei SchwesterRepubliken Schweiz und USA gleich. Trump ist gewählt. Ist die amerikanisch-schweizerische Freundschaft vorbei?

Jakob Tanner: Was vorherrscht, ist Unsicherheit, absolute Unberechenbarkeit. Trump gibt allen zu verstehen, dass man mit ihm Überraschungen erleben wird. Er praktiziert einen politischen Autoritarismus. Man kann bei ihm – anders als bei Obama oder bei Reagan – kaum prognostizieren, was passieren wird. Man weiss noch nicht einmal, ob sein Gebaren Ausdruck
von geballter Inkompetenz ist oder ob er doch eine Agenda hat. Ich vermute Ersteres.

Haben die Medien ihn nicht konsequent genug durchleuchtet?

Die Medien boten Trump eine Plattform in der Annahme, dass er sich mit seinen Aussagen selber erledigt. In Abwandlung einer Aussage des Investors Peter Thiel lässt sich sagen: Seine Anhänger nahmen ihn immer ernst, aber nie wörtlich. Die meisten Medien nahmen ihn hingegen wörtlich, aber nicht ernst. So haben sie auch noch die dümmsten seiner Botschaften verbreitet. Das Ergebnis sehen wir jetzt.

Und was bedeutet dieses Ergebnis konkret für die Schweiz?

Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Rede von den «Two Sister Republics». Die USA und die Schweiz waren sich offenbar sympathisch und lernten voneinander. In der Eidgenossenschaft waren viele von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 beeindruckt. Die USA erteilten den absolutistischen Systemen in Europa eine Absage und wagten ein demokratisches Experiment. Die schweizerische Bundesverfassung von 1848 war durch das amerikanische Vorbild beeinflusst. Trump erteilt der Tradition der Aufklärung eine Absage. Ebenso der transatlantischen Freundschaft, auf welcher der sogenannte «Westen» basiert.

Muss uns als Schweiz denn überhaupt kümmern, dass Trump das aufgeklärte Amerika auf den Kopf stellt?

In der schweizerischen politischen Kultur kommt die protzende Zurschaustellung von Reichtum, wie sie Trump in seinem Tower inszeniert, schlecht an. Hierzulande sind die linken und liberalen Kräfte stark genug, um ein Kippen in einen «Trumpismus» zu verhindern. Dennoch muss uns die Entwicklung in den USA zu denken geben. Trump hat mit seinen Hasstiraden enorm polarisiert, es gibt Hunderte gewalttätiger Übergriffe, die durch diesen Rassismus von oben motiviert wurden. Auch in der Schweiz sind solche Spannungen zu bemerken. Wirtschaftlich war das Verhältnis Schweiz – USA immer asymmetrisch. Die Meinung, der «Business-Präsident» Trump habe Verständnis für die schweizerische Wirtschaft, ist trügerisch. Zur neuen Unsicherheit gehört, dass Trump willkürlich einzelne Unternehmen angreift. Es schwebt ein digitales Damokles-schwert über allem, da könnte auch die Schweiz in den Hammer laufen.

Trump unterteilt die ganze Welt in Winner und Loser. Wie erklären Sie sich als Historiker sein radikales Denken?

Trumps Weltbild ist stark beeinflusst von seinen Juristen. Wenn man nur lange genug repetiert, dass etwas nicht stimmt, dann entsteht irgendwann der Eindruck, es stimme nicht. So denkt er. Das mag in einer emotional aufgeladenen Wahlkampagne funktionieren, aber sicher nicht in Auseinandersetzungen mit China, Russland oder der EU. Da hilft eine Winner-Attitüde rasch nicht mehr weiter. Das wird zu schwierigen, auch unkontrollierbaren Situationen führen.

Wie gefährlich ist es, dass Trump auf allgemein anerkannte Fakten pfeift?

Diese Post-Truth-Diskussion ging schon vor Trump los. Trump verschärfte sie. Seine Behauptungen sind nur zu einem geringen Prozentsatz durch Fakten fundiert. Und er versteht nichts von Ökonomie. Er will mit protektionistischen Zöllen Arbeitsplätze in den Rustbelt zurückbringen, die dort vor allem aufgrund technologischer Innovation und Produktivitätssteigerungen verloren gingen. Er will den Reichen gigantische Steuergeschenke machen, die Staatsverschuldung senken, gleichzeitig das Militär aufrüsten und riesige Infrastrukturprogramme auslösen. Das geht rechnerisch nicht auf. Bleibt zu hoffen, dass das US-System der «Checks and Balances» das Schlimmste verhindern kann.

Muss sich die Schweiz als kleiner Staat nun Trumps Visionen beugen? Oder darf man die «sister republic» auch mal ganz unschweizerisch zurechtweisen?

Der neutrale Kleinstaat verhielt sich immer opportunistisch nach aussen. Das zeigte sich in der Zeit des Nationalsozialismus ebenso wie im Kalten Krieg. Trump wird sich von der schweizerischen Haltung nicht beeindrucken lassen. Dies sollte die Schweiz aber nicht entmutigen, eine konstruktive Aussenpolitik zu betreiben. Es wird viele Konflikte geben, wo eine solche wichtig werden könnte.

Der Einfluss der USA auf die Schweiz war ja bisher immer auch kultureller Art. Kunst, Literatur, Hollywood …

Trump ist eine Antithese zur faszinierenden kulturellen Vielfalt der USA. Er grenzt Gegner aus. Die «Soft Power», bislang eine der grossen Stärken Amerikas, wird abnehmen. Aber das «Jahrhundert der Amerikanisierung» ist sowieso abgelaufen.

Haben Sie einen Lese-Tipp für Donald Trump? Er scheint ja durchaus noch die eine oder andere Wissenslücke zu haben.

Leider liest er keine Bücher. Deshalb: Nein.

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Historiker: «Leider liest Trump keine Bücher»

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. Januar 2020 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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3 Antworten zu “Historiker: «Leider liest Trump keine Bücher»

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  1. Der Beitrag ist ganauso dumm, wie das was er vermitteln will.

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  2. Trump fehlt es einfach an Kompetenz um ein Land wie die USA angemessen zu führen. Er versteht etwas von Deals, aber kaum etwas von Politik.

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  3. Auszüge aus einem Interview von derstandard.at

    Wissenschafter Neumann.
    Der Londoner Terrorforscher hat in seinem neuen Buch die Denkstruktur des US-Präsidenten durchleuchtet. Sein Fazit: gut, dass Trump nicht so kann, wie er wollte.

    […]
    STANDARD: Was versteht jemand wie US-Präsident Donald Trump unter Frieden in Nahost?

    Neumann: Trump sieht Konflikte wie jenen zwischen Arabern und Israelis wie ein Geschäftsmann und sich selbst als großen Dealmaker. Er will den Palästinensern den Wunsch nach einem eigenen Staat mit finanzieller Unterstützung „abkaufen“. Dass das funktioniert, bezweifeln fast alle, die sich mit diesem Konflikt beschäftigen.
    […]
    Neumann: Seine eigentliche Doktrin besteht aus zwei Komponenten, nämlich einerseits der Überzeugung, Amerika könne Terroristen mit gezielten Drohnenschlägen ausschalten, ohne Truppen im Land stationieren zu müssen, was letztlich zu viel koste und nichts bringe. Andererseits geht es ihm im Inneren darum, Muslime mit Terrorismus gleichzusetzen, weshalb er möglichst wenige Muslime im Land haben möchte. Rechtsextremen Terror hingegen sieht er nicht als Terror, das sind für Trump Einzeltaten von Verrückten, bei denen es keine Notwendigkeit gibt, eine Strategie dagegen zu entwickeln.

    […]
    Neumann: Man merkt ständig, dass ihm das Grundverständnis für Konflikte fehlt und er auch kein Interesse hat, es sich anzueignen. Erst unlängst hat er etwa in Davos in einem Meeting mit dem Präsidenten der Kurden im Nordirak diesen mit dem Chef der syrischen Kurden verwechselt und ihm versprochen, dass die USA in Syrien bleiben. Anstatt eines ohnehin schon kurzen Briefings liest er höchstens drei Bullet-Punkte über ein Thema. Außerdem haben auch die Leute, die er rekrutiert hat, vielfach keinerlei Qualifikation, etwa Jared Kushner, Trumps Nahostvermittler, der vorher Immobilienmakler in New York war. Mit diesem strukturellen Problem kämpft Trump, der tatsächlich als totaler Außenseiter in die Politik gekommen ist, seit Beginn.

    […]
    STANDARD: Nach dem rechtsextremen Anschlag in Charlottesville hat Trump von „bösen Menschen“ auf „beiden Seiten“ gesprochen. Warum verurteilt Trump den rechten Terrorismus so zögerlich?

    Neumann: Charlottesville war Trumps Offenbarungseid. Trump ist kein normaler amerikanischer Präsident, selbst Bush, der als weit rechts galt, hat Nazi-Umtriebe immer scharf verurteilt. Trump ist der Erste, der da keine rote Linie zieht. Das wird bei Alt-Right auch bemerkt. Auch wenn sie nicht alles gut finden, was Trump macht, wissen sie doch zu schätzen, dass er sie nie verurteilt hat. Das macht er wohl auch darum, weil er glaubt, dass es in den für ihn so wichtigen Rustbelt-Staaten viele Wähler gibt, die so denken.
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    Zur Person.
    Der gebürtige Würzburger Peter Neumann (45) ist Professor für Sicherheitsstudien am Londoner King’s College und Senior Fellow am International Centre for the Study of Radicalisation. 2017 war er während der österreichischen Präsidentschaft OSZE-Sonderbeauftragter für den Kampf gegen Radikalisierung.
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    https://www.derstandard.at/story/2000113815728/wissenschafter-neumann-trump-geht-es-immer-um-boesewichte?ref=nl
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    Noch ein Kommentar dazu auf derselben Seite:

    christoph hofbaur

    Da war der Hr Neumann aber lieb zum Trump, hier einige faktische Korrekturen:
    1- Schwäche für „strong men“ & „bestimmte Teile der Welt letztlich nur mit starker Hand regieren kann“:
    Lieb interpretiert. Trump sagte bereits 2016, als er noch erwartete die Wahl zu verlieren, dass er das Wahlergebnis nicht akzeptieren wuerde. Trump’s Vorbilder im Regierungsstil sind Mussolini und Adolf, er sieht sich als „gottgewaehlter chosen one“ (Auserwählter), vor dem alle zu kriechen haben. Was seine Verteidiger ja auch freiwillig vormachen.
    Trump steht fuer den vom Gesetz losgeloesten totalitaeren Absolutismus.
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    2- Charlottesville:
    Trump ist zur globalen Galionsfigur der gewaltbereiten Rechtsfaschisten geworden, der will sich ganz bewusst nicht von jenen abgrenzen, die bereit sind, ihn gewaltsam nach einer Wahlniederlage an der Macht zu halten.

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