Archiv für 1. Juni 2020

Corona – von wegen leichter Grippe   Leave a comment

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Man sieht ja an den extrem hohen Infektionszahlen und den vielen Toten wie es in Ländern aussieht, wo man Corona nicht ernst nimmt und verharmlost, Beispiel Brasilien oder vor allem auch die USA einige Wochen, auch England ist ein solches Beispiel.
Was auch langsam immer mehr rauskommt sind die Langzeitfolgen nach „überstandener“ Krankheit. Die Patienten erholen sich wochen- wenn nicht monatelang nicht richtig und leiden an Defiziten bzw. mangelnder Leistungsfähigkeit.

Aus „Monitor“

Epizentrum der Corona-Infektionen: Was geschah in Norditalien?

Georg Restle: „Diese Bilder versetzten vor zwei Monaten viele in Angst und Schrecken. Militärtransporter im norditalienischen Bergamo, die Särge voller Covid-19-Toten in Krematorien brachten. Es gibt nicht wenige, die sagen, dass es genau diese Bilder waren, die die gesellschaftliche Stimmung in Sachen Corona damals entscheidend drehten. Doch welche Geschichten verbergen sich tatsächlich dahinter?

Guten Abend und willkommen bei MONITOR. Ganz weit weg wirken diese Bilder heute; in Zeiten, in denen es nur noch um Lockerungen, Staatshilfen und Urlaubsplanungen zu gehen scheint. Dabei sollten wir sehr genau hinschauen, was sich da in Norditalien abspielte. Bisher war es für Journalisten aus Deutschland praktisch unmöglich, länger dorthin zu reisen. Jetzt aber konnten wir uns ein eigenes Bild machen. Und sind dafür in den Ort Nembro bei Bergamo gefahren – in einen der so genannten Hotspots der Corona-Krise. Eine kleine Stadt, die schon sehr früh und besonders heftig vom Corona-Virus heimgesucht wurde. Niklas Schenk und Golineh Atai.“

Kurz vor der italienischen Grenze. Auf dem Weg in ein Land, in das aktuell kaum jemand einreisen darf und will. Wir fahren nach Norditalien. Keine andere Region in Europa wurde so heftig vom Corona-Virus getroffen wie die Lombardei. Fast 16.000 Menschen sind hier schon gestorben. Nembro, ein Ort mit 11.500 Einwohnern unweit von Bergamo. „Insieme ce la faremo” – zusammen schaffen wir das. Diese Plakate hängen an fast jedem Haus. Alleine in den ersten Monaten dieses Jahres sind fast 200 Menschen in Nembro verstorben. Viel mehr als sonst, noch mehr als in anderen Orten der Lombardei. Es ist, als ob man die Atmosphäre des Todes atme, erzählen sie sich.

Flavio Persico (Übersetzung Monitor): „Auf diesem Platz da, da in diese Richtung, da haben wir uns immer zu zehnt getroffen, fünf davon sind tot. Fünf von zehn sind gestorben! Und einem ist die Frau gestorben. Und einer der Mann.“

Die Angst geht nicht weg. Die Nähe zu den Liebsten ist immer noch gefährlich. Jeder hat hier jemanden verloren – so wie Bäcker Salvatore Mazzola.

Salvatore Mazzola (Übersetzung Monitor): „Mein Vater starb nach neun Tagen. Wir fragten nach Hilfe, aber niemand kam. Jetzt müssen wir weitermachen. Wir arbeiten hart hier, weil das Leben weitergehen muss.“

Die Cafés in Nembro – kaum besucht, am Mittag meist schon wieder zu. Die Hygienestandards sind hoch. Überall werden Hände desinfiziert, Namen in Listen eingetragen – auch vor dem Betreten der gerade erst wieder eröffneten Kirche. Die Vergangenheit lässt sie nicht los.

Marika Mologni (Übersetzung Monitor): „Draußen war es völlig still. Wir hörten nur die Sirenen der Krankenwagen und die Totenglocken – das war surreal. Und wir drinnen eingeschlossen – mit dieser großen Angst.“

Ganz langsam kehrt das Leben zurück – aber wie schlimm war es hier wirklich? Wir begeben uns auf Spurensuche in Nembro. Das Altenheim – seit Wochen leben alle Bewohner isoliert von der Außenwelt. Zum Höhepunkt der Corona-Krise sind hier Duzende gestorben, erzählt uns Valerio Poloni, der neue Leiter des Heims.

Valerio Poloni, Präsident Pflegeheim Nembro (Übersetzung Monitor): „Wir haben vom 1. Januar bis Ende März 37 Bewohner verloren, das ist ein Desaster gewesen. Auch unser Arzt ist gestorben. Auch der Direktor, mein Vorgänger, ist gestorben. Dieses Haus wurde besonders schlimm getroffen.“

Was uns erstaunt, kein einziger der Verstorbenen aus dem Heim wurde auf das Corona-Virus getestet. In der gesamten Lombardei ist die Zahl der Toten in Pflegeheimen bis Mitte April deutlich angestiegen. Insgesamt starben über 3.000 – nach offiziellen Zahlen. Hier im Pflegeheim erhalten wir eine Erklärung dafür. Die Gesundheitsverwaltung der Lombardei entschied damals, viele Corona-Patienten mit milden Symptomen ausgerechnet in den Pflegeheimen der Region unterzubringen. Mitten unter Hochrisikogruppen. Deshalb ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

[…]

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Es war sehr schwer, Plätze für unsere Patienten in anderen Krankenhäusern in der Lombardei, in Piemont oder in Venezien zu finden während der schlimmsten Tage der Krise.“

Reporter (Übersetzung Monitor): „Und dort waren Betten frei, wo Patienten hätten untergebracht werden können?“

Dr. Marco Rizzi, Chefarzt Krankenhaus Papa Giovanni XXIII. (Übersetzung Monitor): „Ja, zu einem gewissen Grad schon.“

Die Katastrophe in Bergamo hätte also zumindest abgeschwächt werden können, wenn Kliniken besser zusammengearbeitet hätten. Einer von vielen tragischen Fehlern, die in der Lombardei gemacht wurden und die zu der hohen Zahl von Covid-19-Toten führten. Die ist offenbar sogar noch viel höher als offiziell angegeben. Das erzählt uns dieser Mann. Der Mathematiker Luca Foresti hat sich die Todeszahlen von Nembro genau angeschaut – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Pro Monat sterben in Nembro normalerweise durchschnittlich zehn Menschen. Von Ende Februar bis Mitte April waren es aber 166. In einer Studie mit der Berliner Charité kommt er zu dem Ergebnis: Nur gut die Hälfte der Toten, die in dieser Zeit registriert wurden, gelten offiziell als Covid-19-Tote. Viele Tote wurden überhaupt nicht getestet.

Luca Foresti, Mathematiker (Übersetzung Monitor): „Das bedeutet, die offiziellen Zahlen zeigen wesentlich weniger Tote. Ich gehe davon aus, dass etwa doppelt so viele gestorben sind.“

Mehr Covid-19-Tote als offiziell bekannt? In anderen Orten in der Lombardei zeigt sich ein ähnliches Bild. Deshalb warnt der Bürgermeister der Gemeinde Nembro davor, das Virus zu unterschätzen.

Hier weiterlesen:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/corona-norditalien-100.html

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„Alternative Fakten“ zu Corona: Das Netzwerk der Verharmloser und Verschwörer

In der Corona-Krise haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Verbreitet werden solche Falschmeldungen häufig über Medien und Kanäle, die sich „alternativ“ nennen. Dabei geht es oft nicht um Sachfragen, sondern um die Ablehnung von etablierter Wissenschaft und demokratischen Institutionen.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-alternative-fakten-zu-corona-das-netzwerk-der-verharmloser-und-verschwoerer-100.html
Video enthalten

MONITOR Auf den Punkt: Corona-Demos – „Nicht mit den falschen Leuten!“

„Rechtsextremisten geht es nicht um Corona – und schon gar nicht um unsere Grundrechte. Sie suchen schlicht nach jedem Protest, den sie kapern können; die möglichst breite Bewegung, die es ihnen erlaubt, sich als bürgerliche Opposition zu verkleiden, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.“ MONITOR-Chef Georg Restle kommentiert die wachsende Zahl der Corona-Demonstrationen und die Rolle von Rechtsextremisten.

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-monitor-auf-den-punkt-corona-demos–nicht-mit-den-falschen-leuten-100.html
Video enthalten.

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Aus der „SZ“

Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Bergamo, the northern Italian town at the epicentre of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak

Gräber der kürzlich Verstorbenen auf dem Friedhof von Nembro nahe Bergamo.(Foto: Flavio Lo Scalzo/Reuters)

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Die norditalienische Stadt war besonders heftig vom Coronavirus betroffen. Dort gab es auf dem Höhepunkt der Pandemie elfmal so viele Tote wie normalerweise.

Anfang März wurden die Totenglocken nicht mehr geläutet, die Krankenwagen fuhren, wenn möglich, ohne Sirenen durch die Straßen. Man wollte die Menschen nicht permanent an das Leid erinnern, das sie hier im italienischen Nembro erlebten. Das Städtchen liegt in der reichen Lombardei, normalerweise werden seine Einwohner alt – gut versorgt durch ein funktionierendes Gesundheitssystem.

[…]

Am 21. Februar wurde der erste Fall in der Stadt bestätigt, schnell folgten weitere Infektionen. Mitte April war der Ausbruch endlich abgeflaut. Bis dahin musste die Stadt 166 Menschen zu Grabe tragen. 151 von ihnen waren allein im März gestorben, wie Public-Health-Forscher aus Mailand und Berlin im British Medical Journal analysierten. Damit starben in einem einzigen Monat mehr Menschen als sonst in einem gesamten Jahr, es waren fast elfmal so viele wie im März 2019.

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Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 1. Juni 2020 von hubert wenzl in Medizin

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