NSU: Schwere Vorwürfe gegen Nürnberger Polizei   Leave a comment

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Es wird oft auch geredet von einem Versagen der Behörden. Es ist schlimmer als ein Versagen, denn man wollte gar nicht in die rechtsextreme, ausländerfeindliche und rassistische Richtung ermitteln. Und das auch noch nach über zehn Jahren. Das wäre wirklich dümmer als die Polizei erlaubt. Es war ja das augenscheinlichste Motiv dieser Morde, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit in die rechtsextreme Richtung ginge. Die Ermittler haben sich nie entschuldigt, dass man die Opfer verdächtigte und beschuldigte. Der deutsche Rechtsstaat hat in diesem Fall versagt und ein Armutszeugnis abgelegt.

aus br.de

Nebenklageanwältin Seda Basay erhebt massive Vorwürfe gegen die Ermittler im Fall Enver Simsek. Es habe schwere Ermittlungsfehler gegeben – in den Augen der Polizei musste das Opfer selbst schuld sein an seinem Tod.

Heute geht die Bundesanwaltschaft davon aus,  dass die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Simsek erschossen und Beate Zschäpe die Taten mittrug. Enver Simsek war das erste Opfer der rassistischen Ceska-Mordserie des NSU. Obwohl acht weitere türkisch- bzw. griechisch-stämmige Geschäftsleute nach ihm mit derselben Waffe erschossen wurden, ermittelte die Polizei nie in Richtung eines rassistischen Motivs, sagt Basay.

Ein kleiner Einschub: Für Verwunderung sorgte bei Vertretern der Nebenklage, dass der LKA-Experte fast zwei Jahre für die Erstellung seines ersten Gutachtens brauchte. Er konnte sich nicht mehr genau erinnern, warum es so lange gedauert hatte, verwies aber darauf, dass die Abteilung „sehr stark ausgelastet“ sei.

https://www.br.de/nachricht/nsu-prozess/nsu-prozess-26-verhandlungstag-102.html

Hartnäckig an den Tätern vorbei ermittelt

Mal soll Enver Simsek eine Geliebte gehabt haben, dann suchten die Ermittler Verbindungen zum Drogenmilieu oder glaubten an eine Schutzgelderpressung. Nur auf Rassismus als Motiv für den Mord kamen die Ermittler nicht – und das über ein Jahrzehnt lang.

Enver Simseks Sohn Abdulkerim sagte im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, als es weitere Opfer gab, sei der Familie klar gewesen, dass die rechte Szene dahinterstecke:

„Wir hatten erwartet, dass die Polizei in der Richtung auch ermittelt, aber es geschah nichts. Immer wurde behauptet, dass mein Vater ein Krimineller sei, dass wir schuld seien und das ging elf Jahre lang.“

Abdulkerim Simsek, Sohn von Enver Simsek gegenüber dem BR

Laut Simsek war es eine Erleichterung, als rauskam, dass der NSU hinter dem Mord an seinen Vater steckte.

„Nach elf Jahren konnte wir wirklich sagen, wir waren Opfer. Mein Vater ist unschuldig, er wurde ermordet, nur weil er Türke ist.“

  Abdulkerim Simsek, Sohn von Enver Simsek gegenüber dem BR

Das Leid der Ehefrau

Als Nebenklage-Anwältin Seda Basay die Ermittlungsfehler nach dem Mord an dem Blumenhändler in Nürnberg aufzählte, sprach sie vom Verdacht gegen ein unbeteiligtes farbiges Paar – deren Auto in den Akten als „Negerfahrzeug“ bezeichnet wurde.

Sie sprach auch von der ersten Vernehmung von Enver Simseks Frau, während ihr Ehemann im Krankenhaus im Sterben lag. Von unangemessenen Fragen, falschen Verdächtigungen, die die ganze Familie belasteten – ohne konkrete Anhaltspunkte. Das Problem sei nicht gewesen, dass die Polizei im Umfeld der Familie ermittelt habe, sagte Basay. Sondern, dass sie einfach nicht damit aufgehört habe. Und: Dass die Ermittler sich nie bei der Familie entschuldigt hätten.

Von: Lisa Weiß

NSU: Schwere Vorwürfe gegen Nürnberger Polizei

 

NSU-Prozess

„Die harten Fragen werden bislang vermieden“

VIDEO

https://www.br.de/mediathek/video/nsu-prozess-die-harten-fragen-werden-bislang-vermieden-av:5a3c52254197220018884bae

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Siehe auch aus Spiegel.de

„Die haben uns kaputtgemacht“

Abdulkerim Simsek, Sohn des ersten NSU-Opfers Enver Simsek, über verloren gegangenes Vertrauen, Drohbriefe an seine Anwältin Seda Basay-Yildiz und den Mord an Walter Lübcke.

Am 11. Juli 2018, wurde Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht München als NSU-Terroristin wegen Mittäterschaft bei dem Mord an Enver Simsek und bei neun weiteren Morden zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte die besondere Schwere ihrer Schuld fest. Für Angehörige der NSU-Opfer wie Abdulkerim Simsek ist der Fall noch längst nicht Vergangenheit.

[…]

SPIEGEL ONLINE: Was genau ärgert Sie so sehr?

Simsek: Wir haben immer gesagt, Kassel ist eine Neonazi-Hochburg. Darauf haben wir im Prozess immer wieder hingewiesen. Wir haben geschrien: Es gibt noch andere Leute! Aber auf uns wurde nicht gehört. Es wurde immer so dargestellt, dass der NSU nur aus drei Leuten besteht – aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Aber für mich ist ganz klar: Das ist ein Netzwerk. Die Familie Lübcke tut mir furchtbar leid. Ich bin fest davon überzeugt, dass der NSU und der Mord an Herrn Lübcke miteinander verstrickt sind. Da steckt mehr dahinter. Ich habe nur keine Hoffnung, dass wir die Hintergründe jemals erfahren werden.

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„Die haben uns kaputtgemacht“

 

Siehe auch:

Siehe auch Spitzel, Spione, Geheimdienste – unter Geheimdienstliches Verdunkelungssystem in Aktion

https://t1p.de/Geheimdienstliches-Verdunkelungssystem-in-Aktion

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Gruß Hubert

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