Archiv für 8. August 2020

Eine ganz normale Murmeltierjagd   Leave a comment

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Warum sind diese sch…. Jäger zu keinem Mitgefühl fähig… Ein Zeichen für einen schweren psychichischen Defekt! Was ich ihnen wünsche darf ich hier nicht schreiben.

Von martinballuch.com

Eine ganz normale Murmeltierjagd

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Bild: martinballuch.com

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Spätsommer, auf einer Alm in der Kreuzeckgruppe in den Hohen Tauern, Kärnten. Meine Familie und ich verbringen dort ein paar ruhige Tage. Das Wetter ist stabil, die Abende werden schon angenehm kühl, die Kühe sind bereits ins Tal gebracht worden. Nichts kann die paradiesische Ruhe stören – so dachten wir.

Um die Almhütte gab es einige sehr vertrauensselige Murmeltiere. Eines davon ist auf dem Bild oben zu sehen. Auch eine Familie, die die letzten Sonnenstrahlen vor der langen Winterruhe genoss. Man konnte sich ihnen auf wenige Meter nähern. Der Bau war vielleicht 30 m von der Hütte entfernt. Wunderschöne Begegnungen mit frei lebenden Tieren, die von sich aus die Nähe von Menschen zuließen. Großartig, insbesondere für meine Tochter, die sich immer mehr für Tiere zu interessieren beginnt.

Doch dann braute sich ein Unheil über der beschaulichen Ruhe und scheinbaren Geborgenheit zusammen. Eines Morgens kam ein Mann mit zwei jungen Burschen aus dem Tal herauf. Vielleicht 50 m von der Hütte entfernt blieb er stehen. Wir waren gerade einige hundert Meter weiter an einem Bach. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich die drei.

Der Mann packte ein Gewehr aus, lud es und gab es dem kleineren der beiden Burschen. Der kniete sich auf den Boden, legte das Gewehr auf einen Fels, zielte – und schoss! Ich konnte es gar nicht fassen, wunderte mich noch, warum diese Leute gerade hier zielschießen müssen.

Doch dann ging der Mann einige Meter weiter, hob etwas Schweres, Sackartiges vom Boden auf, zeigte es den Burschen und hängte es an seinen Rucksack. Da erkannte ich dieses etwas: es war eines unserer Murmeltierefreunde! Unfassbar!

Ich lief hinüber und stellte die drei zur Rede. Der Mann war aus Südtirol, ein Italiener. Der Schütze sein 14 jähriger Sohn, der sich zum Geburtstag den Abschuss eines Murmeltieres gewünscht hatte. Der zweite Bursche war 17 Jahre alt und der Jagdführer für diesen Tag, in Vertretung seines Großvaters, der dieses Jagdrevier gepachtet hatte.

Wozu, um alles in der Welt, wozu musste dieses harmlose Tier sterben? Mit dieser Frage ließen sie mich zurück. Für die drei war die Antwort selbstverständlich, wenn auch nicht artikulierbar. Eine undifferenzierte Lust. Für uns war der Frieden zerstört, das Paradies verloren. Wie kann uns die Murmeltierfamilie jemals verzeihen?

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wieso solche Menschen zu keinerlei Mitgefühl mit ihren Opfern fähig sind. Mich reißen derartige Erlebnisse noch Wochen später schweißgebadet aus dem Schlaf. Ich höre den Schuss, sehe, wie sich das Murmeltier in Schmerzen windet, blicke in seine starren Augen. Ein so schönes Leben völlig sinnlos und brutal beendet. Eine Familie hat eines ihrer geliebten Mitglieder verloren. Wozu? Meine Frage verhallt im Nirgendwo.

Diese Jagd war ganz klar illegal. 14 Jährige sind für so etwas noch zu jung. Aber der Almbetreiber bat mich, von einer Anzeige Abstand zu nehmen. Das würde auf ihn zurückfallen. Und überhaupt – wer hält sich in Österreich schon an die Jagdgesetze? Ist ja meistens niemand dabei, der das überwacht.

Derselbe Jagdpächter ist übrigens gerade dabei, die Gemeinde dazu zu bringen, eine Forststraße bis zur Alm und weiter in den Talschluss bauen zu dürfen. Dann müssen seine Jagdgäste nicht mehr so weit gehen. Neben dem Mitgefühl für Tiere fehlt da auch die Wertschätzung für unberührte Natur. Alles muss genutzt und in Geld umgewandelt werden. Kein Tier und kein noch so kleines Fleckchen Bergwald ist davor sicher. Mir graut.

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Eine ganz normale Murmeltierjagd

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Gruß Hubert

Verschwörungstheorien   2 comments

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Martin Balluch bringt hier einige interessante Fallbeispiele, Überlegungen und Argumente zu Verschwörungstheorien.

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Von http://martinballuch.com

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Bild: Martin Balluch

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Ich habe vor einigen Jahren das Tagebuch einer Frau, die von 1638 bis 1700 hier bei mir am Hochschwab gelebt hat, gelesen und darüber auch einen Blogeintrag geschrieben: https://martinballuch.com/das-hausbuechl-der-stampferin-oder-was-tierschutz-mit-der-todesstrafe-zu-tun-hat/. Darin führt die Autorin aus, dass 1679 ein Bruder von ihr starb und genau zur selben Zeit eine seltsame Frau in der Gegend erschienen ist. Zufällige Koinzidenz würden wir heute sagen. Nicht aber die Leute damals, die von der Naturwissenschaft und deren Verständnis von Realität nicht viel wussten. Damals gingen einige Leute von einer Verschwörung zwischen dieser Frau und dem Teufel aus und überzeugten bald die anderen durch insbesondere die scheinbar mysteriöse Gleichzeitigkeit ihres Auftretens mit dem Tod des Mannes und durch ihr asoziales Verhalten. Die Frau wurde festgenommen und gefoltert. Dabei gestand sie, mit dem Teufel paktiert zu haben und wurde hingerichtet.

Das ist der klassische Fall einer Verschwörungstheorie. Voraussetzung dafür, ihr zu folgen, ist, dass man die naturwissenschaftliche Faktenlage verlässt, die rationale Vernunft hintan stellt und sich durch das reißerisch dargestellte und aufgeblähte, scheinbar Mysteriöse einer zufälligen Gleichzeitigkeit beeindrucken lässt. Dabei ist daran nichts mysteriös, wenn man genau hinsieht. Zu dieser Zeit starben ununterbrochen Menschen im Dorf der Autorin des Tagebuchs, und die Krankheiten waren für die Leute damals praktisch immer undurchschaubar. Dass also eine undurchschaubare Krankheit einen Mann tötet während diese Frau erstmals auftaucht, ist statistisch nicht unwahrscheinlich, ohne dass es einen Zusammenhang geben muss.

Ich kann dem ein moderneres Beispiel hinzufügen. Als wir 10 Tierschützer_innen im Rahmen des Tierschutzprozesses verhaftet und in die Justizanstalt Wr. Neustadt eingeliefert wurden, fiel just zu diesem Zeitpunkt der Fernsehempfang im gesamten Gefängnis aus. Und schon grölte ein Gefangener aus einer der Zellen ober mir, er werde uns „Veganer“ umbringen, wenn er uns trifft, und sollte er eine höhere Haftstrafe dafür bekommen, so sei ihm das wert, weil wir seinen Fernsehempfang mutwillig gestört hätten.

Ein letztes Beispiel: die Atomreaktor-Explosion in Tschernobyl. Die Wolke mit radioaktiven Teilchen kam relativ rasch nach Österreich. Ich war damals Physikstudent und experimentierte gerade zufällig mit Geigerzählern, die die Radioaktivität messen können. So konnten wir nachweisen, dass Kinderspielplätze kontaminiert waren. Andere hatten diese unabhängige Info aber nicht. Als die Regierung also nicht nur Kinderspielplätze sperrte, sondern ganze Augehverbote erließ, gab es eine Reihe von Personen, die eine Verschwörung vermuteten. Es gebe gar keine Radioaktivität – immerhin kann man sie ja mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen – oder zumindest keine Atomreaktorexplosion, und überhaupt wolle die Regierung nur die Grundrechte außer Kraft setzen. Damals hatten diese Verschwörungstheorien sehr wenig Effekt. Aber nicht, weil die Menschheit vernünftiger gewesen wäre, als heute, sondern weil es keine sozialen Medien gab. Die Verschwörungstheoretiker_innen damals waren alle isoliert und konnten sich nur mündlich ihrer Umgebung mitteilen. So gab es nie eine kritische Masse, die eine der Verschwörungstheorien zum Selbstläufer hätte werden lassen.

Nicht so jetzt im Fall des Coronavirus. Als ich seinerzeit am Institut für Astronomie der Uni Wien arbeitete, stellte ich mit großer Verwunderung fest, dass im regelmäßigen Abstand Personen auftauchten, die vollkommen überzeugt waren, dass die Quantenmechanik oder die Relativitätstheorie, oder auch die Schwarzen Löcher, nicht die Realität beschreiben würden, sondern internationale Verschwörungen wären. Da war ich Fachmann, das konnte ich leicht widerlegen. Im Fall von Corona bin ich nicht vom Fach. Wie kann ich also eine Verschwörungstheorie von einer echten Verschwörung unterscheiden, wenn ich dazu selbst kein Spezialwissen habe? Immerhin gibt es Letztere ja auch.

Ich denke das ist ziemlich leicht. Erstens weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die internationale Wissenschaftscommunity nicht global für eine Verschwörung zu haben ist. Es ist völlig undenkbar, dass sich alle Wissenschafter_innen eines Faches, von China bis in die USA, von Australien bis Europa, von Afrika bis Skandinavien, gemeinsam verschwören und bewusst einen Umstand erfinden oder einen real bestehenden Umstand leugnen. Ich lese also das Magazin „New Scientist“, das von unabhängigen Wissenschaftsjournalist_innen herausgegeben wird und das meinem Eindruck nach eine gesunde kritische Distanz zu allen Behauptungen einnimmt und sich am Stand der internationalen Wissenschaft orientiert. Zu Corona: das New Scientist hat weder diesen Virus noch seine Wirkung je infrage gestellt. Man muss im Internet echte von falschen Quellen für Fakten unterscheiden lernen.

Interessant ist ja, dass Verschwörungstheorien heute immer im Mäntelchen der Wissenschaft daher kommen. Man erfindet wissenschaftliche Autoritäten und behauptet fälschlich Forschungsergebnisse und präsentiert sich als Wissenschafter_in, sodass es auf den ersten Blick vielleicht nicht so leicht ist, Wissenschaft von Fake News zu unterscheiden. Aber nur auf den ersten Blick. Der zweite Blick ist auf die Wissenschaftsmagazine gerichtet, in denen publiziert wurde, oder auf die Methode, die angewandt wurde, und dann lässt sich leicht der Spreu vom Weizen trennen. Es ist nicht alles Wissenschaft, was so tut als ob. Zu Corona: für das wissenschaftlich geschulte Auge sind Auftritte des Herrn Wodarg zum Beispiel sehr leicht als Fake News zu durchschauen.

Zweitens würde ich, um eine Verschwörungstheorie einzuschätzen, immer fragen, wer soll sich da zu welchem Zweck verschworen haben. Verschwörungstheorien zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass die Zwecke sehr weit hergeholt sind. Im Fall Corona: Es ist vollständig absurd zu glauben, dass sich alle Staaten der Welt gemeinsam verschworen haben, einen imaginären Virus zu behaupten, um ihre eigene Wirtschaft in den Abgrund zu treiben.

Und drittens ist ein gewisses Maß an vernünftiger Abwägung zwischen den entgegengestellten Thesen gefragt. Im Fall Corona: ist es wahrscheinlicher, dass der ORF die Massengräber in New York und die Totentransporte in Italien durch Schauspieler_innen darstellen lässt, oder reale Szenen gefilmt hat? Sind die Filmaufnahmen aus den Intensivstationen und die Erfahrungswerte zahlreicher Ärzt_innen eher simuliert oder zeigen sie doch die Realität? Ist es möglich, dass sämtlicher Expert_innen, die die Regierungen beraten, durchgehend lügen oder selbst hinters Licht geführt wurden, oder haben sie vielleicht doch ein bisschen eine Ahnung, wovon sie reden?

Ich kenne mich mit Viren nicht besser aus als ein durchschnittlich informierter Naturwissenschafter. Aber alles, was ich schon vor Corona gewusst und seither nachgelesen habe, z.B. über die Pandemie der Spanischen Grippe 1919, lässt mich im Großen und Ganzen zur Überzeugung gelangen, dass die österreichische Regierung in dieser Frage sehr vernünftig agiert hat. Deshalb trage ich sämtliche Maßnahmen freiwillig und gerne mit.

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Verschwörungstheorien

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Gruß Hubert