Archiv für 11. August 2020

Wenn wir nichts ändern, wird es ungemütlich   Leave a comment

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Es besteht ein Zusammenhang zwischen unseren ausbeuterischen Umgang mit Tieren und Umwelt und Pandemieen.

Von Daniela Wakonigg

miz-online.de – Materialien und Informationen zur Zeit

Die aktuelle Corona-Pandemie ist nur ein Beispiel für eine gefähr­liche Krankheitswelle, die auf unseren ausbeuterischen Umgang mit Tieren und Umwelt zurückzuführen ist. Weitere werden mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen, warnt die Wissenschaft. Höchste Zeit, unser Verhältnis zur Natur zu überdenken und diesem Denken auch Taten folgen zu lassen.

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Schlachthöfe und Fleischfabriken wurden in der Corona-Epidemie zu Infektions-Hotspots, Foto: Pixabay

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Kritik an unserer Ausbeutung der Tierwelt wird oft mit tierethischen Argumenten geübt. Angesichts der Tatsache, dass Tiere unsere engen biologischen Verwandten seien und ebenso leidensfähig wie wir, müsse überdacht werden, ob es ethisch akzeptabel sei, Tiere der industriellen Massentierhaltung auszusetzen oder sie überhaupt zu schlachten und zu essen. Die Gegenseite hält die biologische Nähe von Mensch und Tier sowie die tierische Leidensfähigkeit hingegen für weniger bedeutsam und beruft sich wahlweise auf den Verstand des Menschen, welcher ihn über die Tiere erhebe, oder auf seine gottgegebene Position als Krone der Schöpfung, die eine Nutzung anderer Lebewesen legitimiere.

Die philosophischen Diskussionen um dieses Thema werden derzeit von der Realität eingeholt. Und zwar auf fast ironisch zu nennende Weise. Denn selbst wer tierethischen Positionen fern steht und Tieren gegenüber keine sonderliche Empathie empfindet, muss spätestens in der gegenwärtigen Corona-Pandemie erkennen, dass es die Kombination von der biologischen Nähe des Menschen zu Tieren und von deren Ausbeutung ist, die droht, der Menschheit zum Verhängnis zu werden.

Einige Krankheitserreger sind spezialisiert auf ganz bestimmte Wirte. Ein porcines Coronavirus kann Schweine infizieren, ein felines Katzen, nicht jedoch umgekehrt. Doch weil sich die Biologie unterschiedlicher Wirtstiere ähnelt, besitzen andere Krankheitserreger die Fähigkeit, Wirte unterschiedlicher Arten zu infizieren. Bei Krankheiten, die vom Menschen auf (andere) Tiere oder von (anderen) Tieren auf den Menschen übertragbar sind, spricht man von Zoonosen. Zu den Zoonosen zählt auch die Covid-19-Erkrankung, die vom neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst wird. Eine der unangenehmen Eigenschaften von Zoonosen ist, dass jederzeit neue entstehen können.

Krankheitserreger wie Viren, die sich zahlreich und schnell vermehren, produzieren im Laufe ihres Reproduktionsprozesses beispielsweise immer neue Mutationsformen. So kann es sein, dass in einem einzelnen Tier entweder per zufälliger Mutation oder durch Vermischung mit dem Genmaterial eines anderen Virus eine Virusvariante entsteht. Eine Variante, die – direkt oder über eine weitere Vermischungsstation in einem Zwischenwirt – geeignet ist, auch auf eine andere Tierart wie beispielsweise den Menschen überzugehen. Im schlimmsten Fall ist diese neu entstandene Virusvariante auch von Mensch zu Mensch übertragbar und hat auf diese Weise das Potential, eine Epidemie oder gar eine Pandemie auszulösen.

An dem natürlichen Prozess des fortwährenden Wandels bestimmter Krankheitserreger ist nichts zu ändern. Sehr wohl kann jedoch an anderen Stellschrauben gedreht werden, um Krankheitswellen unter der menschlichen Bevölkerung zu verhindern. Momentan sind diese Schrauben jedoch so justiert, dass die Uhr für die Entstehung neuer Pandemien permanent tickt. Das verdanken wir unserem aktuellen Umgang mit Tieren und Umwelt.

In der Massentierhaltung sind viele Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht und werden am Fließband geschlachtet. Je mehr Tiere sich an einem Ort befinden, desto höher ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass eines von ihnen die neue Variante eines Krankheitserregers in sich trägt, die auf Menschen übertragbar ist. Durch die beengte Tierhaltung ist außerdem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass dieser Erreger auf mehrere Tiere übertragen wird, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich menschliche Arbeiter in der Tierindustrie infizieren.

Doch nicht nur die Massentier­haltung, auch das Eindringen des Menschen in den Lebensraum wildlebender Tiere birgt die Gefahr gefährlicher Zoonosen. Einige wildlebende Tierarten tragen beispielsweise Viren in sich, die sie selbst nicht krank machen, die für den Menschen jedoch höchst gefährlich sein können. Indem der Mensch, in ihr Revier eindringt, sie jagt und isst, besteht die Gefahr der Entstehung bzw. Übertragung einer neuen Zoonose. Ebenso, indem der Mensch den Lebensraum der Wildtiere zerstört – beispielsweise durch das Abholzen von Regenwäldern – und die Tiere so zwingt, sich in der Nähe von menschlichen Ortschaften anzusiedeln.

Auf genau diese Weise, also durch den Kontakt zu Tieren, die zum Zweck der Schlachtung gehalten oder gejagt wurden, kam es in den vergangenen Jahrzehnten in Asien zu Ausbrüchen der sogenannten Vogel- und Schweinegrippe, ebenso wie zu wiederholten Ausbrüchen von Ebola in Afrika. Wie genau das neuartige Coronavirus SARSCoV2, das derzeit die Welt in Atem hält, entstand und wann und wo es erstmals von Mensch zu Mensch übertragen wurde, ist noch nicht abschließend geklärt. Untersuchungen des Erbgutes zeigen, dass SARSCoV2 genetisch sowohl eng verwandt ist mit Coronaviren, die in Fledermäusen vorkommen, als auch mit solchen, die in Schuppentieren existieren. Man vermutet derzeit, dass es SARSCoV2 über das Schuppentier als Zwischenwirt gelang, die Artgrenze zu überspringen und auf den Menschen überzugehen. Sowohl Fledermäuse als auch Schuppentiere sind Wildtierarten, die in China gejagt, gegessen und tot ebenso wie lebendig auf Märkten angeboten werden. Auch auf dem Tiermarkt in Wuhan, von dem die weltweite Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ihren Ursprung nahm – auch wenn die erste Übertragung von Tier zu Mensch und Mensch zu Mensch möglicherweise bereits früher stattgefunden haben könnte. Bereits seit Jahren hatten Wissenschaftler zuvor vor der Entstehung einer weiteren für den Menschen gefährlichen Coronavirus-Variante gewarnt. Und auch davor, dass sich diese neue Virusvariante aufgrund der weltweit wachsenden Mobilität in Windeseile um den Globus verteilen könnte.

Während die Welt aktuell unter der Corona-Pandemie ächzt, steht das nächste gefährliche Virus bereits in den Startlöchern. Wieder ist es eines, das dem Menschen Dank Massentierhaltung gefährlich werden kann. Ende Juni sprachen chinesische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift PNAS eine Warnung vor einem neuen Schweinegrippevirus aus: G4 EA H1N1. Diesen G4-Genotyp des Influenza-A-Virus H1N1 haben Wissenschaftler bereits seit mehreren Jahren unter Beobachtung. 2013 wurde durch Untersuchung von Schweinen in der chinesischen Massentierzucht sowie von Arbeitern in Schweine-Fabriken entdeckt, dass das G4-Virus inzwischen nicht nur in Schweinen, sondern auch in Menschen vorkommt. Ein Zehntel der stichprobenartig untersuchten Arbeiter in den industriellen Schweine-Betrieben Chinas sollen bis heute Kontakt mit dem Virus gehabt haben. Die entscheidende Hürde für eine Pandemie hat das G4-Grippevirus glücklicherweise noch nicht genommen: Es ist nach aktuellem Wissensstand nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Doch die Wissenschaftler warnen in ihrer Veröffentlichung deutlich davor, dass das G4-Grippevirus inzwischen alle entscheidenden Merkmale habe, die es zu einem Kandidaten für eine Influenza-Pandemie machten.

Dass unser ausbeuterischer Um­gang mit Tieren und Umwelt die Ent­stehung und Verbreitung von Pande­mien massiv begünstigen, steht ohne jede Frage fest. Nur eine weitere düstere Färbung verleiht dieser Feststellung die Tatsache, dass es in der Corona-Pandemie zudem weltweit ausgerechnet Schlachtbetriebe waren, die sich als Hotspots der Mensch-zu-Mensch-Übertragung des neuen humanen Coronavirus erwiesen. Die gekühlte Luft, Klimaanlagen ohne ausreichende Filterung sowie schwere körperliche Arbeit mit hohem Aerosolausstoß schufen ideale Bedingungen für die Verbreitung. In den Schlachtbetrieben zeigt sich nämlich nicht nur unser ausbeuterisches Verhältnis gegenüber Tieren, die dort am Fließband getötet werden. Es zeigt sich auch, dass wir für das vermeintliche Menschenrecht aufs Billig-Schnitzel ebenfalls bereit sind, die Ausbeutung von Menschen in Kauf zu nehmen. Menschen aus Billiglohnländern, die für niedrige Löhne jene Brutalität ausüben, mit der wir unser Schnitzel keinesfalls assoziieren wollen.

Als würde das alles noch nicht reichen, gibt es neben der sehr realen Gefahr, zum Ausgangspunkt von Pandemien zu werden, durch Massentierhaltung und industrielle Fleischproduktion noch weitere Gefahren für die Menschheit. Zu nennen wären vor allem die zunehmende Abholzung des Regenwalds zum Anbau von Viehfutter, was den Klimawandel beschleunigt, sowie die Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Durch die beengten Verhältnisse in der Massentierzucht können sich nicht nur Viren, sondern auch Bakterien in Viehbeständen schnell verbreiten. Landwirte und Agrarunternehmen steuern dagegen, indem sie in der Tierzucht und Tiermast umfangreich Antibiotika einsetzen. Durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika werden Keime jedoch zunehmend gegen sie resistent. Und zwar auch jene, die in der Humanmedizin bekämpft werden. Auf diese Weise schwindet die Anzahl wirksamer Antibiotika. Ändert sich an diesem Zustand nicht schnell und grundlegend etwas, so leben wir bald wieder in einer Welt, in der eine Zahnwurzelentzündung ebenso tödlich enden kann wie vor einem guten Jahrhundert zur Zeit unserer Vorfahren.

Angesichts all dieser Fakten ist es schon lange keine bloße Frage der Tierethik mehr, ob wir unseren Umgang mit Umwelt und Tieren ändern sollten. Allein der pure Egoismus unserer eigenen Spezies sollte uns zum Handeln antreiben. Entweder wir verzichten auf Fleischindustrie und Massentierhaltung und damit auf unser tägliches Billig-Schnitzel oder für die Menschheit wird es in den kommenden Jahrzehnten nicht nur aufgrund des steigenden Meeresspiegels äußerst ungemütlich werden. Seine Vernunft, die ihn angeblich über die Tierwelt erhebt, könnte der Mensch hier unter Beweis stellen. Doch ob der menschliche Verstand über die Lust aufs Schnitzel siegen wird, ist äußerst fraglich.

Informationen

Das Diktum aus dem 1. Buch Mose (=Genesis), in dem Gott seinen Ebenbildern befiehlt, sich die Natur zu unterwerfen und nach Belieben nutzbar zu machen, beherrscht das Gattungsbewusstsein des Menschen wie kein zweites: eine universell gültige Erlaubnis, gar „göttlicher Auftrag“, zu rücksichtsloser Ausbeutung von Um- und Mitwelt. Auch wenn und gerade weil der vorgebliche Auftrag Gottes erkennbar nichts anderes ist, als ins Metaphysische projizierter und aus diesem als Legitimation für rücksichtsloseste Ausbeutung von allem und jedem zurückgespiegelter Ausdruck menschlicher Gier, fällt es umso schwerer – Stichwort: Kognitive Dissonanz –, die entscheidende Lehre aus der gegenwärtigen Krise um das Corona-Virus zu ziehen. Und die heißt: Wir brauchen ein grundlegend anderes Verhältnis Mensch-Natur.

Colin Goldner

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Wenn wir nichts ändern, wird es ungemütlich

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Gruß Hubert

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Veröffentlicht 11. August 2020 von hubert wenzl in Uncategorized

Die Grünen und der Tierschutz   Leave a comment

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Wie man meinen möchte, würden die Grünen als Umweltpartei, auch den Tierschutzgedanken hoch halten. Wie man bei Martin Balluch sieht, ist dem überhaupt nicht so.

Als Negativbeispiel ist da der österreichische Vizekanzler Werner Kogler hinzustellen, der bei McDonalds isst. Der war mir schon auf Anhieb unsympathisch. Ich kenne nur eine rühmliche Ausnahme: Madeleine Petrovic.

Von martinballuch.com

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Die Grünen und der Tierschutz

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Als ich das erste Mal den Grünen Parlamentsklub betreten habe, vor einigen Jahrzehnten, hing direkt beim Eingang ein großes Hirschgeweih mit Schädeldecke. Wie ich das sah, dachte ich mir, dass es mit dem Tierschutz nicht weit her sein kann. Kein tierschutzaffiner, sensibler Mensch schmückt seine Wände mit Totenköpfen.

Als ich das erste Mal den Grünen Parlamentsklub betreten habe, vor einigen Jahrzehnten, hing direkt beim Eingang ein großes Hirschgeweih mit Schädeldecke. Wie ich das sah, dachte ich mir, dass es mit dem Tierschutz nicht weit her sein kann. Kein tierschutzaffiner, sensibler Mensch schmückt seine Wände mit Totenköpfen.

Die Gründungsmutter der Grünen in Österreich, Freda Meissner-Blau, hatte meinem Eindruck nach auch tatsächlich nichts für Tierschutz übrig. Obwohl sie in vielen anderen, auch nah verwandten Themen, wie dem Umweltschutz, ohne Frage nicht nur kenntnisreich sondern auch sehr engagiert war.

Mitte der 1990er Jahre aber traf ich die damalige Bundessprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, in England. Sie wollte mich zu einer Jagdsabotage begleiten, half mir gegen eine drohende Deportation wegen meines Einsatzes gegen die adeligen Hetzjagden und sprach auf einer Podiumsdiskussion gegen Tierversuche. „Und übrigens“, beendete sie damals jede Rede egal zu welchem Thema auch im Parlament, „Tierversuche müssen verboten werden“. Madeleine Petrovic ist bis heute sehr im Tierschutz engagiert und u.a. Obfrau des Wiener Tierschutzvereins. Bei den Grünen hat sie allerdings keine Funktion mehr.

Kogler bei McDonalds

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Werner Kogler bei McDonalds: Mahlzeit – Bild: Martin Balluch

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Vizekanzler und Bundessprecher der Grünen Werner Kogler wiederum isst bei McDonalds. Als das bekannt wurde, solidarisierten sich viele der Grünen mit Kogler gegen die Kritik. Ich sage es ganz klar: wer in politischer Funktion bei McDonalds konsumiert, ist ein Analphabet in politischer Geschichte. McDonalds war sehr lange Zeit der Fokus von Kampagnen einer breiten Koalition zivilgesellschaftlicher Bewegungen, vom Anti-Kapitalismus über die Entwicklungshilfe und den Umweltschutz bis zu Arbeitsrechten und Tierschutz. Der 16. Oktober war weltweit der Anti-McDonalds Tag. Noch bis vor weniger als 10 Jahren gab es an diesem Tag auch in Österreich noch „kotz-ins“ in McDonalds Filialen und unzählige Demos.

Vor 25 Jahren war es in sehr vielen Ländern sogar üblich für Aktivist_innen, McDonalds nur mit einem Zementsackerl zu betreten, um das Klo zu verstopfen. Das war eine Reaktion auf die weltweite Praxis von McDonalds damals, zivilgesellschaftliche Aktivistengruppen mit Spitzeln zu infiltrieren und jeden Menschen zu klagen, der die Firma kritisiert hat. Der VGT war übrigens auch Opfer einer solchen Megaklage, die ihn damals fast ruiniert hätte. Nur 2 Aktivist_innen von London Greenpeace, eine davon, Helen Steel, kannte ich persönlich in England, haben nicht klein beigegeben und sich dem Prozess gestellt. Er wurde der längste in der englischen Prozessgeschichte. Letztlich gewann McDonalds 1995 und ruinierte die beiden finanziell, doch 2005 drehte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Urteil um. Es seien die Grundrechte auf Meinungsfreiheit und auf ein faires Verfahren verletzt worden. Dieser Megaprozess ging als „McLibel“ in die Geschichte ein und wurde auch verfilmt. Könnte es wirklich sein, dass ein Vizekanzler und Grünenchef das alles nicht weiß? Oder ist es ihm egal?

Aber vielleicht stimmt die Kritik an McDonalds von damals heute ja nicht mehr, vielleicht ist alles anders. Ein Beispiel. Vor wenigen Jahren sprach ich persönlich mit der Geschäftsführung von McDonalds Österreich über die Zustände in Masthuhnfabriken. Und da wurde mir von höchster Ebene erklärt, dass die schrecklichen Bedingungen in der Masthuhnhaltung in Österreich für McDonalds noch zu gut (!) wären, weshalb sie ihre McNuggets Hühner aus dem Ausland beziehen, wo man die Tiere noch schlechter halten darf, und wo sie daher noch billiger sind! Mahlzeit, Herr Kogler!

Clubchefin Sigrid Maurer kotzt auf vegan

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Auf das Angebot einer veganen Wurstsemmel sagt Sigi Maurer „wäh“ – Bild: Martin Balluch

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Sigrid Maurer ist in der Bundesregierung die neue Chefin des Grünen Parlamentsclubs geworden. Als ehemalige ÖH-Vorsitzende und protestierende Aktivistin seinerzeit im Parlament, erwartet man sich vielleicht auch Progressives zu Tierschutz von ihr. Mitnichten. Als sie im ORF vor laufender Kamera eine vegane Wurstsemmel angeboten bekam, kotzte sie symbolisch. Keine Ausrede: das ist ein voller Schlag ins Gesicht für alle, die sich für vegane Alternativen einsetzen. Und das sind nicht nur die Tierschützer_innen. Das sind alle, denen das Klima, die natürlichen Ressourcen, der Umweltschutz, die Wasserversorgung, der Regenwald im Amazonas usw. wichtig sind. Maurer offenbar nicht.

So progressiv dürfte die gute Frau also doch nicht sein. Mit ihrer Einstellung passt sie zu ihrem konservativen Regierungspartner, der seit Jahrzehnten die Fleischindustrie und die Massentierhaltung fördert und die pflanzlichen Alternativen bekämpft wo es nur geht.

Regierungsprogramm Tierschutz ist katastrophal

Kein Wunder mit so einer Parteispitze bei den Regierungsverhandlungen, dass das Regierungsprogramm zum Tierschutz eine einzige Katastrophe ist. Wer es liest erkennt klar, den Grünen war bei diesen Verhandlungen der Tierschutz vollkommen egal. Ein Faustpfand vielleicht, für Zugeständnisse von Kurz für Klimaschutzmaßnahmen. Der Tierschutz wurde aber verkauft.

Mitgehangen, mitgefangen. Als die SPÖ kürzlich einen Antrag für ein gesetzliches Verbot des Kückenschredderns stellte, eine Forderung der Grünen im Wahlkampf letztes Jahr, stimmten die Grünen nicht zu und der Antrag blitzte ab. „Das Grüne Schredder-Gate“ titulierte der Standard in Anspielung auf die seltsamen Vorkommnisse bei der ÖVP mit geschredderten Festplatten. Tatsächlich brach ein Shitstorm unbekannten Ausmaßes über die Grünen nieder. Sie hätten ihre Grundprinzipien verraten.

Zynisch könnte ich jetzt sagen, stimmt nicht, der Tierschutz war nie eines ihrer Grundprinzipien. Wie auch immer, verraten haben sie den Tierschutz beim Ausverhandeln des Regierungsprogramms. Mir als altem Polithasen war natürlich klar, dass sie diesem Antrag nicht zustimmen können, ohne den Koalitionspartner zu vergrämen. Zur Regierungszeit gibt es (leider) keine freien Abstimmungen. Da heißt es sich an die Parteilinie zu halten. Der Fehler wurde schon um den Jahreswechsel begangen, für den sie sich aber einen Shitstorm verdient haben.

Das Tierschutzdesaster in Salzburg

Zu Zeiten von Oppositionspolitik ist es viel leichter, für Tierschutz einzutreten, als wenn man Regierungsverantwortung hat. Das zeigt sich nirgends deutlicher als in Salzburg, wo die Grünen nun bereits die zweite Legislaturperiode als Juniorpartner in der Regierung mit der ÖVP bestreiten. In Salzburg haben wir vom VGT eine Kampagne gegen die dortigen Jagdgatter durchgeführt. Und die Grünen in Salzburg waren und sind uns feindlicher gesinnt, als selbst die ÖVP.

Astrid Rössler, mittlerweile Nationalratsabgeordnete für die Grünen in Wien aber vor einigen Jahren noch Vizelandeshauptfrau und Landesrätin für Naturschutz als Grünenchefin in Salzburg, hatte die Möglichkeit, die grausame Gatterjagd zu beenden. Nein, sie hätte sogar die Pflicht gehabt. Nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich. Zwar konnte sie in ihrem Ressort keine Reform zum Jagdgesetz durchführen, aber sie wäre EU-rechtlich verpflichtet gewesen, eine Verordnung für das Natura 2000 Gebiet in der Antheringer Au zu schaffen, wo sich das Jagdgatter von Mayr-Melnhof befindet, in dem jährlich damals zumindest hunderte Wildschweine, Damhirsche und extra ausgesetzte Zuchtenten abgeschossen wurden. In einem Vogelschutzgebiet, wohlgemerkt! Der Landesrätin für Naturschutz lagen 2 Fachgutachten vor, die ihre eigene Regierung in Auftrag gegeben hatte, in denen klar steht, dass das Jagdgatter aufgelöst werden muss, weil sonst die Ziele des Natura 2000 Schutzgebiets nicht eingehalten werden können. Sie hätte eine entsprechende Verordnung erlassen können und müssen. Hat sie aber nicht. Dafür fehlte ihr das Rückgrat oder der Wille. Stattdessen hat sie den VGT, der sie dafür kritisiert hat, attackiert. Und ihre Nachfolgerin bei den Grünen, Kimbie Humer-Vogl, steht ihr dabei in nichts nach. Tierschutz ein Fremdwort. Eine Katastrophe. Tatsächlich ist das Jagdgatter Mayr-Melnhof heute das allerletzte Jagdgatter in Österreich, das kein Ablaufdatum hat. Mit einer Grünen Regierungsbeteiligung!

Auch für die EU-Wahlen hatte Kogler kein tierschutzfreundliches Händchen. Während einige sehr tierschutzaffine Personen auf der Grünen Liste kandidierten, wurde ausgerechnet Sarah Wiener zur Frontfrau auserkoren. Mir persönlich sagte Kogler, sie sei doch eh Tierschützerin. Na dann sollte er sich ihre ständigen Postings gegen Vegetarismus und vor allem Veganismus ansehen. Es scheint ihr eine besondere Freude zu machen, Veganer_innen zu bashen. Als sie dann einmal bei einer VGT-Aktion gegen den Vollspaltenboden aufkreuzte, war sie total über die Grundhaltung des VGT verwundert. Von Tierschutz weiß sie offenbar nicht viel.

Bis heute gibt es kein von der Parteispitze abgesegnetes Tierschutzprogramm der Grünen.

Hier weiterlesen:

Die Grünen und der Tierschutz

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. August 2020 von hubert wenzl in Politik, Tiere, Tierrechte, Tierschutz

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