Archiv für 28. September 2020

„Der Tierschützer“ … unterschätzt, übersehen, im Stich gelassen!   Leave a comment

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Bettina Marie Schneider von guteskarmatogoblog bringt es sehr gut auf den Punkt womit engagierte Tierschützer, die einen eigenen Tierschutzverein gegründet haben, leben und rechnen müssen. Es ist zum Schämen, schäbig und erbärmlich wie der Staat den Tierschutz ignoriert.

Rebloggt von guteskarmatogoblog

„Du machst doch irgendwas mit Tieren … „

So beginnen viele Unterhaltungen.

Dann weiss ich, ich erfahre entweder gleich etwas, das ich nicht wissen wollte oder ich fühle mich verpflichtet, etwas zu tun, wofür ich eigentlich in keinster Weise zuständig bin, vielleicht nicht über das nötige Wissen verfüge oder einfach keine Zeit habe, oder keine Lust. Letzteres soll es auch geben. Aber das versteht nur der, der selbst „irgendetwas im Tierschutz macht“ .

Dieses „Irgendetwas“ wird nämlich von den meisten nicht wahrgenommen, von vielen belächelt und von allen unterschätzt! Man erinnert sich erst an uns, wenn eigentlich die Behörden, der Staat gefragt wäre. Unser Staat toppt, was Tiere angeht, jede herzlose Eiskönigin.

Tierschutz wurde kurz einmal im Grundgesetz erwähnt, damit Ruhe ist und sich die seltsamen Tierschützer nicht beständig beschweren… das war es dann aber auch. Die meisten Amtstierärzte sind eher in Schlachthäusern und an Flughäfen unterwegs. Sie kontrollieren amtliche Auflagen. Wer schon einmal versucht hat, Misstände in der Tierhaltung, ja selbst übelste Tierquälerei zur Anzeige zu bringen, der wird schnell ein Fan der Selbstjustiz…oder wahnsinnig.

Staatliche Unterstützung für Tierheime, Wildtierhilfen, Auffangstationen, Futterstellen oder Kastrationsprojekte? Vergesst es! Wovon träumt ihr? Die Mittel sind nur ganz wenigen vorbehalten und selbst die müssen jedes Jahr erneut zäh darum ringen. Alle anderen, der überwiegende, gigantische Löwenanteil des Tierschutzes in Deutschland wird privat gestemmt. Die Menschen die Tieren helfen möchten, sie müssen betteln. So wird Tierschutz in Deutschland finanziert.

Wir finanzieren unsere Arbeit selbst. Die Ausbildung, die nötigen Bescheinigungen, das Arbeitsmaterial und alle Kosten rund um die Tiere selbst. Enorme Kosten!

Nicht so kleinlich ist unser Staat mit Gesetzesvorgaben für Tierschützer und Tierretter, Tierheime und Wildtierstationen, mit den Einreisebedingungen für adoptierte Hunde und Katzen. Die Hürden und Auflagen sind hoch, der Papierkram gewaltig. Wer dann auf die Idee kommt, einen Verein zu gründen, der wird schnell bemerken, dass er jetzt zusätzlich auch noch finanziell in der Haftung ist, noch mehr Papierkram zu erledigen hat und keinen Cent mehr, an staatlicher Hilfe erhält. Aber er kann jetzt zumindest leichter um Spenden betteln. Man muss sich auch über Kleinigkeiten freuen.

Da es also so gut wie keine öffentliche Anlaufstelle für den Tierschutz gibt, für alle Fragen rund um die Tiere, für Notfälle oder Tierquälerei… und auch keinen Cent dafür, landet alles bei den ehrenamtlichen Tierschützern. Bei mir zum Beispiel.

Kaum jemand in meinem Umfeld, in meiner Heimatstadt, weiss, was ich tue. Kein Serviceclub, nicht die Rotarier, nicht die Lions, auch nicht der Stadtrat oder andere öffentliche Stellen…. weil es nicht wichtig ist, weil man damit gesellschaftlich nicht punkten kann, Tierschutz ist nichts, womit man gesellschaftlich glänzen könnte. Auch nicht in der Lokalpolitik. Kein Unternehmen möchte gerne etwas beitragen. Tierschutz ist nur bedingt als Werbeträger geeignet.

Sie erinnern sich einzig dann an mich, wenn sie im Urlaub auf halb verhungerte Tiere vor dem Hotel stoßen. Dann darf ich zaubern und einen Kontakt auf einer abgelegenen Insel finden, der ihnen hilft, zu helfen.

Sie erinnern sich einzig dann an mich, wenn bei ihnen ein Hund im Garten sitzt, der verletzt ist und im Tierheim nimmt niemand ab. Dann darf ich das tun, was auch sie tun könnten, vorbei kommen und den Hund zum Tierarzt bringen.

Sie erinnern sich einzig an mich, wenn sie umziehen und nicht wissen, wie man ein Tier mit nach Ägypten bringt. Dann darf ich mit Kontakten und Informationen aushelfen.

Sie erinnern sich einzig dann an mich, wenn der Nachbar jeden Tag seine Frau und Kinder schlägt und den Hund. Dann soll der „Tierschutz“ eingreifen…Dann darf ich mich damit auseinandersetzen, sie haben den Tierschutz jetzt ja darauf hingewiesen…

Ja, ich mache tatsächlich etwas mit Tieren. Ich habe eine Organisation gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Elend der Straßentiere zu lindern oder zu verhindern. Mit Futterstellen, medizinischer Versorgung und vor allem, mit Kastration.

Das ist anspruchsvoll, wie ein kleines mittelständisches Unternehmen, das bedeutet, Vernetzungen quer durch Europa, mehrere Sprachen, Kontakt mit Zollbehörden, Speditionen, Stiftungen, Tierärzten, mit unzähligen Menschen, die in diesem Netzwerk mitwirken. Wir bewegen große Summen, viele Tonnen Futter und Ausrüstung für Tiere, wir arbeiten länderübergreifend und effizient. Und wir alle tun das gern.

Wir alle sind jedoch stets etwas ratlos und in meinem Fall „genervt“, dass die paar Menschen aus dem Tierschutz plötzlich für alles zuständig sein sollen, was eigentlich der Staat zu schultern hätte.

Nein, sind wir nicht! Wir haben nur mehr Gewissen als andere und schaffen es nicht, beständig wegzusehen, wenn um uns herum, überall unvorstellbares und vermeidbares Tierleid stattfindet.

Wenn ein reiches Land für Deutschland schon nicht genügend Geld für Tierschutz hat, wer dann?

Zumindest Respekt ist kostenlos, den würde ich mir manchmal wünschen.

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„Der Tierschützer“ … unterschätzt, übersehen, im Stich gelassen!