Missbrauchsgipfel: Der Teufel war’s   Leave a comment

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Nur ja keine Schuld annehmen. Wozu hat die kath. Kirche denn den Teufel? Der war’s. Erbärmlich! Denen ist es immer noch nicht Ernst um eine schonungslose und ehrliche Aufklärung, nicht zuletzt auch um eine Entschädigung der Opfer, die angemessen ist.

Aus der ZEIT

Der Rückzug in die Theologie als Vorwärtsverteidigung: Papst Franziskus‘ Abschlussrede zum Missbrauchsgipfel ist eine Enttäuschung.

 

Papst Franziskus bei einer Messe im Vatikan © Giuseppe Lami/​Pool/​AP/​dpa

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Der Missbrauchsgipfel ist gescheitert. Er war eine Enttäuschung für all jene, die sich von Papst Franziskus in seiner Abschlussrede ein konkretes Schuldeingeständnis und praktische Schlüsse versprachen. Also für die halbe Welt. Franziskus schlingerte gegenüber den vom Missbrauch Betroffenen, die nach Rom angereist waren, aber nicht mitdiskutieren durften. Die lediglich als „Stimmen“ ihre Leiden beschreiben durften.

Bezeichnenderweise hieß der Titel der ganzen Veranstaltung nicht: „Schutz der minderjährigen Kinder vor der Kirche“, sondern „in der Kirche“. Der Pontifex klammerte sich in seiner Rede immer wieder an dieses „in“ wie an einen Rettungsring. Er verwies auf Kindersoldaten sowie Kinderarbeit und Kinderprostitution und vergaß auch nicht die Kinder, die unter häuslicher Gewalt leiden.

Man weiß, dass die Kirche auf diesen Gebieten eine Menge unternimmt. Nur war diese Begegnung nicht einberufen worden, um die Schädlichkeit sozialer Netzwerke zu thematisieren, sondern sexuelle Vergehen oder Misshandlungen von Kirchenvertretern an Jugendlichen.

„Mysterium des Bösen“ und „Instrument Satans“

Doch in Franziskus‘ Rede wurde dieses Monströse, dieses „Mysterium des Bösen“ in der Welt, das „gegen die Schwächsten gerichtet ist“, vor allem zu einem „Instrument Satans“, der mittels Internet mit kinderpornografischen Inhalten die Jugend verdirbt und eben auch vor dem Klerus nicht haltmacht.

Offenbar war auch nicht allen angereisten Bischöfen das Problem in seiner ganzen Tragweite bewusst. Manche der geistlichen Gesandten aus Afrika und aus Asien erklärten, sie verstünden unter Missbrauch Kinderarbeit und Kinderprostitution und hielten deshalb diese Debatte um sexuellen Missbrauch für reine Obsession.

Warum Papst Franziskus – anders als bei anderen Reden über die Aufarbeitung des strukturellen Missbrauchs – in seiner Abschlussrede das Argument dieser Bischöfe so stark gewichtete, lässt sich letztlich nur taktisch erklären. Es war wohl die Furcht vor der Spaltung seiner Kirche, der Versuch, alle mitzunehmen auf den Pfad der Erneuerung. Es erklärt aber nicht, warum der Papst seine gesamte Rede so betont relativierend gestaltete. Er zitierte mehrere wissenschaftliche Studien, die von Großorganisationen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO in Auftrag gegeben wurden, und verlas, dass laut diesen Untersuchungen vor allem Eltern, Angehörige, Verwandte und Erzieher den Täterkreis bildeten. „Demnach erlitten neun von zehn Opfern den Missbrauch in der Familie.“

Erst an letzter Stelle – nach dem Sport – erwähnte der Papst die Kirche. Dabei weiß er nur zu gut, dass ein Problem nur scheinbar kleiner wird, wenn man den Rahmen größer aufzieht.

Klagen über die Polemik der Kirchenkritiker

Dass Franziskus schließlich immer wieder betonte, dass es vor allem der Druck der Medien war, der die Kirche zur Auseinandersetzung mit dem Skandal zwang, und gleich danach die Polemik der Kirchenkritiker bemängelte, passt gut zu seinen Invektiven gegen Kirchenkritiker, die er schon unmittelbar vor dem Gipfel in Süditalien gegenüber Pilgern äußerte. Der Spiegel zitierte Franziskus mit den Worten, Menschen, die die Kirche ständig und ohne Liebe kritisierten, seien für ihn die Freunde, Cousins und Verwandten des Teufels.

Folgt man dieser Argumentation, bräuchte es in Zukunft im Vatikan keine Juristen in den Kirchengerichten und der Verwaltung mehr, auch keine Sexualtherapeuten in der Priesterbetreuung, sondern vor allem Exorzisten. Wäre es nicht besser gewesen, anstatt wie der Papst nur die „erstickten Schreie der Opfer“ zu betrauern, regelmäßig und nicht nur symbolisch mit den Betroffenen den Austausch zu suchen? Lange genug hat der Vatikan das Prinzip „Klärung erst nach Verjährung“ genutzt.

Mehr Sorge um die eigene Spaltung

Am dritten Tag des Gipfels, bei einem Bußgottesdienst, sagte Neuseelands Vertreter, Kardinal John A. Dew, vor Papst und führenden Kardinälen und Ordensleuten glasklar: „Wir bekennen, dass wir die Schuldigen geschützt und die Opfer zum Schweigen gebracht haben.“ In Erinnerung bleiben wird auch die Stimme eines chilenischen Missbrauchsopfers, das vor den Versammelten sprechen durfte: „Missbrauch ist die schlimmste Demütigung, die ein Mensch erleben kann.“ Und er fuhr fort: Weil er dem entfliehen wolle, sei er nicht mehr er selbst, sondern lebe in zwei Welten. „Ich wünschte, der Täter könnte verstehen, dass er ein Opfer derart spaltet. Für den Rest seines Lebens.“

Solange die römische Amtskirche sich mehr Sorgen macht um ihre eigene Spaltung, verbaut sie sich jeden Neuanfang, den sich manche in ihr ja doch wünschen.

Der maltesische Erzbischof Charles Scicluna zum Beispiel, zuständig in der päpstlichen Glaubenskongregation für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, bemängelte öffentlich, dass die Betroffenen über das kirchenrechtliche Vorgehen bei der Aufarbeitung nicht informiert würden. Auch über den Ausgang von Prozessen würden sie nicht in Kenntnis gesetzt.

Nur Kardinal Marx besuchte die Opferverbände

Oder Kardinal Reinhard Marx, der während des Treffens in Rom auch die katholische Verwaltungsgerichtsbarkeit für den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen mitverantwortlich machte. Marx war übrigens der einzige Vertreter auf dieser Konferenz, der sich laut Informationen des Fernsehsenders Phoenix in Rom während dieser Tage für 90 Minuten in das Hotel begab, in dem die Opferverbände logierten.

Im Kleinen werden solche mutigen Stimmen sicher etwas bewirken. Wenn aber der Papst in seiner Liste zur Verbesserung des Missstandes dem Punkt „Begleitung des Opfers“ fünf andere Punkte voranstellt, die rein theologischer Natur sind, dann ist auch das ein Zeichen.

So wird die katholische Kirche weiter an ihrem alten Leiden kranken: Wer sich als alleiniger Übermittler der göttlichen Wahrheit sieht, gerät leicht in Gefahr, seine eigene irdische Glaubwürdigkeit für weniger wichtig zu halten.

Dem Gipfel werden in der nächsten Zeit Tagungen von Arbeitsgruppen folgen, die das Besprochene nun konkretisieren sollen. Ob das einen neuen Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche auslösen wird, davon hängt Franziskus‘ Glaubwürdigkeit ab. Er kann sich dem endlich stellen oder weiter in die Mystik flüchten.

 

Einige Kommentare dazu:

ZDLer

Die einzige angepasste Reaktion wäre die Selbstauflösung dieses Vereins, die Öffnung der Archive für HistoirikerInnen und für Ermittlungsbehörden. Weiter die Einziehung des Vermögens. Dann, erst dann wäre eine eventuelle katharsische Neugründung möglich. Demut statt Arbeitskreisen und Zehnpunkteplänen, meine Herren!

Deserteur 2.0

Also so viele Kirchenaustritte wie in den letzten Jahren gab es in der Geschichte der Kirche in Europa noch nie.

Natürlich wird der Laden nicht verschwinden (das wäre zu schön) aber er wird seine Machtposition Schritt für Schritt einbüßen und das ist auch gut so.

Denn die Kirche beweist sich ihrer Macht immer und immer wieder unwürdig.

BTW – es liegt mir ziemlich quer, dass es Ihnen bei Ihrer Antwort wichtiger zu sein scheint, den Kritikern eins ausgewischt zu sehen als das Problem des Kindesmißbrauchs zu lösen. Ich erkenne da eine ganz ungesunde Vertauschung von Prioritäten…

Dindi

Europa und die westliche Welt hat im Moment doch größere Probleme als die Kirche, die viel gravierender und bedrohlicher sind. Ob das nun die antisoziale Entwicklungen durch Internet u. Medien, die Umweltverschmutzung, der Neoliberalismus oder ein drohender kalter (möglicherweise sogar heißer) Krieg der Großmächte ist, die Alternativen zur Kirche sehen nicht so toll aus.

Und übrigens; Homophobie, Kindesmissbrauch, Frauenfeindlichkeit, all diese unguten Dinge gibt es auch in unserer sog. aufgeklärten modernen Gesellschaft auch. Vermutlich statistisch um einiges ausgeprägter.

Aber gut – wenn Sie meinen.

Ab wann darf denn Ihrer Meinung dann drüber gesprochen werden? Muss vorher der Weltfriede hergestellt, der Hunger auf der Welt besiegt und der Krebs heilbar sein, bevor man drüber reden darf, oder darf man vorher auch schon drüber reden?!

https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-02/missbrauchgipfel-abschlussrede-kommentar#comments

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Missbrauchsgipfel: Der Teufel war’s

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Gruß Hubert

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