Betäubung und Schlachtung von Tintenfischen – grausam und methodisch nicht erforscht   1 comment

.

Und wieder mal geht es äußerst brutal zu bei der Tötung von Tintenfischen. Tintenfische gehören einfach nicht auf den Teller!

Von albert-schweitzer-stiftung.de – Auszug.

.

© Isabel Galvez – Unsplash

.

Betäubung und Schlachtung von Tintenfischen – grausam und methodisch nicht erforscht

Im kommerziellen Fischfang im Mittelmeerraum werden Tintenfische traditionell getötet, indem man ihren Mantelsack (Kopf) wiederholt kräftig auf eine feste Oberfläche schlägt oder das Gehirn mit einer Klinge zerstört. Alternativ wird der Mantelsack brutal nach außen gestülpt oder mehrere Tiere an der Luft in einem Netz aufgehängt. Im asiatischen Raum (Japan) werden Tintenfische in der Regel auf Eis gekühlt, bis sie sich nicht mehr bewegen können. Alle aufgeführten Methoden sind besonders grausam, da keine davon geeignet ist, unverzüglich und ohne unnötigen Stress eine Bewusstlosigkeit und anschließend einen schmerzfreien Tod herbeizuführen.

Das Zerstören des Gehirns wäre im Vergleich noch als die schnellste und damit zu bevorzugende Methode zu bewerten, wenn man darauf besteht, dass der Mensch Oktopoden tötet. Doch in der Praxis wird sie nur selten eingesetzt, weil solcherart getötete Oktopoden offensichtliche Stichwunden aufweisen, die vom Endkunden auf dem Fischmarkt und in der Gastronomie ironischerweise oft als Hinweise auf grausame Behandlung interpretiert werden. Zudem führen Unkenntnis der Anatomie von Tintenfischen beim Fangpersonal dazu, dass beim Tötungsversuch statt eines schnellen gezielten Stichs ins Gehirn ein Stochern bis zum augenscheinlichen Erfolg angewandt wird.

Die Traumatisierung des Gehirns durch Schlagen war lange Zeit die üblichste Methode, ist für den Menschen aber körperlich anstrengend und wird daher immer seltener eingesetzt. Aufgrund der grundlegend andersartigen, dezentralen Organisation des Nervensystems von Tintenfischen im Vergleich zu Fischen (s. o.) ist es zudem sehr wahrscheinlich, dass auch diese Methode mit massivem Leid für den Tintenfisch verbunden ist.

Auch das Umstülpen des Mantels nach Außen, das Sterbenlassen in einem Netz an der Luft oder auf Eis sind als besonders grausame und langwierige Tötungsmethoden grundsätzlich abzulehnen. Beim Umstülpen kommt es zu massiven Verletzungen der inneren Organe und zu einem minutenlangen Todeskampf bei vollem Bewusstsein. Das Aufhängen im Netz führt zum langsamen und qualvollen Erstickungstod und damit verbundenen langanhaltenden Fluchtversuchen der sterbenden Tintenfische. Beim Kühlen auf Eis unterbleiben zwar jegliche Fluchtbewegungen, weil die Muskulatur durch Kälte gelähmt wird. Es mehren sich aber wissenschaftliche Ausführungen dafür, dass Kälte die Tintenfische nicht betäubt, sondern ihnen langanhaltende Schmerzen verursacht. Der Tod tritt erst später durch Ersticken ein.

Weil der Schutz von Weichtieren wie Tintenfischen gesellschaftlich erst in jüngster Zeit als ethisch erforderlich erkannt wurde, liegen noch keine hinreichenden Forschungsergebnisse über Betäubungs- und Schlachtmethoden vor, die das Leid der Tiere wirksam auf ein Minimum reduzieren. Die oben geschilderten Aspekte beruhen auf Einschätzungen von OktopusforscherInnen des EU-Projekts CephsInAction.

Ist Aquakultur die Lösung?

Angesichts der katastrophalen Bedingungen beim Wildfang könnte man vermuten, dass Aquakulturen Lösungen schaffen könnten. In der Tat gibt es in mehreren Ländern Bemühungen, Tintenfische in Aquakulturen zu züchten. Allerdings führt das zu neuen Problemen.

Ökologische Belastung

Tintenfische sind carnivor. Bis man sie schlachten kann, brauchen sie in der Regel mindestens das Dreifache ihres Schlachtgewichts an Futter – Stress erhöht den Nährstoffbedarf. Das Futter besteht u. a. aus Fischmehl, das in aller Regel aus Wildfang stammt und die Überfischung der Meere weiter vorantreibt. Hinzu kommen ökologische Belastungen durch Ausscheidungen, Herbizide, Desinfektionsmittel und Krankheitsübertragungen von entkommenen Tieren auf Wildtiere.

Tierschutzprobleme

In Oktopus-Aquakulturen stirbt in der Regel ein hoher Anteil der Tiere noch vor der Schlachtung. Die Gründe dafür sind unter anderem, dass Oktopoden sich gegenüber Artgenossen meist aggressiv verhalten, was – auch mangels Fluchtmöglichkeiten für unterlegene Tiere – oft zum Tod führt. Die Alternative der Einzelhaltung, die aus ökonomischer Sicht in relativ kleinen Behältnissen erfolgen würde, kann auch keine Lösung sein, da Aquakulturen selbst in großen Flächen vermutlich nicht die Bedürfnisse der Oktopoden nach einer abwechslungsreichen Umgebung und mentaler Stimulation erfüllen könnten.

Fazit: Tintenfische gehören nicht auf den Teller

Die Tierschutzprobleme in Bezug auf den Wildfang und die Zucht/Mast von Tintenfischen sind immens. Unternehmen sollten den Handel und die Verwendung von Tintenfischen beenden. VerbraucherInnen empfehlen wir, keine Tintenfische zu essen und sich pflanzliche Gaumenfreuden zu suchen.

.

Betäubung und Schlachtung von Tintenfischen – grausam und methodisch nicht erforscht

.

.

Richard David Precht über den Octopus

.

.

Eine Antwort zu “Betäubung und Schlachtung von Tintenfischen – grausam und methodisch nicht erforscht

Abonniere die Kommentare per RSS.

  1. Muss das wirklich sein, dass ein Tier auf so eine grausame Weise getötet wird, nur damit Menschen für 2 Minuten einen Gaumenkitzel haben? Welche Rechte haben Menschen und welche Tiere?
    Der einzige Wertmaßstab für die Qualität und das Recht seines Lebens stammt vom jeweiligen Lebewesen selbst!
    Was wirklich zählt, sind die Wichtigkeitskriterien von Muscheln, Hühnern und Schweinen, von denen sich Korsgaard sicher ist, dass sie ebenso unbedingt sind wie die menschlichen.

    Im kommerziellen Fischfang im Mittelmeerraum werden Tintenfische traditionell getötet, indem man ihren Mantelsack (Kopf) wiederholt kräftig auf eine feste Oberfläche schlägt oder das Gehirn mit einer Klinge zerstört.
    Alle Methoden sind besonders grausam, da keine davon geeignet ist, unverzüglich und ohne unnötigen Stress eine Bewusstlosigkeit und anschließend einen schmerzfreien Tod herbeizuführen.

    Was ist der Unterschied zwischen Oktopus und Tintenfisch?
    Also wenn es das nächstes Mal zu Verwirrung kommen sollte: Tintenfisch heißen sie alle. Der Oktopus hat nur acht Arme, Sepien und Kalmare haben zehn, wobei zwei Arme beim Kalmar deutlich länger sind.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: