Archiv für 16. Mai 2021

Framing tötet! nennt die Dinge beim Namen!   Leave a comment

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Euphemismus stellt alles anders, viel schöner dar als es in der Realität ist. Wenn nicht Lüge, ist es nahe daran. Man muss die Dinge beim Namen nennen.

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Bildquelle: Bettina Marie Schneider

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Framing bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen. Die Politik macht sich das seit langem zunutze. Hässliche Botschaften werden in freundliche Euphemismen verpackt, aus Mülldeponien werden Entsorgungsparks, Staatliche Überwachung wird als Innere Sicherheit angepriesen und Wachstumspause klingt deutlich beruhigender, als Rezession.

Auch für die Grausamkeiten, die wir Tieren jeden Tag antun, hat man wohlklingende Umschreibungen erfunden. Auf diese Weise wird Tierleid verheimlicht, beschönigt und bagatellisiert.

„Künstliche Besamung“ ist eine Vergewaltigung mittles medizinischer Instrumente, die dem zwangsfixiertem Tier gewaltsam in die Geschlechtsteile eingeführt werden.

„Dressurreiten“ ist eine Form der Machtdemonstration, da das Pferd zum absoluten Gehorsam erzogen wird. Die Bewegungsabläufe sind unnatürlich für die Tiere und in der Regel auch kompliziert. Die umstrittenen Methoden, die angewandt werden dürfen, um Pferde zum „absoluten Gehorsam“ zu bewegen, lassen jeden Tierfreund fassungslos an unserer Gesetzgebung zweifeln.

„Nutztiere“ ist ein Begriff, den es eigentlich nicht gibt. Wenn wir ein Tier zum „Nutztier“ degradieren und damit dessen Recht auf Leben und Unversehrtheit aushebeln, bleibt ein Schwein ein Schwein, ein Rind ein Rind und ein Huhn ein Huhn, es wird nicht durch eine Worthülse zum gefühllosen Gegenstand, auch wenn wir sie als solche behandeln. Das Wort „Nutztiere“ dient einzig unserem Gewissen, damit Tierquälerei, Ausbeutung und Töten im großen Stil ethisch vertretbar sind.

Selbst das harmlose Wort „Streuner“ für die heimatlosen Straßentiere beinhaltet einen großen Irrglauben. „Streuner“ klingt nach Freiheit und Abenteuer. Um Streuner muss man sich nicht sorgen, sie haben ihr freies Leben selbst gewählt…Wer das unsägliche Leid der heimatlosen Straßentiere kennt, Hunger, Misshandlungen, Überleben in eisiger Kälte ohne eine Zuflucht, immer auf der verzweifelten Suche nach Futter, gezeichnet von Entbehrung, Parasiten und Krankheiten … der wird diese romantische Sichtweise schnell ändern. Nennt die heimatlosen Straßentiere nicht „Streuner“ … sie sind einzig die Opfer unserer Vernachlässigung und Gleichgültigkeit und werden vielerorts wie Abfall behandelt, verjagt, getreten, misshandelt, vergiftet und getötet.

Auch die „Stadttauben“ sind keine „Freien Vögel“ , die zufällig in der Stadt leben sondern heimatlose Tiere, die auf die Versorgung des Menschen angewiesen sind. Sie verhungern qualvoll vor unser aller Augen. Viele von ihnen sind die Opfer des „Taubensports“ . Ein „Sport“ bei dem die Tiere gewaltsam von ihrem Partner und ihrem Nest getrennt werden, dann ausgesetzt und ihr verzweifeltes Bestreben, schnell wieder zurückzufinden, dient einzig der Belustigung der Taubensportler und deren „sportlichem Ehrgeiz“. Die Tauben, die bei diesem Versuch an Entkräftung sterben, verletzt werden oder in fremden Städten stranden, finden das sicher wenig „sportlich“. Es sind Unzählige, doch niemand denkt an sie, wenn der wohlklingende Name „Brieftaubensport“ fällt.

Framing ist allgegenwärtig, wenn es um die Bagatellisierung oder Vertuschung von Tierleid und Tierquälerei geht. Da gerade an vielen Stellen großer Wert auf korrekte Anrede und Begrifflichkeit gelegt wird, würde ich mir die gleiche Sensibilisierung und Aufmerksamkeit auch für den sprachlichen Umgang mit unseren tierischen Mitgeschöpfe wünschen. Hier würde ich es mir ganz besonders wünschen!

Nennt die Dinge beim Namen! Nur dann kann sich etwas ändern, denn Framing tötet!

Bettina Marie Schneider – Gutes Karma to go

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Framing tötet! nennt die Dinge beim Namen!