Archiv für 24. Mai 2021

Das leidvolle Leben der Brieftauben   Leave a comment

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Wohlgemerkt: Verirrte Brieftauben werden zu Stadttauben

Von peta50plus.de

Hätten Sie gewusst, dass viele Stadttauben verwilderte „Brieftauben“ sind, die bei einem Wettflug den Weg in den heimischen Taubenschlag nicht mehr gefunden haben? Die ihre Familie nie wieder sehen werden und stattdessen ein hartes Leben voller Hunger in den Städten fristen müssen?

In Deutschland nehmen rund 25.000 Taubenzüchter immer wieder in Kauf, dass ihren Tieren ein solches Schicksal widerfährt – wohlwissend, dass ca. die Hälfte aller Tauben nach einem Wettflug nicht mehr in den Taubenschlag zurückkehrt. Hier lesen Sie, welches Leid die Tauben im sogenannten Brieftaubensport ertragen müssen und wie Sie ihnen helfen können.

Züchter nutzen die Treue der Brieftauben aus

Tauben sind sehr familiäre und standorttreue Tiere. Sie verbringen ihr ganzes Leben mit einem Partner, mit dem sie gemeinsam den Nachwuchs großziehen. Genau diese faszinierende Eigenschaft wird von Taubenzüchtern ausgenutzt. Für die sogenannten Wettflüge werden die Tiere bis über tausend Kilometer weit von ihrem Heimatschlag weggebracht und dort freigelassen. Da die Tauben um jeden Preis versuchen werden, zu ihrer Familie zurückzufinden, hoffen die Züchter auf einen schnellen Heimflug und damit ein hohes Preisgeld. Dieses Vorgehen wird im Brieftaubensport die „Nestmethode“ oder auch „Witwermethode“ genannt. Die Bezeichnung Witwer trifft es leider nur zu gut – denn rund 53 Prozent aller Tauben finden nach einem solchen Wettflug nicht zu ihrer Familie zurück. Im Brieftaubensport wird dies als „Verlustrate“ bezeichnet, welche durch den Kauf oder die Züchtung neuer Tauben ausgeglichen werden kann. Für die Tauben bedeutet es jedoch, ihren geliebten Partner für immer zu verlieren.

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Familien werden für immer auseinandergerissen

Doch selbst, wenn die Tauben es erfolgreich zu ihrem Schlag zurückgeschafft haben, bedeutet dies keinesfalls, dass sie bei ihrer Familie bleiben dürfen. So wird regelmäßig für die Wettflüge trainiert, sodass die Tiere die Angst um ihre Familie immer wieder aufs Neue durchleben müssen. Auch werden Tauben, die bei Wettflügen besonders schnell geflogen sind, auf Auktionsportalen im Internet an andere Taubenhalter versteigert. Denn je „erfolgreicher“ die Taube ist, desto mehr Geld bringt sie dem Züchter beim Verkauf ein. Das Tier erwartet dann ein Leben in einem neuen Taubenschlag, fernab von den Liebsten.

Die Tauben jedoch, die bei Wettflügen aus Sicht des Halters nicht schnell genug waren oder sich unterwegs verirrt haben, erwartet etwas noch Schlimmeres: der Tod. In Züchterkreisen ist es eine gängige Methode, diesen Vögeln ohne Betäubung die Hälse langzuziehen und den Kopf umzudrehen oder abzureißen – obwohl dies laut Tierschutzgesetz verboten ist.

Verirrte Brieftauben werden zu Stadttauben

Die Tauben, die nach einem Wettflug nicht in den Heimatschlag zurückfinden, sterben meist qualvoll an Flüssigkeitsmangel, Erschöpfung oder Verletzungen oder stranden in Städten, wo sie ein Leben voller Leid und Hunger führen. Obwohl gezüchtete Tauben in der Nähe von Menschen höhere Überlebenschancen haben, ist das Futterangebot in den Städten nur dürftig. Die Tiere benötigen eigentlich Körner, um ihren Nährstoffbedarf zu decken, doch in den Innenstädten finden sie nur Essensreste. Aus der Hungersnot heraus fressen Tauben meist nicht bekömmlichen Abfall. Im Winter ist das Nahrungsangebot für die Tiere sogar noch knapper.

Auch herumliegender Müll wird den Tieren oft zum Verhängnis. So verletzen sie sich an Plastikteilen oder verheddern sich in Schnüren, Fäden oder Haaren, was bis zum Absterben der Zehen führen kann. Hinzukommt, dass nicht viele Menschen den Vögeln freundlich begegnen. Sie werden verscheucht, verjagt, getreten und Schlimmeres. Der unberechtigte Abscheu, Ekel und sogar Hass, den einige Menschen gegenüber Stadttauben empfinden, macht es den Tieren nur noch schwerer. Auch hält sich leider das Image der Vögel als „Krankheitsüberträger“ hartnäckig, obwohl Tauben bereits seit 1998 laut Gesetz nicht mehr als sogenannte Schädlinge gelten und bereits mehrfach nachgewiesen wurde, dass keine bedrohlichen Krankheiten von Tauben übertragen werden. Dennoch verhängen viele Städte Fütterungsverbote und es werden Abwehrvorrichtungen angebracht, an denen sich die Tauben verletzten.

Es ist ein leiderfülltes Leben für die familiären und sanftmütigen Vögel. Sie überleben selten länger als zwei Jahre, obwohl die natürliche Lebenserwartung von gezüchteten Tauben eigentlich bei ca. 12 Jahren liegt.

So können Sie den Tauben helfen

Zum Glück gibt es viele Menschen, die den Stadttauben helfen wollen und Vereine ins Leben rufen, um die Vögel zu schützen. Sie richten Taubenschläge und Fütterungsstellen ein, versorgen verletzte Tauben auf Pflegestellen und engagieren sich für ein positives Image der Tiere. Schließen Sie sich einem solchen Verein an oder gründen Sie selbst ein Projekt, um den Stadttauben zu helfen und das harte Leben der Vögel zu erleichtern.

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Das leidvolle Leben der Brieftauben

 

Angriff aus dem Tierreich   Leave a comment

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Von Geo.de

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Flughunde gelten als Überträger der gefürchteten Ebola-Infektion
© mauritius images / nature picture library / Jabruson
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Ebola, Aids, Covid-19 – eines haben diese verheerenden Krankheiten gemein: Ihre Erreger sind vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Forscher sehen in solchen Zoonosen die Seuchen des 21. Jahrhunderts

Elkerliek-Klinik, Helmond, Niederlande, 5. Juli 2008. Klein und zerbrechlich wirkt das Gesicht der 40-jährigen Frau auf dem Krankenhausbett, bleich trotz der Sonnenbräune, die einige Wochen Trekking-Urlaub in Ostafrika ihrer Haut verliehen haben. Erst vor Tagen ist die Niederländerin ins Städtchen Bakel zurückgekehrt.

Sie hatte Uganda durchquert und dabei die Python-Höhle im Queen-Elizabeth-Nationalpark besucht. Mit einem Führer war sie hinabgestiegen zu den dunklen Schlünden am Fuße eines Felsens, wo ­Tausende Flughunde der Art Rousettus ­aegyptiacus die Schlafstätte der Eindringlinge umschwirrten: ein exotisches Erlebnis, auf Tuchfühlung mit Afrikas ent­legenster Natur.

Das beginnende Fieber hatte die Frau ­zunächst als Erkältung abgetan. Doch schnell folgten Schüttelfrost, lähmende Abgeschlagenheit.

Der Hausarzt wies die Patientin in die Notaufnahme des Provinzkrankenhauses Helmond ein. Als sie beginnt, aus Nase und Augen zu bluten, als sich dunkle Ergüsse unter der Haut ausbreiten, das Labor ­bedrohliche Leberwerte misst, wird sie in die Universitätsklinik Leiden verlegt. Am 11. Juli zeigt das EKG auf der Isolierstation die Nulllinie. Im Blut der Toten hat der ­Killer seine genetische Signatur hinter­lassen: das Marburg-Virus.

Der 1967 entdeckte Erreger aus dem ­Herzen Afrikas gehört zu den Auslösern „hämorrhagischer Fieber“, bei denen die Blutgefäße durchlässig werden. Nur zwei von zehn Menschen überleben im Schnitt eine solche Infektion, deren Erreger für ­einige der größten Horrorszenarien der Medizin stehen: Marburg-, Ebola-, Lassa- und Krim-Kongo-Virus.

Viele dieser Krankheiten sind erst seit einigen Jahren überhaupt bekannt. Rätselhaft wie ein Fluch sind sie an irgendeinem Punkt des Globus aufgetaucht.

Unerklärlicherweise verschwanden sie wieder, nachdem sie eine örtliche Todesserie ausgelöst hatten.

Australien 1994: 16 Pferde und zwei Menschen werden Opfer des bis dahin ­unbekannten Hendra-Virus.

Angola 2004/2005: Über 300 Menschen sterben am Marburg-Virus.

Demokratische Republik Kongo 2007: 166 Dorfbewohner gehen am Ebola-Virus zugrunde.

Bangladesch 2001 bis 2007: 87 Menschen sterben am Nipah-Virus.

Westafrika 2014 bis 2016: Der bisher schwerwiegendste Ebola-Ausbruch rafft mehr als 11000 Menschen dahin.

Inzwischen kennen Forscher eine entscheidende Gemeinsamkeit der unheimlichen Fieber: Es sind sämtlich Zoonosen – Tierkrankheiten, die über Jahrtausende verborgen blieben in den Körpern von ­Affen, Vögeln, Fledermäusen.

Zoonosen ins Zentrum von Bedrohungsszenarien gerückt

Und in dem Maße, in dem Menschen noch die entlegensten Gebiete be­siedeln, dort jagen und Land bestellen, in dem sie Abenteuerreisen in kaum berührte Naturräume unternehmen, exotische Lebewesen essen – in diesem Maße nehmen die Übergriffe von bislang un­bekannten Erregern aus dem Tierreich zu. Auch das aktuelle Coronavirus ist einer von ihnen. Zoonosen sind ins Zentrum von Bedrohungsszenarien gerückt. Und längst ein wichtiger Krankheitstyp des 21. Jahrhunderts geworden. Weltweit.

Einige der verheerendsten Infektionskrankheiten stammen von Tieren. Etwa das HI-Virus, Auslöser der weltweit größten Pandemie: Deren Erreger vom Typ-1 sprang erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Zentralafrika von Schimpansen auf Jäger über, die sich am Blut infizierter Tiere ansteckten. Die in Afrika vorherrschende Malaria tropica ist ebenfalls eine Zoonose.

Vermutlich vor 10000 Jahren eroberte ihr aus Affen stammender Erreger, ein einzelliges Sporentierchen, den Menschenkörper. Auch die Pest ist eine Zoonose, ebenso die von Zecken übertragene Borreliose. Und an der Tollwut sterben mittlerweile jährlich 59000 Menschen.

Jedes Jahr werden etwa drei unbekannte Zoonosen bei Menschen gefunden, darunter auch immer wieder neue Varianten der Grippe. Jede von ihnen könnte – zufällig – eine Lücke in der menschlichen Immunabwehr offenbaren und große Teile der Welt­bevölkerung krank machen. Das wäre 2003 beinahe schon einmal geschehen: Ein ­Coronavirus, das möglicherweise aus einer asiatischen Fledermaus- oder Schleich­katzenart stammte und mit der aktuellen Variante verwandt ist, infizierte Ende 2002 einen Bauern mit einer „atypischen“ Lungenentzündung.

Die Seuche, wegen ihrer Atemwegskomplikationen Sars (Severe Acute Respira­tory Syndrome) genannt, breitete sich von Hongkong aus und forderte 744 Todes­opfer.

Erst knapp vor dem Lawinenstadium einer weltweiten Pandemie konnte sie gestoppt werden. Anders als jetzt in Zeiten der von Corona ausgelösten Erkrankung Covid-19.

Nicht jeder tierische Erreger ist dabei gleich ein Seuchenkeim für Menschen. Er muss erst dazu werden. Viele der gefährlichen neuen Keime haben in anderen Lebewesen ihr unauffälliges natürliches „Reservoir“: Viren, Bakterien oder Einzeller haben sich mit ihren jeweiligen Wirten über Jahrmillionen gemeinsam entwickelt.

Damit sie sich so lange wie möglich im Wirtskörper vermehren können, bringen sie die Tiere, an die sie angepasst sind, nicht um – so wenig wie ein Schnupfenvirus Menschen tötet.

Ein zu 100 Prozent mörderisches Pathogen kann auf lange Sicht nur verlieren. Der Tod seines Wirts würde verhindern, dass das Virus seine Erbanlagen weitergeben kann. An einem Virus zu sterben ist aus dieser Perspektive gleichsam ein biolo­gischer Unfall. Dieser droht dann, wenn die angepassten Erreger einer Art in fremde Lebewesen gelangen, wenn sich Keim und Wirt nie aufeinander abstimmen konnten. Der Körper des neuen Wirtstieres ist daher völlig unvorbereitet – und der Erreger entfaltet erst dort eine erhebliche Zerstörungskraft, die ihm selbst ebenso schadet wie dem Wirt.

Solche Zusammenstöße provoziert unsere Zivilisation immer häufiger. Ungebremst erschließen Menschen die allerletzten Winkel der Tropen. Und ahnen nicht, welche Risiken sie damit eingehen: In Tierarten, mit denen Menschen bisher wenig Kontakt hatten, schlummern womöglich noch Hunderte oder Tausende für uns potenziell mörderische Erreger, hat der Humanbiologe und Virenjäger Nathan Wolfe mal geschätzt.

Aber welche Keime werden uns ge­fährlich?

Weshalb springen manche von ihnen den Menschen an, andere nicht?

Welche Pathogene drohen, wie das neue Coronavirus, zum pandemischen Schrecken zu werden und warum? Die ­Fragen der Zoonose-Forschung sind für die ­Zukunft unserer verflochtenen Welt ­lebenswichtig. Doch die meisten Antworten lassen sich nicht vom Labortisch aus finden.

Um mehr über die Herkunft und die ­Verbreitung der tierischen Erreger zu erfahren, müssen Forscher sie dort suchen, wo sie herkommen. Zu diesem Zwecke ist vor einiger Zeit auch eine Gruppe deutscher und afrikanischer Ökologen und ­Mediziner ins Hinterland Ghanas auf­gebrochen, einen Reporter an ihrer Seite.

von Andreas Weber

Hier weiterlesen:

Angriff aus dem Tierreich

 

Veröffentlicht 24. Mai 2021 von hubert wenzl in Tierrechte, Tierschutz

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