Archiv für 9. August 2021

Vielseitigkeitsreiten an Olympia: „Der Gipfel der Tierquälerei“   Leave a comment

.

Von wildbeimwild.com

Der Reitsport ist seit Jahren umstritten, der Vorwurf der Tierquälerei gegen die Athlet:innen scheint allgegenwärtig.

.

.

Ob nun das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde liegt, oder ob dort ein Mensch gar nichts zu suchen hat, darüber scheiden sich die Geister.

An einem Wasserhindernis bei einer Geländeprüfung in der Vielseitigkeit zog sich der 14-jährige Wallach „Jet Set“ des erst 22-jährigen Fribourgers Robin Godel bei den Olympischen Spielen in Tokio am Sonntag eine Verletzung zu.

Der Wallach Jet Set des Schweizer Vielseitigkeitsreiters Robin Godel musste in der Tierklinik in Tokio eingeschläfert werden, nachdem er sich im Geländeparcours eine schwere und nicht operable Bänderverletzung zugezogen hatte. Weil der Tod des Pferdes nach einem Wettkampf erfolgt ist, wurde der Kadaver von Jet Set umgehend einer Obduktion unterzogen. So ist es im Regelwerk des Weltverbandes FEI festgehalten. Danach wird er kremiert.

Der Tod von ´Jet Set´ war weder ein Unfall, noch ist es ein Einzelfall. Bei der Vielseitigkeit werden immer wieder Pferde zu Tode geritten, auch Reiterinnen und Reiter kommen oft zu Schaden. Doch anders als die Menschen können es sich die Pferde nicht aussuchen. Eine Disziplin, bei der bestimmte Teilnehmer mit Gewalt über einen lebensgefährlichen Parcour gezwungen werden, entehrt den Olympischen Geist. Wir fordern das Internationale Olympische Komitee auf, die Vielseitigkeit sofort aus der Liste der Sportarten zu streichen – zusammen mit den weiteren Pferdesport-Disziplinen, das Springreiten und die Dressur.

Peter Höffken, Fachreferent bei PETA

Pferde-Expertin Jana Hoger spricht vor dem Finale im Vielseitigkeitsreiten bei Olympia 2021 über die Gefahren für Pferde im professionellen Reitsport:

Der Körper eines Pferdes ist nicht dafür gemacht, Menschen oder andere grosse Lasten zu tragen. Reiten bedeutet, dass ein Mensch entscheidet, sich auf den Rücken eines Pferdes oder Ponys zu setzen. Durch Reiten im falschen Sitz, grosses Gewicht oder unnatürliche Bewegungen können bei den Tieren beispielsweise Rückenerkrankungen wie „Kissing Spines“ hervorgerufen werden.

PETA steht dem Pferdesport allgemein kritisch gegenüber, weil die Bedürfnisse der Tiere meist unberücksichtigt bleiben. Wenn also überhaupt geritten wird, dann sollten die natürlichen Bewegungsabläufe des Pferdes berücksichtigt werden und auf „Hilfsmittel“ wie scharfe Gebisse, Peitschen und Gerten gänzlich verzichtet werden. Wer sein Pferd liebt, sollte versuchen, den engen Kontakt zu dem Tier nicht über Reiten aufzubauen, sondern durch zahlreiche andere Möglichkeiten: Bodenarbeit, Spaziergänge oder spielerische Übungen.

Sie würden aber zustimmen, dass der Reitsport positive Effekte auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier haben kann?

Ja, wenn der Kontakt auf Augenhöhe geschieht. Pferde sind sensitive und sehr intelligente Tiere. Sie befreunden sich „mit ihrem Menschen“ eng, und sind auch für uns sehr gute Lehrmeister für Körpersprache. Gerade Kinder können so ein gesundes Mensch-Tier-Verhältnis aufbauen. Indem sie die Tiere von der Weide holen, sie putzen und pflegen. Aber auch dafür muss kein Pferd geritten werden.

Sehen Sie einen Unterschied zwischen Reitsport im Allgemeinen und Leistungssport wie bei den Olympischen Spielen im Speziellen?

Aus unserer Sicht gibt es da keinen Unterschied. Sowohl im sogenannten „Freizeitreitsport“ als auch im Leistungssport kann den Tieren grosses Leid zugefügt werden. Der professionelle Turniersport wie jetzt bei Olympia degradiert die sensiblen Tiere zu Sportgeräten, die Leistung bringen müssen. Aber auch im Freizeitsport geht es mitunter quälerisch zu. Tiere werden oft ohne Rücksicht auf Muskulatur, Alter oder Krankheit zur menschlichen Bespassung missbraucht. Begründet wird das dann damit, man wolle Freundschaft mit dem Pferd schliessen. Aber natürlich sind die Trainingsmethoden im Leistungssport noch härter und Haltung der Pferde dort noch reduzierter.

Anders als die Menschen können es sich die Pferde nicht aussuchen. Eine Disziplin, bei der Lebewesen mit Gewalt über einen lebensgefährlichen Parcour gezwungen werden, entehrt den Olympischen GeistWir fordern das Internationale Olympische Komitee auf, Pferdesport-Disziplinen sofort aus der Liste der Sportarten zu streichen!

Protestmails bitte an das IOC, Maison Olympique, 1007 Lausanne, Switzerland: contact@support.olympic.org

.

Vielseitigkeitsreiten an Olympia: „Der Gipfel der Tierquälerei“