Graphenoxid in Pfizer-Impfstoff? Was ist das wieder für ein Unsinn?   5 comments

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Nachdem ich in Beiträgen von einem angeblich sehr hohen Anteil von Graphenoxid im Biontech / Pfizer-Impfstoff gelesen habe, wollte ich dem genauer auf die Spur gehen. Ich bin zwei mal mit diesem Impfstoff geimpft. Nebenwirkungen spüre ich überhaupt keine. Ich habe mal gelesen, dass schwere Nebenwirkungen, wenn es solche bei einem Impfstoff geben sollte, innerhalb von 2 Monaten auftreten.

Es ergibt für mich keinen Sinn, dass der Staat oder wer auch immer, der Gesundheit der Menschen absichtlich schweren Schaden zufügen möchte.

Von mimikama.at

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Artikelbild: Von Jan Felix Christiansen / Pixabay.com

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Der Pfizer-Impfstoff soll uns alle töten, so die Behauptung. Denn angeblich soll dieser zu über 99 Prozent giftiges Graphenoxid enthalten. Spoiler: Das ist Unsinn!

Für gewisse Menschen scheint es festzustehen, dass Impfungen magnetisch machen (wir berichteten). Nun soll sogar der Grund dafür gefunden worden sein: Angeblich bestehe der Impfstoff von BioNTech/Pfizer zu über 99 Prozent aus Graphenoxid, welches Geimpfte nicht nur „magnetisch markiert“, sondern auch tötet.
Das Problem nur: Für die Behauptung gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.

Die Behauptung

Eine Schweizer Seite behauptet, dass spanische Forscher Graphenoxide in den Corona-Impfstoffen gefunden hätten (archiviert HIER). Ein ganzes Team von spanischen Forschern und Professoren unter der Leitung des Biostatistikers Ricardo Delgado und Dr. José Sevillano sollen Corona-Impfstoffe unter einem Transmissionselektronenmikroskop untersucht haben.

Professor Pablo Campra Madrid von der Universität von Almeria in Spanien habe darüber einen vorläufigen Bericht der Ergebnisse erstellt, welcher HIER eingesehen werden kann. Demnach sollen 6 Dosen aus einem Fläschchen des Corona-Impfstoffs von Pfizer 99,99103 Prozent Graphenoxid enthalten haben, der Rest sei RNA.

In einem Folgeartikel berichtet die Schweizer Seite, dass die Gesundheitsökonomin Jane Ruby eine Übersetzung des vorläufigen Berichts gelesen habe und sehr besorgt sei. Laut Ruby solle bald eine neue Studie mit einer Analyse von 100 weiteren Impfstoffen vorliegen.

Laut Ruby sei der einzige Grund, warum sich Graphenoxid in dem Pfizer-Impfstoff befinde, der ist, Menschen zu töten.

Der Faktencheck

Vielleicht ist es euch in den obigen Sätzen bereits aufgefallen: Erst wird allgemein von Corona-Impfstoffen geschrieben, die Graphenoxid enthalten sollen, dann wird nur noch direkt vom Pfizer-Impfstoff geschrieben. Das ist kein Versehen, denn in den Artikeln der Schweizer Seite wird ebenfalls erst allgemein von Impfstoffen geredet, dann nur von dem Pfizer-Impfstoff.

Was ist Graphenoxid?

Dabei handelt es sich um ein einatomiges, kohlenstoffbasierendes Schichtmaterial, das durch die Oxidation von Graphit hergestellt wird. Wenn es chemisch reduziert wird, kann Graphenoxid Graphen bilden, das als „das stärkste, dünnste und leitfähigste Material der Welt“ gilt.

Der Bericht

Dieser kann HIER öffentlich eingesehen werden, stammt vom 28. Juni 2021 und wurde von Pablo Campra Madrid, einem Professor der Universität von Almería (UAL), veröffentlicht. Der Autor erklärt in dem Bericht auf Seite 23, dass die Studie nicht im Auftrag der Universität erstellt wurde.

Auch die Universität selbst distanziert sich deutlich von dem Bericht und den darin enthaltenen falschen Informationen:

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Die Beschreibung der Untersuchung

Auf Seite 3 und Seite 8 des Berichts beschreibt Campra Madrid, dass er Proben aus einem BioNTech/Pfizer-Fläschchen „mit unbekannter Herkunft“ entnommen habe. Das Fläschchen habe er von einem Kurier erhalten.

Rote Flagge: Die Herkunft des Fläschchens, aus dem die Proben stammen, ist nicht nachvollziehbar.

Campra Madrid untersuchte die Proben unter einem Mikroskop und verglich die Bilder der Impfstoff-Flüssigkeit mit anderen Proben. Ihm zufolge ähneln sich die Proben der Impfstoff-Flüssigkeit und Proben von Graphenoxid.

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Der Bildvergleich auf Seite 12 des Berichts

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Campra Madrid räumt sogar selbst in der Studie ein, dass die Untersuchung unter dem Mikroskop keinen schlüssigen Beweis liefert – was umso unverständlicher ist, da er in der Überschrift des Berichts impliziert, er habe eindeutig Graphenoxid in den Proben gefunden.

Wer die Untersuchung anforderte

Nun wird es interessant:
Wie bereits oben beschrieben, war nicht ersichtlich, woher das Fläschchen mit dem vermeintlichen Pfizer-Impfstoff stammt. Auf Seite 3 des Berichts schreibt Campra Madrid aber, dass ein gewisser D. Ricardo Delgado Martín eine „Forschungsdienstleistung“ anforderte. Zumindest wäre damit geklärt, wer der Absender des Päckchens mit dem Fläschchen war.

Bei D. Ricardo Delgado Martín handelt es sich um Betreiber des Blogs „La Quinta Columna“. Die Eigenbeschreibung des Blogs: „Aktuelle Nachrichten und die Verbreitung von Themen, die außerhalb der derzeitigen willkürlichen ZENSUR liegen“.

Im spanischen Sprachraum ist der Blog schon desöfteren mit Falschinformationen über COVID-19 aufgefallen (siehe HIER und HIER).

Das Aussehen des Impfstoffs

Jeder, der bereits geimpft wurde, hat sicherlich auch einen Blick auf die Fläschchen mit dem Impfstoff geworfen, es handelt sich um eine weiße bis grauweiße Flüssigkeit.

In einem ausführlichen Tweet-Thread geht Matthew Diasio, ein Congressional Science & Engineering Fellow der American Chemical Society, auf das Aussehen des Impfstoffs ein, da seine Doktorarbeit buchstäblich über Graphen in Flüssigkeiten ging.

Fully Vaccinated Matthew, Becoming Less Distant

@MatSciMatt

One of the newest conspiracy claims about #COVID19 #vaccines is that they contain graphene and/or graphene oxide. I am weirdly qualified to debunk this rumor, despite not being a medical/health/vaccine scientist, because my PhD literally was about graphene in liquids. 1/n

So weist er ausführlich darauf hin, dass Flüssigkeiten, die nur 0,05 Prozent Graphenoxid enthalten, bereits eine dunkelbraune Färbung aufweisen.

Fully Vaccinated Matthew, Becoming Less Distant

@MatSciMatt

Graphene oxide is distinct from graphene but liquids containing it in any significant amount also tend to be dark brown or black. Those vials on the right are only 0.05% graphene oxide by weight and look how dark they are! (First image from https://t.co/MtEJPiXWmL) 4/n https://t.co/919c7Fo4t7

Image

Fully Vaccinated Matthew, Becoming Less Distant

@MatSciMatt

One of the newest conspiracy claims about #COVID19 #vaccines is that they contain graphene and/or graphene oxide. I am weirdly qualified to debunk this rumor, despite not being a medical/health/vaccine scientist, because my PhD literally was about graphene in liquids. 1/n

So weist er ausführlich darauf hin, dass Flüssigkeiten, die nur 0,05 Prozent Graphenoxid enthalten, bereits eine dunkelbraune Färbung aufweisen.

Fully Vaccinated Matthew, Becoming Less Distant

@MatSciMatt

Graphene oxide is distinct from graphene but liquids containing it in any significant amount also tend to be dark brown or black. Those vials on the right are only 0.05% graphene oxide by weight and look how dark they are! (First image from https://t.co/MtEJPiXWmL) 4/n https://t.co/919c7Fo4t7

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Zur Erinnerung: Die Pfizer-Impfstoffe enthalten angeblich 99.9 Prozent Graphenoxide, müssten demnach fast pechschwarz sein!

Fassen wir zusammen

  • Der Bericht findet sich auf keiner wissenschaftlichen Seite, sondern nur als PDF auf diversen Dokumenten-Servern wie Google Docs

  • Der Bericht wurde auch nicht von „einem ganzen Team von spanischen Forschern und Professoren“ verfasst, sondern nur von einer einzelnen Person: Pablo Campra Madrid

  • Der Bericht enthält das Wappen der Universität, diese distanziert sich aber deutlich von dem Inhalt und weist auch darauf hin, dass der Bericht nicht im Auftrag der Universität entstand

  • Die Herkunft des Fläschchens mit dem Pfizer-Impfstoff ist unbekannt

  • Die Untersuchung ordnete der Betreiber eines Blogs an, auf dem schon mehrmals Falschinformationen über COVID-19 verbreitet wurden

  • Der Beweis ist ein Bildvergleich, aber mehrere Experten betonten, dass die Fotos auch sehr viel andere Materialien zeigen könnten

  • Würde der Pfizer-Impfstoff tatsächlich zu über 99 Prozent aus Graphenoxid bestehen, hätte er eine fast schwarze Färbung

Die Behauptung, dass der Pfizer-Impfstoff über 99 Prozent aus Graphenoxid enthalte, ist somit falsch.

Artikelbild: Von Jan Felix Christiansen / Pixabay.com
Weitere Quellen: Reuters, Maldita, FullFact, Health Feedback

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Graphenoxid in Pfizer-Impfstoff? Was ist das wieder für ein Unsinn?

5 Antworten zu “Graphenoxid in Pfizer-Impfstoff? Was ist das wieder für ein Unsinn?

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  1. Graphenoxide hin Graphenoxide her:
    Das Problem ist nicht eine TOXISCH Wirkung des Impfstoffes, sondern der Impfstoff bewirkt eine unumkehrbare Genveränderung. Das kommt in deinem Artikel gar nicht vor.
    Außerdem betrachte ich es als überheblich eine wissenschaftliche Arbeit als Unsinn zu bezeichnen. Kann das nicht ebensolcher Unsinn sein? Beispiele gibt es da viele: Klima, Geschichte . . .
    Fakt ist, dass weltweit doppelt geimpfte Menschen durch Corona sterben. – wie das Wissenschaftlern, die den Impfstoff ebenfalls untersucht haben, vorausgesagt haben. Ich erspare mir die Wirkprinzipien hier genauer zu erklären. Da das nicht in deinem Sinn ist.

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  2. Ich weiß es tobt ein Kampf zwischen Impf-Befürwortern und -Gegnern.
    Ich bin nach wie vor davon überzeugt: es ist besser sich impfen zu lassen als nicht. Diese spanischen Forscher oder Wissenschaftler sind für mich nicht seriös. Wenn das nicht Unsinn ist: „Demnach sollen 6 Dosen aus einem Fläschchen des Corona-Impfstoffs von Pfizer 99,99103 Prozent Graphenoxid enthalten haben, der Rest sei RNA.“ Dann wäre ja nur 0,0001 Prozent an einem anderen Stoff (oder Stoffen?). Das hätten dann wohl auch andere Wissenschaftler festgestellt und nicht nur der oder die superschlaue(n) spanische(n) „Wissenschaftler“. Die Universität selbst distanzierte sich jedenfalls deutlich. Die positive Wirkung der Impfung ist ja durch viele Studien nachgewiesen. Aber du glaubst ja das Gegenteil davon. Jedenfalls glaube ich sicher nicht an eine unumkehrbare Genveränderung. Auch ist es für mich keinesfalls eine Giftspritze nach chinesischer Lesart. Die chinesische Impfung wird ja selbstverständlich super sein. Aber mir ist es vollkommen wurscht ob sich jemand impfen lässt oder nicht. Dann sterben eben von dir aus nur die Geimpften oder leben mit einer gravierenden unumkehrbaren Genveränderung weiter. Dann sage ich dir und Mama schon mal sicherheitshalber lebt wohl, wenn ich sterben muss. 😉 Euch beiden wünsche ich weiterhin gute Gesundheit und langes Leben.

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  3. Du und ich beziehen unsere Meinung aus Beiträgen die andere geschrieben haben.
    Und jedem obliegt dann unter Benutzung seines Verstandes eingebettet in eine Weltanschauung
    Das was man als Wahrheit bezeichnet, herauszufinden. Problematisch wird das, wenn man Meinungen im Vorhinein ausschließt, und nur Meinungen zulässt, die seinem Weltbild entsprechen.
    Das muss zwangsläufig zu falschen Ergebnissen führen.
    Untermauert wird das, indem selbst Grundrechte ad absurdem geführt werden um anderslautende Meinungen zu unterdrücken. (Z. B. Demos gegen Corona verboten bzw. mit Polizeigewalt aufgelöst werden)
    Dass man dann Quellen aus einer bestimmten Richtung anzweifelt liegt auf der Hand. Befürchten die doch, dass etwas herauskommt, was . . . nicht sein soll / sie der Lüge überführt.
    Eine Meinung zu irgendetwas per Gesetz festzuschreiben, so dass anderslautende Meinungen verfolgt werden können und werden, bezeichne ich als Faschismus.

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  4. Du sagst es: jede/r kann das glauben was er/sie als richtig empfindet. Ich schließe Meinungen nicht aus, aber glaube halt was der Hauptmeinungsstrang der Wissenschaftler sagt. Du musst zugeben dass dieser spanische Wissenschaftler eine Außenseitermeinung vertritt. Viele kennen auch nicht den Unterschied von DNA und RNA. Das hat nichts damit zu tun eine Meinung per Gesetz festzuschreiben. In der Wissenschaft gibt es auch das Kriterium von wahr oder falsch. Natürlich mit aprobaten und wissenschaftlich anerkannten Methoden begründet.
    Weil du die Corona-Demos erwähnst. Der Staat hat die Pflicht die Gesundheit der Menschen zu schützen. Wenn Corona-Gegner keinen Mundschutz tragen bleibt der Polizei nichts anderes übrig als die Demo mit Polizeigewalt aufzulösen. Es geht halt nicht gegen die Impfung zu sein, keine Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, die Gefahr durch Corona zu leugnen und die Corona-Schutzmaßnahmen nicht ernst zu nehmen. Heute sagte eine Virologin im österreichischen Fernsehen, dass die Impfrate in Österreich viel zu gering ist und es dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit im Oktober ein massives Ansteigen der Coronafälle geben wird. Sie sagte es gibt nur zwei Möglichkeiten: sich impfen lassen oder eben früher oder später Corona zu bekommen. Wenn es zu einem neuen Lockdown kommen wird, dann wird natürlich wieder gejammert. Aber auch die Wirtschaft wird das kaum mehr ertragen können. Lockdowns und Mundschutzpflichten gibt es übrigens auf der GANZEN Welt (auch in Wuhan gab es einen und vor kurzem in einer anderen chinesischen Stadt). Momentan gibt es in Italien im Freien keine Mundschutzpflicht, sobald aber bestimmte Kriterien erreicht werden, wird er auch im Freien wieder zur Pflicht. Im übrigen stünden wir schlecht da, wenn es keine Impfungen gäbe, dann gäbe es immer noch Pocken, Kinderlähmung, Wundstarrkrampf (eine lebensgefährliche Infektionskrankheit), Keuchhusten u.v.m.

    Natürlich kann man auch an Gottes Hilfe glauben. Evangelikale: Gottes Segen statt Corona-Impfung?

    […]
    Das Problem, dass sich viele Evangelikale nicht impfen lassen wollen, könnte sich hingegen mit der Zeit von selbst lösen, glaubt der Soziologe: „Die Corona-Verschwörungsmythen ( https://www.dw.com/de/faktencheck-impfmythen-corona-impfung-unfruchtbarkeit-dna/a-57223260 ) werden irgendwann an Bedeutung verlieren, die Aufmerksamkeitsspanne der Leute ist einfach begrenzt. Und wenn sie sehen, dass sie ohne Impfung in ihrem Alltag eingeschränkt sind, etwa ihre Enkelkinder nicht sehen können, ändern bestimmt einige noch ihre Meinung.“
    https://www.dw.com/de/evangelikale-gottes-segen-statt-corona-impfung/a-57113295

    In diesem Revier halte ich mich aber mit Sicherheit nicht auf.

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