Archiv für 1. September 2021

Machtübernahme in Afghanistan: Wer sind die Taliban 2.0?   2 comments

.

Die angeblich neuen Talibans geben sich sehr gemäßigt. Aber warum wollen sie diesen Anschein erwecken? Sie wollen ran an die eingefrorenen Gelder, da die Wirtschaft jetzt mal ganz am Boden ist, die Lebensmittelpreise täglich steigen. Sie wissen auch, dass sie dann die Bevölkerung früher oder später gegen sich haben. Und immer wieder diese Phrasen, dass niemand etwas zu befürchten hätte, dass alle Rechte eingehalten würden – immer im Rahmen der SCHARIA. Als wenn die Scharia ein guter Rechtsrahmen wäre. Ich kann jeden nur als naiv betrachten, wer diesen Schalmeientönen der neuen „Taliban-Ministranten“ glaubt. Taliban-Gewalt und Schreckensmeldungen gibt es ja schon, es gibt Videos dazu, siehe weiter unten. Na mal schauen wie sie die Wirtschaft jetzt schaukeln, von denen ein Taliban-Führer behauptete die Amerikaner hätten die Wirtschaft in Afghanistan zu Boden gebracht.

Von br.de – Auszug.

In Afghanistan gibt sich das neue Taliban-Regime betont tolerant und offen: Frauen und Oppositionelle hätten keinen Grund zur Sorge. Doch in sozialen Netzwerken kursieren Videos, die Gewalt zeigen – Experten sehen „keinen Grund für Optimismus“.

„Die Taliban sagen immer: In ihrem Regime geht alles, so lange es sich mit dem islamischen Recht vereinbaren lässt. Das ist so vage und lässt sich in alle Richtungen hin interpretieren.“ Kugelmann sieht gerade keinen Grund, „dass wir optimistisch sein können, dass die Taliban wirklich so viel anders regieren werden, als sie es Ende der Neunziger gemacht haben.“

Videos in Sozialen Netzwerken zeigen Taliban-Gewalt

Afghaninnen und Afghanen teilen in den sozialen Netzwerken Videos, die aus den Regionen stammen sollen, die schon länger unter der Herrschaft der Taliban sind. Darauf zu sehen: Diebe, die öffentlich an den Pranger gestellt werden, mit schwarzbemaltem Gesicht. Es gibt Fotos, auf denen öffentlich Männer an Stricken aufgehängt wurden oder eine Frau in einer Burka, die gesteinigt wird. Von einigen Orten hieß es, dass Mädchenschulen gleich nach der Machtübernahme der Taliban geschlossen wurden. Das soll in den ländlichen Regionen passiert sein.

Und auch die politische Führung der Taliban, die Jahre lang weit weg von Afghanistan, in Doha, beheimatet war, hat sich im Vergleich zu den 90er-Jahren kaum verändert. An der Spitze steht Haibatulla Akhundzada, er war schon der religiöse Berater des Taliban-Gründers Mullah Omar. Er ist der geistliche Führer der Bewegung, kann somit nicht abgesetzt werden. Denn bei aller vorgegebenen Toleranz: Die Taliban pochen darauf, dass sie ihr islamisches Emirat wiedereinführen wollen. Das heißt, sie wollen sich eng an die Scharia halten. Wahlen wären damit ausgeschlossen.

Machtübernahme in Afghanistan: Wer sind die Taliban 2.0?

.

 

Afghanistan zwischen Taliban-Versprechen und Schreckensmeldungen

.

Afghanistan ist „sehenden Auges kollabiert“

Auch für den Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München war der Umsturz durch die Taliban keinesfalls eine Überraschung. Sie hatten laut Schätzungen schon vorher zwischen 40 und 60 Prozent des Territoriums in Afghanistan beherrscht: „Es sind ganz viele Faktoren. Es ist natürlich sozusagen die Schwäche der Armee gewesen. Es ist die Tatsache gewesen, dass sich ranghohe Armeekommandeure gar nicht in Kämpfe reinbegeben haben, sondern sofort geflohen sind, dass die Regierung geflohen ist. Dieser Staat ist ja sozusagen sehenden Auges kollabiert. Es ist nicht nur die Schuld der Armee, sondern wir haben ja auch gesehen, dass die Regierung kein Interesse daran hatte, Afghanistan noch irgendwie zu verteidigen.“

Taliban wollen islamischen Gottesstaat

Zwar versprechen die Taliban jetzt Amnestie und auch Frauenrechte, aber Politikwissenschaftler Masala traut dem nicht: „Es ist eine moderatere Sprache. Aber der Kern ist noch immer der gleiche. Die Taliban, die einen islamischen Gottesstaat in Afghanistan errichten wollen.“ Es werde alles mit dem Vorbehalt der Scharia gesagt. So sagen die Taliban, dass es nur Amputationen, Steinigungen und Hinrichtungen geben werde, wenn es durch Gerichte entschieden werde. Aber über allem stehe die Scharia, das streng islamische Rechtssystem, so Masala.

Schon jetzt wollen tausende Afghanen das Land verlassen. Kommt es zu einer neuen Welle von Geflüchteten? Politikwissenschaftler Masala ist da eher skeptisch: „Also es wird sicherlich Flüchtlingsbewegungen geben, wobei man sagen muss, Pakistan hat die Grenze zu Afghanistan geschlossen, aber diese Flüchtlinge werden sich in der Region bewegen. Also diese plötzliche Idee, dass diese Flüchtlinge im Prinzip von Afghanistan direkt nach Deutschland marschieren werden. Das ist unsinnig, sondern sie werden sich in der Region niederlassen.“

.

Afghanistan zwischen Taliban-Versprechen und Schreckensmeldungen