Archiv für 5. Oktober 2021

„Facebook verdient Geld mit Hass und Wut“   Leave a comment

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Ich kann Whistleblowern nur danken, wenn sie aufdecken und hinter die Kulissen schauen lassen. Vollen Respekt für Frances Haugen.

Aus tagesschau.de

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BBild von Tagesschau.de – Whistleblowerin Haugen

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Nach einer Reihe von Enthüllungen über Facebook hat sich die wichtigste Quelle zu erkennen gegeben: Im US-TV erneuerte Frances Haugen ihre Vorwürfe, Facebook spalte die Gesellschaft und verursache Gewalt.

Die Sache ist für Frances Haugen persönlich: Sie habe Freunde durch Verschwörungstheorien verloren. Genau deswegen habe sie bei Facebook versucht, dagegen anzukämpfen – vergebens, wie sie feststellte. „Was ich immer wieder bei Facebook gesehen habe war: Interessenkonflikte zwischen dem, was für die Öffentlichkeit gut ist und was für Facebook gut ist. Facebook hat sich für das entschieden, was mehr Geld bringt“, so Haugen.

Haugen ist 37 Jahre alt, hat zwei Jahre für Facebook gearbeitet und sagt, sie sei frustriert gewesen, dass sie aus ihrer Sicht nichts bewegen konnte. Sie beschuldigt den Konzern, den Algorithmus auf eine Emotion zuzuspitzen: Wut. „Im Telefon sieht man möglicherweise nur 100 Inhalte. Aber Facebook hat Tausende von Optionen, die es Ihnen zeigen könnte. Eine der Konsequenzen, wie Facebook diese Inhalte heute auswählt, ist die Optimierung für Inhalte, bei denen Nutzer mitmachen wollen. Dann bleiben sie länger dabei. Ihre eigene Forschung zeigt, dass es am einfachsten ist, Menschen zu Wut zu inspirieren als zu anderen Emotionen“, sagt Haugen.

Würde Facebook den Algorithmus ändern, würde der Konzern Geld verlieren, so Haugen. Ihre Vorwürfe belegt sie mit internen Dokumenten, die sie sammelt, kopiert und unter anderem der Zeitung „Wall Street Journal“ zukommen lässt. Darunter auch eine Studie, die belegt, dass die Facebook-Tochter Instagram jungen Mädchen schadet, sie beispielsweise depressiv machen kann und Essstörungen fördert. Und dass der Konzern diese Erkenntnisse bewusst zurückgehalten habe.

Zuckerberg: Positive Auswirkungen auf Gesundheit

„Facebooks eigene Forschung sagt, dass Instagram nicht nur für Teenager gefährlich ist, sondern dass es Teenagern schadet, dass es deutlich schlimmer ist als andere Formen von Social Media“, sagt Haugen. Stattdessen habe Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress betont, dass soziale Medien positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit von Menschen hätten.

Facebook hatte auf die Vorwürfe Haugens mit einem Statement reagiert und unter anderem betont, dass das Netzwerk versuche, eine Balance zwischen dem Recht von Milliarden Menschen auf freie Meinungsäußerung und einer sicheren Umgebung für die Nutzer zu finden. Haugen soll am Dienstag vor dem US-Kongress aussagen. Sie hat bei US-Behörden offiziell Schutz als Whistleblowerin beantragt, um sich vor einer Klage ihres ehemaligen Arbeitgebers zu schützen.

„Gewalt in der Welt“

Das Risiko hat sie offenbar gern in Kauf genommen. Haugen glaubt, dass Facebook das Potenzial hat, der Gesellschaft massiv zu schaden: „Wenn unsere Umgebung aus Informationen besteht, die polarisieren, die wütend machen, dann führt das zu Vertrauensverlust in unser Gegenüber. Diese Version von Facebook zerreißt unsere Gesellschaft und verursacht Gewalt in der Welt.“

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

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„Facebook verdient Geld mit Hass und Wut“