Archiv für 8. Oktober 2021

Daunen: So leiden Gänse und Enten beim qualvollen Lebendrupf   Leave a comment

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Man denkt bei Daunen gar nicht welches Leid das für die betroffenen Tiere bedeutet.

Von Peta.de

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Die Bekleidungsbranche bietet heute eine Fülle an hervorragenden Alternativen zu Daunen und Federn, die mit ausgezeichneten wärmedämmenden Eigenschaften überzeugen. Dennoch setzen zahlreiche Unternehmen weiterhin auf die Verwendung von Daunen und Federn und verursachen damit großes Tierleid. In der weltweiten Daunenindustrie leiden und sterben Abermillionen Gänse und Enten – allein in Deutschland sind es im Schnitt 16,5 Millionen Tiere im Jahr. Die Industrie raubt ihnen das Federkleid, um Daunenprodukte wie Jacken, Betten oder Schlafsäcke herzustellen. Zahllose dieser Wasservögel leiden unter dem sogenannten Lebendrupf – einer grausamen Prozedur, bei der die Federn der Tiere bei lebendigem Leib aus der Haut gerissen werden.

Die Daunenindustrie verursacht nicht nur unermessliches Tierleid, sondern trägt durch die Zucht von Millionen Tieren zum Pandemierisiko und zur Umweltzerstörung bei.

Was ist der Unterschied zwischen Daunen und Federn?

Als Daunen wird das Untergefieder von Wasservögeln wie Enten und Gänsen bezeichnet, das die Tiere vor Kälte und Hitze schützt. Daunen unterscheiden sich in ihrem Aufbau von anderen Federn dadurch, dass sie keinen Federkiel besitzen und daher sehr leicht und weich sind. Die Daunenindustrie nutzt diese Eigenschaften ohne Rücksicht auf das Leid von Millionen Tieren aus und verwendet Daunen aufgrund ihrer wärmenden Eigenschaften für Jacken, Decken oder Schlafsäcke.

Sind Daunen Tierquälerei?

Enten und Gänse werden wegen ihrer Daunen, Federn und ihres Fleisches gezüchtet und getötet. Hierzu werden die Wasservögel oftmals zu Tausenden auf Zuchtfarmen gehalten, wo sie häufig in dunklen, verdreckten Hallen eingesperrt werden. Damit die Betriebe möglichst hohe Profite erzielen können, ist es notwendig, dass die Tiere in kürzester Zeit möglichst viel Gewicht zulegen und das festgelegte Tötungsgewicht erreichen.

Häufige Folgen sind gesundheitliche Probleme wie Entzündungen der Gelenke, verkrüppelte und gebrochene Beine, Atemnot und Herzanfälle. Schwächere Enten oder Gänse verlieren oftmals den harten Konkurrenzkampf um Nahrung und Wasser und können von kräftigeren Tieren verletzt oder sogar niedergetrampelt werden. Da solch katastrophale Zustände der perfekte Nährboden für Krankheitserreger sind, überleben die Tiere die leidvolle Zeit in der Mast nur mit Medikamenten, darunter auch Antibiotika. Dennoch sterben viele bereits in den verdreckten Hallen.

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Auch die Daunen von Tieren aus der qualvollen Stopfleberproduktion landen unerkannt in vielen Jacken und Betten. Für die Produktion von Stopfleber werden Enten und Gänse in winzige Käfige gesperrt und zwangsernährt. Dazu wird ihnen ein Rohr tief in den Hals geschoben, über das täglich bis zu ein Kilogramm eines salzigen, fettigen Maisbreis in ihren Magen gepumpt wird. Die Tiere sind irgendwann völlig verfettet, und ihre Leber hat sich auf das Zehnfache der Normalgröße aufgebläht. Schließlich werden sie für die Herstellung von Leberpastete getötet. Ihre Daunen und Federn werden an Händler weiterverkauft.

Die meisten der weltweit gehandelten Daunen stammen aus Asien, vor allem aus China. Ein Großteil der europäischen Produktion hingegen kommt aus Ungarn, Rumänien oder Polen, wo bis heute vielfach der sogenannte Lebendrupf praktiziert wird. In den Lieferketten der Daunenindustrie befinden sich somit häufig auch Daunen und Federn von Tieren, denen das gesamte Federkleid ohne Betäubung ausgerissen wurde. Die Tiere erleiden diese grausame Prozedur 4 bis 15 Mal in ihrem Leben, bevor sie im Schlachthaus gewaltsam getötet werden.

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Werden für Daunen Tiere getötet?

Während der qualvollen Zucht werden Enten 5 bis 12 Wochen und Gänse 12 bis 23 Wochen [6] in meist dunklen und verdreckten Hallen gehalten. Tiere, die diese Tortur überleben und das von der Industrie vorgesehene Verkaufsgewicht erreichen, werden von Arbeiter:innen grob gepackt und rücksichtslos in Transportboxen gestopft. Da an einem Tag in der Regel Hunderte Tiere gleichzeitig verladen werden, kommt es vor allem auf Geschwindigkeit an. Durch den ruppigen Umgang erleiden viele Vögel Knochenbrüche; häufig werden ihre Gliedmaßen zwischen den dicht gestapelten Boxen eingeklemmt. In diesem Zustand werden sie selbst bei extremen Wetterbedingungen Hunderte Kilometer zum Schlachthof transportiert. Dort angekommen werden die verängstigten Tiere kopfüber an ein Fließband gehängt, das sie – teilweise bei vollem Bewusstsein – zu einem rotierenden Messer fährt, das ihnen die Kehle durchtrennt. Nach ihrem Tod werden sämtliche Federn maschinell aus der Haut der Tiere gerissen und zu Daunenprodukten verarbeitet.

Warum werden Enten und Gänse lebendig gerupft?

In der weltweiten Daunenindustrie werden Enten und Gänse oft bei lebendigem Leib gerupft. So wollen die Betriebe mit den zu Produktionseinheiten degradierten Lebewesen möglichst hohe Profite erzielen. Bei der schmerzhaften Praktik, die als Lebendrupf bezeichnet wird, werden die verängstigen Tiere bis zu viermal im Jahr fixiert; anschließend rupfen Arbeiter:innen ihnen unter Zeitdruck ganze Federbüschel aus der empfindlichen Haut. Oft geschieht dies so grob, dass die Flügel der Tiere brechen oder ihre Haut blutig aufreißt. Tiefere Wunden nähen die Arbeiter:innen häufig mit Nadel und Faden und ohne jegliche Schmerzmittel notdürftig selbst zu. Um die Tiere gleich doppelt ausbeuten zu können, raubt die Industrie ihnen nicht nur mehrfach Daunen und Federn, sondern mästet sie zeitgleich. Am Ende ihres qualvollen Lebens werden die Gänse und Enten im Schlachthof getötet. Sogenannte Elterntiere, die zum Zweck der Eierproduktion für die Nachzucht gehalten werden, werden teilweise sogar bis zu 15 Mal in ihrem Leben gerupft.

Ist Lebendrupf in der EU verboten?

In der EU ist das Rupfen lebender Vögel eigentlich verboten, doch das entsprechende Gesetz lässt ein fatales Schlupfloch offen. So ist das Rupfen von Tieren erlaubt, die sich in der Mauser befinden – also in der Zeit, in der sie von Natur aus ihr Gefieder abwerfen und in der sich die Federn leichter vom Körper lösen lassen. [4] Bei der Vielzahl an Tieren in Zuchtanlagen, die mehrmals im Jahr innerhalb weniger Tage im Akkord gerupft werden, ist es unmöglich, den Zeitpunkt der Mauser bei jedem einzelnen Vogel abzuwarten. So verhindert das Gesetz faktisch nicht, dass von der Daunenindustrie beauftragte Arbeiter:innen die fest sitzenden Daunen und Federn vieler Tiere bei lebendigem Leib und unter großen Schmerzen aus der Haut reißen.

Ist der Lebendrupf in Deutschland erlaubt?

In der gesamten EU ist der Lebendrupf außerhalb der Mauser verboten – so auch in Deutschland. In EU-Ländern wie Ungarn oder Polen, in denen ein großer Teil der europäischen Daunenproduktion erfolgt, wird die grausame Praktik dennoch in einigen Betrieben durchgeführt. Hierzu wandern Arbeiter:innen von Betrieb zu Betrieb, fixieren jedes einzelne Tier grob zwischen den Beinen und reißen ihm unter großen Schmerzen die Daunen und Federn aus der Haut. Selbst in Deutschland wurde der gewaltsame Lebendrupf bereits nachgewiesen.

Sind zertifizierte Daunen und Federn besser?

Leider gibt es keine unabhängigen staatlichen Zertifikate mit Kontroll-, Sanktions- oder Bußgeldmöglichkeiten. Dies wäre jedoch erforderlich, um den Lebendrupf und die Verwendung von Stopfleber auszuschließen und zu verhindern, dass in industriellen Zuchtanlagen viele Tiere von Artgenossen totgetrampelt werden und ihnen im Schlachthaus die Kehle bei vollem Bewusstsein durchtrennt wird.

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Um die grausamen Daunenproduktion als „human“ darzustellen, hat die Daunenindustrie eine Vielzahl an brancheneigenen Siegeln eingeführt, die das Gewissen von Kund:innen und Händler:innen beruhigen sollen. All diese verschiedenen Siegel haben eine Gemeinsamkeit: In Sachen Tierschutz sind sie weitgehend wirkungslos.

  • Viele Unternehmen zertifizieren ihre Daunenartikel und versprechen Kund:innen, dass für ihre Produkte keine Gänse bei lebendigem Leib gerupft wurden. Da die Kontrollen oftmals jedoch mangelhaft und die Handels- und Produktionsketten für Daunen sehr intransparent sind, können viele Händler gar nicht nachweisen, aus welcher Rupfart die verwendeten Daunen tatsächlich stammen. [9]

  • Sobald die Federn einmal gewaschen wurden, lässt sich nicht mehr unterscheiden, ob sie einem lebenden oder toten Tier ausgerissen wurden. Auf diese Weise können Federn aus dem Tot- und Lebendrupf vermischt werden, ohne dass der Betrug nachgewiesen werden kann. Gesetze und Zertifikate, die den Handel von Daunen aus Lebendrupf oder Stopfmast verhindern sollen, lassen sich auf diese Weise leicht umgehen.

  • Einige Zertifikate beziehen sich nur auf die letzte Rupfung eines Tieres im Schlachthof. Was davor geschehen ist, weiß der Händler oftmals nicht. Auch Daunen, die zuverlässig als „Schlachtrupf“ gekennzeichnet wurden, können von einer Gans stammen, die vor ihrem Tod im Schlachthaus regelmäßig bei lebendigem Leib gerupft wurde.

  • Und selbst Daunen aus „Totrupf“ sind keine tierfreundliche Alternative. Auch Vögel, die erst nach ihrer Tötung gerupft werden, verbringen ihr Leben häufig zusammengepfercht auf unhygienischen Farmen und werden im Schlachthaus gewaltsam getötet.

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Alternativen zu Daunen

Wie jeder Sektor der Tierwirtschaft trägt die Daunenindustrie dazu bei, die Klimakatastrophe zu verstärken und die Umwelt zu verschmutzen. Daneben erhöht sie das Risiko für das Aufkommen neuer Pandemien. Die gute Nachricht ist: Niemand muss sich mit den Federn gequälter Tiere wärmen oder schmücken. Pflanzliche Alternativen, wie etwa Baumwolle, Viskose, Lyocell, Polyester, Primaloft, Thermal R oder die Pflanzendaune Kapok, sind heute weithin erhältlich. Hochwertige pflanzliche oder synthetische Materialien überzeugen mit hervorragenden wärmedämmenden Eigenschaften und bieten zudem den Vorteil, dass sie pflegeleicht sind.  Daunen hingegen verlieren bei Nässe ihre isolierenden Eigenschaften und neigen eher zur Bildung von Pilzen und Bakterien. Von der Entscheidung für tierfreundliche Jacken, Decken, Kissen und Schlafsäcke profitieren also nicht nur die Tiere, sondern auch wir selbst.

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Daunen: So leiden Gänse und Enten beim qualvollen Lebendrupf