In Memory of Karlheinz Deschner (Teil2)   Leave a comment

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Es ist nur zu gut, dass der Einfluss der Kirche immer mehr zurück geht, die Kirchen leerer werden (fast nur mehr alte Weibchen) und dass sie kaum noch Nachwuchs haben.

Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang

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Bild von wolodja51.wordpress.com

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Nachruf auf Karlheinz Deschner

1924 in Bamberg geboren, verstorben am 8.April 2014 im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt

Wenn ich auch viele seiner geschriebenen Bücher noch nicht gelesen habe, so steht dennoch über jeden Zweifel fest, dass ich Karlheinz Deschner angesichts seiner religionskritischen Haltung und Überzeugung stets mit Hochachtung begegnet bin und ihn als Tierfreund und Religionskritiker sehr geschätzt und bewundert habe.

Anlässlich seines Todes am 8.April 2014 hier ein sehr guter Nachruf von Ralph Heringlehner auf Karlheinz Deschner:

Bissig, bisweilen gnadenlos sprang er mit Kirche und Klerus um. Doch im Gespräch entpuppte sich Karlheinz Deschner als stiller, nachdenklicher Mensch. Am Morgen des 8. April ist der „warmherzige Melancholiker“, wie ihn sein Lektor genannt hatte, der Autor der “Kriminalgeschichte des Christentums”, im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt gestorben.

Regale an allen Wänden, Tausende Bücher bis unter die Decke: Das Zimmer, in das Karlheinz Deschner den Besucher bat, verriet den Intellektuellen. Reden, erklärte er beinahe entschuldigend, liege ihm nicht. Ganz präzise, wie das eben nur schriftlich geht, wollte er seine Gedanken immer fassen. Konsequent (manche sagten: stur) dachte er sie zu Ende und zog seine Schlüsse. So einer – gleich gar, wenn er gegen die Kirche wettert – ruft Widerstand hervor. Man schrieb gegen Deschner an, gab ein dickes Buch heraus. 1971 stand er wegen “Kirchenbeschimpfung” in Nürnberg vor Gericht. Der Fall wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Der letzte Band seiner “Kriminalgeschichte des Christentums” erschien 2013, wurde von den Feuilletons wahrgenommen, doch der Sturm der Entrüstung, den die ersten Bände hervorgerufen hatten, blieb aus. Kirchenkritisch war der gebürtige Bamberger schon in jungen Jahren. Auch seine Dissertation bei den Germanisten an der Würzburger Uni über Lenaus Lyrik war ihm in diese Richtung geraten.

Jahrzehntelang bewältigte der Frühaufsteher ein Zwölf-Stunden-Arbeitspensum, tippte eisern auf der Olympia-Schreibmaschine, werktags, sonntags, feiertags. Jahrelang balancierte er an der Armutsgrenze. Mit 43 wehrte sich der Körper mit einem Herzinfarkt.

1970 hatte er mit dem Rowohlt-Verlag einen einzigen Band “Kriminalgeschichte” vereinbart. Des Autors Perfektionismus bei der Recherche ließ daraus zehn Bände werden, aus geplanten 350 Seiten wurden 5820, auf denen er, vielleicht ein bisschen wie Don Quichotte gegen Windmühlen, gegen die Kirche anrannte. Deschner war sich dessen durchaus bewusst: “Ich kann die Welt nicht ändern.” Missionarischer Eifer sei ihm fremd, aber: “Manche Dinge müssen einfach gesagt werden.”

Karlheinz Deschner wirkte eher traurig als bösartig, wenn er über Religion und ihre Folgen sprach. Wie auch anders, wo doch – so meinte er – über Jahrhunderte hinweg unter dem Deckmantel des Christentums Gräueltaten verübt worden seien: Der Glaube hat die Menschen auf die Schlachtfelder getrieben. Deschner war indes nicht so kurzsichtig, Derartiges nur dem Christentum anzulasten, wenn er sich in seiner Kritik auch darauf konzentrierte. Alle großen monotheistischen Religionen und auch manche politische Ideologie hätten die gleiche Wirkung: Sie gaukeln ein geschlossenes Weltbild vor. Mit der fatalen Folge, dass sich ihre Anhänger im Besitz der Wahrheit wähnen und sie anderen aufdrängen wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Verzicht auf Religion hielt er folgerichtig für eine Voraussetzung zum toleranten Miteinander.

Die Publicity um die “Kriminalgeschichte” hat eines immer verdeckt: Deschner war auch ein wortmächtiger Autor von Kurzgeschichten. Seine plastischen Schilderungen, etwa von Spaziergängen in der fränkischen Heimat, sind ein Lese-Erlebnis. Auch für jene, die mit seiner Religionskritik nichts anfangen können.

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In Memory of Karlheinz Deschner (Teil2)

 

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