Archiv für 16. Januar 2022

In Memory of Karlheinz Deschner (Teil7/2)   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund und Religionskritiker Wolfgang – wolodja51.wordpress.com

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Fortsetzung vom vergangenem Sonntag:

«Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl» – jawohl, sehr wohl: Noah jedenfalls, Käptn Noah samt Family und Viehstall, alles, danke, bestens wohlauf. Und so beginnt alles von vorn. Und alles, weißderteufel, mißrät wieder, trotz Allmacht und Allgüte und Allwissenheit – ein großes Mysterium des alten Herrn ist dies, mit dem unser Verstand nicht fertig wird.

Immerhin kommt nun kein globales Ersäufnis mehr, denn der alte Menschheitsmörder, der Vollkommene, hat aus dem Fehlschlag gelernt. Und da er voraussieht, daß er im Vergleich mit den erwähnten Starbanditen schlecht abschneidet, was sage ich, katastrophal, versucht er es statt des großen Ersäufnisses jetzt mit der großen Erlösung. Nicht mehr die ganze Menschheit wird liquidiert, nein, nur einer, ein wahrhaft göttlicher Ausgleich. Der Massakerist wird nun Wohltäter, der Sadist Seligmacher, erst alles in die Pfanne, dann alles wieder rausgehauen, Noahs Nachkommen natürlich nur, der traurige Rest seit der Sintflut, durch den lieben Heiland gerettet.

Durch wen? Na, durch den Jungen des alten Herrn, den Sohn. Der gerät erst jetzt ins Zwielicht der Geschichte, in Wirklichkeit aber, in Wirklichkeit ist der Junge so alt wie der Alte, wie der Ersäufergott, denn er ist eigentlich der Ersäufergott. Und ist doch der Ersäufergott nicht. Nicht ganz und doch ganz. Oder vielmehr: ein ganz anderer und doch derselbe. Ein großes Geheimnis wieder. Aber wäre alles so klar, so glatt, so platt, wer sollte es denn dann noch glauben. Es wäre ja gar keine Kunst mehr zu glauben. Na eben. Doch so ist es eine Kunst. Zwei Personen, aber gleichsam in einer. Und da aller guten Dinge drei sind, wird die Zweite Person durch eine Dritte Person gezeugt, die freilich schon die Erste Person ist. Auch die Erste. Ebenso die Zweite. Und doch bringt die Dritte die Zweite hervor – durch das Schwängern einer Schreinermeistersgattin in Palästina. Ob nun durch’s Ohr oder durch andere Kanäle: Die Wege des Herrn sind wunderbar.

Um so wunderbarer, als ja die Frau jenes Zimmermanns, laut Bibel, nicht nur die Zweite Person, sondern noch weitere (allerdings viel profanere) Personen gebar und gleichwohl, längst nichts Neues mehr damals, Jungfrau blieb, Jungfrau und Mutter, und ihre eigene Mutter, die hl. Anna, derart, heiligemutteranna, die Großmutter der Ersten Person, des Weltschöpfers, die Großmutter Gottes wurde. Jesusmariaundjoseph!

Ein weites, ein wunderbares Feld. Doch wie auch immer: die besondere Begabung der Dritten Person, ihre ganz spezifische, ist das Schwängern, das Befruchten, auch im Geistigen, geblieben. Zum Beispiel das Erleuchten der Schreiber des Neuen Testaments. Ganz «irrtumslos» wurde es so, wie durch die hl. Väter und die Theologen «einmütig» bezeugt und vom kirchlichen Lehramt wiederholt bekräftigt. Oder das Erleuchten der Jünger Jesu an Pfingsten, worauf sie, die Analphabeten, alle Sprachen beherrschten (vielen auch bloß besoffen schienen). Die Dritte Person hätte die ganze Welt erleuchten, bekehren können, mit einem Schlag, nur durch einen Willensakt. Doch das wollte die Dritte Person nicht, obwohl es das Einfachste gewesen wäre und so viele gerettet hätte für immer, die nun für immer verdammt sind und Höllenqualen leiden, die Ärmsten. Dafür aber haben nun die Prälaten ihre Pfründe, das ist viel wichtiger. Ja, die Dritte Person erleuchtete nur Auserwählte. Manchen heiligen Papst, zum Beispiel. Oder manchen heiligen Inquisitor, der dann desto eifriger die Scheiterhaufen zum Erleuchten brachte, ein besonders schöner Erleuchtungsakt.

Alle jedenfalls wollte der alte Herr nicht erleuchten, auf keinen Fall – wofür hatte er schließlich, seit Ewigkeit, die Hölle geplant mit all ihren Einrichtungen. Nein, nur keine Fehlinvestitionen mehr. Bloß kleinere Wunder ließ er den Sohn, die Zweite Person, wirken, ein bißchen auf dem Wasser wandeln, Tote auferwecken und so, alltägliche Mirakel fast, von vielen seinerzeit vollbracht – statt einfach alle zu bekehren, durch ein gewaltiges Miraculum, was, wie gesagt, der Menschheit viel erspart hätte. Und dem Sohn auch.

Der Römer Pilatus wollte den Sohn nicht umbringen, nein. Er wollte – wir wären um alles gekommen! – ihn laufen lassen und wusch seine Hände in Unschuld. Und auch der Sohn wollte nicht sterben. Nein, er betete zu Gott, zu sich selber, daß diese blutrünstige Sache an ihm vorübergehe. Doch nichts half, und so gehorchte die Zweite Person der Ersten und, darf man vermuten, wohl auch der Dritten, obgleich das ohnedies alles eins ist, Jacke wie Hose, auch wenn nur die unglückselige Zweite den Kopf dafür hinhielt. Nicht für ihre Schuld bekanntlich, für unsere! Dadurch aber erlöste sie die Menschheit. Das heißt nicht jene, die schon vordem starb. Pech gehabt. Doch auch die mit der Gnade der späten Geburt fuhr danach zum größten Teil noch weiter hinab in die Hölle, trotz aller Erlösung, die der Allwissende, Allgütige, Allmächtige auch für sie vorgesehen. Die Erlösung. Und die Hölle. Beide. Gott denkt weiter. Das ist es. Und trotzdem: selbst für die große Mehrheit das Blut, das kostbare, umsonst verspritzt. Denn noch ist der Rest auch jetzt nicht ganz erlöst. Gar viel bedurfte es noch immer an Sakramentalem und Heilstaten, an Riten und Raten (in natura oder bar) für jene, für die doch nur eines not sein sollte. Ja, der Taufe, zum Beispiel, bedurfte es noch, der hl. Beichte, der hl. Kommunion, des Meßbesuchs am Sonntag wenigstens – HEILIGE MESSE, so signalisieren manche Orte heute gleich am Eingang ihre Geisteskraft. Auch der hl. Ölung etwa bedarf es noch (der «Abschmierung», interner Sprachgebrauch), zuletzt wenigstens, zum guten Schluß, sozusagen. Ja, vieles kam hinzu, wahrhaftig, wovon wenig oder gar nichts in der Bibel steht, kein Wort.

Wer jedoch immer wieder Abweichungen vom Evangelium beklagt, verkennt, daß Jesus und seine Jünger theologisch noch in den Kinderschuhen steckten und erst viel später die Päpste deutlich zu sagen vermochten, was der Erlöser und seine Apostel eigentlich gemeint, was sie vielleicht nicht so gesagt oder ganz anders gesagt oder überhaupt nicht gesagt haben, weil sie es noch nicht besser oder gar nicht sagen konnten, aber sicher sagen wollten und auch gesagt hätten, wären sie schon so schlau gewesen wie die Päpste.

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Anmerkungen vom Blog-Betreiber:

Dieser hervorragend verfasste Text von K. Deschner ist so richtig nach meinem Geschmack und läßt keinerlei Wünsche offen, wenn es darum geht, noch mehr als bisher fest davon überzeugt zu sein, das sowohl dieser „himmlische Vater“ nicht „allwissend“ sein kann, sowie auch die Bibel nicht nur eine ganze Menge Märchen erzählt, sondern sich auch durch vielerlei Unsinn und Ungereimtheiten auszeichnet und somit weder das „Buch der Bücher“ sowie auch unmöglich eine sogenannte „Heilige Schrift“ sein kann.

Bibelfanatische Christen werden über diese grandios auf den Punkt gebrachten Aussagen und Betrachtungen Deschners höchstwahrscheinlich sehr schockiert, sehr bestürzt und entsetzt sein und gäbe es heutzutage noch die damalige Inquisition, so würden alle diese aufgescheuchten und superfrommen Religioten keine Minute zögern, einen Aufklärer, wie K. Deschner einer war und auch immer bleiben wird, zum Scheiterhaufen zerren und lebendigen Leibes verbrennen.

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In Memory of Karlheinz Deschner (Teil7/2)