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Gottes unwerte Geschöpfe? – Religionen und Tierschutz – Teil 2   1 comment

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Die Frage des Schlachtens

Das jüdische Schlachten ohne Betäubung, die Schechita, ist eine auf biblische Quellen zurückgehende Methode des Tötens von Tieren, die nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgestz, als zum Verzehr erlaubt bezeichnet werden.

In der schriftlichen Tora, den Fünf Büchern Mose und der mündlichen Tora sind Gebote des schonenden Umgangs mit und des schonenden Tötens von Tieren enthalten, welche die Grundlage des jüdischen Tierschutz- und Tierrechtes sind, wie es im Verbot zum Ausdruck kommt, Tieren Leiden zuzufügen (Tza `ar baalei chajim). Hinsichtlich der Ausführung dieses Gebotes sowie der Festlegung eines handwerklichen Regelwerks des Schächtens gilt die Aussage: „Du sollst von deinem Großvieh und Kleinvieh schlachten, so wie ich dir befohlen habe“ (Deuteronomium 12:21). Ziel des jüdischen Tierschutz- und Tierrechtsgebotes ist es gerade nicht, dem Menschen das Töten von Tieren zu erleichtern, sondern im Gegenteil, durch eine Vielzahl von Reglementierungen das Töten, Schlachten, Jagen und Verzehren von Tieren einzudämmen, und dem Tier zugleich das Sterben zu erleichtern, wenn es denn vom Menschen als fleischliche Nahrung bestimmt wird.

Dreh- und Angelpunkt der jüdischen Schechita (ebenso wie der muslimischen Halal-Schlachtung) ist die Frage, wie ein Tier getötet werden kann, damit sein Fleisch nicht „Aas“ und somit unverzehrbar wird. Als deutlichstes Zeichen der Unversehrtheit und Lebendigkeit eines Tieres galt von alters her die Bewusstseinsklarheit. Eine Betäubung war in früheren Zeiten nur zu erlangen durch die Zerstörung von Gewebestrukturen und war somit aus jüdischer Sicht abzulehnen. Durch die Entwicklung neuer Verfahren wie der Elektrokurzzeitbetäubung, die vor oder nach dem Schächtschnitt vorgenommen werden kann, ist eine reversible Bewusstseinstrübung möglich, die das Tier kurzfristig ohnmächtig werden lässt, seine Lebendigkeit jedoch nicht beeinträchtigt.
Die Frage, ob eine Veränderung der Methoden des betäubungslosen Schlachtens mit dem Religionsgesetz vereinbar ist, gehört zu den großen Kontroversen, die nur durch einen Paradigmenwandel lösbar sind. Erst wenn wieder das individuelle Tier im Mittelpunkt steht, das auf die schonendste Weise geschlachtet werden soll, so wie es in den Schriften gefordert wird, wird es möglich sein, die verhärtete Verteidigungsposition zu verlassen und tierschutzgerechte Verbesserungen wie die reversible Elektrokurzbetäubung vor dem Schächtschnitt oder innerhalb eines Zeitfensters von fünf Sekunden danach zuzulassen.

Auf dem Wege dahin ist es wichtig an die ursprünglich vegetarische Kultur des Judentums zu erinnern. Daran nämlich, dass im ersten Schöpfungsbericht eine vegetarische Welt beschrieben worden ist und erst nach der Sintflut der Verzehr von Fleisch erlaubt wurde.
Die jüdische Forderung, die Heiligkeit allen Lebens und aller Lebewesen anzuerkennen, kann als ein jedweder handwerklichen Durchführung übergeordnetes Gebot gelten; zudem fordert sie eine Rückbesinnung auf die Erkenntnisse der jüdischen Tierschutz- und Tierrechtsgebote auch im Fall des Schächtens. Angesichts des industriell organisierten massenhaften Schlachtens von Tieren ist es zwingend notwendig, die Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes, der Halacha, bzgl. der Rechte der Tiere auf Leben in körperlicher und seelischer Unversehrtheit sowie auf optimale Schonung im Falle des Schlachtens zu erfüllen. Diese sind unverzichtbar Teil der Unantastbarkeit und Heiligkeit des Lebens aller Lebewesen und somit die wichtigste spirituelle Botschaft des Judentums gerade in heutiger Zeit.

(Anmerkung: diese Erklärungen und Tatbestände sind für mich sehr unbefriedigend! Insgesamt bezweifle ich die Vorreiterrolle im Judentum, und die positive Darstellung wie es der Autor Ulrich Dittmann tut).

Haben Tiere eine Seele?

Während der Jude Jesus vegetarisch und tierfreundlich war, erklärten später die christlichen Kirchen die Tiere zu Antichristen, zu teuflischen Geschöpfen, zu Kumpanen Satans und der Hexen. In Umkehr der Tierfreundlichkeit der Fünf Bücher Mose behaupten sie, die Tiere seien von Gott ausschließlich zur Ausbeutung und zum Nutzen des Menschen geschaffen worden.
Kommen die Tiere in das Himmelreich? Fragen die Christen. Ihre Kirchen verneinen dies immer noch.

Für Juden lautet die Antwort sehr überzeugend: Aber sie sind doch schon drin. Tiere als beseelte Lebewesen gelten in der jüdischen Reinkarnationslehre als eine Art postmortales Auffangbecken für die Seelen von Menschen. Auch deswegen ist die Frage des korrekten Schlachtens von so großer spiritueller Bedeutung. Fragen der Freisetzung der Seelen hinein in einen anderen Körper eröffnen nicht nur für das tiergerechte Schlachten überraschende Perspektiven.

Genau diese Beseeltheit der Tiere wird im Christentum und auch im Islam geleugnet. Zwar werden Muslime in Hadith-Sammlungen zur Freundlichkeit Tieren gegenüber ermahnt, da die Schönheit der Tiere Beweis für das Schöpfergenie von Allah sei. Doch hinsichtlich der Bewertung von Tieren stützen sich Muslime wie Christen auf die Hierarchie der Geschöpfe: Demnach folgt auf die unterste Stufe (Welt der Mineralien), das Königreich der Pflanzen, dann das der Tiere, und schließlich der Mensch.

Der Mensch besitzt einen Körper, der der materiellen Welt angehört. Seine Seele ist Teil des spirituellen und immateriellen Bereiches und es ist das Ziel der Seele des Menschen, zu Gott zu gelangen und erlöst zu werden, oder wenigstens Engelstatus zu erhalten. Die Tiere gelten hingegen als seelenlos und können im Christentum nicht erlöst werden oder des Ewigen Lebens teilhaftig sein.

Da Tiere gemäß dieser Vorstellung keine Seele haben, sind sie außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Kirchen. Auch diese Position, mithin der Ausschluss der „seelenlosen“ Tiere von der Heilswelt, wird vom Islam geteilt.
Auch in anderen Bereichen finden sich Parallelen zwischen Christentum und Islam. Im Judentum etwa ist die Jagd verboten, da sie hier den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt. Das Fleisch gejagter Tiere ist nicht koscher, denn es gilt als „gerissen“ und mit als Aas. Islam und Christentum hingegen befürworten die Jagd auch als Methode Tiere zu töten und deren Fleisch zu gewinnen.

Gerade die Leugnung der Beseeltheit der Tiere hat sie im christlichen Abendland und in vielen muslimischen Ländern jahrhundertelang im wahrsten Sinne des Wortes zu Freiwild gemacht, und erst nachdem René Descates´ Theorien der seelenlosen Automaten die Vivisektion zu einem Massenphänomen werden ließen, regte sich angesichts der erdrückenden Evidenz des Leidens der Tiere Widerstand.
Es waren ausgerechnet zwei pietistische Pfarre aus Schwaben, die Zweifel an der Unbeseeltheit der Tiere anmeldeten und zu Gründern der deutschen Tierschutzbewegung wurden: Albert Knapp, Pietist, Pfarrer und Liederdichter und Christian Adam Dann, evangelischer Pfarrer. Letzterer richtete im Jahr 1821 nach dem Anblick eines von Gewehrkugeln durchsiebten Storches einen Appell an die Welt: „Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herrn, die Menschen.“
Später dann trat als Ausnahmeerscheinung Albert Schweitzer mit seiner Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ auf. Überraschenderweise wird der Christ Albert Schweitzer seither gerade von der Fraktion der atheistischen und religionsverachtenden Tierschützer vereinnahmt, die sich über dessen christliche Wurzeln offenbar nicht im Klaren sind oder aber die falschen Schlüsse daraus ziehen.
Die Frage: „Kommen Tiere in das Himmelreich“ werden die beiden o.g. schwäbischen Tierschützern vermutlich verneint haben, ebenso wie wahrscheinlich die Ausnahmegestalt des Katholizismus, Franz von Assisi. Zwar wurde dieser auch wegen seiner begnadeten spirituellen Fähigkeiten „mit den Tieren zu reden“ heilig gesprochen, doch sein Einsatz für den weltlichen Schutz der Tiere steht weiterhin im Schatten und wird allenfalls in anekdotischer Form und als Nebensache dokumentiert. „Alle Gebilde der Schöpfung“, erläutert Franz von Assisi, „sind Kinder eines Vaters und daher des Menschen Brüder. Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn sie der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in der Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz“. Diese als „Magna Charta der Tiere“ bezeichnete Weisung des Franz von Assisi wartet noch immer auf ihre Umsetzung.

Die Zaghaftigkeit des christlichen Tierschutzes beruht auch auf der künstlich erzeugten Konkurrenzsituation zwischen Mensch und Tier.

Das Gegeneinander-Ausspielen von Tierschutz und Menschenliebe ist ein Kennzeichen der kirchlichen Haltung bis auf den heutigen Tag. Dem Tier Zuwendung und Sorge schenken, ist nach Meinung vieler Kirchenoberen gleichbedeutend damit, dem Menschen, womöglich den Kindern, Zuwendung und Sorge zu entziehen.

Das negative Tierbild der Kirchen wirkt noch immer

Zum religiösen Brauchtum gehört es immer noch, Tiere durch Ortschaften zu treiben, zu schlagen, zu quälen und schließlich zu töten.
Die Katholische Kirche hat bis auf den heutigen Tag ihr negatives Tierbild nicht überwunden. Es wird mit gewissen Stellen im Neuen Testament in Verbindung gebracht, die das Tier als teuflisch, als Inkarnation des Bösen, als dämonischen Versucher und Verführer erscheinen lässt. Die Grausamkeiten, zu denen diese Haltung ermutigte und Tiere millionenfach zum Opfer von Aberglauben, Wut, okkulten Todesritualen werden ließ, sind noch immer Bestandteil des so genannten kulturellen Erbes des Abendlandes, wozu Tierkämpfe ebenso wie die Jagd zählen.
Die Kirchen haben sich hier jahrhundertelang und trotz ihrer Lehre der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zu Komplizen von Täterpersönlichkeiten gemacht, deren Perversionen noch immer – und wie es scheint in wachsendem Maß – zum alltäglichen Umgang mit Tieren gehören. Tiere werden hier zu Opfern und ihr Opferstatus wird mit kirchlichen Ritualen (wie beispielsweise den Hubertusmessen) legitimiert. Dass auch der Umgang mit den Nutztieren in den von den christlichen Religionen beeinflussten Ländern zu exzessiver Ausbeutung geführt hat, steht in dieser Tradition der Tierverachtung.

Dabei wurde das grundlegende Tierbild auch dadurch nicht verändert, dass die katholische Volksfrömmigkeit auch Elemente der Sorge enthält, die sich besonders im bäuerlichen Umfeld, z.B. mit den Segnungen des Viehs, den Leonhardi-Ritten oder den für Tiere zuständigen Heiligengestalten zeigt.

Auch der Katechismus der Katholischen Kirche aus dem Jahr 1997 setzt die traditionelle Tierverachtung und Tierfeindschaft fort. Obwohl die Diktion nun auch (gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands) den Grundsatz der „Fürsorge und Verantwortung“ für die Natur enthält und damit die traditionelle Herrschaft des Menschen über die Natur ergänzt, ist das Gewaltverhältnis zwischen Mensch und Tier festgeschrieben worden. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa die fortschrittliche Tierschutzerklärung der Nordelbischen Kirche, gilt für die Haltung der christlichen Kirchen weiterhin das vom Kirchenkritiker Carl Anders Skriver im Jahr 1967 geprägte Wort des „Verrats der Kirchen an den Tieren“. Verrat bezieht sich hier auf das Phänomen, dass die Gründergestalt des Christentums, der Jude Jesus, als Vegetarier und Kritiker des Schlachtens der Tiere gilt, diese Tradition jedoch jahrhundertelang systematisch verleugnet und entstellt worden ist.

Innerhalb der Kirchen haben sich allerdings in den letzten Jahren Tierschutzbewegungen entwickelt, z.B. Aktion Kirche und Tierschutz (AKUT), die sich für eine Veränderung des traditionellen Tierbildes der Kirchen einsetzen und den Tierschutz zu einem zentralen Anliegen des Christentums erklären.
Die Gottesebenbildlichkeit ist eine geniale Metapher zur Erklärung der menschlichen Natur. Dass der Blick des Menschen in den Spiegel zunehmend das zerstörte Antlitz der Erde zeigt, und nicht mehr das verlorene Paradies, dass Gottes vollkommene Geschöpfe (s.o.) heute milliardenfach als Biomaterial missbraucht werden und keinen Namen tragen dürfen, all dies zeigt den Endpunkt einer Entwicklung, an denen gerade die Religionen durch Förderung, Komplizenschaft, stillschweigende Duldung und Wegsehen einen maßgeblichen Anteil haben.
Werden die Enkel Abrahams die Kraft haben, in das zerstörte Antlitz der Erde zu blicken, das nicht länger übersehen werden kann? Es war ja gerade diese Leichtigkeit der Ausbeutung von Tieren, die die Menschheit an den Punkt geführt hat, an dem sie erkennen muss, dass ihre Lebensgrundlage, der Planet Erde, sich als Folge der immensen Eingriffe in einer Weise verändert, die Zweifel daran aufkommen lassen, dass es noch eine Zukunft gibt. Es ist an der Zeit, an den biblischen Vegetarismus zu erinnern und an die keineswegs utopischen Visionen des Propheten Jesaja über den Frieden zwischen allen Arten.

Einen ethischen Umgang mit den Tieren wiederfinden

Kann unser Mitgefühl für ein kleines Vögelchen dazu führen, dass der Messias kommt? Wird der Baum des Lebens, in dessen Schatten die beiden Löwen des Stammes Jehuda lagern, für alle Kinder Abrahams je zum Inbegriff der Heiligkeit des Lebens, auch des Lebens der Tiere, werden? Dass die Religionen und Kulturen voneinander lernen können, zeigt der Umgang mit der Nahrung. Alle drei abrahamitischen Religionen verbinden die Nahrungsaufnahme mit spirituellen Aussagen. Dass gerade der Nahrungsaufnahme eine spirituelle Bedeutung zukommt, ist Teil des verdrängten kulturellen Erbes der Völker. So heißt es im Talmud „Die Speisetafel des Menschen ist wie ein Altar“ (Chagigah 27a). Die Heiligkeit des Lebens stellt sich dar als Heiligkeit des von Gott gegebenen Körpers, der von Gott gegebenen Seele; sie wird durch die Reinheit der aufgenommenen Nahrung gesichert, die wiederum Abbild der der Ordnung der Tierarten ist. Die jüdischen Speisegesetze, die in Gestalt von Kaschrut (die Trennung der Nahrung in milchig und fleischig) und Schechita verschiedene Stadien der Reinigungsprozesse durchlaufen, sind somit ein unverzichtbarer Bestandteil des religiösen Ritus. Die Spiritualität findet hier im täglichen Leben statt.

Es gibt zwischen den Religionen eine Reihe von Parallelen als auch Unterschiede betreffs der Bewertung Tiere, die einen Dialog sowohl verhindern, ihn aber gleichermaßen auch auf den Weg bringen können. Erschwerend ist, dass die Religionen in ihren Bewertungen und Symbolen oft gegensätzlich sind. Dies gilt auch für die Frage des Tieropfers. Anders als das Judentum, das die Tieropfer mit der Zerstörung des Zweiten Tempels abschaffte, setzt der Islam die Tradition des Tieropfers fort mit dem Ziel, auf diese Weise die Unterwerfung des Menschen unter den göttlichen Willen zu demonstrieren. Dem Gebot der Wohltätigkeit folgend, nach der das Fleisch der zum Opferfest geschlachteten Opfertiere an Arme ausgeteilt werden muss, soll das Tieropfer die Fürsorge der Muslime füreinander zum Ausdruck bringen.
In Anbetracht der unerkannt bleibenden Qualen, die den Tieren millionenfach in den Parallelwelten der modernen Fleischfabriken widerfahren, erleben viele Muslime der westlichen Öffentlichkeit den Aufschrei der angesichts des öffentlichen betäubungslosen Schlachtens durch Laien beim Muslimischen Opferfest als heuchlerisch. Andererseits wächst auch unter den Muslimen die Kritik an den Tieropfern, die als nicht mehr zeitgemäßes Mittel der Gottesverehrung bezeichnet werden.
So konstatiert z.B. Abd al-Rahman al-Kalud, ein Mitglied der Akademie für Islamische Forschung: „Der Heilige Koran sagt mit klaren Worten, dass der Schöpfer das Opfer nicht als Selbstzweck wünscht, sondern als Symbol der Verehrung des Menschen für Gott wie es im Koran heißt: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht Ihn eure Frömmigkeit“ (Koran 22:37). Diese Sure lehrt eindeutig, dass das Opfer nicht als Opfer ein wesentlicher Teil der Religion ist, sondern durch den Akt der Wohltätigkeit und um die Armen zu bereichern.

Trialog zwischen Christentum, Islam und Judentum

Trotz aller bestehenden Differenzen gab es in den letzten Jahren hinsichtlich des betäubungslosen Schlachtens erfreulicherweise Annäherungen zwischen einigen muslimischen Verbänden und den Tierschützern. Auf jüdischer Seite fehlt jedoch leider auf der Ebene der Repräsentanz noch immer der Ansprechpartner. Trotz der Vorreiterrolle des jüdischen Tierschutzes fällt mithin die jüdische Gemeinschaft als Bündnispartner in Sachen Tierschutz nahezu komplett aus. Obwohl viele jüdische Menschen Unbehagen an der Schächtpraxis äußern und schockiert sind über die Zustände in den Schächtbetrieben der europäischen Nachbarländer und obwohl von den Schächtern selbst eine hohe Burnout-Rate berichtet wird, tun sich die Repräsentanten schwer damit, die Praxis des betäubungslosen Schächtens etwa durch Übernahme der reversiblen Elektrokurzzeitbetäubung zu verändern.
Neben den auf europäischer Ebene wichtigen machtpolitischen Erwägungen, verhindern psychologische Faktoren eine Umsetzung tierschutzgerechter zeitgemäßer Schlachtmethoden. Gerade in Deutschland will man nicht den Eindruck erwecken, , am Ende doch noch klein beigegeben zu haben. „Hitler soll hier keinen späten Triumph feiern“, ist die Haltung der Repräsentanz, die einen auch international wirkenden Image-Schaden fürchtet. Unvergessen ist, dass die NS-Gesetzgebung jüdische Menschen nicht nur dazu zwang, die eigenen Speisegebote aufzugeben, sondern auch ihre Heimtiere im Stich zu lassen, um nur wenige Jahre später selbst „wie Tiere“ verfolgt zu werden und getötet zu werden. Erst wenn diese erstarrten Abwehr-Positionen überwunden sind, die indirekt und ungewollt eine Fixierung auf die Verfolgungsgeschichte bewirkt haben, können sich Jüdinnen und Juden ihrer so zukunftsweisenden, visionären Tierschutztraditionen bewusst werden und sie hier und heute wieder mit neuem Leben erfüllen.

Immerhin war und ist das Judentum die einzige religiöse Kultur, die ein Verbot der Tierquälerei sowie zahlreiche Tierschutz- und Tierrechtsgesetze erlassen hat, aus religiösen Gründen, nicht als Ergebnis des säkularen Tierschutzes. Israel gehört heute zu den tierfreundlichsten Ländern der Welt; der Anteil der Vegetarier an der Bevölkerung ist hoch , die Jagd ist verboten und das mehrfach überarbeitete Tierschutzgesetz verbietet u.a. die Produktion von Gänsestopfleber und zahlreiche Tierschutzorganisationen setzen sich dafür ein, das Elend der Straßentiere zu lindern, um nur ein Beispiel zu nennen.
Im Trialog zwischen Christen, Islam und Judentum könnten die spirituellen Erwartungen thematisiert werde, die Menschen mit ihrer Religion, ihrer Nahrung und ebenso mit der Stellung der Tiere verbinden. Hierzu gehört die ethische Zielsetzung, dass es für Judentum, Christentum und Islam wichtig werden sollte, unter welchen Bedingungen das Tier lebt, dessen Fleisch gegessen werden soll, und unter welchen Bedingungen es am Ende getötet wird.

(Hanna Rheinz auf http://www.fellbeisser.net )

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Gottes unwerte Geschöpfe? – Religionen und Tierschutz – Teil 2

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Und deswegen schrieb wohl auch der grosse Tierfreund und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner in seinem Buch “Der gefälschte Glaube” auf seite 220:
»Man kann in dieser Kirche längst nichts mehr retten, sondern nur noch sich selbst und andere vor ihr.«

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Gruß Hubert