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Alice Schwarzer – Kachelmann schlägt zurück   Leave a comment

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Es ist ja leicht zu verstehen, dass Kachelmann nicht gut auf Schwarzer zu sprechen ist. Sie hat ihn ja in einer Bild-Kolumne auf das übelste herunter gemacht. Auch nette Männer vergewaltigen sagte sie unter anderem. Für sie ist jeder Mann ein potentieller Vergewaltiger. Ich denke die Zeit von Feministinnen à la Schwarzer ist langsam zu Ende. Man kann nicht immer Männern nur das Schlechteste zuordnen und die Frauen als Opfer darstellen. Diese Alice Schwarzer ist eine richtig böse alte Frau. Auf einer Veranstaltung an der Kölner Uni warf Kachelmann Schwarzer einiges an den Kopf.

Aus express.de

Vortrag in Kölner Uni gesprengt. Das warf Jörg Kachelmann Alice Schwarzer an den Kopf

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kachelmann

Wettermoderator Jörg Kachelmann.

Foto:dpa

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Köln – Es hätte ein so schöner Abend im Zeichen feministischer Diskussion werden können. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hatte zum Vortrag „Sexualgewalt gegen Frauen und Recht” in Aula 2 der Kölner Uni geladen.

Während Schwarzer auf einem Stuhl auf der hell erleuchteten Bühne saß, erhob plötzlich ein Mann im Auditorium die Stimme – kein Geringerer als Wettermoderator Jörg Kachelmann, einer der erbittertsten Widersacher Alice Schwarzers.

Die hatte seinerzeit im Vergewaltigungs-Prozess gegen Jörg Kachelmann ganz klar Partei für die Nebenklägerin, die Ex-Freundin des Meteorologen, ergriffen.

„Danke, dass ich hier sein darf“

Wohl Grund genug für Kachelmann, der mit grauem Jäckchen und Karo-Schal zum Mikro greift, Schwarzers Veranstaltung mit folgenden Worten zu sprengen: „(…) Danke, dass ich heute Abend hier sein darf. Ich habe meinen Namen oft gehört. (…) ich wurde 2010 Opfer eines Verbrechens (…) die Lügnerin und Falschbeschuldigerin wurde verurteilt. Und inzwischen ist auch davon auszugehen, dass gegen die Lügnerin und Falschbeschuldigerin von damals strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden sind. Also das Ganze ist inzwischen zweifelsfrei entschieden worden durch eine obere Instanz (…). Das ist eine eindeutige Sache (…)”

Tumulte im Saal

Begleitet von Einwürfen, lauten-Buh-Rufen und Pfiffen fährt Kachelmann fort: „Es tut mir leid, deutsches Recht wird manchmal gesprochen – auch wenn’s ihnen nicht passt (…) Es gibt auch manchmal, und das ist für einige das Schwierige und Unerträgliche, es gibt auch manchmal weibliche Verbrecherinnen.“

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schwarzer-kachelmann_koln-uni

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Er nennt Schwarzer eine Täterin

Und dann nähert er sich dem „Höhepunkt“ seines Vortrages: „Es gibt hier drin nur eine verurteilte vorbestrafte Täterin und die sitzt hier vorne!“

Rumms – das saß! Im Publikum spitze Schreie der Empörung, denn gemeint ist Gastgeberin Alice Schwarzer wegen ihres Verfahrens wegen Steuerhinterziehung.

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Alice Schwarzers Prozess-Berichte nervten Kachelmann.

Foto:dpa

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– Quelle: http://www.express.de/25708644 ©2017
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Alice Schwarzer – Kachelmann schlägt zurück

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Kachelmann will eine Stiftung ins Leben zu rufen, die sich um „falsch beschuldigte Männer, aber auch um wirkliche Vergewaltigungsopfer“ kümmern soll.“

Außerdem greift er Alice Schwarzer an. „Sie ist eine böse alte Frau geworden“, die „den Frauen schadet“, „die aus der Klägerin eine Ikone der Lüge gemacht und sich selbst zur Schutzheiligen einer Kriminellen erklärt“.
– Quelle: http://www.express.de/15260992 ©2017

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Hier noch ein Auszug aus der SZ

Schwarzer (mit zusammengekniffenen Augen ins Halbdunkel starrend): „Wer sind Sie denn, Lieber?“

Stimme von ganz hinten: „Jörg Kachelmann ist mein Name!“

Kachelmann trägt Lässiglook: Jeansjacke, Schal, die Haare sagen Wind von Nordnordost voraus. Er adressiert den Saal, jovialer Tonfall, große Geste, es ist ein bisschen wie früher vor der „Tagesschau“. Er sagt: „Meine Damen und Herren.“

Das Publikum ist zu 70 Prozent weiblich, zu 80 Prozent studentisch und zu schätzungsweise 98 Prozent frauenbewegt. Es hat ihn, den Weatherman, im Affekt der Überraschung mit Jubel empfangen, empfindet ihn jetzt aber doch als Partycrasher.

Das Publikum buht.

Man muss Jörg Kachelmann nicht dringend mögen, um Folgendes zu konzedieren: Er hat 132 Tage in Untersuchungshaft verbracht, vor Gericht und der ganzen geilen Nation die Hosen runtergelassen, er verlor seinen Wetter-Vertrag mit der ARD, seine Firma Meteomedia und nahezu sein gesamtes Vermögen. Er wird diese Sache niemals wieder los.

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat die Ex-Freundin im September 2016 zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt, der Vergewaltigungsvorwurf sei „vorsätzlich und wahrheitswidrig“ gewesen. Ein gerichtliches statt eines persönlichen Urteils schleudert Kachelmann nun in Richtung Bühne: „Es gibt hier drin nur eine verurteilte Täterin“, ruft er, „und die sitzt da vorne!“ Eine Anspielung auf die Sache mit der Steuerhinterziehung.

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Jörg Kachelmann zu Gast bei Alice Schwarzer Vortrag in Köln

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http://www.sueddeutsche.de/panorama/treffen-in-koeln-wer-sind-sie-denn-lieber-joerg-kachelmann-ist-mein-name-1.3372817
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Gruß Hubert

A. Schwarzer und Esther Vilar   Leave a comment

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Ich finde kaum irgendeine sympathische Eigenschaft der Radikalfeministin Alice Schwarzer, aber sehr viele negative dieser Egomanin. Es kam auch damals schon zum Ausdruck als sie das Streitgespräch mit Esther Vilar hatte.

„Dass Vilar am Ende gleichwohl immer stiller wird, liegt nicht nur daran, dass ihr Schwarzer beständig ins Wort fällt und sich selbst beständig in Rage redet – es liegt wohl auch an zwei Schlüsselsituationen des Gesprächs.“

Mir ist es absolut unverständlich, dass diese Person Schwarzer so lange in den Talk-Shows ein gefragter Gast war. Mit diesen ungehobelten und egozentrischen Manieren hätte man sie schon viel früher links liegen lassen müssen. Andere Leute zu beleidigen gehört(e) (?) zu ihrem Geschäft.

Hier ein Artikel von cuncti.net

Zerstörte Chancen – Esther Vilar begegnet den Wundern im Alice-Land

15. Februar 2014, von Lucas Schoppe

Nachdem nun das Ende der Dauerpräsenz Alice Schwarzers in den Medien bevorsteht, lohnt es sich, noch einmal einen Blick zurück zu werfen in die ferne Zeit, in der diese Präsenz begann.

vilar.

1975 wurde der Vietnamkrieg beendet, starb der spanische Faschist Franco, wurden die Konditorei Coppenrath & Wiese und das Unternehmen Microsoft gegründet, David Beckham und Angelina Jolie geboren,

Borussia Mönchengladbach wurde Deutscher Meister und gegen Twente Enschede UEFA-Pokalsieger, Spielbergs Der Weiße Hai wurde zum ersten Mal auf die Kinos losgelassen und Coppolas Der Pate II mit dem Oscar ausgezeichnet – und im deutschen Fernsehen lieferte sich Esther Vilar einen aufreibenden Schlagabtausch mit Alice Schwarzer.

Beide waren vier Jahre zuvor schon allgemein bekannt geworden – Vilar mit dem provozierend-polemischen, aber seiner Zeit auch weit vorauseilenden Buch Der dressierte Mann, Schwarzer mit der Aktion Wir haben abgetrieben, bei der sich 374 Frauen in der Illustrierten Stern selbst der Abtreibung bezichtigten, um eine Reform des Paragraphen 218 zu erreichen. Dass die Selbstbezichtigung in vielen Fällen, auch in Schwarzers eigenem, unwahr war, spielte noch keine Rolle – wenn es einem guten Zweck dient, muss die Wahrheit sich eben ab und zu als flexibel erweisen.

Für diejenigen, die gern Körpersprache und soziale Manöver deuten, ist schon der Beginn der Sendung interessant – Schwarzer kommt zu spät, macht dafür seltsamerweise lauthals anderen Vorwürfe, wartet, bis Vilar sich einen Platz ausgesucht hat, verlangt dann diesen Platz für sich selbst und eröffnet schließlich unvermittelt das Gespräch mit einer gezielten Beleidigung:

Das soll einige Leute geben, die glauben, dass das, was sie geschrieben haben, das sei also keine pure Dummheit oder so, das sei eine Satire.“ (1:09)

An dem, was dann geschieht, lässt sich wie an einem Kammerspiel zeigen, welche Entwicklung die deutschen Geschlechterdebatten in den Jahren darauf nahmen, welche Chancen sie ausgelassen haben – und welche Rolle Alice Schwarzer dabei spielte.

Alice Schwarzer kämpft, etwas verspätet, gegen den Stürmer

Auf den ersten Blick treten beide für dasselbe ein – dafür, dass Frauen selbstverantwortlich leben und eigenständig ihr Leben gestalten. Vilar bezeichnet sich in diesem Sinne selbst als „ganz offene Feministin“. (1:37) Beide unterscheiden sich dann aber grundsätzlich in der Einschätzung der Schwierigkeiten, die einer weiblichen Selbstständigkeit im Weg stehen.

Feminismus demaskiert: Alice Schwarzer vs. Esther Vilar 1975

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Beide waren vier Jahre zuvor schon allgemein bekannt geworden – Vilar mit dem provozierend-polemischen, aber seiner Zeit auch weit vorauseilenden Buch Der dressierte Mann, Schwarzer mit der Aktion Wir haben abgetrieben, bei der sich 374 Frauen in der Illustrierten Stern selbst der Abtreibung bezichtigten, um eine Reform des Paragraphen 218 zu erreichen. Dass die Selbstbezichtigung in vielen Fällen, auch in Schwarzers eigenem, unwahr war, spielte noch keine Rolle – wenn es einem guten Zweck dient, muss die Wahrheit sich eben ab und zu als flexibel erweisen.

Für diejenigen, die gern Körpersprache und soziale Manöver deuten, ist schon der Beginn der Sendung interessant – Schwarzer kommt zu spät, macht dafür seltsamerweise lauthals anderen Vorwürfe, wartet, bis Vilar sich einen Platz ausgesucht hat, verlangt dann diesen Platz für sich selbst und eröffnet schließlich unvermittelt das Gespräch mit einer gezielten Beleidigung:

Das soll einige Leute geben, die glauben, dass das, was sie geschrieben haben, das sei also keine pure Dummheit oder so, das sei eine Satire.“ (1:09)

An dem, was dann geschieht, lässt sich wie an einem Kammerspiel zeigen, welche Entwicklung die deutschen Geschlechterdebatten in den Jahren darauf nahmen, welche Chancen sie ausgelassen haben – und welche Rolle Alice Schwarzer dabei spielte.

Alice Schwarzer kämpft, etwas verspätet, gegen den Stürmer

Auf den ersten Blick treten beide für dasselbe ein – dafür, dass Frauen selbstverantwortlich leben und eigenständig ihr Leben gestalten. Vilar bezeichnet sich in diesem Sinne selbst als „ganz offene Feministin“. (1:37) Beide unterscheiden sich dann aber grundsätzlich in der Einschätzung der Schwierigkeiten, die einer weiblichen Selbstständigkeit im Weg stehen.

Vilar beschreibt eine gegenseitige Abhängigkeit von Frauen und Männern, eine Angst vor der Freiheit bei beiden, in der die Frau „sich als Schutzobjekt gibt“. Sie versuche, „dass der Mann sie wie ein Kind behandelt“ (20:30), lasse ihn aber tatsächlich für sich arbeiten – was für sie erhebliche Vorteile habe, beispielsweise ein im Schnitt erheblich längeres Leben.

Es gibt in der Bundesrepublik fast keine Frauen, die ein ganzes Leben lang ihre Familien selber ernähren, ihren Mann und ihre Kinder.“ (13:14)

Schwarzer hingegen sieht Frauen einer allgemeinen männlichen Unterdrückung und Ausbeutung ausgeliefert, räumt Nachteile von Männern bestenfalls in massiv abwertenden Formulierungen ein

– „wie kaputt die sind, wie grotesk die manchmal sein können“ (22:39) –

und besteht auf einer klaren Opferhierarchie: Männer seien durchaus auch Opfer, profitierten aber eigentlich allesamt von der Männerherrschaft, und Frauen seien ganz gewiss die „Opfer der Opfer“ (36:46).

Vilar stellt diese Position gleich zu Beginn bloß:

Dass die Welt von Männern beherrscht wird, ist genauso paradox wie zu sagen, dass die Seefahrt von Matrosen beherrscht wird.“ (2:13)

So provozierend diese Position für Schwarzer natürlich ist, so legt sie doch einen grundsätzlichen Widerspruch offen – einen Widerspruch, von dem sich ein Feminismus niemals befreit hat, der auf der Idee einer allgemeinen patriarchalen Unterdrückung der Frau basiert: Schwarzer fordert Selbstständigkeit für Frauen, beschreibt sie aber als fundamental unselbstständige Wesen, die hilflos einer umfassenden Männerherrschaft ausgeliefert seien.

Noch am Ende des Gesprächs kann sie beispielweise nicht akzeptieren, dass Frauen sich ihre Position als Hausfrau selbst wählen und nach Umfragen glücklich damit sind – während Vilar schlicht feststellt, dass sie doch nicht anderen Frauen vorschreiben könne, was sie unter Glück zu verstehen hätten. (42:34)

Dass Vilar ihre Bücher selbst geschrieben habe, zweifelt Schwarzer gleich zwei Mal an – sie könne sich zwar nicht vorstellen, dass ein Mann „eine solche Konfusität“ zu Papier bringen könne (9:07), möchte dann aber trotzdem wissen, wer eigentlich dahinter stünde (20:58): Dass eine Frau eigenständig auf Gedanken gekommen ist, die von ihren eigenen Gedanken abweichen, ist ein selbstverständlich inakzeptabler Gedanke.

Auffällig ist auch hier Schwarzers beliebiger Umgang mit der Wahrheit. Mal macht sie Vilar lächerlich und stellt sie als „Ruferin in der Wüste“ hin, die mit ihrer Meinung ganz allein dastehe (9:35), mal beklagt sie lauthals, wie massiv Vilar schon seit Jahren allüberall protegiert werde (19:25). Beliebig auch wirft sie Phantasiezahlen ins Spiel, dass etwa die Lebenserwartung von Frauen in der „Doppelbelastung“ geringer sei als die von Männern (sie wollten sich doch jetzt nicht gegenseitig langweilen, raunzt sie Vilar an, als diese Schwarzers Zahlen beharrlich korrigiert), oder dass Männer überhaupt nur ein Drittel der insgesamt anfallenden Arbeit verrichteten und deshalb völlig zurecht später in Rente gingen.

Dass Vilar am Ende gleichwohl immer stiller wird, liegt nicht nur daran, dass ihr Schwarzer beständig ins Wort fällt und sich selbst beständig in Rage redet – es liegt wohl auch an zwei Schlüsselsituationen des Gesprächs.

Verachtung von Frauen wirft Schwarzer Vilar vor und einen Verrat an ihrem Geschlecht – während diese betont, dass es ihr ganz im Gegenteil um eine „Ehrenrettung für mein Geschlecht“ (26:43) ginge.

Schwarzer: Ich glaub, dass jemand, der so zynisch ist und so gemein wie Sie, der solche Dinge schreibt – ich wundere mich überhaupt, dass Frauen Sie noch nicht angegriffen haben.

Vilar: Haben sie schon.

Schwarzer: Richtig. Richtig.

Das konnte leicht als offener Aufruf zur Gewalt gegen Vilar verstanden werden und wurde so wohl auch verstanden. Viel später, im Jahr 2007, erzählt Vilar von ihren Gründen, Deutschland zu verlassen:

Ja, auf der Toilette der Münchner Staatsbibliothek haben mich vier junge Frauen zusammengeschlagen. Das war nicht zum Lachen. Ich wurde bespuckt, ich bekam unentwegt Morddrohungen, mein Haus in München pinselte man mit Totenköpfen und Ähnlichem voll. Ich habe Deutschland von einem Tag auf den andern verlassen, ich hatte einen kleinen Sohn, ich konnte nicht mehr bleiben. Ich bin in die Schweiz.“

Noch irrwitziger, falls das möglich ist, wirkt aus heutiger Sicht eine andere Passage des Gesprächs. Vilars Bücher seien, so Schwarzer, so infam und unerhört, dass Frauen sich erkundigen sollten, ob juristische Schritte dagegen möglich seien.

Wenn wir in ihren Büchern das Wort ‚Frau‘ ersetzen würden durch das Wort ‚Jude‘ oder ‚Neger‘, dann wären ihre Schriften reif für den ‚Stürmer‘! (…) Sie sind nicht nur Sexistin, sie sind auch Faschistin! Das ist eine sehr ernsthafte Anschuldigung und in Anbetracht ihrer persönlichen Situation, glaub ich, doppelt schwerwiegend.“ (31:19 – 31:40)

Die Vorwürfe begründet Schwarzer an keiner Stelle – der Gestus der aufrechten Empörung ersetzt bekanntlich jederzeit und umstandslos jedes Argument. Es ist auch nicht etwa Vilar selbst, die angesichts der Stürmer– und Faschismus-Vorwürfe die erzwungene Emigration ihrer jüdischen Familie in ihr Geburtsland Argentinien ins Gespräch bringt. Es ist Schwarzer, die implizit auf Vilars Judentum und das Schicksal ihrer Familie hinweist und diesen Hinweis dann sogleich gegen sie verwendet: Wenn sie, Schwarzer, nicht umhin komme, sogar die Jüdin Vilar als Faschistin zu bezeichnen, dann müsse diese Jüdin ja ganz gewiss etwas ganz ungeheuer Schreckliches getan haben.

Sollte es einmal einen Wettbewerb um die verlogenste Äußerung in der Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens geben, dann müssten diese Sätze unbedingt zu den Top-Favoriten auf den Gesamtsieg zählen.

Gute Hetze, böse Unschuld und weitere Wunder im Alice-Land

Vermutlich hatte es dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust für viele Deutsche eine erhebliche schuldentlastende Funktion, dass eine Jüdin im deutschen Fernsehen, zudem ohne nachvollziehbare Begründung und für die Angreiferin völlig folgenlos, als Faschistin und Stürmer-Agitatorin beschimpft werden konnte. Das legt die Frage nahe, ob sich nicht überhaupt der Erfolg Schwarzers ganz anderen Elementen ihrer öffentlichen Stellungnahmen verdankt als dem Klischee, sie habe für die Gleichberechtigung von Frau und Mann gekämpft.

Denn das hat sie ganz offensichtlich nicht, schon 1975 nicht. Der klassische Feminismus hatte sich weitgehend um gleiche Rechte, aber nicht um gleiche Pflichten bemüht – um das Frauenwahlrecht zum Beispiel, aber nicht um die Frauenwehrpflicht, oder um die Entscheidungsmacht des Familienoberhaupts, aber nicht um seine Versorgungspflichten. (Ausführlicher dazu ist z.B. das gerade erschienene und ohnehin sehr lesenswerte Plädoyer für einen liberalen Maskulismus).

Mit dieser Schieflage war ein stabiler, gleichberechtigter Geschlechtervertrag kaum zu etablieren, und es ist eines der wesentlichen Verdienste von Vilar, dass sie darauf reagiert. An keiner Stelle greift sie die Gleichberechtigung von Mann und Frau an, fordert aber, dass die gleichen Rechte mit gleichen Verantwortungen einhergehen müssten – und behauptet provokant, dass Frauen sich aus vielen Verantwortungen heraushielten.

Schwarzer hingegen konstruiert das Schreckensbild einer allgemeinen, erdrückenden und inhumanen Männerherrschaft, unter der Frauen nicht nur auf gleiche Rechte, sondern auf ganz besonderen Schutz Anspruch hätten. Anstatt damit aber angesichts der Widersprüche und der Unzeitgemäßheit einer klassischen bürgerlichen Geschlechterordnung nach Lösungen zu suchen, betoniert sie diese Ordnung, radikalisiert sie noch in der Phantasie der umfassend schutz- und hilflosen Frau – und behauptet zugleich schlankweg, sie würde damit zur Überwindung der Verhältnisse beitragen.

Eine tief reaktionäre Anlage von Schwarzers Denken war also eigentlich schon 1975 zu erkennen, wurde aber im Lauf der Jahrzehnte deutlicher. Wenn sie sich heute gegen einen „Rufmordverwahrt, weil ihre Steuerhinterziehungen trotz Rückzahlung eines Teils des hinterzogenen Geldes öffentlich wurden, dann wirkt das komisch angesichts der Härte, mit der sie andere öffentlich attackiert. Antje Sirleschtov im Tagesspiegel:

Die Frau, die Jörg Kachelmann öffentlich noch einen Vergewaltiger nannte, als das Gericht den Wettermann schon nicht mehr rechtlich belangte, die ihre Nachfolgerin an der Spitze der Zeitschrift ‚Emma‘ öffentlich der Unfähigkeit bezichtigte und auch sonst das scharfe rhetorische Schwert gegen niemanden scheut, gibt sich zart besaitet, wenn es um ihr eigenes Leben geht und die Frage, was Geld und Moral miteinander zu tun haben.“

Eine wesentliche Wurzel für die Frauenbewegung der zweiten Jahrhunderthälfte war in Deutschland die „68er-Bewegung“. Es müsste für Alt-68er eigentlich seltsam sein zu sehen, wo ihre Bewegung mit Schwarzer angekommen ist – nämlich in der dauerhaften Ko-Operation mit Springers Bild-Zeitung zur systematischen öffentlichen Hetze gegen Einzelne.

Schwarzers Emma polemisierte derweil gegen die Unschuldsvermutung und schlug den Begriff, gemeinsam mit dem Begriff „einvernehmlicher Sex“, zum Unwort des Jahres vor. Nun ist der Zweck der Unschuldsvermutung ja nicht, wie von Schwarzers Zeitschrift suggeriert, der Täterschutz, nicht einmal vorwiegend der Schutz Unschuldiger – sondern der Schutz einer liberalen Rechtsordnung vor dem Abgleiten in autoritäre Repression. Wenn der Staat Sanktionen gegen Einzelne verhängt, dann ist es auch die Verantwortung des Staats, nachzuweisen, dass diese Sanktionen legitim und notwendig sind – es ist nicht die Aufgabe der betroffenen Bürger, die Illegitimität der Sanktionen nachzuweisen.

Wer die Unschuldsvermutung bekämpft, will den autoritären Staat. Das ist hier plausibel nur angesichts der Vorstellung, dass der Staat die Aufgabe habe, Frauen vor der allgegenwärtigen männlichen Bedrohung zu schützen.

Zugleich wirkt Gewalt gegen Männer damit legitim – legendär ist ja Schwarzers Kommentar zur Verstümmelung John Bobbitts durch seine Frau:

Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. (…) Und da muß ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich.“

Was wäre wohl umgekehrt geschehen? Wenn ein Mann seiner schlafenden Frau die Vagina mit einem Messer verstümmelt und ein berühmter deutscher Journalist dazu triumphierend kommentiert hätte, dass einer es nun getan habe („Nun kann es jeder tun.“) und dass nun ja „Männerfreude“ aufkommen müsse – dann hätte dieser Journalist gewiss nicht das Bundesverdienstkreuz bekommen, sondern Job und Reputation verloren. Und zurecht.

Wie man eine Persilschein-Maschine baut

Ein autoritärer Staat, der nicht lange fackelt – starre und leicht erkennbare Freund-Feind-Muster – ein herrischer und beliebiger Umgang mit der Wahrheit – Gewaltnähe – Verweigerung von demokratischen Debatten – das Festhalten an Strukturen, die sich längt überlebt haben – ein starres Gefühl eigener moralischer Überlegenheit und die beständige Weigerung, sich und andere an denselben Maßstäben zu messen: Der Feminismus, für den Schwarzer steht, hat durchgängig alle Merkmale einer autoritären, reaktionären Politik.

Nun gibt es möglicherweise in vielen Ländern, auch in Deutschland, eine heimliche Sehnsucht nach einer solchen Politik, nur dass diese Sehnsucht eben gerade in Deutschland aus guten Gründen besonders verpönt ist. Die Ursache für den Erfolg von Schwarzers Feminismus ist also möglicherweise nicht, dass sie sich für Gleichberechtigung eingesetzt hat – denn das hat sie nicht.

Die Ursache ist wohl, dass sie seit Jahrzehnten autoritäre und reaktionäre Sehnsüchte in einer schuldbefreiten Version bedient. Feminismus – als Behauptung, in einer „Männerherrschaft“ für den Schutz von Frauen tätig werden zu müssen – ist hier gleichsam eine Maschine, die beständig Persilscheine produziert.

Der Feminismus in Deutschland bekäme die Chance, als so vielfältig wahrgenommen zu werden, wie er ist“,

wenn Schwarzers Dauerpräsenz ein Ende habe – so Stefan Kuzmany bei Spiegel-Online. Das ist wohl zu einfach. Ob Aufschrei, Mädchenmannschaft oder Femen in Deutschland – auch der Feminismus jüngerer Generationen arbeitet mit denselben betonierten Freund-Feind-Schemata, die schon Schwarzer seit jeher verwendet. Wäre beispielweise die liberale französische Feministin Elisabeth Badinter eine Deutsche, dann würde sie hier als Antifeministin gelten und auf entsprechenden Hater-Listen landen.

Etwa gleich viel Männer und Frauen riefen spontan beim Sender an“,

schrieb 1975 Der Spiegel zur Reaktion auf das Gespräch von Schwarzer und Vilar. Indem Positionen wie die Vilars, im Wortsinne, aus dem Diskurs geprügelt wurden, hat sich eine Idee etabliert, die von jüngeren Feministinnen unbeirrt weitergetragen wird: die offen idiotische Idee nämlich, eine sinnvolle Geschlechterdebatte könne am besten unter Ausschluss der Männer geführt werden.

Pech nur, dass bei Schwarzers Steuerhinterziehungen die hausgemachten Persilscheine ihre Gültigkeit verlieren.

Ja, ich habe einen Fehler gemacht, ich war nachlässig“,

gibt sie zu. Verstehe ich natürlich – das ist mir auch schon ein paar Mal passiert, dass ich aus lauter Nachlässigkeit plötzlich ein paar Schweizer Konten hatte.

Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.“

Schon Arne Hoffmann hat darauf aufmerksam gemacht, wie deplatziert diese Begründung ist angesichts der Tatsache, dass Esther Vilar aufgrund der Gewalt gegen sie tatsächlich das Land verlassen musste – während Schwarzer sich immer weiter etablierte. Mehr noch: Schwarzer geht offenbar davon aus, dass bei einer erzwungenen Emigration auch ihr Vermögen beschlagnahmt worden wäre – als wäre die Bundesrepublik Deutschland ihr gegenüber womöglich so vorgegangen wie das nationalsozialistische Deutschland gegen Juden. Das ist allzu offensichtlich gaga.

Als „Hetze“ bezeichnet die Missy-Herausgeberin Stefanie Lohaus in der Zeit die scharfen öffentlichen Reaktionen auf Schwarzers Steuerhinterziehung, sie grenzt sich aber zugleich von Schwarzer und ihrer „Doppelmoral“ ab. Offensichtlich versucht sie, Schwarzer als Person zu kritisieren, aber den Feminismus in Deutschland vor dieser Kritik zu schützen.

Es gibt eine bessere Möglichkeit.

Wenn Schwarzers auf Autopilot gestellte Dauerpräsenz in den Massenmedien tatsächlich zu Ende gehen sollte, ergibt sich daraus vielleicht die Gelegenheit, einmal in Ruhe die Frage zu stellen, welche Chancen in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich verpasst, sogar zerstört wurden – durch eine reaktionäre, feministisch betonierte Geschlechterdebatte, die nicht auf rationalen Austausch, sondern moralisierend auf beständig verfügbare Gut-Böse-Holzschnitte setzte, nicht auf Kooperation, sondern auf Konfrontation, nicht auf den Austausch verschiedener Perspektiven, sondern auf den Ausschluss der einen Hälfte der Bevölkerung aus dem Gespräch.

Zu Esther Vilars „Der dressierte Mann“ gab es im vergangenen Jahr, off topic, eine interessante und längere Diskussion bei Alles Evolution, die mit diesem Kommentar begann.

Zu Alice Schwarzers „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ habe ich diese Artikel auf man tau veröffentlicht.

Ein weiteres, sehr interessantes Interview mit Alice Schwarzer findet sich hier (danke an Genderama für den Hinweis).

Der Artikel erschien zuerst auf man tau.

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http://www.cuncti.net/streitbar/680-zerstoerte-chancen-esther-vilar-begegnet-den-wundern-im-alice-land

 

Gruß Hubert

 

EU will neue Behörde zur Überwachung der Toleranz einführen   2 comments

Die EU wird immer totalitärer. Jetzt soll auch noch eine Behörde zur Überwachung eines „Klimas der Toleranz werden. „Falsche Beschuldigungen“ gelten als schwere Straftaten. Damit hängt man dem Bürger einen Maulkorb um und schränkt die Meinungsfreiheit ein. Das ganze klingt wie ein Witz. Die politische Korrektheit schlägt wieder mal zu.

Aber lesen Sie selbst bei deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

Das EU-Parlament soll die Bürger zu mehr Toleranz erziehen. „Falsche Beschuldigungen“ und Witze etwa über den Feminismus gelten demnach als schwere Straftaten. Zur Überwachung eines „Klimas der Toleranz“ soll eine neue Behörde geschaffen werden. Ihr inoffizielles Motto: Null Toleranz für Verletzung der Toleranz-Vorschriften.

Verunglimpfungen des Feminismus, wie hier beim Rosenmontag in Köln (rechts) sollen in der EU künftig nicht mehr zulässig sein. (Fotos: dpa)Verunglimpfungen des Feminismus, wie hier beim Rosenmontag in Köln (rechts), sollen in der EU künftig nicht mehr zulässig sein. (Fotos: dpa)

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Der Europäische Rat für Toleranz und Versöhnung hat ein Statut vorgelegt, das vom EU-Parlament verabschiedet werden soll. Darin wird unter anderem gefordert, dass der „Antifeminismus“ bekämpft wird.

Das Ziel des Statutes bestehe darin, „konkrete Maßnahmen zu ergreifen zum Kampf gegen Intoleranz, vor allem im Hinblick auf Rassismus, Farb-Voreingenommenheit, ethnische Diskriminierung, religiöse Intoleranz, totalitäre Ideologien, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antifeminismus und Homophobie“ (Sektion 2e).

Offenbar fordert das Statut nicht den Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen. Vielmehr wird dem „Antifeminismus“ der Kampf angesagt, also der Kritik am Feminismus. Telepolis bezweifelt, dass dieser Kampf gegen Kritik mit Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes vereinbar wäre, in dem die Meinungs-, die Presse-, die Kunst- und die Wissenschaftsfreiheit geschützt sind.

Telepolis macht in diesem Zusammenhang auf die grundsätzlich falsche Wortwahl aufmerksam:

„Hätten die Verfasser des Papiers gewollt, dass nicht die Kritik am Feminismus, sondern an Frauen als Gruppe eliminiert werden soll, dann hätten sie den Begriff Misogynie verwenden müssen.“

Diese Grundrechte dürfen nur dann eingeschränkt werden, wenn höherwertige Schutzgüter betroffen sind. Zudem könnten sich andere politische Ideologien wie die Sozialdemokratie oder der Ökologismus auf den Gleichheitsgrundsatz aus Artikel 3 des Grundgesetzes berufen und fordern, dass auch die Kritik an ihnen verboten wird.

Bekämpft werden sollen nicht nur „öffentliche Verleumdungen (…) zur Anstachelung von Gewalt“ gegen Feministen, sondern auch das Lächerlich-Machen und die Äußerung von „falschen Beschuldigungen“ (Sektion 1b). Verstöße gegen die Toleranz wie die Kritik am Feminismus müssten wie gefährliche Körperverletzung als „qualifizierte“ Straftaten behandelt werden.

„Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Toleranz nicht nur von Regierungen und Institutionen praktiziert werden muss, sondern ebenso von Individuen“, heißt es. Dazu müssten neue Behörden eingerichtet werden, die dies überwachen.

Jugendlichen Täter „werden ein Rehabilitations-Programm durchlaufen müssen, das dazu geschaffen ist, ihnen eine Kultur der Toleranz beizubringen“ (Sektion 7b).

Zudem soll die Toleranz Teil des Unterrichts werden. „Es ist sehr wichtig, dass solche Kurse [zur Anregung von Toleranz] so früh wie möglich im Bildungsprogramm beginnen, das heißt in der Grundschule. Doch die Kurse müssen auch in höheren Bildungsstufen angeboten werden, bis zu den Universitäten.“

Auch die Medien sollen ihren Beitrag leisten, so das Statut. „Die Regierung möge dafür sorgen, dass die öffentlichen Sender (TV und Radio) einen vorgeschriebenen Prozentsatz ihrer Programme der Verbreitung eines Klimas der Toleranz widmen (…) Die Regierung möge alle privaten Massenmedien (darunter die Presse) dazu anhalten, ein Klima der Toleranz zu verbreiten.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/06/eu-will-neue-behoerde-zur-ueberwachung-der-toleranz-einfuehren/

Gruß Hubert

Veröffentlicht 7. Januar 2014 von hubert wenzl in Politik

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Prostitution – Tun Sexarbeiterinnen ihre Arbeit gern?   3 comments

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Ich habe selten einen Mensch (Frau kann man ja zu der nicht sagen) gesehen, der so autoritär und diktatorisch die Meinungshohheit behalten will wie Alice Schwarzer. Da moderiert sie eine Sendung mit Leuten, die alle ihrer Meinung sind. Die Prostitution hält sie für einen deutschen Skandal und es darf nicht sein, dass Männer Frauen Sex abkaufen.
Natürlich will Schwarzer nichts davon hören, wenn es Prostituierte gibt, die sagen, „wir sind keine Opfer! Wir sind Menschen, die selbstbestimmt ihren Beruf gewählt haben, wie andere das auch tun.“
Und was heißt da freiwillig? Eine Putzfrau geht auch nicht freiwillig putzen, sondern weil sie das Geld braucht.

Hier ein Artikel der FAZ (Auszug).
Wie kann das sein, dass alle so eine klare Meinung zum Thema Prostitution haben? Ist es nicht eher menschenunwürdig, an der Supermarktkasse für nichts zu arbeiten? Muss man nicht erst mal alles ändern, bevor man die Prostitution abschafft? Von Antonia Baum

Prostitution in Berlin© Daniel Rosenthal/Laif  In einem Bordell in Berlin wartet die Sexarbeiterin Nelly auf Kunden

 

Die sogenannte Podiumsdiskussion, welche Alice Schwarzer zur Vorstellung ihres Buches „Prostitution – ein deutscher Skandal“ in Berlin einberufen hatte, sie war der Bezeichnung nach wirklich ein Witz, ein Diktatorinnen-Witz, den man nur im Stande ist zur Aufführung zu bringen, wenn man entweder verrückt oder knallhart kamikazemäßig drauf ist. Es ist sehr langweilig und überhaupt nicht weiterführend, über Alice Schwarzer zu schimpfen, und darum soll es hier auch nicht gehen, aber die Geschichte lässt sich ohne Alice Schwarzer nicht erzählen, weil sie es ist, die „die Prostituierten“ (alle, unterschiedslos) retten will, die für sie immer Opfer sind.

Zurück auf das Podium am vergangenen Donnerstag: Da oben sitzen also mit Alice Schwarzer, welche, klar, die Diskussion moderiert, vier Menschen, die Schwarzers Meinung sind, nämlich die Mitautorin des Buches, eine Sozialarbeiterin, die einen Prostituiertentreff leitet, eine ehemalige Prostituierte und ein Kriminalhauptkommissar – allesamt von Schwarzer rekrutiert, um Schwarzer ihre Meinung zu sagen, was genauso voraussehbar wie unglaublich ist, weil im Publikum so viele Menschen sitzen, die ganz anderer Meinung sind, die aber nicht gehört werden dürfen, weil sich die Buchvorstellerin eben absolut sicher ist, was die richtige Meinung ist.

Während, äh, diskutiert wird, das heißt, während man sich auf der Bühne gegenseitig versichert, rufen einige im Publikum dazwischen, ein paar Frauen versuchen, indem sie ein Banner vor sich her tragen, auf welchem „Mein Beruf gehört mir“ geschrieben steht, auf sich aufmerksam zu machen, aber sie werden sofort von Ordnern abtransportiert, weil sie anderer Meinung sind und das Einerlei da oben nicht stören sollen.

Finden nach Zahlen

Und das ist überhaupt der zentrale Schwachsinnspunkt in der Debatte um die Frage, ob Prostitution nun verboten gehört oder nicht, ob Männer Frauen Sex abkaufen dürfen (denn einzig um dieses Modell geht es Schwarzer) und schließlich sehr schlicht: ob man Prostitution richtig oder falsch findet – ja, der zentrale Schwachsinnspunkt ist, dass es um richtig und falsch und um finden geht. Mehr so eine Gefühlssache also, verlässliche Zahlen gibt es kaum, weder über die Anzahl der in Deutschland arbeitenden Prostituierten noch über deren Herkunft, und folglich lässt sich auch nur schwer beantworten, wer was, warum und wie freiwillig tut.

Hat gut lachen: Alice Schwarzer diskutiert am liebsten mit Menschen, die ihrer Meinung sind
© dpa  Hat gut lachen: Alice Schwarzer diskutiert am liebsten mit Menschen, die ihrer Meinung sind
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Alice Schwarzer schmiss bislang mit bemerkenswerten Zahlen um sich, von denen kein Mensch weiß, woher sie die eigentlich hat: 90 Prozent der Prostituierten wollten aussteigen, weiß sie, außerdem würden ebenfalls 90 Prozent des deutschen „Frischfleisches“ aus Osteuropa kommen, und grundsätzlich sei es so, dass „über 90 Prozent“ der Prostituierten schon als Kinder missbraucht worden seien. Diese extrem entschlossene Finderei ist also das Merkmal der Debatte, wie auch der Auseinandersetzung auf dem Podium, welche ja ursprünglich von dem allergrößten Meinungs-Finder-Zusammenschluss angestoßen wurde, nämlich mit der Unterzeichnung des „Emma“-Appells gegen Prostitution von Prominenten. Schon da fragte man sich, ob man selber oder die Unterzeichner die Welt nicht mehr verstehen, denn woher wissen Margot Käßmann, Senta Berger, Maria Furtwängler und Frank Schätzing so absolut sicher, was richtig ist und wie die Realität von „den Prostituierten“ zu beurteilen ist? Wie schafft man so etwas?

Wer ist eigentlich „wir“ und „die“?

Denn wenn man beginnt, darüber nachzudenken, stürzt einem doch fast der Kopf ein unter dem großen Fragegewicht: Gibt es Menschen, die Prostitution wie einen normalen Beruf betrachten? Ja, es gibt sie. Tut ihnen das nicht trotzdem weh, hinterlässt das nicht Schäden? Darf man überhaupt für einen anderen Menschen entscheiden, dass er etwas nicht tun darf, weil er einen Schaden davon bekommen könnte? Was ist ein Schaden überhaupt?

Tun Sexarbeiterinnen ihre Arbeit gerne, freiwillig, weil sie es müssen? Wann kann man das, was man tut, freiwillig nennen? Geht irgendjemand freiwillig putzen? Ist eine Tätigkeit, die man tun muss, um Geld zu verdienen, immer noch freiwillig? Ist Arbeit überhaupt etwas Freiwilliges, und wäre es nicht viel konsequenter und hilfreicher, Alice Schwarzer würde das bedingungslose Grundeinkommen fordern?

Das aber würde Alice Schwarzer niemals einfallen, die immer noch auf dem Podium sitzt und in Zusammenarbeit mit ihren Gästen Frontalunterricht abhält, ganz egal, ob an den Seiten der Ränge Mitglieder des „Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen“ stehen und protestieren. Sie haben den Gegen-Appell „PROstitution“ formuliert und fordern die Beteiligung von „Sexarbeiter/innen“ an politischen Prozessen, die sich mit dem Thema Prostitution befassen. Sie wollen weder eine Ausweitung der Polizeibefugnisse noch eine Kriminalisierung der Kunden. Sie sind für Aufklärung statt Verbot, für staatlich geförderte Weiterbildungsmaßnahmen und für einen respektvollen Umgang mit Prostituierten. In ihrem Faltblatt schreiben sie: „Alle reden über uns, aber niemand redet mit uns. (. . .) Wir sind keine Opfer! Wir sind Menschen, die selbstbestimmt ihren Beruf gewählt haben, wie andere das auch tun.“ Aber wer ist jetzt genau „wir“? Man weiß es nicht. Alle Prostituierten? Alle, die sich selbstbestimmte Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter nennen?

Skandal, nicht nur im Sperrbezirk: Geht es nach Alice Schwarzer, sind Sexarbeiterinnen ausnahmslos Opfer
© dpa  Skandal, nicht nur im Sperrbezirk: Geht es nach Alice Schwarzer, sind Sexarbeiterinnen ausnahmslos Opfer

In Schwarzers Kategorien aber sind solche Frauen, die dort absolut intakt und stark stehen, nicht denkbar. Sie existieren nicht, sie machen sich in ihrer Vorstellung wahrscheinlich etwas vor oder sind sonst wie geschädigt, was natürlich eine maximale Entmündigung dieser Frauen ist, aber solche Frauen dürfen offenbar entmündigt werden, solange es Schwarzers ideologischem Superziel dient: eine Welt, in der Männer Frauen nicht für Sex bezahlen dürfen, was für sie gleichbedeutend ist mit: Männer dürfen Frauen nicht kaufen, womit Prostitution ja sofort in die Nähe von Leibeigenschaft gerückt wird.

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Ein Mann im Rollstuhl erzählt, dass er regelmäßig zu Prostituierten gehe und es schon mehrfach erlebt habe, dass eine Prostituierte ihn wegen seiner Behinderung abwies, worin er einen selbstbestimmten Akt sehe. Er könne das Elend, welches auf der Bühne beschrieben wurde, nicht erkennen. Ferner sei er kein Schwein, ferner seien nicht alle Freier Schweine.

Die Probleme heißen: Sexismus, Rassismus, Armut

Ziemlich genau das Gegenteil möchte Schwarzer in Zukunft in den Köpfen dieses Landes als Meinung installieren: Freier sollen geächtet werden. Ächtung – was ist das für eine Hexenverbrennungsvokabel in dem demokratischen Rechtsstaat, in welchem wir leben, wie Schwarzer unablässig betont? Sie guckt auf den Mann im Rollstuhl herunter und erinnert ihn völlig grotesk daran, dass er als Behinderter auch andere Möglichkeiten habe, um sexuell erfüllt zu leben, und außerdem wären jetzt auch mal die anderen dran. Zack, Nächster. Eine Frau erzählt, dass sie schon lange als Prostituierte arbeite. Sie komme aus Bulgarien und habe noch nie eine Frau getroffen, die zur Prostitution gezwungen würde, was Schwarzer überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen will, wie sie auch alle weiteren Wortmeldungen, die folgen, nicht hört, sondern die Diskussion, die zu diesem Zeitpunkt des Abends vielleicht annähernd eine genannt werden dürfte, ganz schnell zusammenfaltet und abbricht.

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Einigkeit auf dem Podium, Widerspruch davor: eine Aktivistin von PROstitution
© dpa  Einigkeit auf dem Podium, Widerspruch davor: eine Aktivistin von PROstitution
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Gruß Hubert

Veröffentlicht 21. November 2013 von hubert wenzl in Politik

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