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Mythos Nº 1: Ein Amoklauf ist ein spontaner Aussetzer   2 comments

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In den sozialen Netzwerken schwirren ja die verschiedensten und verrücktesten Theorien umher, wie zum Beispiel, dass der Amokläufer von München kein Amokläufer gewesen sei, sondern einer von drei islamistischen Attentätern. Es wäre keine Hysterie und keine Falschmeldungen gewesen von den anderen angeblichen „Tatorten“ in München.
Die Bluttat von Reutlingen war eine Beziehungstat. Der Täter, der die Frau mit einer Machete erstach, kannte die Frau.
Islamistische Taten war „nur“ die Bluttat mit der Axt in Würzburg im Zug und der Attentäter der sich in Ansbach in die Luft sprengte. Aber für manche, die damit Stimmungsmache machen möchten, waren das alles islamistische Anschläge. Man sollte aber schon immer bei den Fakten bleiben. Aber vielleicht hören auch manche das Gras wachsen.

Aber zurück zur Analyse von Amokläufern.

 

Als Laie glaubt man ja meist, dass Amokläufer ihre Tat sehr kurzfristig umsetzen. Das ist aber in keiner Weise der Fall. Die Vorbereitungszeit zieht sich oft über Wochen und Monate hin.

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Mythos Nº 1: Ein Amoklauf ist ein spontaner Aussetzer.
Mythos Nº 2: Amokläufer haben ein bestimmtes soziales Profil.

Falsch, sagt der Psychologe und Amokforscher Jens Hoffmann. Er hat an der Universität Darmstadt viele Amokläufe untersucht und weiß, wie die Täter ticken. Es gibt kein bestimmtes Profil. Amokläufer stammen aus den unterschiedlichsten Schichten: mal aus problematischen Familien, mal aus guten Familienstrukturen. Und ein Amoklauf ist keine durchgebrannte Sicherung, sondern der Endpunkt einer langen Entwicklung.

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Amokforscher Jens Hoffmann

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Nicht blinde Wut, sondern ein Prozess

Amokläufer planen ihre Tat genau und sind oft mitten im Amoklauf erstaunlich ruhig. Ein Video des Amoklaufs in Columbine etwa zeigt die beiden Täter, kurz bevor sie sich selbst erschossen – völlig entspannt beim Nachladen ihrer Waffen. Ein Amoklauf ist nicht blindwütig, sondern das Ende eines Prozesses, der aus vielen Stufen besteht, sagt Hoffmann: „Es steht niemand morgens auf und sagt, ich werde einen Amoklauf machen.“

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Selbstinszenierung nach Medienvorbild

Auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung identifizieren sich Amokläufer mit Helden – seien es historische Gestalten, Filmhelden, Computerspiel-Akteure – oder andere Amokläufer. Sie inszenieren sich nach Medienvorbildern und erledigen dabei manchmal regelrecht Pressearbeit: Der Amokläufer von Blacksburg etwa schickte nach seinen ersten beiden Morden ein Multimediapaket an einen US-Fernsehsender, bevor er an der Technischen Hochschule von Virginia dreißig Menschen erschoss.

Gezielte Opfer des Amoks

Die Opfer des Amokläufers, so erschreckend viele es auch oft sind, sind meist nicht zufällig. Der Amokläufer schießt nicht blindwütig um sich, sondern hat eine ganz bestimmte Gruppe von Zielpersonen im Visier. Vielleicht passen sie aus ganz realen Gründen in sein Zielschema – etwa Rache an den Lehrern, die man als Drangsalierer empfand. Vielleicht stehen sie aber auch nur symbolisch als Gruppe für eine bestimmte Form der Kränkung. So hatte der Erfurter Amokläufer vor allem seine Lehrer im Visier – Schüler und Polizisten sind eher zufällig zu seinen Opfern geworden, weil sie im Weg waren oder ihn gestört hatten.

„Ich will, dass sich mein Gesicht in Eure Köpfe einbrennt!“

Der Amoktäter von Emsdetten in seinem Abschiedsbrief

Das Wichtigste, was Jens Hoffmann mit seiner Amokforschung herausfindet: Für diese ganze Entwicklung gibt es Hinweise, die man frühzeitig bemerken kann – wenn man weiß, welche.

Quelle:

http://www.br.de/themen/wissen/amok-amoklauf-amoklaeufer-psyche100.html

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Aus der SZ

Deutschland ist nach den USA das Land mit den meisten Amokläufen: Der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann hat ein Frühwarnsystem entwickelt – es wartet noch immer auf flächendeckenden Einsatz.

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„Es gibt eine Vorbereitungszeit, die sich über Wochen, manchmal sogar Monate hinzieht“, sagt der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt. Er hat mit seinem Team ein System entwickelt, das bisherige Täterprofile ablöst und dabei helfen soll, potentielle Gewalttäter früher zu erkennen.

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Ein Weg, den man hätte erkennen können – mit einem System, wie Hoffmann es entwickelt hat. Das „Dynamische Risiko-Analyse-System“ wird derzeit an Schulen und bei der Polizei in Deutschland getestet. Es gibt 31 Punkte, die Verhaltensvariablen abfragen: Gibt es eine Identifizierung mit anderen Amokläufern? Welche Probleme hat der Auffällige? Hat er eine Waffe herumgezeigt? Wenn Drogen im Spiel sind, welche genau? „Anhand dieser Variablen gibt das System eine Risiko-Einschätzung ab“, sagt Hoffmann.

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Potentielle Amokläufer verehren oftmals andere Täter als Helden. Unter dem Video auf YouTube, das die Tat von Erfurt im Jahr 2002 beschreibt, gibt es Einträge wie: „Großartig! Endlich bekämpft einer das System!“ Potentielle Täter zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie Waffen in der Schule herumzeigen, dass sie ihre Tat bei Freunden, Lehrern oder im Internet ankündigen. All diese Anzeichen müssten erkannt werden, um dann die richtigen Fragen zu stellen.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/amoklauf-in-winnenden-der-taeter-konnte-ein-grosses-finale-planen-1.398107

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 27. Juli 2016 von hubert wenzl in Psychiatrie, Psychologie, Uncategorized

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