Archiv für das Schlagwort ‘Antisemitismus

Das NS-Regime   5 comments

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Diesen Beitrag schreibe ich, da es in Deutschland in rechten Kreisen immer salonfähiger wird, sich unverschämt Anleihen aus dem Nationalsozialismus zu nehmen. So wie es ein Björn Höcke in einigen seiner Reden tut. Der hätte ja am liebsten, wenn in den Schulen nicht mehr über das Dritte Reich gesprochen würde um die Erinnerungskultur vergessen zu lassen und man keine „dämliche Bewältigungskultur“ in Deutschland weiterfürt. Den Gedenktag an Auschwitz würden Leute wie er wohl sofort abschaffen. Manchmal wird einem von Rechten auch gesagt, man hätte keine Ahnung vom Dritten Reich. Ich möchte damit das Gegenteil beweisen. Ich glaube ein bisschen Geschichtsunterricht tut vielen gut. Wie sagt der Bundeskanzler von Österreich, Kreisky, einmal: „Lernt Geschichte“. Manche möchte ja am liebsten nur die Gegenwart betrachten und alles vergessen was mal war. Ohne Vergangenheit kann man aber auch nicht sich selbst verstehen.

Lieber Gott mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau komm, war ein Spruch im Hitler-Reich. Die regierende NSDAP ist zur Staatspartei erklärt worden. Die Opposition, (Kommunisten, Sozialisten, bekennende Christen), sitzt in den Konzentrationslagern. Dafür herrscht Ruhe und Ordnung im Land. Wo gehobelt wird, fallen Späne, sagen die Deutschen.

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Aus ard.de – Auszug.

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Nationalsozialismus Die wichtigsten Ereignisse – Audio-Datei

http://www.4shared.com/mp3/qDnlQqkoce/Nationalsozialismus_Die_wichti.html

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Von Hitlers Machtübernahme bis zur Stunde Null

Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskanzler begann Hitler damit, Staat und Gesellschaft vollständig umzukrempeln – und sämtliche Grundlagen, die eine Zivilisation ausmachen, außer Kraft zu setzen. Es sollte ein germanisches Weltreich entstehen, die „arische“ alle anderen Rassen beherrschen und die Juden „mit Stumpf und Stiel ausgerottet“ werden. Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse der NS-Zeit – von der Machtergreifung über die Pogromnacht, den Beginn des Zweiten Weltkriegs, die Wannsee-Konferenz bis zur Stunde Null.

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http://www.ard.de/home/wissen/Nationalsozialismus__Die_wichtigsten_Ereignisse/1589062/index.html

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Aus dhm.de

Das NS-Regime

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Nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zweifelte kaum jemand daran, dass die Weimarer Republik der Vergangenheit angehörte. Die Wendung zum autoritären Regime war in Europa nichts Unerhörtes, seit den 1920er Jahren war die Demokratie in vielen Ländern verdrängt worden. Worin sich das NS-Regime aber von den diktatorischen Systemen in anderen Staaten unterschied, waren die rücksichtslose Vehemenz und die Brutalität, mit der die NS-Führung ihren uneingeschränkten Führungsanspruch durchsetzte. Im abgestimmten Zusammenspiel von Terror und Propaganda errichteten die Nationalsozialisten in wenigen Wochen die von ihnen angestrebte Diktatur. Die in Deutschland nahezu allgegenwärtigen Hakenkreuze und Hitler-Porträts zeugten von der Alleinherrschaft der NSDAP und dem Personenkult um den „Führer“. Erst nach Kriegsende 1945 wurden vielen nunmehr beschämten Deutschen der verbrecherische Charakter und der Rassenwahn des NS-Regimes bewusst, mit dem sie zwölf Jahre lang die feste Erwartung auf eine bessere Zukunft verbunden hatten.

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Machtübernahme

Der Weimarer Republik mit ihrem als „demokratischem Chaos“ empfundenen Parlamentarismus hatten nur noch wenige Deutsche einen Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise sowie der zerfahrenen politischen und sozialen Situation zugetraut. Von Hitler erhofften sich viele Deutsche die Rückkehr zu nationaler Geschlossenheit sowie wirtschaftlichen Aufschwung. Doch sowohl die Anhänger und Mitläufer des NS-Regimes als auch deren Gegner verkannten in aller Regel die dem Nationalsozialismus innewohnende Dynamik und Skrupellosigkeit, vor allem aber dessen sozialrevolutionäre Stoßkraft. Ein Großteil der Öffentlichkeit schätzte Hitler völlig falsch ein: Er war eben kein Politiker, sondern Ideologe und Revolutionär, die herkömmlichen Kategorien der europäischen Politik waren ihm fremd und gleichgültig. Gegen seine Gegner ging das NS-Regime von Anfang an mit äußerster Härte vor. Politisch Andersdenkende sowie Menschen, die demNS-Rassenideal nicht entsprachen, wurden verfolgt und entrechtet. Ein Instrument der NS-Herrschaft waren neu errichtete Konzentrationslager(KZ), die für politische Gegner und Minderheiten wie Juden oder Sinti und Roma zu Stätten brutaler Willkür wurden. Homosexuelle, Behinderte oder so genannte Erbkranke waren ebenso Opfer von gewaltsamen Maßnahmen. Die einen Tag nach dem Reichstagsbrand erlassene Notverordnung vom 28. Februar 1933 hatte die politischen Grundrechte außer Kraft gesetzt und über das Deutsche Reich einen permanenten, bis 1945 nie aufgehobenen Ausnahmezustand verhängt. Der Verlust persönlicher Freiheitsrechte wurde bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung durch positiv empfundene Veränderungen und den Zugewinn nationaler Souveränität kompensiert.

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„Volksgemeinschaft“ und Propaganda

Die zügige Reduzierung der Arbeitslosigkeit, sozialpolitische Maßnahmen und Einrichtungen wie das Winterhilfswerk gegen Hunger und Armut, die NS-Volkswohlfahrt und nicht zuletzt die beliebte Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ brachten dem NS-Regime bei den meisten Deutschen ebenso nachhaltig Sympathien ein wie die mit großem Aufwand betriebenen Olympischen Spiele 1936. Hinzu kamen außenpolitische Erfolge, mit denen Hitler die als Schmach empfundenen „Ketten von Versailles“ sprengte, das nationale Selbstbewusstsein der Deutschen immer weiter stärkte und Deutschland sukzessive auf Augenhöhe mit anderen Großmächten hievte: die Rückgewinnung des Saargebietes 1935, die Stationierung von Truppen im entmilitarisierten Rheinland 1936, der „Anschluss“ Österreichs und das Münchner Abkommen mit der dort beschlossenen Einverleibung des Sudetenlandes 1938 sowie die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ 1939.

Bereits im März 1933 war das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ unter Joseph Goebbels geschaffen worden. In kurzer Zeit gewann Goebbels die völlige Kontrolle über alle Medien und das kulturelle Leben. Presse, Rundfunk, Film und Literatur standen von nun an im Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung. Wie kein anderer Politiker seiner Zeit bediente sich Goebbels aller Möglichkeiten von Propaganda. Öffentliche Feste und Großveranstaltungen dienten der Selbstinszenierung und der Machtdemonstration des NS-Regimes. Alljährlich inszenierte Massenkundgebungen beschworen und festigten die Einheit von „Führer“, Partei und Bevölkerung. Zehntausende ließen sich auf diesen Massenveranstaltungen von der allgemeinen Begeisterung mitreißen und jubelten „ihrem“ Führer Adolf Hitler zu. Weite Teile der Bevölkerung verehrten ihn überschwänglich. Der Mitte der 1920er Jahre in der NSDAP entwickelte Führerkult wurde ab 1933 zum Organisationsprinzip eines ganzen Landes.

Parolen wie „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ stärkten das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation des Einzelnen mit dem NS-System: Die von den Nationalsozialisten propagierte „Volksgemeinschaft“ wurde von den meisten Deutschen auch als solche empfunden.

Der Nationalsozialismus drängte ab 1933 in alle Bereiche von Staat und Gesellschaft, die einer rigiden Gleichschaltung mit dem Anspruch unterworfen waren, das öffentliche und private Leben mit NS-Ideologie zu durchdringen. Zahlreiche NS-Organisationen prägten das Alltagsleben der Deutschen jeglichen Alters. Im Zuge einer „geistigen Mobilmachung“ sollten sie zu überzeugten Anhängern des Regimes werden. Nicht mehr Beruf, Bildung, Herkunft oder Besitz sollten für die Bewertung eines Menschen wichtig sein, sondern nur noch seine Abstammung und sein Einsatz für die Gemeinschaft.

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Rassismus, Terror und Verfolgung

Allerdings fanden einzelne Maßnahmen, wie etwa die im Rahmen des staatlichen Antisemitismus verabschiedeten Nürnberger Gesetze von 1935 oder das Pogrom am 9. November 1938, in der Bevölkerung nicht nur die von der NS-Führung gewünschte und erwartete Zustimmung. Ihnen wurde zum Teil unverhohlene Ablehnung entgegengebracht. Von Anfang an gab es auch fundamentalen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dieser Widerstand wurde von weltanschaulich ausgesprochen unterschiedlichen Gruppen getragen und reichte von passiver Resistenz bis zum Attentat. Viele Gegner des Nationalsozialismus sahen sich angesichts von Gewaltherrschaft und persönlicher Verfolgung bald zur Emigration gezwungen. Geheime Staatspolizei und eine gleichgeschaltete Justiz spannten ein zunehmend engeres Netz der Verfolgung. Überwachung, Verbote, Willkürmaßnahmen und gewaltsame Übergriffe waren an der Tagesordnung.

Die Nationalsozialisten gingen von der sozialdarwinistischen Vorstellung eines naturgegebenen „Kampfes um das Dasein“ der Völker und Rassen aus und waren von der Überlegenheit der „arischen Rasse“ überzeugt. Aus nationalsozialistischer Sicht war dieser Kampf unausweichlich. Zu Hitlers grundlegenden Zielen gehörten daher von Anfang an die Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“ und die Eroberung von Lebensraum im Osten„.Voraussetzung dafür war ein Krieg gegen Polen. Als die NS-Führung im März 1939 gegenüber dem östlichen Nachbarstaat einen immer aggressiveren Konfrontationskurs einschlug, verschärften sich die deutsch-polnischen Spannungen. Um die deutsche Machtausdehnung einzudämmen, garantierten Großbritannien und Frankreich die Unabhängigkeit des polnischen Staates. Davon unbeeindruckt, wies Hitler die Wehrmachtsführung im April 1939 an, einen Feldzug gegen Polen vorzubereiten. Gleichzeitig stellte Hitler seine ideologische Ablehnung des „Bolschewismus“ zurück. Seinen Außenminister Joachim von Ribbentrop ließ er Verhandlungen mit der Sowjetunion aufnehmen, um die Möglichkeiten eines gemeinsamen Vorgehens gegen Polen auszuloten. Der auch im Ausland für kaum möglich gehaltene Nichtangriffsvertrag zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der kommunistischen Sowjetunion vom 23. August 1939 regelte die Interessensphären der Vertragspartner und ermöglichte beiden Staaten, einen Krieg gegen Polen zu führen.

Arnulf Scriba
7. August 2014
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https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime

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Passend dazu ein Lied von Konstantin Wecker.

 

Konstantin Wecker: „Sage Nein!“

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Wenn sie jetzt ganz unverhohlen, wieder Nazi-Lieder johlen,
über Juden Witze machen, über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen saufend ihrer Dummheit frönen,
denn ein Deutscher hinter’m Tresen muss nun mal die Welt genesen,
dann steh auf und misch dich ein:

Sage nein!

Meistens rückt dann ein Herr Wichtig die Geschichte wieder richtig,
faselt von der Auschwitz-Lüge, leider kennt man’s zur Genüge,
mach dich stark und misch dich ein, zeig‘ es diesem dummen Schwein:

Sage nein!
[…]
Und wenn sie in deiner Schule ploetzlich lästern über Schwule,
schwarze Kinder spüren lassen, wie sie and’re Rassen hassen,
Lehrer, anstatt auszusterben, Deutschland wieder braun verfärben,
hab dann keine Angst zu schrei’n:

Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger, Bänker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer, Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du 6 bist oder 100, sei nicht nur erschreckt verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:

Sage nein!

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Gruß Hubert

Was heißt „stukturell antisemitisch“?   Leave a comment

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Antisemitismus ist ja weit verbreitet, wie überhaupt immer große Vorbehalte bei der Bevölkerung gegen alles Andersartige vorherrschen. Eine maßgebende Grundlage des Antisemitismus ist aber im Christentum angelegt. Die Juden waren Christusmörder, obwohl ja damals die Römer in Israel herrschten, und sie Jesus zum Tode auf dem Kreuz verurteilten.

„Wann dieser rassistische Antisemitismus entstand, ob er qualitativ neu war oder nur den Jahrhunderte alten Judenhass mit neuen Scheinbegründungen fortsetzte, ist in der Forschung umstritten. Unumstritten ist die Verbreitung, Dauer und Wandlungsfähigkeit des Phänomens: In ganz Europa und außereuropäischen Staaten gab und gibt es antisemitische Tendenzen.

Zunächst im zaristischen Russland, seit 1879 und verstärkt seit 1918 auch in Deutschland und Österreich suchten Antisemiten eine „Lösung der Judenfrage“. Dazu gründeten sie neue politische Parteien, deren Programme bereits die Vertreibung, teilweise sogar Ausrottung der europäischen Juden forderten. Die Vernichtungsfantasien wurden in der antisemitischen Literatur als „Unschädlichmachung“, „Entjudung“, „Entfernung“, „Ausmerzung“, „Beseitigung“ umschrieben. Andere brachten antisemitische Forderungen in bestehende staatstragende Parteien ein. Sie verfolgten neben der Ausgrenzung der Juden verschiedene antiaufklärerische, antidemokratische, antikapitalistische und antisozialistische Ziele, führten aber auch religiös begründete antijüdische Motive fort.

An diese Tradition konnte später der Nationalsozialismus anknüpfen. In dessen Weltanschauung war der rassistische Antisemitismus zentral. Er lieferte seit 1933 die Begründung aller judenfeindlichen Maßnahmen, die zuletzt im Holocaust gipfelten.“

[…]
„Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die seit etwa 1800 in Europa auftritt. Für den Nationalsozialismus war der Rassenantisemitismus zentral und führte im vom Deutschen Reich besetzten Europa bis 1945 zum Holocaust.

Zu seinen Voraussetzungen gehören der Antijudaismus in der Christentumsgeschichte, zu seinen Wirkungen der Antisemitismus nach 1945. Dieser ist zwar keine gesamtstaatliche Ideologie mehr, aber seine Stereotype und Vorurteilsstrukturen bestehen in vielen Ländern und vielfältiger Form fort. Die internationale Antisemitismusforschung widmet sich seit 1945 der Erklärung des Phänomens.“
Quelle: Wikipedia  https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(bis_1945)
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Hier aber nun zum „strukturellen Antisemitismus“, so wie ihn http://martinm.twoday.net erklärt.

„Aus mehr oder weniger aktuellem Anlass schreibe ich ein wenig zum im bestimmten Kreisen viel verwendeten – und oft falsch verwendeten Begriff „struktureller Antisemitismus“. Tatsächlich habe ich mich aus schon dabei ertappt, den Begriff falsch verwendet zu haben.

Also: „struktureller Antisemitismus“ ist etwas anderes als „latenter“, „verdeckter“, „heimlicher“ oder „getarnter“ Antisemitismus. „Strukturell antisemitisch“ heißt: einer bestimmten Anschauung oder Handlungsweise liegt eine gedankliche Struktur zugrunde, die dem Antisemitismus entspricht.

Verwirrt? Macht nichts, steigen wir mit einem einfacheren Beispiel ein. Dem „strukturellen Rassismus.

Rassismus geht davon aus, dass die „eigene Rasse“ in irgendeiner Weise „hochwertiger“ sei als andere „Rassen“.
Strukturell rassistisch ist es, zwar auf den Begriff der rassischen Überlegenheit zu verzichten, aber troztdem die aus dem Rassismus bekannte Denkstruktur zu verwenden. Deutsche sind für einen „strukturellen Rassisten“ nicht deshalb „Kanakern“ überlegen, weil die „Kanaker“ keine Weißen (Europäer, „Arier“) sind, sondern weil die „Kanaker“ nun mal aus einer „primitiven (mittelalterlichen, religiös fanatisierten, nomadischen, streng patriarchalischen, zerrütteten usw. ) Kultur“ stammen und deshalb keine vollwertigen Mitmenschen sein können. (Für „Kanaker“ kann eine beliebige Einwanderergruppe oder Minderheit eingesetzt werden.)
Diese Form des „struktuellen Rassismus“ kann man auch „Kulturalismus“ nennen, wenn man Wert auf passend beschriftete Schubladen legt.
Anderes Beispiel: die Pseudowissenschaft „Metagenetik“ (in der von McNallen begründeten Form) entspricht in ihrer Struktur der älteren „Blut und Boden“-Lehre, verwendet aber ein modernes und auf den ersten Blick wissenschaftlich-neutrales Vokabular. Weil ein „Metagenetiker“ aber in exakt den selben Bahnen argumentiert wie ein „Blut und Boden“-Theoretiker, und weil die Lehre von „Blut und Boden“ eindeutig rassistisch ist, kann man mit Fug und Recht die „Metagenetik“ als strukturell rassistisch bezeichnen. Zugleich ist sie ein Beispiel für „verdeckten Rassismus“.

Der Antisemitismus teilt Merkmale des Rassismus, ist aber ein Sonderfall: Kein Antisemit würde auf die Idee kommen, etwa Juden nach dem üblichen rassistischen Muster als faul oder dumm zu bezeichnen. Tatsächlich trauten Antisemiten wie Wilhelm Marr, Jörg Lanz „von Liebenfels“ und sogar Adolf Hitler „den Juden“ einige geradezu „übermenschliche“ Fähigkeiten zu. Stattdessen gelten Juden dem Antisemiten als zwar schlau, intelligent, geduldig, sogar gebildet usw. – aber dabei immer auch als feige und hinterhältig, als gierig und verlogen.
Allesamt Attribute, die für den Antisemiten klar machen, dass Juden typischerweise eher im Hintergrund die Fäden ziehen und davor zurückschrecken, sich selber die Finger schmutzig machen.
Eine für Demagogen sehr praktische Methode. Denn dies ermöglicht es beliebige Fehlschläge darauf zu schieben, dass die Juden die Sache heimlich sabotiert hätten. So geschehen z. B. nach dem für Deutschland verlorenem ersten Weltkrieg. „Die Roten“ hätten an „der Heimatfront“ Verrat an den heldenhaft kämpfenden deutschen Soldaten geübt, ihnen „den Dolch in den Rücken gestoßen“. Und weil die „Roten“ nun mal verhetzte, aber im Grunde gutwillige „deutsche Arbeiter“ waren, müssen die wahren Drahtzieher der schändlichen Niederlage „die Juden“ gewesen sein – man weiß ja, denen kann man alles zutrauen …
Bei der Weltwirtschaftskrise wiederholte sich das üble Spiel, und für die Nazis waren die Juden an allem, aber wirklich allem Schuld, was einem aufrechten Nazi nicht in den Kram passte.

Nun ist diese Methode durchaus auch ohne Juden möglich. Das Großunternehmen XY-AG geht also nicht deswegen in den Konkurs – und einige tausend Arbeitsplätze flöten – weil die Konkurrenz am Markt einfach besser wäre, oder die Unternehmensleitung schwere Fehler gemacht hätte, oder die Rahmenbedingungen nicht günstig waren – oder, was auch vorkommt, ein Konkurrent schlicht weniger Skrupel z. B. bei Betriebverlagerungen in Billiglohnländer gehabt hätte usw. – oder, meistens, viele dieser Faktoren zusammen – sondern deswegen, weil eine kleine Handvoll gieriger Manager oder skrupelloser Investment-„Heuschrecken“ (gern Ausländer, gern in New York, London, Hongkong oder Singapur sitzend) sich bereichern wollten.
Die Vorstellung, dass ein „kerngesundes Unternehmen“ durch die „Machenschaften“ fieser „Drahtzieher“ mutwillig „gegen die Wand gefahren“ wird, damit sich ein paar „kriminelle Manager“ oder „geldgeile Heuschrecken“ bereichern können, entspricht in ihrer „Erzählstruktur“ einer klassischen antisemitischen Verschwörungstheorie. Das macht das Ganze „strukturell antisemitisch“ – auch wenn niemand „die Abzocker“ oder „die Heuschrecken“ für Juden hält oder absichtlich mit „den Juden“ gleichsetzt.

Wenn man z. B. der NPD „strukturellen Antisemitismus“ nachsagt, ist das falsch – weil die NPDler typischerweise „echte“ Antisemiten sind, die ihre Gesinnung aber mehr oder weniger geschickt tarnen. (Aber die NDP hat, um die Verwirrung komplett zu machen, sehr wohl „antisemitische Strukturen“ – z. B. internes antisemitisches Schulungsmaterial, ihre Propaganda enthält antisemitische Deutungsmuster für Krisen, ihre Funktionäre haben haufenweise antisemitische Vorurteile und Klischees und verbreiten diese usw. usw. .)

Daher ist es auch kein Grund zur Empörung, wenn demographische Studien z. B. ergeben, rund 40 % aller Deutschen hätten ein „strukturell antisemitisches Weltbild“. Viele der Befragten haben keine oder nur wenige antijüdische Vorurteile – aber sie denken z. B. in den Bahnen ursprünglich antisemitischer Verschwörungstheorien.

Antizionisten können sowohl strukturelle wie uneingestandene Antisemiten sein – im ersten Falle wird die Rolle, die traditionell „den Juden“ zugeschrieben wird, einfach auf eine Untergruppe der Juden, eben die Zionisten, beschränkt. Im zweiten Falle ist der „Antizionist“ einfach ein Antisemit, der sich nicht gerne Antisemit nennen lässt.

Und wer das mit der Struktur kapiert hat, der begreift auch, wieso ich manche Antifas für „strukturell faschistoid“ halte.

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Was heißt „stukturell antisemitisch“?

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Gruß Hubert

 

Martin Luther – Von den Juden und ihren Lügen   Leave a comment

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Auf die Idee für diesen Beitrag hat mich das politische Magazin „miz“ (Materialien und Informationen zur Zeit) gebracht, wo das Buch von Martin Luther „Von den Juden und ihren Lügen“ vorgestellt wird.
Mit Martin Luther hat die Evangelische Kirche ein erhebliches Problem: der Reformator war ein wirkmächtiger Judenhasser. Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch Von den Juden und ihren Lügen von 1543 in makabrer Weise hervor. Luther war den Juden zuerst freundlich gesinnt, weil er hoffte, dass sie in Scharen zur neuen lutherischen Kirche übertreten würden. Als das nicht zutraf, wandelte sich das zum Hass auf Juden um.
Vorausschicken möchte ich auch, damit keine Missverständnisse entstehen, dass ich keiner Religion nahe stehe. Meine Meinung ist, dass die Welt ohne Religionen besser da stünde. Eine Welt ohne Religionen wäre bereits ein großer Schritt in Richtung irdisches Paradies.

Aus hpd.de – Auszug.

 Seit sich die niederländische Kirche nach intensiven Beratungen mit jüdischen Organisationen in Hinblick auf das Lutherjahr 2017 von Martin Luthers Antisemitismus distanziert hat, scheint eine ernsthafte Diskussion über den Umgang mit dem Reformator auch in Deutschland in Gang zu kommen. Umstritten ist dabei seine Rolle als Wegbereiter des Antisemitismus, der im Holocaust seinen hoffentlich letzten Höhepunkt gefunden hat.

Um die Frage zu untersuchen, inwiefern man Luther in den kommenden anderthalb Jahren bis zum Höhepunkt des Reformationsjubiläums überhaupt als Hauptperson feiern sollte, versuche ich das Thema zu strukturieren, weil in der Diskussion mehr oder weniger bewusst zwei Begriffe durcheinandergeworfen werden: Antisemitismus und Antijudaismus. Auf den ersten Blick scheidet der Begriff Antisemitismus für Luther aus, da dieser 1860 von dem Bibliographen Moritz Steinschneider erstmals verwendet wurde. Dabei wird er mit Judenfeindlichkeit gleichgesetzt, die faktisch auch dem zeitlich älteren Antijudaismus attestiert wird. Wikipedia schreibt dazu: „Schon der mittelalterliche und frühneuzeitliche Antijudaismus diskriminierte und verfolgte Juden als fremdartiges Volk, ließ ihnen aber mit der Konversion zum Christentum stets die Integration in die herrschende Kultur offen.“

Der Unterschied ist also zunächst, dass Antijudaismus Voraussetzung für Christen zu sein scheint, Juden missionieren zu wollen. Erst nach erfolgreicher Konversion sei dieser Christ zufrieden.

Antisemitismus hingegen ist rassistisch motiviert und lehnt ein Merkmal eines Juden ab, dass dieser nicht durch Konversion abschütteln kann: seine Abstammung von Semiten. Dabei sollte man fragen, ob die Ablehnung eines Menschen wegen seiner Religion oder seiner Herkunft wirklich unterschiedlich verwerflich ist. Schließlich ist bereits das Ansinnen des Missionierenden im höchsten Maße intolerant, weil er seinem Gegenüber vorhält, dessen Religionszugehörigkeit sei minderwertig oder falsch. Doch ist es nicht reiner Zufall, in welche Familie oder Kultur ein Kind geboren wird? Religion an sich – vor allem die monotheistische – enthält den Keim der Intoleranz, der eine wechselseitige Akzeptanz erschwert. Der Antijudaismus ist also zunächst nicht harmloser als der Antisemitismus, weil er sein Gegenüber nicht so anerkennt, wie dieses durch seine Geburt wurde.

Für mich ist also zunächst unerheblich, ob ein Mensch antisemitisch oder antijüdisch eingestellt ist. Anders verhielte es sich z.B. mit einer politischen Einstellung. Diese wird oft erst im jungen Erwachsenenalter als Überzeugung angenommen, so dass es durchaus Auseinandersetzungen zwischen politischen Kontrahenten geben darf, die um den besseren politischen Weg streiten. Bei der Missionierung geht es um andere Motive, da hier die Konkurrenten einander sehr ähnlich sind und gleichzeitig die Unterschiede als ewig gültig, nicht hinterfragbar und deshalb unüberbrückbar ansehen. Somit ist für mich die Religionszugehörigkeit mit dem Merkmal der Herkunft vergleichbar.

Neben vielen weiteren antijüdischen Bibelstellen kann hier sogar ein „Jesuswort“ zitiert werden: „Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.“ (Joh 8, 43). Die Urchristen haben also – weil selbst zum Teil als Juden geboren – eine extreme Abnabelung von der Mutterreligion vorgenommen: die Verdammung der eigenen Väter als Teufelskinder, Propheten- und Christusmörder.

Das erklärt den Grund, warum Luther zeitlebens nie ein Judenfreund war (auch wenn dies vonseiten der evangelischen Kirche gerne behauptet wird), sondern warum er sie anfangs – z.B. in seinem Buch „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523) – noch zu missionieren versuchte. Doch auch dort folgt auf sein freundlich klingendes „Deshalb mein Rat und meine Bitte, dass man pfleglich mit ihnen (den Juden, Anm.) umgehe und sie aus der Hl. Schrift unterrichte, dann werden auch etliche zu uns kommen“ ein unmissverständliches „… bis ich sehe, was ich bewirkt habe.“

Nachdem dies scheiterte (auch, weil Luther in seinem Leben kaum ein Dutzend Juden getroffen haben dürfte), gab er mindestens in seinem letzten Lebensdrittel die Judenmission auf und verdammte sie als „halsstarrige notorische Lügner“. Hier kommt oft eine Verteidigungsstrategie zum Tragen, mit der stets religiöse Verfehlungen relativiert werden sollen: der historische Kontext! Zu Luthers Zeit war das halt so. Doch andere seiner Zeitgenossen, wie der Nürnberger Theologe Andreas Osiander und der Pforzheimer Jurist und Hebraist Johannes Reuchlin, nahmen eine deutlich tolerantere Haltung zum Judentum ein – wobei sie als gute Christen nicht dessen Falschheit infrage stellten. Jedoch verteidigten sie das Existenzrecht der Juden und auch das Praktizieren ihrer Religion.

Von den Juden und ihren Lügen

Luther selbst schrieb eine Reihe judenfeindlicher Texte, deren bedeutsamster 1543 erschien: „Von den Juden und ihren Lügen“.

Dieses Buch wurde letztmalig 1936 – also mitten in der Nazi-Zeit – veröffentlicht und diente als reiche Quelle für nationalsozialistischen Judenhass. In diesem Buch begründete Luther mit den Mitteln der Theologie, warum die Juden ein gottloses Volk und letztlich nichts als Teufelskinder seien (siehe das „Jesuswort“ weiter oben), die von „Gott“ verdammt worden wären – wegen ihrer Halsstarrigkeit und ihrem notorischen Lügen.

Daher rät Luther seiner Obrigkeit und seinen Pfarrerkollegen die Umsetzung seines „Sieben-Punkte-Programms“, dessen Ziel die Ausrottung des Judentums mindestens in Deutschland war.
Dieses Programm erinnerte derart fatal an die systematische Judenverfolgung und versuchte „Endlösung der Judenfrage“ im Dritten Reich, dass hier klar wird, warum u.a. Hitler Luther einen „Riesen“ (1923) nannte und warum der evangelisch-lutherische Landesbischof aus Tübingen, Martin Sasse, 1938 schrieb:

Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. … In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, … der größte Antisemit seiner Zeit … , der Warner seines Volkes wider die Juden.

Dies stand im Vorwort eines Buches von Sasse, in dem er Teile aus „Von den Juden und ihren Lügen“ veröffentlichte.

Der Philosoph Karl Jaspers bemerkte hierzu später: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.“

Während des Nürnberger Prozesses gegen die NS-Kriegsverbrecher im Jahr 1946 verteidigte sich der Herausgeber des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ mit deutlichem Bezug auf Luthers Wirken:

Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir z.B. ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde.
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http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990

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[…]
Die Protestantische Kirche der Niederlande hat sich von antisemitischen Schriften Martin Luthers distanziert. – In einer in Utrecht veröffentlichten Erklärung heißt es, einige Äußerungen des Kirchenreformators über Juden seien widerwärtig und unzulässig. Luther hatte unter anderem dazu aufgerufen, Synagogen in Brand zu stecken, Juden zu enteignen und sie zu vertreiben. Die Kirche erklärte, Luthers Schriften hätten zu einem Klima beigetragen, das später den Holocaust ermöglicht habe. Jüdische Organisationen hatten die Protestanten im vergangenen Jahr zu einer Distanzierung aufgefordert.

[…]

Wie positioniert sich die EKD (evangelische Kirche in Deutschland) zur „Causa Luther“?

1939 wurde noch von 13 evangelischen Landeskirchen in Eisenach das „Entjudungsinstitut“ ins Leben gerufen. Dieses Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben erfuhr seine Einweihung an einem denkwürdigen Ort: auf Luthers Wartburg.

[…]
Die Neupositionierung der EKD zum Judentum begann sehr spät. Luthers judenfeindliche Schriften waren natürlich nicht unbekannt, wurden aber nicht herausgegeben oder nach außen hin sichtbar als Last des Protestantismus aufgearbeitet. 1982 veröffentlichte der Lutherische Weltbund zur Vorbereitung des Lutherjahres 1983 eine umfangreiche Arbeit. Im ersten Abschnitt steht:

Als Lutheraner haben wir ein besonderes Problem: Im kommenden Jahr begehen wir den 500. Geburtstag Martin Luthers. Er machte in seinen letzten Lebensjahren gewisse bissige Äußerungen über die Juden, die von den lutherischen Kirchen heute durchweg abgelehnt werden. Wir bedauern die Art und Weise, in der Luthers Aussagen dazu gebraucht worden sind, den Antisemitismus zu fördern.

„Gewisse bissige Äußerungen über die Juden“? Diese werden zwar abgelehnt, aber bedauert wird letztlich nur der Gebrauch dieser Äußerungen, um „den Antisemitismus zu fördern“.

[…]
Hier zur Illustration einige wenige der „gewissen bissigen Äußerungen“, der „beschämenden Aussagen“ aus der Alibri-Ausgabe (Aschaffenburg, 2016):

„Sie sind nun mal das boshafte, halsstarrige Volk … die großspurigen, hochmütigen Schurken, die nichts anderes können, als mit ihrer Abstammung und mit ihrem Blut zu prahlen … sie sind die wahren Lügner und Bluthunde“ (S. 49)
    „Kein blutrünstigeres und rachsüchtigeres Volk hat die Sonne je beschienen, als diejenigen, die überzeugt sind, Gottes Volk zu sein …“ (S. 49 f.)
    „Ihr seid es doch nicht wert, dass ihr die Bibel von außen ansehen, geschweige denn drin lesen dürft. Ihr solltet nur die Bibel lesen, die unter dem Schwanz der Sau steht und ihr sollt die Buchstaben, die darunter herausfallen, fressen und saufen.“ (S. 149)
    „Lasst uns also diese edlen und beschissenen (beschnittenen wollte ich sagen) heiligen und weisen Propheten anhören, die uns Christen zu Juden machen wollen.“ (S. 149 f.)
    „Darum, wenn du einen richtigen Juden siehst, kannst du mit gutem Gewissen ein Kreuz schlagen und frei und sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel.“ (S. 151)
    „Und dieser trübe Bodensatz, dieser stinkende Abschaum, dieser eingetrocknete Bodensatz, dieser verschimmelte Sauerteig und sumpfige Morast von Judentum sollten mit ihrer Reue und Gerechtigkeit das ganze Weltreich, also die Erfüllung des Messias und der Prophezeiungen verdient haben, obwohl sie doch keine der oben aufgezählten Bedingungen erfüllen und nichts sind als ein fauler, stinkender, verrotteter Bodensatz vom Blut ihrer Väter?“ (S. 201)

Zum folgenden „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers sagte der Philosoph Karl Japsers: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“.

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Auszug aus dem „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers:

„Erstens, dass man ihre Synagogen oder Schulen anzünde und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und überschütte, sodass kein Mensch für alle Zeiten weder Stein noch Schlacke davon sehe.“ (S. 247)
    „Zweitens sollte man auch ihre Häuser abbrechen und zerstören, denn sie treiben darin genau das gleiche, wie in ihren Synagogen. Stattdessen mag man sie etwa unter ein Dach oder in einen Stall tun, wie die Zigeuner.“ (S. 249)
    „Zum dritten, möge man ihnen alle ihre Gebetbüchlein und Talmude nehmen, in denen solcher Götzendienst, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.“ (S. 249)
    „Zum vierten, soll man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbieten, weiterhin zu lehren.“ (S. 249)
    „Zum fünften, soll man den Juden das freie Geleit auf den Straßen ganz und gar verwehren und verbieten. Denn sie haben nichts im Land zu suchen. Sie sollen daheimbleiben.“ (S. 251)
    „Zum sechsten soll man ihnen das Wuchern verbieten, das ihnen schon durch Mose verboten wurde. Da sie nicht in ihrem eigenen Land sind, können sie nicht Herren über ein fremdes Land sein. Und man nehme ihnen alle Barschaft und Wertsachen wie Silber und Gold und lege es zur Verwahrung beiseite.“ (S. 251)
    „Siebtens soll man den jungen und starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Hacke, Spaten, Spinnrocken und Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiß ihres Angesichts, wie es Adams Kindern auferlegt ist.“ (S. 245)

Das alles klingt nicht sehr theologisch (was auf Antijudaismus verweisen würde), sondern eindeutig rassistisch (was auf Antisemitismus verweist).

Da dies sicher Insidern der EKD bekannt ist, begann es seit Hubers Rede in der EKD zu brodeln. Mehr und mehr Beiträge erschienen in der Öffentlichkeit, die Luthers Person fragwürdig sahen. So verlagerte man den Schwerpunkt der Luther-Jubeljahre nach und nach auf das Reformationsjubiläum – obwohl das Jahrzehnt nach wie vor „Lutherdekade“ und das Jahr 2017 nach wie vor „Luther-Jahr“ heißt. Überall prangt das Konterfei des Reformators von Plakaten, Broschüren und Sondermarken. Er hat halt einen Namen, den man gut vermarkten kann. Einen Namen allerdings, der untrennbar mit äußerst hässlichen Schriften verbunden ist, die erst nach und nach in der Öffentlichkeit bekannt werden. So fällt ein schlechtes Licht auf die bevorstehenden Jubelfeiern, die mit insgesamt ca. 150 Mio. Euro recht gut dotiert sind, davon über 100 Mio. Euro aus dem allgemeinen Steueraufkommen (Bund und Land Sachsen).

http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990/seite/0/1

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Gruß Hubert

 

Der Antisemitismus ist im Stuttgarter Landtag angekommen   Leave a comment

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Wenn der Stuttgarter Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon von Diktatur der Minderheiten im Zusammenhang mit bekannten Neo-Nazis wie Horst Mahler, Ernst Zündel und David Irving, von Diktatur der Minderheiten redet, weiß man wo er politisch steht. Erschreckend ist das politische Klima, das in Deutschland aktuell herrscht. Vor zehn Jahren hätte man so ein Klima nicht vorstellen können. Erschreckend ist auch die Nazi-Rhetorik die einzelne AfD-Politiker gebrauchen (Höcke, Poggenburg…)

Rechte nehmen gerne für sich in Anspruch für das Volk zu reden, genau zu wissen was das Volk will. Sie sind aber nur ein Teil des Volkes und haben keine Legitimation für alle zu reden. Woher wollen sie auch wissen was das Volk will? Der Ruf „Wir sind das Volk“ ist eine leere Floskel in diesem Kontext.

Hier ein Artikel aus dem Handelsblatt, das meines Wissens nicht als links eingeordnet ist.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat sich besorgt gezeigt über rechte Umtriebe in der Alternative für Deutschland (AfD). Sie nahm dabei Bezug auf den Stuttgarter -Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Der pensionierte Arzt bezeichnet in seinem Buch „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“ Neo-Nazis wie Horst Mahler, Ernst Zündel und David Irving als „Dissidenten“ und den Holocaust als „Zivilreligion des Westens“.

Knobloch sagte dazu dem Handelsblatt: „Die antisemitischen Abgründe des Wolfgang Gedeon belegen, dass die infolge ihrer Radikalisierung ein Hort für Geschichtsrevisionisten und völkisch-nationalistisch gesinnte Rechtsextreme ist. Es ist erschreckend, welche Typen und Thesen mit dieser Partei ein Forum erhalten, Aufmerksamkeit bekommen – und Zuspruch.“

AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen kündigte an, die Vorwürfe „sorgfältig“ prüfen zu wollen. Beim Antisemitismus verfolge seine Partei eine Null-Toleranz-Politik, sagte Meuthen, der zugleich Co-Vorsitzender der Bundes-AfD ist, der „Bild“-Zeitung.

Gedeon verteidigte seinen Standpunkt. „Ich verurteile es generell, wenn Menschen, ob in China oder in Deutschland, wegen Äußerungen von Meinungen – seien diese richtig oder falsch oder auch provozierend – jahrelang ins Gefängnis gesperrt werden. Das ist Gesinnungsjustiz“, sagte der AfD-Abgeordnete der „Bild“-Zeitung.

„Systemrelevante Gefahr für unser Land“

Dieter Graumann, ehemaliger Präsident des Zentralrates der Juden, kritisierte die Aussagen Gedeons scharf: „Da gibt es nichts zu deuteln oder zu interpretieren: Das ist Antisemitismus pur! Der Judenhass ist also mitten im Stuttgarter Landtag angekommen. Wie traurig“, sagte Graumann der Zeitung.

Seine Vorgängerin als Präsidentin des Zentralrats, Knobloch, erwartet nun eine Reaktion von den etablierten Parteien. „Viel Zeit bleibt den demokratischen Kräften nicht mehr, um eine parteiübergreifende Strategie gegen diese verheerenden Tendenzen zu entwickeln.“ Sie befürchtet, dass eine rechtsradikale Gesinnung wieder salonfähig werden könnte.

Knobloch sieht in dem „rasanten Erstarken dieser geschlossenen Weltbilder“ auch in Deutschland eine große Gefahr – „nicht nur für Juden“, wie sie sagte, „sondern für die Demokratie und unsere freiheitlichen Werte an sich“. „Das Einnisten der rechtsextremen Populisten und Neonazis in immer mehr Parlamenten und in den Köpfen der Menschen ist eine systemrelevante Gefahr für unser Land.“

KONTEXT

AfD-Programm: Das fordert die Partei

Mindestlohn

Die AfD ist für den gesetzlichen Mindestlohn. Damit liegt sie auf einer Linie mit SPD, Grünen, der Linkspartei und Teilen der Union.

Erbschaftssteuer

Geht es nach der AfD soll die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Dafür setzt sich aktuell auch die FDP ein.

Bundespräsident

Die AfD möchte, dass der Bundespräsident künftig direkt vom Volk gewählt wird. Dieser Vorschlag kam 2009 auch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Zustimmung erhielt er dafür nur aus der FDP.

Volksentscheid

Die AfD will mehr direkte Demokratie durch Volksentscheide. Auch die SPD, die Linke und die Grünen wollen, dass die Hürden für Volksentscheide abgesenkt werden. Ihre Vorschläge gehen aber nicht so weit wie die Ideen der AfD.

Familie

Die traditionelle Familie gilt der AfD als Keimzelle der Gesellschaft. Das Loblied auf die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie taucht in dieser Form auch im Parteiprogramm der CSU auf.

Freihandelsabkommen

Die AfD lehnt die Freihandelskommen TTIP und CETA ab. Auch die Linke und die Grünen sind dagegen.

KONTEXT

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung – es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist „¦ schön „¦ deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Der Antisemitismus ist im Stuttgarter Landtag angekommen

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Gruß Hubert

 

„Ein Staat, auf Angst gebaut“   Leave a comment

Das hat was an sich: „Könnte es nicht sein, dass die Angst vor dem Frieden auch daher rührt, dass die Israelis nur zu genau wissen, dass die Gründung des Staates Israel Unrecht war? Vielleicht rührt die Angst doch auch daher, dass man fürchtet, dafür einmal bezahlen zu müssen.“

Hier ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau (die es ja nicht mehr lange geben soll).

Auszug.
Israel entfernt sich immer weiter vom Frieden, findet der Historiker Moshe Zimmermann. Sein jüngstes Buch handelt von der Angst. Der Angst der israelischen Gesellschaft. Von Arno Widmann

Mosche Zimmermann: Die Angst vor dem Frieden. Das israelische Dilemma. (Buchempfehlung)
Im Jahr 2009 waren 75 Prozent der jüdischen Israelis rechts, davon mehr als 50 Prozent rechts von Mitte-Rechts. Eine düstere Lage für einen Linken wie Moshe Zimmermann, Professor für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Eine Situation, die einem Angst machen kann.

Von der Angst handelt Zimmermanns jüngstes Buch. Aber nicht von der, die er möglicherweise – isoliert wie er ist – empfindet, sondern von der der überwältigenden Mehrheit der israelischen Gesellschaft. Es ist, so der Buchtitel, „Die Angst vor dem Frieden“. Die Annahme, dass die ganze Welt Juden und Israel gegenüber feindlich gesinnt sei, ist, so Zimmermann, das Fundament des israelischen Politikverständnisses. Die jüdische Geschichte, das sind mehr als zweitausend Jahre Verfolgung, gipfelnd im Versuch der völligen Vernichtung des europäischen Judentums. Erez Israel ist die rettende Insel, auf der dieses gehetzte Volk Rettung gefunden hat. Eine von allen Seiten bedrohte Festung.

Zimmermann sieht die Lage ganz anders. Er erinnert an Attentate wie zum Beispiel das gegen das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires und schreibt: „Israel, das als Garant gegen die Verfolgung von Juden gedacht war, wurde im Laufe der Zeit zu einem Risikofaktor für Juden außerhalb Israels.“ Außerdem funktioniert die Idee der Festung nicht. Nirgends ist jüdisches Leben so bedroht wie in Israel.

Es ist diese Tatsache, die die Angst nährt. Zimmermann sieht nur den Ausweg, sich über die Angst hinwegzusetzen. Die israelische Gesellschaft kann die Angst freilich nicht abschütteln. Sie muss angstvoll kleine Schritte zugehen auf ihre Verfolger. Sie muss die Erfahrung machen, dass es nicht schlimmer wird, wenn man ungeschützt miteinander redet. Es geht dabei nicht darum – so gut das wäre -, sich sofort daran zu machen, die Palästinenser beim Aufbau eines eigenen Staates zu unterstützen. Man muss viel früher anfangen. Zum Beispiel in Yad Vashem. Es ist nicht zu begreifen, dass dort die Geschichte des Holocaust nur auf Hebräisch und Englisch erklärt wird. Warum gibt es keine arabischen Erläuterungen? Israels arabische Bürger werden von der Vorgeschichte des Staates, in dem sie leben, ausgeschlossen. Demonstrativ.

Auch von prestigeträchtigen Jobs werden Palästinenser ausgeschlossen. Ergebnis: Die Arbeitslosigkeit arabischer israelischer Akademiker ist fünfmal so groß wie die ihrer jüdischen Kommilitonen. Im Februar 2010 sprach sich die Hälfte der jüdischen Jugendlichen unter 20 Jahren gegen die Gleichberechtigung arabischer Israelis aus. 56 Prozent gar waren gegen arabische Abgeordnete in der Knesset. Solange eine Mehrheit in Israel glaubt, man sei nur dann eine Demokratie, wenn man 20 Prozent der Bevölkerung von den Entscheidungsprozessen ausschließt, solange wird es keinen Friedensprozess geben.

Die israelischen Regierungen der letzten Jahre, das zeigt Zimmermann überzeugend, haben sich immer beharrlicher dem Frieden in den Weg gestellt. Von einer Anerkennung der Lage der Palästinenser ist Israel heute weiter entfernt denn je. Die Angst vor dem Frieden ist größer geworden. Friede ist in den Augen der israelischen Politik nur denkbar als Diktat des Mächtigen, nicht als Ergebnis eines Kompromisses.

Zentrale Bedeutung haben in Zimmermanns Buch die Kapitel, die sich mit der Herausbildung der neuen staatstragenden Ideologie Israels beschäftigen. Der Zionismus, der Israel begründete und prägte, wurde in den vergangenen Jahrzehnten Schritt für Schritt abgelöst von einem neuen Selbstverständnis. In dessen Zentrum steht das Jüdische im religiös-orthodoxen Sinne. Die religiöse Interpretation des Judentums hat sich den Staat Israel, der doch das Produkt einer politischen Definition des Judentums war, unter den Nagel gerissen und diktiert jetzt, was Juden zu tun und zu lassen haben. Das ist, so Zimmermann, der wahre Postzionismus. Eine für Juden und Nicht-Juden bedrohliche Entwicklung.

Bei Umfragen sprachen sich 84 Prozent der Ultraorthoxen Israels für einen jüdischen Staat und nur 9 Prozent für ein demokratisches Israel aus. Insgesamt war noch 45 Prozent der Gesamtbevölkerung ein demokratischer Staat wichtiger als ein jüdischer. 26 Prozent votierten eher für einen jüdischen als für einen demokratischen Staat. Die Bevölkerung räumt dem Religiösen also nicht die dominante Rolle ein, die es in der Politik spielt. Für Zimmermann ein Zeichen der Hoffnung.

Moshe Zimmermann zeigt nur, wer und was in Israel den Friedensprozess behindert, und weist selbst auf diese zentrale Schwäche des Buches hin. Eine andere Lücke verschweigt er. Könnte es nicht sein, dass die Angst vor dem Frieden auch daher rührt, dass die Israelis nur zu genau wissen, dass die Gründung des Staates Israel Unrecht war? Vielleicht rührt die Angst doch auch daher, dass man fürchtet, dafür einmal bezahlen zu müssen.
Von Arno Widmann

Ein Staat auf Angst gebaut

Gruß Hubert

Veröffentlicht 28. November 2012 von hubert wenzl in Politik

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