Archiv für das Schlagwort ‘ausgeliefert sein

Wie entsteht Hass   Leave a comment

.

Ich wollte den Ursachen warum Hass entsteht von psychologischer Seite aus ein wenig auf den Grund gehen. Ein zentrales Element bei der Entstehung von Hass ist das Gefühl des Ausgeliefertseins.

Bei seele-und-gesundheit.de wird folgendes darüber gesagt.

Auszug.

1. Begriffsbestimmung

Etymologisch wird Hass auf die indogermanische Wurzel kados = Leid, Groll zurückgeführt. Mit Hass verwandt sind die Begriffe hetzen und häss­lich.

Hass hat immer mit Leid zu tun; sowohl bei dem, der Hass empfindet als auch bei dem, der ihm zum Opfer fällt. Ähnliches gilt für die Hatz. Es mag sein, dass die Hatz, für den der hetzt, ein oberflächliches Vergnügen ist, tatsächlich ist solch ein Vergnügen aber nur ein bitterer Trost für tiefer verankertes Leid. Wer zufrieden ist, hetzt nicht: weder einen anderen noch sich selbst.

Kleiner Bruder
Wut ist der kleine Bruder des Hasses. Während Hass die endgültige Vernichtung bedrohlicher Kräfte verlangt, begnügt sich Wut damit, das Bedrohliche in seine Schranken zu verweisen. Während Wut im Affekt gelegentlich Totschlag begeht, begeht Hass systematische Morde.

Hässlich wird heute meist als rein ästhetischer Gegensatz zu schön begriffen. Bezieht es sich auf das Verhalten, das man einer anderen Person angedeihen lässt, ist der ursprüngliche Sinngehalt der Gehässig- und Feindseligkeit noch spürbar.

  • Pauls Verhalten gegenüber Lina war hässlich.

2. Entstehungsbedingungen

Hass entsteht aus einem Wechselspiel existenzieller, psycho­logischer und sozialer Bedingungen. Dabei kann je nach Lage der Dinge mehr der eine oder der andere Faktor im Vordergrund stehen.

2.1. Existenzielle Grundlagen

Die existenzielle Grundlage des Hasses ist das Ausgeliefert­sein des Menschen und seine Fähigkeit, das Ausgeliefert­sein zu erkennen. Der Mensch lebt grundsätzlich im Bewusstsein der Verletzbarkeit und des potenziellen Untergangs. Da Wohlbefinden nur schwerlich zu erreichen ist, wenn man sich einer Bedrohung ausgesetzt sieht, hat die menschliche Psyche eine Vielzahl von Mechanismen entwickelt, um faktische Bedrohung entweder abzuwenden oder um das Wissen um die Bedrohung aus dem Bewusstsein herauszuhalten.

Wird eine Bedrohung, die man nicht beseitigen kann, als geringfügig erlebt, genügt es meist, das Wissen darum zu verdrängen.

  • Simon weiß, dass Menschen sterben. Da er aber erst zwanzig ist, geht er davon aus, dass das Thema nur alte Leute betrifft.
  • Fiona weiß, dass eine Frau nachts auf der Straße nicht absolut sicher sein kann. Unterwegs zur Disko denkt sie stattdessen aber an Simon, den sie dort zu treffen hofft.

Wird Bedrohung als massive Gefahr erlebt, entwickelt sich oftmals Hass. Er dient dazu, maximale Kräfte freizusetzen, um das bedrohliche Ausgeliefertsein aktiv abzuwehren.

Hass wird von der Psychologie zwar nicht als Abwehrmecha­nismus definiert, er hat innerseelisch aber eine analoge Funktion. Wird Hass nach außen gewandt um das als bedrohlich Empfundene anzugreifen, schwächt er regelhaft Ängste ab, die der Wucht der hasserfüllten Aggression im Wege stehen. Wer hasst, ignoriert Gefahren für sich selbst… und begeht, wenn es denn sein muss, ein Selbstmordattentat.

Aber auch dann, wenn Hass nicht ausagiert wird, wehrt er ab; allerdings nicht die Angst, dass man bei einem Angriff selbst Schaden nehmen könnte, sondern die gefürchtete Erfahrung, dass man tatsächlich ausgeliefert ist.

Da der Mensch sich vom Mitmenschen wünscht, dass er ihn vor dem Ausgesetztsein schützt, reagiert er mit Hass, wenn ihn der Mitmensch stattdessen seinem Eigennutz aussetzt.
2.1.1. Formen des Ausgesetztseins

Das Individuum kann in verschiedener Art ausgesetzt sein. Zu unter­scheiden ist physisches Ausgesetztsein von sozialem und begrenzendes von vereinnahmendem. Während sich beim sozialen Ausgesetzt­sein die begrenzende von der vereinnahmenden Variante deutlich unter­scheiden lässt, fallen beide Aspekte beim physischen Ausgesetztsein eher zusammen.

  1. Physisch
    Durch den leiblichen Aspekt der Person ist man physikalischen Gegebenheiten ausgesetzt.

    Beim Einpflanzen des Stachelbeerbuschs stieß Werner auf dicke Steine unter der dünnen Krume. Er war gezwungen, sich den Gegebenheiten des Geländes anzupassen.

  2. Sozial
    Sobald man in Gemeinschaften lebt, wird man von anderen vereinnahmt oder zurückgewiesen.

    • Begrenzend
      Bei der Durchsetzung sozialer Ansprüche ist man dem Widerstand anderer ausgesetzt. Der Andere erfüllt meine Forderung nicht.

      Als Lars mit Sonja ins Bett gehen wollte, erteilte sie ihm eine Abfuhr.

    • Vereinnahmend
      Im Zusammenleben ist man dem Zugriff anderer ausgesetzt. Der Andere will unmittelbar über mich bestimmen.

      Unter Androhung von Strafe wurde Katja gezwungen, ihren Teller leer zu essen.

Sowohl Werner als auch Lars und Katja können auf die verschiedenen Formen ihres Ausgesetztseins mit heftiger Aggression reagieren. Ob sie es tun oder nicht, hängt vor allem von ihrem Selbstbild ab.

2.1.2. Psychologischer Grundkonflikt

Der Vereinnahmung durch andere ausgesetzt zu sein, hätte kaum psychologische Folgen, wäre die Emotionalität des Menschen nicht aufs engste mit dem Psychologischen Grundkonflikt verwoben. Gewiss: Man kann sich vereinnahmen lassen, um dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu dienen, je mehr man es aber tut, desto größer wird der Druck von dessen dialektischem Gegenpol: dem Bedürfnis nach Selbst­bestimmung. Das führt dazu, dass der Mensch nicht in der Lage ist, den Zugriff anderer auf sich selbst zu dulden ohne dass….

  • es dafür triftige Gründe gibt, die auch in seinem Interesse liegen…
  • oder
  • entsprechende Abwehrmechanismen das durch die Vereinnahmung gestörte seelische Gleichgewicht in Schach halten.
2.2. Psychosoziale Faktoren

Ausgesetzt zu sein, ist nicht nur ein existenzielles Problem. Es ist auch ein psycho-soziales. Den Menschen treffen nicht nur Hagelschlag, Hungersnot und Vogelgrippe, er ist auch dem Widerstand und den Machenschaften seiner Zeitgenossen ausgesetzt. Übler als den Kräften der Natur sind wir oftmals solchen ausgeliefert, die der Mitmensch sich erdreistet, auf uns anzuwenden; oder der Blindheit unserer eigenen Person, mit der wir selbst über andere bestimmen wollen.

Der Zündfunke des Hasses stammt überwiegend aus dem Zusammenleben von Men­schen miteinander. Das hat drei Gründe:

  1. Die Grundstruktur der menschlichen Psyche ist auf Familie, Freundeskreis und Sippe ausgerichtet. Die ursprüngliche Funktion solcher Gemeinschaften liegt in der Abwehr existenzieller Bedrohungen. Gerade das Kind erwartet von den anderen keine Bedrohung, sondern liebenden Schutz; ohne den es gar nicht existieren könnte. Wird Schutz aber mit Bedrohung vermengt, provoziert das emotionale Widersprüche, die erst recht als bedrohlich empfunden werden. Resultat kann Hass sein, der all diese Bedrohungen aus der Welt schaffen will.

  2. Längst hat sich der Schwerpunkt des menschlichen Lebens weg von der Auseinandersetzung mit der blanken Natur und hin zur Einbindung in komplexe soziale Strukturen verschoben. Je mehr man mit anderen Menschen zu tun hat, desto größer wird die Gefahr, dass man von ihnen übergangen wird.

  3. Die Angst, anderen ausgesetzt zu sein, treibt Menschen milliardenfach dazu, zum Präventivschlag auszuholen. Nur wenige sind durchgehend in der Lage, sich und andere so zu belassen, wie sie sind. Öfter kommt es vor, dass man andere dem eigenen Vorteilsstreben aussetzt.

    Erziehung

    Von großer Bedeutung für das Ausmaß späterer Hassbereit­schaft ist die Erziehung. Gerade traditionelle Weltanschau­ungen betonen die Notwendig­keit, die Spontaneität kindlicher Entwicklungen programmatisch zu behindern und stattdessen vorgegebene Verhaltens- und Identifikationsziele durchzu­setzen.

    Nicht dass Erwachsene kindlichen Impulsen wahllos zuschauen könnten: Es macht aber einen Unterschied, ob elterliche Eingriffe unmittelbar schützend sind, oder ob sie kollektiven Anpassungszielen dienen. Ist das Anpassungsziel nicht individuell, sondern kollektiv normierend, liegt stets latenter Missbrauch vor.

    Je bezwingender die Subjektivität des Individuums normierenden Übergriffen ausgesetzt wird, desto mehr Hassbereitschaft wird dadurch herangezüchtet. Im Regelfall wird ein normiertes Kind sein Ausgeliefertsein nicht bewusst durchleben. Im Regelfall wird es sich auch nicht dazu entscheiden, seine reaktive Aggression nach außen auszuleben; denn allzu groß ist die Abhängigkeit von genau denen, die es ihrem Erziehungseifer aussetzen. Im Regelfall wird der Erzogene seine Wut verdrängen; bis Umstände die gesammelte Aggression an passender Stelle aus der Verdrängung entlassen.

    Mechanismen, die für weltanschauliche Anpassungsforderungen gelten, gelten auch für Kinderstuben, in denen jenseits aller Weltanschauung der Egoismus elterlicher Willkür herrscht. Auch dort sind Kinder ausgeliefert. Auch dort sammelt sich Aggression, die solange in der Verdrängung schlafen kann, bis ein Knall sie weckt.

    2.3. Soziale Strukturen

    Politik und Gesellschaftsstruktur dienen dazu, sich gegen das Ausgesetztsein zu schützen….

    • … entweder defensiv, indem sie vor dem Zugriff durch andere schützen.
    • … oder offensiv, indem sie andere für den eigenen Vorteil vereinnahmen.

    In jeder sozialen Struktur vermengen sich die gegensätzlichen Pole, die das Ausgesetztsein umspannen. Durch jede gesellschaftliche Struktur bieten Menschen einander Schutz davor… und setzen sich zeitgleich neuem Ausgeliefertsein aus. Die Balance entscheidet darüber maßgeblich mit, ob das gesellschaftliche Klima friedlich ist, oder von unterschwelliger oder offener Hassbereitschaft durchsetzt.

    Einmischungen

    Sobald man beim Zappen vorm TV in eine Nachrichtensendung gerät, hört man vom Hass, der über die Außengrenzen der Kulturkreise schwappt. Besonders Kulturkreise, die von ihrer Alleingültigkeit überzeugt sind, sind als Produzenten des Hasses erkennbar. Dazu gehören Kulturen, die sich in der Eitelkeit gefallen, Gott persönlich habe sie zur Dominanz bestimmt, aber auch die repräsentative Demo­kratie, die sich bar jeder Selbstkritik als vermeintliche Endfassung menschlichen Zusammenlebens in alle Welt zu exportieren trachtet.

    Eine Menge des Hasses, der dem Westen aus dem Islam entgegenschlägt, wird nicht nur durch den Widersinn islamischer Lehren befeuert, sondern ebenso durch den Hochmut eines technologisch überlegenen Westens, der sich unter dem Deckmantel des Demokratieexports mit Bestechung, Erpressung, Intrigen und Waffengewalt in quasi jedes islamische Land einmischt, dessen er habhaft werden kann.

    Statt das kümmerliche Maß an Volksherrschaft, das er bislang verwirklicht hat, im Dienste wirtschaftlicher Interessen missionarisch zu verbreiten, wäre es besser, der Westen machte sich auf den Weg, seine Parteien- und Lobbyistenherrschaft in echte Demokratie zu verwandeln.

    Konkret lassen sich bestimmte gesellschaftliche Strukturen benennen, die Hassgefühle fördern:

    • Offene Fremdbestimmung durch hierarchische Strukturen; z.B. diktatorische Systeme.
    • Verdeckte Bevormundung durch Überregulation und Bürokratie; z.B. repräsentative Demokratie.
    • Ausbeuterische Wirtschaftsstrukturen
    • Konfessionell beherrschte Kulturen mit überwertiger Tradition.
    • Aufeinandertreffen verschiedener Kulturkreise, besonders dann, wenn mindestens einer davon ein elitäres Selbstverständnis pflegt.

    Besonders der Versuch, Kulturkreise zu vermischen, von denen sich mindestens einer durch die Festlegung auf eine bestimmte weltanschauliche Tradition definiert, birgt ein hohes Risiko, gesellschaftliche Gruppen in wechselseitigen Hass zu führen. Auch hier liegt die Ursache in drohendem Ausgeliefertsein. Gruppen, die ihre eigene Kultur für unaustauschbar halten und der Kultur aller anderen Gruppen grundsätzlich überlegen, sind für das Selbstbestimmungsrecht der anderen eine faktische Bedrohung; vor allem dann…

    • wenn dem elitären Gruppengeist ein politisch expansiver Auftrag innewohnt
    • und
    • wenn das Problem politisch korrekt verharmlost und totgeschwiegen wird.

    Hier weiterlesen:

.

Wie entsteht Hass

.

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 4. August 2016 von hubert wenzl in Psychiatrie, Psychologie, Uncategorized

Getaggt mit ,