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Journalismus mit fragwürdigem IQ   Leave a comment

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Journalisten wie Watzke glauben Deutsche seien zivilisierter und technisierter als alle anderen, dem Rest der Welt einfach grandios überlegen. Da muss man nicht lange nachdenken, es genügt ein Blick nach Berlin zum Fluchhafen BER, der weit über dem geplanten Termin und mit weit höheren Kosten als geplant irgendwann fertig werden soll.

Und schon wieder geht es um den Deutschlandfunk. Wie vor kurzem als Sabrina Fritz das Hohe Lied der USA sang.

https://hubwen.wordpress.com/2015/08/05/die-amerikanischen-wohltaeter-und-deren-kriege/

Journalismus mit dem IQ einer obenliegenden Nockenwelle

Vor einigen Tagen postete ein Freund, den ich aus Moskau kenne, ein Bild auf Facebook, das ihn am Bahnhof in Sankt Petersburg vor zwei Hochgeschwindigkeitszügen zeigte. Er war gerade angereist und hatte vor, sich ein paar Tage die Stadt anzuschauen.
Ich war ein bisschen überrascht, denn aus irgendeinem Grund hatte ich in Erinnerung, Moskau sei mit Sankt Petersburg verkehrstechnisch nur sehr schlecht angebunden. Ich grub in meinem Gedächtnis, nutzte Kontakte und das Internet, schließlich fand ich den Ursprung des Gedankens.

11207294_1175834762431841_1451272674899348974_nEin unsäglich dummer Kommentar von einem sogenannten Landeskorrespondenten des Deutschlandfunks mit Namen Michael Watzke, hat dieses Vorurteil in meinen Kopf gepflanzt. Den Kommentar im Stil einer Hasspredigt hatte er anlässlich des Besuches des russischen Motorradclubs “Nachtwölfe” abgesondert, der zum siebzigsten Jahrestages der Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee in Berlin das Sowjetische Ehrenmal besuchen wollte.
In seinem als Kommentar getarnten Erguss der deutschen Überheblichkeit, die sich mit Dummheit paart, schreibt Watzke:

Haltet die Nachtwölfe nicht auf, sondern macht ihnen den Weg frei. Immerhin können sie von München nach Berlin auf der Autobahn fahren. Die Russen haben es in 70 Jahren nicht geschafft, eine Autobahn von Moskau nach St. Petersburg zu bauen.  Vielleicht also lernen die Nachtwölfe noch was auf ihrem Weg von Moskau nach Berlin und zurück. Vielleicht nehmen sie ein bisschen Zivilisation mit. Zugegeben: ein sehr optimistischer Gedanke.

Vom Fehlen einer Autobahn, die es in der deutschen Bedeutung des Wortes tatsächlich erst in den Anfängen gibt, verschob sich angesichts des Tones des Kommentars unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle etwas in Richtung von völlig fehlender Infrastruktur. So funktioniert Propaganda, deren Opfer ich hier wurde.

Und um dem Irrsinn noch eins draufzusetzen: In Deutschland darf man für die Propaganda in Form der GEZ-Gebühr nicht nur selbst bezahlen, man darf als Beitragszahler darüber nicht mal verfügen, denn die öffentlich-rechlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, ihre kommentierende Beiträge nach sieben Tagen zu löschen. Ein unglaublicher Zustand.
Zum Glück gab es auf der Seite der Ständigen Publikumskonferenz der öffentlich rechtlichen Medien noch eine Version des unsäglichen Kommentars, der hier nachgelesen werden kann.

Doch nun ein bisschen zu den Fakten: Russland ist ein Land der Bahn. Seit 1851 besteht eine Zugverbindung von Moskau nach Sankt Petersburg. Diese Zugverbindung ist historisch. Bereits seit 1931 gibt es auf dieser Strecke einen Schnellzug mit dem Namen “Roter Pfeil”, die Züge wurden mit der Zeit immer schneller und die Taktung dichter.
Ein wirkliches Autobahnnetz ist tatsächlich nicht vorhanden, dafür aber ein umso engeres und bestens ausgebautes Bahnnetz.
Ob man als deutscher Journalist nun gerade den Autobahnbau zum Maßstab zivilisatorischer Entwicklung machen sollte, halte ich angesichts der deutschen Geschichte gerade des deutschen Autobahnbaus nicht für höchst fragwürdig, sondern für total hirnlos.

Doch noch einmal zurück zum Bild, auf dem mein Freund vor zwei Hochgeschwindigkeitszügen zu sehen ist. Den meisten dürften diese Züge irgendwie bekannt vorkommen. Es handelt sich um die auch in Deutschland eingesetzten Züge der Firma Siemens, die hier unter dem Namen ICE, dort unter dem Namen Sapsan die Metropolen miteinander verbinden.
Die deutsch-russische Kooperation lief für eine Weile ganz gut. Russland stellte für den Kauf der deutschen Züge sogar die Produktion eigener Hochgeschwindigkeitszüge zurück. Das könnte sich allerdings nun als Fehler erweisen, denn Siemens ist von den nicht so wohldurchdachten Sanktionen der Bundesregierung betroffen.

Dumm für Siemens, aber vermutlich nicht für Russland, schließlich stellt China inzwischen auch ganz flotte Züge her und Russland selbst ist das Land, das derzeit die bemannte US-amerikanische Weltraumfahrt überhaupt erst möglich macht, wie die NASA ausführt. Ein solches Land bekommt auch eigene Züge gebaut, zumal das Projekt eines eigenen Hochgeschwindigkeitszuges schon weit fortgeschritten ist.

Von einem Journalisten mit dem Intelligenzquotienten einer obenliegenden Nockenwelle kann man die Lieferung solch komplexer Informationen selbstverständlich nicht erwarten auch wenn er von uns allen bezahlt wird. In Deutschland herrscht Fachkräftemangel all überall.
Informationen muss man sich im Elendsviertel des Journalismus, in Deutschland also, selbst besorgen. Dafür darf man sich zudem noch kontinuierlich darum bemühen, sich die Propaganda aus dem Kopf zu pulen, die einem hierzulande mit jeder Minute ins Hirn gepflanzt wird.
Schließlich ist ein kuschliger Wohlfühlfaktor doch die Hauptsache. Dieses kuschelige Wohlgefühl stellen Journalisten wie Watzke her, die uns glauben machen wollen, wir seien zivilisierter und technisierter als alle anderen, dem Rest der Welt einfach grandios überlegen. Dass dem in gefährlicher Weise nicht so ist, ist nur dem klar, der einen Umweg um den Mainstream macht und sich beständig selbst aufklärt.

Journalismus mit fragwürdigem IQ

Gruß Hubert