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Familienstellen nach Hellinger – ein destruktiver Kult?   Leave a comment

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Es ist kaum zu glauben wie auch Fachleute, als Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, die abstruse Lehre des Familienaufstellens nach Bert Hellinger als gut empfinden.

Damit einem die Theorien des ex-Missionars (als solcher war er in Südafrika tätig) Bert Hellinger gefallen können, muss man schon pfäffisch und autoritär-obrigkeitsgläubig angehaucht sein. Nebenbei muss man noch ein frauenfeindlich und patriarchalisch eingestellt sein.

Hellingers Lehre müsste nicht ernst genommen werden, wenn ihn andere nicht ernst nähmen.

Aus dem Buch von Werner Haas: Familienstellen nach Hellinger: Anatomie eines destruktiven Kultes

An Patentrezepten, zumal mit dem Nimbus des Magischen versehen, ist die Psychoszene nicht arm. Eines dieser umstrittenen Angebote ist das Familienstellen. Zwar gibt sich diese Technik als Weiterentwicklung der etablierten systemischen Familientherapie aus, ist jedoch aufgrund des weltanschaulichen Kontextes und der praktischen Implikationen etwas grundsätzlich anderes, nämlich ein Rückfall in vorwissenschaftliche Denkmuster und quasi-exorzistische Praktiken.

[…]
Schlussbemerkung

Hellingers Lehre müsste nicht ernst genommen werden, wenn ihn andere nicht ernst nähmen. Das Gros der sich offen zu Hellinger bekennenden Aufsteller ist zwar eher der Eso-Szene zuzurechnen. Aber trotz des wissenschaftsscheuen und unverhohlen antiaufklärerischen Grundtenors finden sich darunter nicht wenige diplomierte und promovierte ärztliche sowie psychologische Therapeutenkollegen. Sie tragen meines Erachtens ihre akademischen Grade zu Unrecht.

Hinzu kommt, dass unter dem Druck kritischer Berichte und Analysen über die hellingerschen Praktiken eine Welle der halbherzigen Distanzierung von dem Gründervater eingesetzt hat, ohne dass man sich wirklich von den zentralen Inhalten der gängigen Aufstellungsphilosophie und -praxis verabschiedet hat.

https://www.gwup.org/inhalte/92-themen/psychotechniken/1006-familienstellen-nach-helllinger-ein-destruktiver-kult

 

Auszüge aus dem Buch: Werner Haas: Familienstellen – Therapie oder Okkultismus? Asanger Verlag, 2004

Magische Worte und Patentrezepte gehen um in der Psychoszene: Familien-Stellen,
Familienaufstellung, Aufstellungsarbeit. Ihre Verkünder: Bert Hellinger & Co. Doch dieser
therapeutische Kult, der sich als Weiterentwicklung der etablierten systemischen Famili-
entherapie verkaufen möchte, ist aufgrund seines weltanschaulichen Kontextes und des-
sen praktischer Implikationen etwas grundsätzlich anderes, nämlich ein brutaler Rück-
sturz in vorwissenschaftliche Denkmuster und quasi-exorzistische Praktiken.
Schon lange vor Hellinger nutzte man die Möglichkeit, familiäre oder andere Bezie-
hungsgeflechte durch räumliche Anordnung von Personen darzustellen. So wurde bei-
spielsweise von Virginia Satir der Begriff „Familienskulptur“ geprägt. In der seriösen Fa-
milientherapie galt dieses Vorgehen als hinterfragbare Einzeltechnik in einem rational zu
begründenden psychotherapeutischen Gesamtkonzept. Doch mit und nach Hellinger
mutierte dieses Verfahren zu einem kultisch inszenierten Selbstzweck, zu einer von Hel-
lingerianern gepachteten Methode der Aufdeckung und Lösung für alles und alle.
Das technische Prinzip des hellingerschen Familienstellens besteht darin, dass ein
Gruppenteilnehmer (Klient, Patient, Ratsuchender) – auch „Protagonist“ genannt – aus
der Gruppe so genannte Stellvertreter als Rollenspieler auswählt und mit diesen „sein
inneres Bild seiner Gegenwarts- oder Herkunftsfamilie“ aufstellt.

Auch für sich selbst sucht der Protagonist zunächst einen Repräsentanten aus. Wenn die
Konstellation steht, teilen die Stellvertreter nacheinander mit, wie sie sich an ihrem
Platz fühlen. Angeblich stehen sie dabei in Verbindung zu einer Art Überseele, von anderen
auch „wissendes Feld“ genannt.

Der Aufstellungsleiter (Therapeut) entwickelt nun unter Berücksichtigung
der Rückmeldungen der Mitwirkenden ein „Lösungsbild“. Das ist erreicht, wenn alle
Stellvertreter das Gefühl zu haben glauben, dass die „Ordnung“ wiederhergestellt ist,
was in der Regel durch ein Unterwerfungsritual bestätigt wird.
Die in der Aufstellung inszenierte „Lösung“ soll sich dann auf wunderbare Weise auf
die Wirklichkeit übertragen: Suizidale entdecken ihre Lebenslust, Inzesttraumata werden
aufgelöst, Rückenschmerzen verschwinden und Krebs wird geheilt. Wenn nicht, hätte
man sich immerhin mit seinem unentrinnbaren Schicksal versöhnt. Hellinger selbst gibt
dieses Spektakel oft vor hunderten von Zuschauern zum Besten.
Zum Verständnis und zur Bewertung dieser Praxis ist es wichtig, einige Eckpfeiler des
dahinter stehenden Welt- und Menschenbildes näher unter die Lupe zu nehmen:

1. Patriarchale Ordnungsvorstellungen

 

Hellinger schwört auf das Senioritätsprinzip: Wer vorher da war, ist kraft dieses Faktums
als höherrangig einzustufen. Die Dynamik von Geben und Nehmen wird hauptsächlich
aus der Perspektive der Weitergabe des Lebens betrachtet, das Individuum somit weit-
gehend reduziert auf seine Funktion als Gattungswesen. Kinder sind per Definition Neh-
mende und Eltern Gebende. Die einen verpflichtet dies zutiefst, umfassend und unbefris-
tet, die andern werden dadurch in den Zustand der seliger Immunität und immerwähren-
der Verehrungswürdigkeit versetzt.
Hellinger: „Das Elternsein ist unabhängig von der Moral und jenseits von Gut und Bö-
se, … Jede Beurteilung der Eltern … ist anmaßend. Das Ergebnis [sic!] nämlich, das
Kind, stellt sich ja unabhängig vom Gutsein oder Bösesein der Eltern ein und begründet
eine Bindung vor und jenseits jeder Moral“.

Der Meister noch eine Spur obskurantistischer: „Und die Bindungsunschuld erleben wir als …
unserer Kindersehnsucht letztes Ziel. … Aus Liebe ist ein Kind bereit, alles dranzugeben,
selbst das eigene Leben und Glück, wenn es den Eltern und der Sippe dadurch besser geht. Das
sind dann die Kinder, die für ihre Eltern oder Ahnen in die Bresche springen, vollbringen,
was sie nicht geplant, sühnen, was sie nicht getan …, tragen, was sie nicht verschuldet
haben oder für erlebtes Unrecht anstelle ihrer Eltern Rache üben“.

Das lässt schon mal erahnen, wie Unglück und Leid in die Welt kommen, gleichzeitig
ergibt sich daraus eine wichtige therapeutische Maxime: „Wenn man den Eltern Ehre
erweist, kommt etwas tief in der Seele in Ordnung“.

 

Wie weit dieses Dogma getrieben wird, zeigt der nächste Abschnitt.

 

2. (Be-)Deutung von Sexualität und Inzest Hellinger sieht im Inzest keine persönlich zu
verantwortende Tat, sondern ein „systemisches“ Geschehen, in dem es letztlich weder Täter
noch Opfer noch unschuldig beteiligte Dritte gebe, sondern nur Statisten in einem von höherer
Stelle inszenierten Drama.
Vor allen Dingen sollen die, die nach allgemeinem Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden
als Hauptschuldige gelten, ent-schuldigt werden: „Den Tätern, seien es Väter, Großväter,
Onkel oder Stiefväter, wurde etwas vorenthalten, oder es wird etwas nicht gewürdigt,
und der Inzest ist dann ein Versuch, dieses Gefälle auszugleichen“.

Mit  dieser  Entschuldigung für die Patriarchen forciert Hellinger gleichzeitig die Be-
schuldigung der Frauen: „Kommt hinzu, dass es auch noch einen Mangel an Austausch
und Ausgleich bei den Partnern gibt, zum Beispiel in der sexuellen Beziehung, entsteht
in diesem System ein unwiderstehliches Bedürfnis nach Ausgleich, das sich wie eine
Triebkraft durchsetzt und der naheliegende Ausgleich ist, dass die Tochter sich anbietet
oder die Frau dem Mann die Tochter überlässt oder anbietet“.

 

Wie kommt Hellinger dazu, den Körper des Kindes zur Manövriermasse in einem ob-
skuren Spiel des „Ausgleichs“ zu machen? Wer diese kranke Logik einmal akzeptiert hat,
wundert sich auch nicht mehr über des Meisters Lösungsvorschläge: „Die Lösung für das
Kind ist, dass das Kind der Mutter sagt: ‚Mama, für dich tue ich es gerne‘, und dem Va-
ter: ‚Papa, für die Mama tue ich es gerne‘“.

 

Man beachte die Rollenverteilung: „Der Mann ist nur Blitzableiter, er ist in der Dynamik
verstrickt, weil die alle gegen ihn zusammenwirken. Er ist sozusagen das arme Schwein“, die
Mutter hingegen glaubt Hellinger generell als die „graue Eminenz des Inzests“ dingfest gemacht zu haben.
Selten hat jemand zur Problematik des sexuellen Missbrauchs solch zynischen Unsinn
propagiert und praktiziert. Zöge die missbrauchte Tochter den Vater nun juristisch zur
Verantwortung, würde sie laut Hellinger damit signalisieren, dass sie „lieber stirbt als ihrem
Vater … die Ehre zu geben“.

Dazu muss man wissen, dass solche gegen die „Ordnungen der Liebe“ verstoßende Taten in Hellingers
„Krankheitslehre“ oft die „Ursache“ von tödlichen Krankheiten sind.
Da Hellinger den Menschen zu einem tumben Gattungswesen degradiert hat, sieht er im „sexuellen Vollzug“
den „größten menschlichen Vollzug überhaupt“. Er geschehe „im Angesicht des Todes“, was auch immer das
heißen mag. Darüber hinaus scheinen „schicksalhafte“ Ereignisse wie Kriege oder Sexualverbrechen von
höheren Mächten gesteuert zu sein. Darum gilt: „Wenn es eine Vergewaltigung gab, dann ist die Sexualität
dennoch etwas ganz Großes“, denn sie komme „vor der Liebe“ und sei größer als diese.

 

Die Therapie einer durch Vergewaltigung traumatisierten Frau kann dann darin bestehen, dass sie – in
der „Aufstellung“ – zum Vergewaltiger sagt: „Ich habe dich benutzt. Es tut mir leid“.
– Benutzt? Wofür? Hellinger wird es schon wissen. Denn: „Wo Schicksal
wirkt und Demut heilt“, so einer seiner Buchtitel, fügt sich letztlich alles wieder in die
„Ordnungen der Liebe“, so ein anderer Buchtitel. Große Worte, wie ich meine, die besser
mit Schicksalsgläubigkeit, Demütigungskult und patriarchalem Ordnungswahn umschrie-
ben wären.

 

3. Der Okkultist

Nach Hellinger sind die meisten Probleme, die ein Psychotherapeut zu Gesicht be-
kommt, keine Probleme, die aus der individuellen Lebensgeschichte eines Menschen
hervorgehen, sondern die „Wiederholung eines fremden Schicksals“. Die geschehe
unter dem Druck des „Sippen- oder Gruppengewissens“, das sich der „nicht Gewürdig-
ten und der Toten“ annehme, indem es einen unschuldigen „Nachgeborenen“ auswähle,
der unbewusst das Schicksal des nicht Gewürdigten erleide, als Preis und Sühne sozu-
sagen für das erlittene Unrecht des Ahnen. Nach Hellinger ist diese „Identifizierung“
eine Art „systemischer Wiederholungszwang, der Früheres noch einmal inszeniert und
wiederholt …, ein nachträglicher Versuch, einer ausgeklammerten Person noch einmal
zu ihrem Recht zu verhelfen“.

Und: „Bei uns werden so viele krank oder gestört, weil einige aus dem System ausgestoßen sind.
Oft sind das Verstorbene. Wenn man die wieder hereinholt, sind die anderen wieder frei“.

Anstatt einer Ätiologie serviert uns Hellinger diese seltsame Lehre von den Krankheits-
ursachen, verquickt mit dem Gespensterglauben und Ahnenkult der Zulus, bei denen er
wohl zu tief ins spirituelle Glas geguckt hat: „Wenn man sich Geistergeschichten anhört,
sind Geister Wesen, denen man die Zugehörigkeit verweigert hat. Sie klopfen an, bis sie
ihren Platz bekommen. Wenn sie den haben, geben sie Frieden“.

Hellinger ging bekanntlich als Missionar nach Südafrika, kehrte aber offenbar als Bekehrter zurück.
Denn bei den Zulus galt lange vor ihm: Wenn die Ahnen „vergessen werden, dann bringen sie
sich oft schmerzhaft in Erinnerung.“ Die Folge: „Unglück, Krankheit, Verluste, Niederla-
gen …“. Abhilfe schafft hier wie dort rituelle Ehrerweisung.

Quelle:

http://www.familienaufstellen.org/criticism/HellingerDestruktiverKult.pdf

 

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Hier ein Auszug aus einem Buch über Bert Hellinger von Colin Goldner,

Der Wille zum Schicksal: Die Heilslehre des Bert Hellinger

[…]
Massive Kritik an dieser Psycho-Methode, ihrem ideologischen Hintergrund sowie an der Person ihres Begründers, des Ex-Ordenspaters Bert Hellinger, üben namhafte Psychologen in der von Colin Goldner herausgegebenen Neuerscheinung „Der Wille zum Schicksal – Die Heilslehre des Bert Hellinger“ (Verlag C.Ueberreuter, Wien). Hauptpunkte der Hellinger-Kritik sind seine reaktionäre Weltsicht und sein konservatives Wertekonzept. Als „christliche Seelsorgemethode“ könne die Arbeit Hellingers jedenfalls nicht gelten, betont Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin), deshalb solle die Vergabe kirchlicher Räume für Familienaufstellungen kritisch überprüft werden. (Südostbayerische Rundschau, 15.3.2003)

Ein Autorenteam um den Psychologen Colin Goldner hat sich Bert Hellinger, den „Erfinder“ der Methode der „Familienaufstellung“ vorgeknüpft.

Nach den Beobachtungen der Autoren missbraucht der 1925 geborene ehemalige katholische Missionar vereinfacht ausgedrückt den emotionalen Ausnahmezustand, zu dem eine Familienaufstellung führt, um seine extrem konservativen „priesterlichen“ Ratschläge zu verbreiten. Auffällig sei, dass (so individuell eine Aufstellung auch beginne) am Ende fast immer die gleichen „Lösungen“ aus dem mehr als merkwürdigen Weltbild Hellingers stehen: Nach einer Scheidung gehören die Kinder überproportional oft zum Vater, Ehefrauen müssen bei der Gestaltung ihres Lebens den Männern folgen, damit diese sich entfalten können.

Hellinger geht davon aus, einen direkten („phänomenologischen“) Zugang zur objektiven Wirklichkeit zu haben. Er meint, auf einen Blick die Unordnung in einem System zu „sehen“ und die „gute Lösung“ zu kennen. Der Ex-Missionar bietet sich als Autorität an und steht damit im krassen Widerspruch zur systemischen, dem Konstruktivismus verpflichteten Vorgehensweise, die eine Aufstellung immer als co-kreativen Prozess zwischen allen Beteiligten betrachtet. An dessen Ende steht niemals nur eine einzige „richtige“ Lösung. (wirtschaft&weiterbildung, 4/2003)

[…]

Es gibt über 100 Bücher und Videos von und zu Bert Hellinger. Er ist seit Jahren der Star unter den Psychotherapeuten und mit seiner Methode des „Familienstellens“ füllt er schon einmal Säle mit über 500 Hilfesuchenden. Was es bislang noch nicht gab, das ist eine – längst überfällige – kritische Auseinandersetzung mit dem „Familien- und Organisationsaufstellen nach Bert Hellinger“: mit dem Verfahren selbst, mit den Versprechungen, die es gibt und den Risiken, die es birgt, mit den Personen, die es anbieten, und denen, die sich darauf einlassen, mit dem dahinterstehenden Weltbild und nicht zuletzt mit der zentralen Figur der Szene: Ex-Ordenspriester Bert Hellinger. Was macht den ehemaligen Afrika-Missionar so erfolgreich? Warum findet seine Methode gerade in der Esoterikszene so großen Anklang? Warum beging 1997 eine Frau und vierfache Mutter nach einer seiner Familienaufstellungen Selbstmord?

http://fkpsych.de/hellinger-1.html

 

 

Ausführlich wird auch hier über Bert Hellinger berichtet:

http://www.agpf.de/Hellinger.htm

 

Gruß Hubert