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Ode auf Wolfgang Bosbach   Leave a comment

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Ich schätze Wolfgang Bosbach schon seit langem. Er ist nicht laut, nicht effekthaschend, auf Ausgewogenheit bedacht. Nichts desto trotz steht er klar zu seinen Überzeugungen. Besonders eine Aussage von ihm gefällt mir:
„Ich habe eine feste Überzeugung, aber ich verlange von niemandem, dass er sie teilt.“ Er bringt Andersdenkenden und der Opposition großen Respekt entgegen. Leider tritt er bald von der politischen Bühne ab.
Dies sage ich, obwohl ich kein CDU-Wähler wäre, wenn ich in Deutschland leben würde. Die CDU/CSU ist mir zu wirtschafts-nahe und auch oft zu konservativ und das christliche Weltbild ist sowieso nicht meines.

Aus n-tv.de

Dieser Mann ist ein Phänomen

Ein Gastbeitrag von Burkhard Lischka

Wolfgang Bosbach verlässt nach 23 Jahren den Bundestag. Sein SPD-Kollege Burkhard Lischka schreibt bei n-tv.de über ihr besonderes Verhältnis, eine Merkel-Saftpresse und gemeinsame Urlaubspläne.

Selbst als Bundestagsabgeordneter ist man ja vor Kulturschocks nicht gefeit. Ich erlebte meinen persönlichen beim Wechsel vom Rechts- in den Innenausschuss vor knapp drei Jahren. Da saß dieser charmante Dompteur im grauen Anzug und pastellfarbenen Hemd und sagte Sätze, die mit „Mensch, Ulla“ oder „lieber Volker“ begannen. So viel Feinfühligkeit gegenüber der Opposition, noch dazu im Innenausschuss des Bundestages – das war selbst für einen ehemaligen Rechtspolitiker mit dem Hang zum Florett statt zum Säbel irritierend.

Dabei blieb es nicht: Denn ohne viel Gemurre beendeten auch streitbare Kollegen wie die erwähnte Ulla Jelpke von den Linken oder Volker Beck von den Grünen jede noch so heftige Debatte, wenn Wolfgang Bosbach nur milde lächelnd und mit väterlichem „Du“ darum bat. Der Mann war und ist ein Phänomen. Ein Menschenfischer, ja.

Aber auch einer, der für seine Überzeugung zwar alles tut, nur eines nicht: andere zwanghaft bekehren. Bosbach nimmt einen ein, ohne zu vereinnahmen.

„Ich habe eine feste Überzeugung, aber ich verlange von niemandem, dass er sie teilt.“

Dieser Satz von Wolfgang Bosbach wird mir wohl nie aus dem Kopf gehen. Ich teile viele seiner Ansichten nicht, aber es gibt nur wenige Politiker, die ich dafür so schätze wie ihn. Als wir ihn im Sommer 2015 als Vorsitzenden des Innenausschusses verabschiedeten, bekam Tennisspieler Bosbach von den SPD-Abgeordneten im Ausschuss ein paar Utensilien für seinen Sport geschenkt: eine neue Tasche, fußballfeldgroße Handtücher und – eine Merkel-Saftpresse. Als Metapher und Erinnerung, wer an seiner Demission als Vorsitzender des Innenausschusses nicht ganz unschuldig war. Die Kanzlerin hatte sich für ein weiteres Rettungspaket für Griechenland ausgesprochen – ich im Übrigen auch – und Wolfgang Bosbach dagegen.

Ganz persönlich hatte ich mir daher vorgenommen, Bosbachs Hellenismus-Phobie zu behandeln. Zunächst mit einem gemeinsamen Besuch bei meinem Lieblingsgriechen, einem überzeugten Tsipras-Anhänger. In der Psychologie nennt man das wohl Konfrontationstherapie. Tsatsiki, Souflaki und Ouzo verfehlten ihre Wirkung nicht, am Ende dieses Abends waren wir nicht nur beim „Du“, sondern bereits in die Planung eines gemeinsamen Griechenland-Urlaubs eingestiegen.

Die anregendsten und berührendsten Autofahrten meines Lebens

Richtig kennengelernt habe ich Wolfgang Bosbach dann aber erst während mehrstündiger Autofahrten von Berlin in meinen Wahlkreis Magdeburg und zurück. Bosbach war dort zunächst Gast in meiner Talkrunde „Lischka trifft“, einige Monate später interviewte ich ihn zu seinem neuen Buch. Auf diesen Touren auf der staugeplagten A2 – wir hatten also viel Zeit zum Reden – weihte mich Bosbach in viele, mir noch unbekannte Geheimnisse des Berliner Politikbetriebes ein.

Für mich waren es die anregendsten und berührendsten Autofahrten meines Lebens. Bosbach erzählte auf diesen Fahrten auch so manche Anekdote und verriet mir sein Erfolgsrezept gegen Wutbürger. Diese ruft er mit Vorliebe nachts um halb zwölf aus seinem Wahlkreisbüro an, bevor für ihn ein langer Arbeitstag endlich zu Ende geht. „Wie, Sie schlafen schon?“, mimt Bosbach dann erstaunt, wenn der Angerufene nach Bosbachs aktuellem Geisteszustand fragt. Und dann feixt er sich eins.

Im Herbst vergangenen Jahres erhielt Wolfgang Bosbach den Politik-Award für sein Lebenswerk. Und während andere Geehrte Laudatoren der Hautevolee der Bundespolitik aufboten, wünschte sich Bosbach eine Festrede von mir, dem Sozen aus der dritten Reihe. Wo er mit Sicherheit die Kanzlerin hätte bekommen können. Das war Ehre und Anspruch zugleich – und Momente voller Emotionen. Denn im Publikum saßen Bosbachs Frau, eine seiner drei Töchter und seine Mutter.

Nach Bosbachs letzter Rede im Bundestag vor wenigen Wochen haben wir übrigens unsere Griechenland-Pläne konkretisiert: Nächsten Sommer geht es für ein paar Tage nach Chalkidiki.

Burkhard Lischka ist Bundestagsabgeordneter der SPD

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Ode auf Wolfgang Bosbach

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Einen letzten Appell richtet er an alle Bundestagskollegen: „Euch allen wünsche ich für die Zeit, die kommt, bei aller Härte der Auseinandersetzung im Wahlkampf: Geht immer ordentlich miteinander um. Danke!“ Alle Fraktionen applaudieren, sogar die Linken. Bosbach geht ein letztes Mal den Weg vom Podium zu seinem Platz. Er, der angriffslustige und oft scharfe Redner, ist sichtlich bewegt.

http://www.n-tv.de/politik/Am-Ende-bricht-Bosbach-die-Stimme-weg-article19871591.html

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Hier noch 2 Videos von Bosbachs letzten Reden im Bundestag. (zur Verfügung gestellt von Sabine)

 


https://www.4shared.com/video/RHm4nTIeca/Wolfgang_Bosbach_letzte_Rede.html
https://www.4shared.com/web/embed/file/RHm4nTIeca
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https://www.4shared.com/video/iYh1k6Xtei/Wolfgang_Bosbach_will_noch_etw.html
https://www.4shared.com/web/embed/file/iYh1k6Xtei
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Gruß Hubert