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Viel Staat für die „Eiserne Lady“ – Großes Begräbnis für Thatcher   Leave a comment

Die eiserne Lady ist tot. Aber die Folgen haben viele einfache Leute in England noch zu tragen. Vor allem im Norden Englands war ihre eiserne Hand besonders zu spüren. Sie hat vor allem die Industrie zerschlagen. Wo es keine Industrie gibt, gibt es auch keine aufmüpfige Industriearbeiterschaft. Stattdessen hat sie massiv die Finanzdienstleistungen forciert. Kein Wunder dass sich London am meisten gegen Regulierungen im Finanzsektor zur Wehr setzt. Sie setzte ihren ganzen Ehrgeiz ein um die Gewerkschaften zu zerstören. Diesen Kampf führte sie wie eine Kriegerin und sie war erst zufrieden als die Gewerkschaften darnieder lagen.
Sie war ja eine vehemente Privatisiererin. Ihre Begräbnis aber lässt sie von Staat bezahlen (warum nicht von ihren reichen Günstlingen?). Das Begräbnis soll laut Meldungen 12 Millionen Euro gekostet haben.

Hier ein Artikel von hintergrund.de

Viel Staat für die „Eiserne Lady“ – Großes Begräbnis für Thatcher

Eine Geschützlafette mit dem Union-Jack-Banner, 700 Soldaten in Gardeuniform, Salutschüsse im Tower of London, der Big Ben wird schweigen – Margaret Thatcher wird an diesem Mittwoch eine Trauerfeier erhalten, die einem Staatsbegräbnis sehr nahe kommt, aber offiziell keines sein darf. Nicht seit Winston Churchill 1965 zu Grabe getragen wurde, ist für einen Premierminister bei seinem Ableben so viel Staat gemacht worden wie ausgerechnet für den Privatisierungsfan Margaret Thatcher.

Nicht bei Clement Attlee, der nach dem Krieg das britische Sozialsystem aufbaute, nicht bei Harold Wilson, der die Todesstrafe abschaffte und auch nicht für Edward Heath, der Anfang der 1970er-Jahre den Weg Großbritanniens nach Europa geebnet hatte.

Warum also für die Reizfigur Margaret Thatcher, die in ihrer eigenen Heimat von manchen als Hexe verspottet wird, die nun die Hölle privatisiere und dort Brennöfen schließen lasse?

Das politische Erbe der „Eisernen Lady“ ist in Großbritannien und weltweit heftig umstritten. Elfeinhalb Jahre lang hatte sie mit ihrer Kopf-durch-die-Wand-Politik die Nation gespalten – nachhaltig. Der rechte Flügel ihrer Konservativen Partei huldigt Thatcher noch heute, sie habe mit ihrem „Big Bang“ die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre bewältigt. Führungsstärke und ihr Kampf gegen den Sozialismus kommen noch heute vor allem in den USA besonders gut an.

„Sie hat Großbritannien nicht nur geführt, sondern gerettet“, sagte ihr Amtsnachfolger David Cameron nach dem Tod Thatchers. Die Opposition unterstellt ihm, mit der groß angelegten Trauerfeier Thatchers Prominenz für die eigene Politik ausnutzen zu wollen.

Für ihre Kritiker sind die Folgen der Hau-Ruck-Methode, mit der die vermeintliche Heilsbringerin praktisch auf einen Schlag eine Viertelmillion Bergleute an die Luft setzte, Ausdruck schwerer politischer Fehler. Während Thatcher auf Konfrontation setzte und monatelange Streiks provozierte, handelte etwa in Schweden der Staat Kompromisse mit den Gewerkschaften aus. Während Großbritannien seine Bergleute auf die Straße setzte, wurde im Ruhrgebiet Strukturpolitik betrieben.

Doch Thatcher wollte den Bergleuten, die den kämpferischsten und klassenbewusstesten Teil der britischen Arbeiterschaft darstellten, exemplarisch das (politische) Genick brechen. Auch um den Preis, das Land einem Prozess der De-Industrialisierung auszusetzen. Wo es keine Industrie gibt, kann es auch keine organisierte und aufmüpfige Industriearbeiterschaft geben, so das dahinter stehende Kalkül.

Laut dem britischen Professor Andrew Jackson, der an der Universität York unter anderem über soziale Gerechtigkeit forscht, habe Thatcher die Ausrichtung der britischen Wirtschaft auf Finanzdienstleistungen forciert und die industrielle Basis veröden lassen. „Heute ist klar: Der Thatcherismus hat keine belastbare Lösung dafür gebracht, wie man nachhaltig Wachstum generiert“, schrieb Jackson am Dienstag in einem Gastbeitrag für die zweitgrößte kanadische Zeitung Globe and Mail.

„Der Thatcherismus hat nichts dafür getan, die Einkommen der großen Bevölkerungsmehrheit zu erhöhen“, schrieb Jackson weiter. „Ihr Erbe ist eines der erhöhten Ungleichheit, der wirtschaftlichen Stagnation und der Instabilität.“

(16.04.2013/hg/dpa)

Quelle:

http://www.hintergrund.de/201304162537/kurzmeldungen/aktuell/viel-staat-fuer-die-eiserne-lady-grosses-begraebnis-fuer-thatcher.html

Hier noch ein Auszug aus derwesten.de

London. Margaret Thatcher wird diesen Mittwoch mit so viel Pomp zu Grabe getragen, wie seit fast 50 Jahren kein britischer Premierminister mehr. Kritiker halten das für Propaganda. Die Leistungen der „Eisernen Lady“ bleiben heftig umstritten.

Selbst der Glockenklang von Big Ben verstummt am Mittwoch, wenn eine Pferdekutsche den Sarg von Margaret Thatcher zur feierlichen Beisetzung durch die Londoner Innenstadt zieht. Doch die pompöse Zeremonie macht viele Thatcher-Kritiker so wütend, dass 4000 Polizisten den Trauerzug vor Demonstranten sichern sollen.

Das Argument der Gegner: Ein Abschied in Würde passt nicht zu der verheerenden, politischen Bilanz der ehemaligen Premierministerin.

Als Winston Churchill starb, trug ein Boot den Leichnam auf schwarzem Samt über die Themse. Den monumentalen Bildern von einst werden die Szenen, die sich an diesem Mittwoch in London abspielen, in Nichts nachstehen.

Thatcher bekommt – auf eigenen Wunsch – zwar kein Staatsbegräbnis wie Churchill einst, doch der Unterschied ist nicht mehr als eine Formalie: Die britische Regierung plant den letzten Weg der Eisernen Lady („Operation True Blue“) mit derselben Opulenz an festlichen Requisiten.

Betont militärischen Komponente

2000 geladene Gäste aus der ganzen Welt und Millionen Fernsehzuschauer bekommen dabei einen Einblick, wie die kontroverse Politikerin in Erinnerung behalten sein will – nämlich als starke, erfolgreiche Kriegerin. Thatcher selbst hat die Feier mit der betont militärischen Komponente bis ins kleinste Detail festgelegt. Über 700 Soldaten flankieren auf ihren Wunsch den Sarg, Veteranen des Falkland-Krieges spielen dabei eine Hauptrolle.

[…]
Umstrittenes Erbe

Die Proteste zeigen, wie umstritten Thatchers Erbe auch heute noch in Großbritannien ist. Von der grassierenden Europa-Skepsis über das deregulierte Banken-Viertel mit seinen Exzessen bis hin zur fest zementierten Armut des englischen Nordens sehen Kritiker in der Konservativen die Wurzel vieler aktueller Probleme. Thatcher gab ihr Amt 1990 auf.

[…]
„Die Hexe ist tot“

In London trafen sich vergangenen Samstag rund 3000 Gewerkschaftler, Anarchisten und Kritiker am Trafalgar Square, um das Ende der Eisernen Lady zu „feiern“. Als Protestlied haben sich die Demonstranten den Song „Ding-Dong! The Witch Is Dead“ („Die Hexe ist tot“) aus dem Film „Der Zauberer von Oz“ ausgesucht. Der Hit aus dem Jahr 1939 kletterte Sonntag auf Platz 2 der britischen Hitparade.
(Mit Material von dpa) – Jasmin Fischer

http://www.derwesten.de/politik/grosses-begraebnis-bringt-thatcher-kritiker-in-rage-id7846093.html

Tut mir leid, aber dieser Person versage ich meine Pietät. Möge sie nun in Frieden vor sich hin rosten.

Gruß Hubert

«Möge die Eiserne Lady in Frieden rosten»   Leave a comment

Ein guter Artikel vom unheilvollen Treiben der kürzlich verstorbenen eisernen Lady Margaret Thatcher, der woz.ch, finde ich.

Den heute vorherrschenden marktradikalen Neoliberalismus haben wir ja hauptsächlich ihr (zusammen mit Ronald Reagan) zu verdanken.
Hier nun der Artikel.

Keine andere politische Figur Europas hat in den letzten Jahrzehnten das Denken weit über das eigene Land hinaus so geprägt wie Margaret Thatcher. Und so viel Verheerendes angerichtet.

 

Eine überlebensgrosse Figur: Margaret Thatcher (1925–2013). Foto: Daniel Munoz, Reuters

Sie behielt ihr Ziel stets im Auge und zeigte sich zuweilen pragmatisch. Sie war entschlossen und hatte gleichwohl manchmal Mitgefühl. Sie verfolgte strikt eine Mission und legte trotzdem eine überraschende Flexibilität an den Tag. Es gibt durchaus Positives zu sagen über die erste Premierministerin des Vereinigten Königreichs, die am Montag einem Schlaganfall erlag. Aber nicht viel.

Denn Margaret Thatcher hat vor allem zerstört und das Neue, das sie schuf, ausschliesslich den Reichen und Mächtigen zukommen lassen. Sie hat das Sozialgefüge Britanniens demontiert, die Wirtschaft deindustrialisiert, Kriege vom Zaun gebrochen, die Demokratie ausgehöhlt, Millionen ins Elend gesetzt, ganze Landstriche entvölkert, sich mit den falschen Leuten verbündet (der chilenische Diktator Augusto Pinochet war für sie «ein guter Freund», Nelson Mandela hingegen «ein Terrorist»), den Londoner Finanzplatz dereguliert

(die Folgen sind angesichts von Offshore-Leaks gerade wieder zu besichtigen), die Eliten verhätschelt, einen permanenten Klassenkrieg von oben geführt – und all jene kollektiven Organisationen zerstört, die ihr im Weg standen. Und sie hat polarisiert, bis über ihren Tod hinaus. Während die politische Klasse ihr Hinscheiden bedauerte, kam es in zahlreichen Städten – von Bristol bis Glasgow, von London bis Derry in Nordirland – zu spontanen Freudenbekundungen. Vergleichbares war seit dem Sturz osteuropäischer Potentaten nicht mehr zu beobachten.

«Die Eiserne Lady ist weg», jubelte einer auf dem Netz, «möge sie in Frieden rosten.» 

Und das war noch recht freundlich formuliert.

Glück und Wille

Wie aber hat es die Krämerstochter aus dem kleinen Örtchen Grantham geschafft, zur einflussreichsten Person an der Regierungsspitze seit Clement Attlee zu werden, jenem grossen Reformer kurz nach dem Krieg? Durch eisernen Willen, weil sie zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle war und mit viel Glück. In den siebziger Jahren steckte Britannien in einer Strukturkrise. Die alten Kolonien waren weggebrochen, der Nachkriegskonsens bröckelte, der Internationale Währungsfonds zwang der damaligen Labour-Regierung ein drastisches Sparprogramm auf, das nicht im Interesse der Lohnabhängigen war. Zudem waren die VertreterInnen des bisherigen paternalistischen und sozialpartnerschaftlichen Tory-Konservatismus verschlissen.

Margaret Thatcher trat gegen sie an, gewann 1974 die Wahl zur Tory-Vorsitzenden, dann 1979 die Unterhauswahl (bei der sie allerdings weniger Stimmen erhielt als frühere konservative Premierminister) und kam 1982 als überaus unpopuläre Premierministerin in den Genuss eines militärischen Abenteuers der damaligen argentinischen Militärjunta. Der Falklandkrieg – der auch politisch hätte gelöst werden können – rettete sie ebenso wie bei den nachfolgenden Wahlen die Spaltung der Opposition: Die Labour-Partei bekam in Form einer Sozialdemokratischen Partei Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Über elf Jahre lang regierte Thatcher das Land – bis ihr lange Zeit grosses politisches Gespür sie im Stich liess, sie eine Einheitssteuer, die sogenannte Poll Tax, durchpaukte. Es kam zu Rebellionen im ganzen Land, in deren Gefolge sie 1990 von den eigenen Leuten entmachtet wurde.

Gegen den «inneren Feind»

Diese elf Jahre nutzte Thatcher auf vielfältige Weise. Ihre erste Amtshandlung bestand darin, die Kapitalverkehrskontrolle abzuschaffen. Danach setzte die Anhängerin der marktradikalen Chicagoer Schule von Milton Friedman eine lange Reihe von Privatisierungen in Gang: Sie verhökerte die staatlichen Energiegesellschaften, das Nordseeöl, die Häfen, British Telecom, British Airways, die Strom- und die Wasserversorgung an die Banker, befreite 1986 deren City of London von bis dahin geltenden Auflagen und senkte den Spitzensatz der Einkommenssteuer schrittweise von 83 auf 40 Prozent. Das konnte sie jedoch erst tun, nachdem sie den Gegner beseitigt hatte, der ihre neoliberale Politik hätte stoppen können: die Gewerkschaften. Und insbesondere die NUM, die Organisation der damals rund 170.000 kampfstarken und selbstbewussten Bergarbeiter.

Nach langer Vorbereitung und einer Militarisierung der Polizei (die bis heute gegeben ist) gewann sie die epochale Auseinandersetzung 1984/85 gegen den «inneren Feind»; die lange Gegenwehr der «miners» prägt bis heute die Erinnerung an die Thatcher-Zeit. Es folgten Siege über die Drucker, die Docker, die EisenbahnerInnen und eine antigewerkschaftliche Gesetzgebung, die bis heute die Trade Unions lähmt. Doch Thatcher griff nicht nur zur schieren Gewalt – auch wenn die Polizeiübergriffe, die 1981 zu den Unruhen in den Ghettos von London, Bristol oder Liverpool führten, die Polizeieinsätze gegen die Friedensfrauen von Greenham Common oder die handstreichartige Abschaffung der demokratisch gewählten Metropolitan Councils in den Labour-dominierten Grossstädten dies vermuten lassen.

Individuum statt Gesellschaft

[…]
«Es gibt keine Gesellschaft, sondern nur Individuen» lautete ihr Schlachtruf, mit dem sie die neoliberale Denkweise hegemonial verfestigte – nicht nur in Britannien, sondern (in Partnerschaft mit US-Präsident Ronald Reagan) weit darüber hinaus: Alle sorgen für sich. Jede gegen jeden. Heraus kam eine Ich-ich-ich-Ellenbogen-Konsum-Gesellschaft. Und ein betriebswirtschaftliches Budgetverständnis, das – siehe die Rezepte zur Bewältigung der Eurokrise – ganze Volkswirtschaften in den Ruin treibt; so wie Thatcher es während ihrer Amtszeit tat. Sie hat nicht «Britannien gerettet», wie es jetzt heisst. Sondern innerhalb weniger Jahre die industrielle Produktion um ein Viertel gesenkt, die Arbeitslosigkeit in die Höhe getrieben und die Kriminalität um siebzig Prozent gesteigert.
Von Pit Wuhrer

Hier weiterlesen:
Moege-die-eiserne-Lady-in-Frieden-rosten

 

Gruß Hubert