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Heimerziehung in Österreich   1 comment

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Wie eine eitrige Beule war vor rund fünf Jahren einer der größten Skandale der Nachkriegsgeschichte aufgebrochen. Immer mehr Heimkinder und Internatszöglinge hatten zunächst in Deutschland und mit zeitlicher Verzögerung auch hierzulande zu erzählen begonnen, wie sie in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren unter der Obhut von Staat und Kirche körperlich und seelisch gebrochen worden waren. Man hatte sie geschlagen, angespuckt, in Besinnungsräume gesperrt, als Arbeitskräfte ausgebeutet und als Sexualobjekte missbraucht. Jede ihrer Geschichten leuchtete grell in die Abgründe einer Nachkriegswirklichkeit hinein, die von NS-Ideologie, schwarzer Pädagogik, Frauenverachtung und einem mörderischen Hass auf alles „Asoziale“ durchdrungen war. Vvon einer lückenlosen Aufarbeitung der Verbrechen kann keine Rede sein. Bilanz einer nationalen Schande.
von Edith Meinhart
http://www.profil.at/oesterreich/wir-heimkinder-6191742

 

Die Heimerziehung in Österreich ist ein System der Fremdunterbringung. Sie soll Kindern und Jugendlichen Obhut und Betreuung außerhalb der eigenen oder einer anderen Familie gewährleisten. Heute wird eingeräumt, dass Kinder und Jugendliche hierbei auch viele Schäden erlitten.

Im Jahr 1811 wurde den Kindern ein Recht auf Erziehung zugesprochen. Es entwickelten sich verschiedene Typen von Heimen, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts unter zunehmend biopolitischem Einfluss standen, welcher auch Wegbereiter zur nationalsozialistischen Rassenhygiene im Zweiten Weltkrieg war. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Politik der Jugendfürsorge beinahe nahtlos wieder in eine biopolitische Richtung über. Im Schatten des faschistischen Menschenbildes wurden die Kinder drei Jahrzehnte als verwahrlost, unnütz und kriminell stigmatisiert und waren sowohl in privaten, kirchlichen wie auch in weltlichen Heimen in ganz Österreich jeglicher Art von Gewalt, insbesondere auch medizinischen Versuchen und Zwangsarbeit ausgesetzt. Ab 1969 gab es öffentliche Proteste, Diskussionen und Studien, in welchen die Praktiken kritisiert wurden, doch die Zustände änderten sich nur zögerlich.

Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde zunächst langsam mit dem Schließen der ersten Großheime begonnen, das Zusperren der letzten Heime dauerte bis in die 2000er-Jahre.

Das ganze Ausmaß der Gewalt sowie die psychischen und gesundheitlichen Spätfolgen für die Betroffenen wurden durch den im Jahr 2010 einsetzenden Kinderheim-Skandal bekannt, nachdem ehemalige Heimkinder an die Öffentlichkeit gingen und über die erlittenen Qualen berichteten. Ein Teil von ihnen bekam finanzielle Entschädigungen, die je nach auszahlender Stelle und Schwere des Falls unterschiedlich hoch waren.

[…]

Auch in Tirol kamen bekannte Austrofaschisten und NS-Parteigänger in Führungspositionen des Fürsorgewesens, wie der zuvor im NS-Fürsorgeapparat tätige Alfred Haindl, der es zum Leiter des Tiroler Landesjugendamtes brachte. Als solcher förderte er auch die Karriere von Maria Nowak-Vogl, die ihre Ausbildung während der NS-Zeit erhielt und sich später nicht von dem Gedankengut trennen konnte. Noch 1959 stellte sie die Frage,

„ob unsere öffentlichen Mittel, unsere beste Arbeitskraft, unsere vorzüglichste Sorge jenen zuzuwenden sei, die in irgendeiner Weise missraten, doch nie zu vollwertigen Menschen werden.[10]

Diskrete geistige Fortsetzung der NS-Psychiatrie

Auch klinische Heilpädagogik und klinische Psychiatrie behielten weiterhin Einfluss auf die Heime. Wer aufsässig, unruhig oder Bettnässer war, masturbierte oder der Lüge bezichtigt wurde, lief Gefahr, auf eine medizinische oder psychiatrische Kinderstation zu kommen und dort medizinischen Versuchen ausgesetzt zu sein.

Tausende Kinder wurden in der Klinik Hoff, in der Kinderabteilung des Krankenhauses Lainz, in der psychiatrischen Kinderstation der Universitätsklinik Innsbruck und der dort beheimateten Kinderbeobachtungsstation Maria Novak-Vogl für die medizinische Forschung missbraucht, oder sie bekamen ohne Narkose Elektroschocks vonErwin Ringel – strafweise, wie sich aus den Akten nachweisen lässt. Wer in die heilpädagogische Abteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt kam, war in Gefahr, von Franz Wurst sexuell missbraucht zu werden, was dieser als „Zuwendungstherapie“ bezeichnete.

Hans Asperger, Heinrich Gross, Hans Hoff, Maria Novak-Vogl, Andreas Rett, Erwin Ringel und Walter Spiel verwendeten in ihren Publikationen bis in die 1970er-Jahre vorwiegend die verräterischen Ausdrücke „Versuchsmaterial“ oder „Versuchsgut“, nur selten fanden sie zu menschlichen Begriffen wie „Kinder“, was darauf schließen lässt, dass es in der österreichischen Psychiatrie und Heilpädagogik kaum einen Bruch mit der Nazizeit gab.

Der Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin in Wien, Michael Hubenstorf, bezeichnet das, was tausenden Kindern unter dem Deckmantel der ärztlichen Hilfeleistung nach 1945 angetan wurde, als „diskrete geistige Fortsetzung der NS-Psychiatrie“.[21]

 

Maria Nowak-Vogl

Fast alle in den Jahren 1954 bis 1987 in Tirol, Vorarlberg und Salzburg verhaltensauffällig gewordenen Kinder gerieten in die Hände von Maria Nowak-Vogl. Sie leitete die Kinderbeobachtungsstation der Kinderpsychiatrie Innsbruck, wo sie insgesamt 3650 Kinder behandelte. Nebenbei war sie Gerichtsgutachterin sowie psychiatrische Beraterin von Kinder- und Jugendheimen.

Bettnässer mussten bei ihr auf Matratzen schlafen, die bei Feuchtigkeit zu klingeln begannen, und wer tagsüber in die mit einem elektrischen Gerät verkabelte Hose machte und damit den Alarm auslöste, bekam zusätzlich Stromstöße. Die Hosen, deren Alarm sich nur im Haus abstellen ließ, mussten auch außerhalb der Station getragen werden, etwa bei Freizeitaktivitäten außer Haus oder in der Kirche, wodurch die Kinder nicht nur vor der Gruppe sondern auch öffentlich bloßgestellt wurden.

Gegen Masturbation setzte Nowak-Vogl Epiphysan (ein Hormon aus der Zirbeldrüse von Rindern) ein, obwohl ihr bekannt war, dass dieses Medikament zu schweren Hodenschädigungen führte.

Sie habe sich, wie sie 1965 in einer Fachzeitschrift ausführte, trotz aller Bedenken für das Medikament entschieden, weil die Folgen einer „exzessiven sexuellen Aktivität“ gravierend seien. Als die Staatsanwaltschaft Innsbruck im Jahr 1980 gegen Nowak-Vogl ermittelte, rechtfertigte Andreas Rett  (Anmerkung: eh klar, selber ein Nazi) deren Verwendung von Epiphysan mit der Begründung, dass er selbst das Medikament über einen Zeitraum von 17 Jahren an 500 Behinderten erprobt habe.[22]

Weiters setzte Nowak-Vogl bei „Verwahrlosung“ und „Wutanfällen“ Röntgenstrahlen ein, die keinerlei therapeutischen Wert hatten. Da bereits seit den 1950er-Jahren in Fachzeitschriften unmissverständlich vor Krebsschäden durch Röntgenstrahlung gewarnt wurde, wird darin eine absichtliche schwere Körperverletzung gesehen. Auch Medikamente gegen Epilepsie und Betäubungsmittel kamen zum Einsatz, um die Kinder „zur Ruhe zu bringen“. Besonders demütigend war für die Kinder auch die Benützung als Vorführobjekte in Lehrveranstaltungen, bei denen sie angezogen oder nackt in herabwürdigender Weise präsentiert wurden.[10][21]

Andreas Rett

Während seiner Tätigkeit als Leiter der Kinderabteilung des Krankenhauses Lainz (bis 1975) und als Leiter der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel in Wien (1975 bis 1989) führte Andreas Rett neben den oben erwähnten 500 Epiphysan-Behandlungen auch andere Medikamenten-Versuche an Kindern – auch Heimkindern – durch. Dazu gehörten etwaOxazolidin, das heute aufgrund seiner Giftigkeit nur mehr als Schmiermittel verwendet wird, und Thalidomid: Zwar war zur Zeit seiner Versuche (1958 bis 1961) der Contergan-Skandal noch kein Begriff, das Medikament hatte aber auch andere schwere Nebenwirkungen, die häufig und zeitnah auftraten. Andreas Rett arbeitete zeitweise auch eng mit Heinrich Gross zusammen.[21]

Hans Hoff

Als besonders irritierend gilt, dass der wegen seiner jüdischen Abstammung 1938 vor den Nazis geflüchtete Hans Hoff nach seiner Rückkehr im Jahr 1949 ebenfalls Patienten für medizinische Versuche missbrauchte und zudem keine Skrupel hatte, gemeinsam mit Heinrich Gross an den Gehirnen der am Spiegelgrund unter Gross‘ Beteiligung ermordeten Kinder zu forschen. Zudem führte Hoff bis Mitte der 1970er-Jahre Malariaversuche durch – u. a. an strafweise verlegten Heimkindern. Der ab 1965 an der Klinik Hoff beschäftigte Psychiater Bernd Küfferle vermutet, dass damit das Ziel verfolgt wurde, „den Malaria-Erreger am Leben zu erhalten, um ihn im Spital verfügbar zu haben“, denn es war „schon damals klar, dass das keine sinnvolle Behandlung ist“.[21]

Walter Spiel

Walter Spiel, von 1975 bis 1991 Leiter der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie in Wien und von 1953 bis 1956 psychiatrischer Berater in der Erziehungsanstalt Kaiser-Ebersdorf, beschrieb 1957 einen Medikamentenversuch mit Reserpin an 72 Kindern, wovon 8 Heimkinder waren. Die Kinder wurden wegen Leistungsproblemen in der Schule oder weil sie „unruhig“ waren an die Universitätskinderklinik überwiesen, eines bekam zusätzlich Elektroschocks. –

Zahlreiche Behandlungen mit Elektroschocks, Insulinschocks sowie „Fieberkur“ (vermutlich ist damit „Malariatherapie“ gemeint), die er an der Klinik Hoff durchgeführt hat, beschreibt Spiel in seiner Habilitation 1961.

Heimerziehung in Österreich

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Siehe auch:

Ernie Mangold: „Aufarbeiten und entschuldigen“

Woher rührt Ihrer Meinung nach die Gewalt, die Kindern in Heimen angetan wurde?

Es ist ja eine Tatsache, dass es schon vor dem Zweiten Weltkrieg diese Institutionen gab, die damals schon grauslich waren. Aber die Nazis haben dann die Grausamkeiten gesteigert, medizinische Versuche durchgeführt und Kinder in Heimen umgebracht. Die Ärzte und die Forschung haben da mitgespielt. Und nach der Hitlerzeit ist es weitergegangen. Sie konnten die Heimkinder nicht mehr umbringen, aber Versuchskaninchen waren sie weiterhin, wenn man sich etwa die Malaria-Versuche in den 1960er-Jahren anschaut.

[…]

Aus der Politik sind bereits Töne zu vernehmen, dass genug zur Aufarbeitung der Geschichte von Kinderheimen gemacht wurde. Nach dem Motto „Lass ma’s gut sein“.

Nix lassen wir gut sein. Wie beim Holocaust. Es gibt Sachen, die nicht gut werden. Da bin ich ganz dagegen. Die Aufarbeitung muss sein. In Österreich ist das ohnehin so schwierig, wie man in den 80er-Jahren gesehen hat, als das Thema Restitution von geraubter Kunst endlich in der österreichischen Gesellschaft angekommen ist. Es dauert bei uns alles sehr, sehr lange. Gerade bei diesen Leuten, die so gequält worden sind, vergewaltigt worden sind … Ehemalige Heimkinder brauchen Zeit, bis sie darüber reden können und an die Öffentlichkeit gehen. Das muss man aufarbeiten und sich von offizieller Seite entschuldigen.

http://m.kurier.at/chronik/wien/ernie-mangold-aufarbeiten-und-entschuldigen/34.886.003

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Kreuz und quer v 18 06 2013 ORF 2


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Siehe auch Video: Erziehungsheime in Tirol

Rai Südtirol (15.07.2015): Bericht in der Tagesschau

http://streaming.uibk.ac.at/medien/c603/c603228/lehre/ralser/erziehungsheime_studie_150706.mp4

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Gruß Hubert

Die Schreckensherrschaft der Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl – Teil 2   4 comments

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Ein Leben in ständiger Angst

Die Betroffenen erlebten Maria Nowak-Vogl auf der Kinderbeobachtungsstation in Innsbruck als ungerührten und kalten, ebenso lieb- und gefühllosen wie angsteinflößenden Menschen, der sie verachtete und verächtlich machte, einmal kühl strafend, dann wieder hysterisch schreiend, bisweilen als Zuchtmeisterin, die auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckte.

Kinderbeobachtungsstation Maria Nowak-Vogl

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http://www.heimerziehung.at/kinder-und-jugendpsychiatrie/einstiegsvideo

 

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 […] Die Pädagogen  und  die  Mediziner  haben  die  Onanie  wie  eine  Epidemie  bekämpft.  […]  Man hat unerschöpfliche, korrigierende Diskurse durchgesetzt […] den Verdacht erweckt, alle Kinder seien schuldig. […]. Man hat sie zu ständiger Wachsamkeit vor dieser wiederkehrenden Gefahr gerufen.

Maria  Nowak-Vogl  hat  eine  Extremposition  in  dieser  von  Michel  FOUCAULT  beschriebenen Kontrollfunktion von Pädagogik und Medizin vertreten, die vor allem im Kontext ihres Lebens- und Arbeitsumfeldes gedeutet werden kann:

In den 1950er Jahren waren Tiroler Schulen Stätten katholischer Restauration. […] [sie
waren] Orte konservativen Geistes und klerikal induzierter Neo-Traditionalität. […] Skeptische Kritik und Aufklärung, speziell im ethischen Bereich, waren absolut tabuisiert. […]
Nicht zu reden davon, dass das Thema Sexualität mit der höchsten Geheimhaltungsstufe belegt war. […] [M]an war seinerzeit im erzkatholischen Tirol der Meinung, gefährlichen Liberalismen gleich in den Anfängen wehren zu müssen und die Sexualität barg damals wie heute die Dimension der Subversivität in sich.

 

Vor diesem Hintergrund wurde es zu einem zentralen Anliegen von Maria Nowak-Vogl,
das medizinisch-pädagogische Inventar zur Kontrolle des sexuellen Verhaltens um eine
medikamentöse Strategie zu erweitern – die „Therapie“ mit Epiphysan.

https://www.i-med.ac.at/pr/presse/2013/Bericht-Medizin-Historische-ExpertInnenkommission_2013.pdf

 

„Kreuzzug gegen Onanie“

 

Die Verantwortung sei in erster Linie bei der bereits verstorbenen Psychiaterin Maria Nowak-Vogel, der langjährigen Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie, gelegen. Sie sei geprägt gewesen durch strengen Katholizismus und Nationalsozialismus und habe in dieser Tradition auch behandelt. So habe sie einen „Kreuzzug gegen Onanie“ geführt und Heimkinder auch mit Röntgenstrahlen behandelt, berichtet Schreiber: „Nowak-Vogl beschreibt selbst den Fall eines Fünfjährigen, den sie mit einer Serie von Röntgenstrahlen behandelt hat wegen des Jähzorns, den er an den Tag legte.“ Die Psychiaterin und Pädagogin, die bis 1987 Leiterin der Kinderpsychiatrie Innsbruck war, sei „eine der Schlüsselfiguren mit ihren Gutachten und Diagnosen“ gewesen, um Kinder in Heimen unterzubringen. „Sie äußert auch sehr oft die Frage, ob diese Kinder jemals vollwertige Menschen werden können“, erklärt Schreiber. Erniedrigende Bestrafungen, etwa von Bettnässern, seien in der Kinderpsychiatrie an der Tagesordnung gewesen. „Ansichten waren Mainstream“ Für Hartmann Hinterhuber, bis vor kurzem Chef der Psychiatrie in Tirol, sei die angebliche Anwendung von Röntgenstrahlen völlig unverständlich, berichtet Ö1.

Er bedaure die aus heutiger Sicht indiskutablen Ansichten Nowak-Vogels, aber sie seien zur damaligen Zeit „Mainstream“ gewesen. Schließlich sei Nowak-Vogl 1972 von der geisteswissenschaftlichen Fakultät zur außerordentlichen Professorin ernannt worden. (Anmerkung: ich bezweifle, dass solche Ansichten und Methoden selbst vor 30 – 40 Jahre „Mainstream“ waren).

„Die ‚Aus den Augen – aus dem Sinn‘-Praxis der scheinheiligen Tiroler Politik bis in die 1970er Jahre im Umgang mit Heimkindern bekommt eine weitere traurige Dimension“, sagte SP-Sozialsprecherin Gabi Schiessling gegenüber der APA. Das Land Tirol habe durch die begonnene Aufarbeitung seine Verantwortung wahr genommen, so die Landtagsabgeordnete. (red, derStandard.at, 8.2.2012)

Ö1-Morgenjournal ORF-Journalisten berichteten bereits vor über dreißig Jahren über die Strukturen der Heimerziehung in Tirol. Das Video stammt aus einem Beitrag der Sendung „Teleobektiv“ aus dem Jahr 1980.

 

There’s no place like home – Dr. Nowak-Vogl in ‚Teleobjektiv‘ – ORF 1980

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http://derstandard.at/1328507185183/Kindesmisshandlung-Heimkinder-in-Tirol-mit-Roentgenstrahlen-behandelt

 

Die schlimmsten Heime in Österreich

Hans Weiss behandelt in seinem Untersuchungsbericht „Tatort Kinderheim“ 135 (80 weltliche und 55 geistliche) Einrichtungen und nennt als die zehn schlimmsten Heime:

Martinsbühel (Tirol)
St. Martin (Tirol)
Bubenburg in Fügen (Tirol)
Wimmersdorf (Niederösterreich)
Rohrbach (Niederösterreich)
Gleink (Oberösterreich)
Heim der Stadt Wien, Schloss Wilhelminenberg (Wien)
Kaiser-Ebersdorf (Wien) samt Filiale in Kirchberg
Kinderbeobachtungsstation von Dr. Nowak-Vogl (Tirol)
Caritas-Kinderdorf St. Anton in Bruck (Salzburg)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Heimerziehung_in_%C3%96sterreich

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Nowak-Vogl-M_Hötting-1

 

Nowak-Vogl-M_Hötting-2

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http://www.heimerziehung.at/images/Novak-Vogl__Wo_bleibt_die_Entscha__digung.pdf

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Gruß Hubert

Die Schreckensherrschaft der Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl   Leave a comment

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Mann kann sich nur wundern, dass die Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl ihre Tyrannei über einen so langen Zeitraum in der einstigen Kinderbeobachtungstation in Innsbruck mit autoritären und veralteten bzw. auch verwerflichen Methoden ausüber konnte. Maria Nowak-Vogl wurde 1998 pensioniert und ist inzwischen verstorben.

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Kinder mit Kuhspritze behandelt – Auch Vorarlberger betroffen

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Bis Ende der 1970er-Jahre hat die Psychiaterin Jugendlichen Epiphysan gespritzt.

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Bis Ende der 1970er-Jahre hat die Psychiaterin Jugendlichen Epiphysan gespritzt. – © dpa

Innsbruck, Rankweil – Tiermedizin gegen Sexualität – auch Vorarlberger Jugendliche litten in Tiroler Psychiatrie.

Tiermedizin gegen Sexualität

Die Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl, die ihr anvertraute Mädchen mit dem Tierpräparat Epiphysan behandelte, um deren sexuelle Erregbarkeit zu dämpfen, war auch Sachverständige in Vorarlberg. Zudem wurden viele Vorarlberger Kinder in ihre Innsbrucker „Kinderbeobachtungsstation“ gebracht. Auch aus dem Landeserziehungsheim Jagdberg. Epiphysan erzeugt ungeahnte Langzeitfolgen. Befürchtet werden u. a. Fehlgeburten. Das Mittel ist heute verboten. Diesen besonders düsteren Blick in ein noch nicht aufgearbeitetes Kapitel zerstörter Kindheit hat der Innsbrucker Historiker Horst Schreiber (51) eröffnet. Er hat sich mit der Kinderpsychiaterin Nowak-Vogl auseinandergesetzt, die zwischen 1954 und 1980 ihre Kinderbeobachtungsstation abseits der Universitätsklinik in einem eigenen Haus in Hötting führte. Russ-Preis-Träger und Gerichtspsychiater Reinhard Haller (61) bestätigt: „Sie war damals die einzige Kinder- und Jugendpsychiaterin in Westösterreich.“

Ihre Methoden kamen erstmals ans Licht, als sich das Fernsehen 1980 für sie interessierte. Im Interview gab Nowak-Vogl, die 1998 verstorben ist, zu, das Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen angewandt zu haben. Nowak-Vogl demontierte sich mit ihren Aussagen vor laufender Kamera selbst. So war die 15-jährige Christine 1978 zu ihr eingeliefert worden, weil sie bei ihrem Freund übernachtet hatte. Nowak-Vogl diagnostizierte sexuelle Verwahrlosung und spritzte dem Mädchen insgesamt zehn Ampullen des Hormonpräparats Epiphysan, das laut Nowak-Vogl ein Jahr lang auf den weiblichen Hormonhaushalt wirkte. Dazu die Kinderpsychiaterin: „Das war mein spezielles Forschungsgebiet vor schon sehr vielen Jahren, dass man, man hat das aus irgendwelchen Gründen feststellen können, damit eine sexuelle Beruhigung erreichen kann.“

Hausordnung mit 300 Punkten

In ihrem Heim in Hötting, in dem sie jahrzehntelang schalten und walten durfte, herrschte ein strenges Reglement. Die Hausordnung umfasste 300 Punkte. Selbst das Aufsuchen der Toilette wurde bis ins Kleinste reglementiert. U. a. hieß es darin: „Das Morgenturnen ist an jedem einzelnen Tag Pflicht! Morgenturnen heißt Freiübungen – Gymnastik machen. Spielen ist dabei ausdrücklich verboten. Vor dem Lichtauslöschen müssen alle Kinder auf das Clo, ob sie wollen oder nicht.“ Und an anderer Stelle: „Privatbücher und Privatspielzeug, auch persönliche Puppen darf ein Kind bei uns nur dann behalten, wenn ausdrücklich darüber gesprochen worden ist.“ Öffentlichkeit schätzte Nowak-Vogl nicht: „Kein Besucher darf unser Haus anschauen, weder die Schul- noch die Gruppenräume.“ Nachgerade militärisch muten die Mahlzeiten an: „Es wird dringend gebeten, die Essenszeiten so kurz wie möglich zu gestalten und nicht aus Trägheit mit den Kindern sitzen zu bleiben.“

„Klingelmatratzen“

Die Fernsehjournalisten enthüllten 1980, dass in Nowak-Vogls Obhut Kleinkinder, die noch nicht sauber waren, in Spezialhosen gesteckt wurden, die am Rücken klingelten, wenn sie nass wurden, nicht zuletzt zum Spaß der anderen Kinder. Bettnässer schliefen auf „Klingelmatratzen“. Diese Matratzen verursachten ohrenbetäubende Geräusche, wenn Flüssigkeit austrat. Nowak-Vogl bezeichnete das, was diese Kinder erleben mussten, selber „als fürchterlichen Schrecken“. In ihren Augen hatten die Klingelmatratzen diagnostischen Wert, um erkennen zu können, ob die Ursachen des Nässens organischer oder psychischer Art wären. Obwohl die Zustände und ihr Medikamentenmissbrauch mit Epiphysan bereits 1980 bekannt wurden, blieb Nowak-Vogl weitere sieben Jahre lang Leiterin der Kinderpsychiatrie. Bei der Verleihung einer Ehrenprofessur hieß es, dass Nowak-Vogl „fachlich hinter zeitgemäßen Standards zurückliege, aber fleißig und engagiert sei“. Hartmann Hinterhuber (70), ihr Vorgesetzter in den Jahren 1984 bis 1987, schreibt ihre Methoden laut „Tiroler Tageszeitung“ einem „vergangenen Zeitbild“ zu. Er habe sie nie unterstützt. „Aber so weit weg vom damaligen Mainstream dürfte sie nicht gewesen sein.“ Immerhin sei sie 1972 von der geisteswissenschaftlichen Fakultät zur außerordentlichen Professorin ernannt worden. Der Innsbrucker Historiker Horst Schreiber sieht rund um die Tätigkeit der Innsbrucker Kinder- und Jugendpsychiaterin eine große Forschungslücke klaffen. In ihrer eigenen Dissertation habe sie beschrieben, „wie sie einen fünfjährigen Buben mit Röntgenstrahlen behandelt hat, um seine Wutanfälle in den Griff zu bekommen“. Wie viele Vorarlberger Kinder ihr anvertraut wurden, ist offen. Noch hat die Akten niemand gesichtet.

9Kommentare

Ein Kommentar
beaverdam    09.02.2012 08:24

man stelle sich vor, bis 1987 !! röntgenstraheln bei 5-jährigen und das in einer dissertation, also von vielen abgesegnet !! aus heutiger sicht ein haarsträubendes verbrechen. kein wunder dass in einem heute noch eine seltsame skepsis aufkommt, wenn es um heime, erziehungsanstalten, psychiatrische anstalten usw. geht!! die klinik innsbruck, die immer so „führende institution“ kommt hie und da gar nicht gut weg !!

 

Die Schreckensherrschaft der Innsbrucker Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl

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33 Jahre Tyrannei an Kindern in Tirol

Die einstige Kinderbeobachtungstation in Innsbruck ist über Jahrzehnte ein Ort des Schreckens gewesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertenkommission, die die Machenschaften der damaligen und bereits verstorbenen Leiterin Maria Nowak-Vogl untersuchte.

Maria Nowak-Vogel

ORF – Maria Nowak-Vogl

Nicht ganz zwei Jahre lang beschäftigte sich die Expertenkommission mit den Vorgängen an der einstigen Kinderbeobachtungsstation in Innsbruck und deren bereits verstorbener Leiterin Nowak-Vogl. Das am Montag präsentierte Ergebnis zeichnet ein düsteres Bild vom Umgang mit angeblich schwer erziehbaren Kindern und reicht weit über diese Beobachtungsstation hinaus.

Nowak-Vogl war Kopf eines landesweiten Systems

Über dreißig Jahre lang waren in Tirol – geduldet und gedeckt vom Land Tirol, der Kirche, den Medien und der Öffentlichkeit – schutzlose und hilfsbedürftige Kinder der Gewalt von Ärzten, Erziehern und Ordensfrauen ausgesetzt. Was ein ORF-Bericht 1980 erstmals an die Öffentlichkeit brachte, hat die Expertenkommission jetzt mehr als nur bestätigt.

Ausschnitt aus dem ORF-Bericht von Kurt Langbein:

Die zentrale Rolle in Tirol spielte mit Nowak-Vogl eine Psychiaterin mit einer Weltanschauung, die laut Kommissionsmitglied Horst Schreiber geprägt war vom Nationalsozialismus und konservativ katholischem Denken. Sie war in Westösterreich die einzige Person, die Kinder und Jugendliche begutachtete und behandelte. Sie allein entschied, ob Kinder in ein Heim mussten, in welches und wie lange. 3.650 Kinder aus ganz Westösterreich, Bayern und Südtirol waren ihr von 1954 bis 1987 ausgeliefert. Vielen davon habe sie direkt oder indirekt großes Leid angetan, zu diesem Schluss kam die Kommission.

Verwerfliche Methoden und Therapien

Die Kinderbeobachtungsstation in Innsbruck war alles andere als ein Ort der Hilfe. Es war ein Ort der Traumatisierung, Kinder wurden zum Objekt degradiert, mit Injektionen und Tabletten ruhiggestellt oder mit psychischer und struktureller Gewalt bestraft. Die Kinder hatten gar nie die Chance, etwas richtig zu machen, so Schreiber.

Es gibt Berichte, wonach besonders jähzornige Kinder von Nowak-Vogl mit Röntgenstrahlung behandelt und Bettnässer auf übelste Art und Weise bloßgestellt wurden. Waren junge Mädchen früh sexuell aktiv, verabreichte sie ihnen das Hormon Epiphysan. Auch wenn dieses Hormon – wie man mittlerweile weiß – keine gesundheitsschädlichen Folgen verursachte, war die Vorgangsweise Nowak-Vogls mehr als verwerflich.

ORF-Bericht hatte Folgen

Infolge des ORF-Berichts von Kurt Langbein verbot der damalige Direktor der Univ.-Klinik für Psychiatrie, Kornelius Kryspin-Exner, das Verabreichen von Epiphysan und setzte die repressive Hausordnung außer Kraft. Dennoch gelang es bis zur Pensionierung Nowak-Vogls 1987 nicht, deren „Fürsorgeregime“ zu beenden.

Weitere Forschung, Entschädigung offen

Die Expertenkommission, die von einem dunklen Kapitel in der Tiroler Geschichte spricht, brachte am Montag ihre Betroffenheit und ihr Bedauern zum Ausdruck. Dass dieses Kapitel nun öffentlich gemacht werde, sei in erster Linie im Sinne der Geschädigten wichtig. Es sei nunmehr öffentlich, dass ihnen großes Unrecht geschehen sei, so der Kommissionsvorsitzende Günther Sperk.

Die Kommission empfiehlt, dass auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse weitere Forschungsarbeiten folgen. Das Land Tirol und die beiden Universitäten werden sich daran beteiligen. Ob es auch monetäre Entschädigung für die Geschädigten geben wird, darüber muss sich aufgrund der neuen Erkenntnisse das Land Tirol jetzt wohl den Kopf zerbrechen, heißt es seitens der Untersuchungskommission.

Stefan Lindner, tirol.ORF.at

http://tirol.orf.at/news/stories/2615477/

 

“Im Namen der Ordnung”

„Es geht um Praktiken des systematischen Quälens, Schlagens und der Erniedrigung, die in anerkannten Institutionen der Fürsorgeerziehung bis in die 1980er-Jahre ausgeführt wurden“, sagt der Innsbrucker Historiker Horst Schreiber (51). Mit seinem Buch „Im Namen der Ordnung“ widmet er sich als einer der ersten Wissenschaftler in Österreich dem Themenkomplex Heim­erziehung und weist darin eine systematische und strukturelle Missachtung der Menschenrechte nach. Für das Buch hat er mit vielen ehemaligen Zöglingen aus Tiroler Heimen lebensgeschichtliche Interviews geführt.

Schreiber, Horst, „Im Namen der Ordnung. Heimerziehung in Tirol“, StudienVerlag, Innsbruck 2010. Preis 19,90 Euro, Umfang 405 Seiten
http://www.vol.at/experimente-an-kindern-gedeckt/3166028

Siehe auch:
Kinder mit Tiermedikament niedergespritzt

Obwohl die Experimente an Kindern bekannt waren, wurde die Leiterin der Kinderpsychiatrie nicht abgesetzt.

http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/Chronik/ChronikInnsbruck/4292937-6/kinder-mit-tiermedikament-niedergespritzt.csp

http://www.salzburg.com/nachrichten/oesterreich/chronik/sn/artikel/experimente-an-tiroler-kindern-mit-tiermedikament-3316/

http://www.heute.at/news/oesterreich/Grausame-Experimente-an-Tiroler-Heimkindern;art23655,657242

Historiker Schreiber: „Unter zehnjährige Mädchen wurden niedergespritzt“.

Nach den Vorwürfen mindestens eines ehemaligen Wiener Heimkindes, 1964 zu Therapiezwecken mit Malaria infiziert worden zu sein, werden ähnliche Anschuldigungen in Tirol erhoben. Auch hier soll es an zum Teil minderjährigen Heimkindern bis Ende der 1970er Jahre Experimente gegeben haben. „Hier sind Mädchen, einfach weil behauptet wurde, die onanieren oder sind sexuell übererregt, niedergespritzt worden, mit dem Epiphysan, von dem wir wissen, dass es gesundheitsschädliche Auswirkungen hat“, kritisierte der Historiker Horst Schreiber im ORF-„Ö1-Morgenjournal“ am Mittwoch.

Sein Vorwurf richtete sich vor allem gegen die bereits verstorbene Maria Nowak-Vogl, bis 1987 Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie.

Sie soll bis Ende der 1970er Jahre Epiphysan, ein Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen, angewandt haben. „Weil sie einen Kreuzzug führte gegen die Onanie und gegen sexuelle Übererregtheit“, meinte Scheiber, Initiator und Mitglied der Heim-Untersuchungskommission in Tirol.

http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/tirol/Experimente-an-Kindern-mit-Tiermedikament/55581805

 

Das triebhemmende Medikament Epiphysan, das Nowak-Vogl den Mädchen injizierte, wurde in der NS-Zeit bei Tieren ausprobiert.

Siehe: Max, Süß, Versuche mit Epiphysan zur Unterdrückung der Brunst bei Abmelkkühen, Diss. Berlin Univ. 1944

http://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/unterrichtsmaterial/heimerziehung-und-die-kinderpsychiatrie

 

Zur Person:

Maria Vogl wurde am 9. April 1922 in Kitzbühel geboren. Sie war das dritte von insgesamt vier Kindern des Richters Dr. Alfred Vogl und seiner Ehefrau Maria. 1967 heiratete sie den Psychiater Johannes Heinz Nowak und führte fortan den Namen Nowak-Vogl. Sie starb am 23. November 1998 in Innsbruck. Ihr Vater war NS-Jugendrichter am Sondergericht in Bozen.

(Anmerkung: interessant, der tat ja in meiner Gegend sein unheilvolles Werk)

(Anmerkung: da braucht es nicht zu wundern, dass sie auch der NS-Ideologie anhing).

Nach der Matura an der Oberrealschule für Mädchen in Innsbruck 1940 und ihrem Studium der Medizin, das sie zu einem erheblichen Teil während der Zeit des Nationalsozialismus absolvierte (1941-1947), war sie seit Juli 1947 als Gastärztin und ab August 1949 als Hilfsärztin an der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik Innsbruck tätig.

http://www.heimerziehung.at/kinder-und-jugendpsychiatrie/maria-nowakvogl

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Gruß Hubert

 

Neues Opfer im „Malaria-Skandal“ – Wiener Psychiatrie   Leave a comment

Neues Opfer im „Malaria-Skandal“ – Wiener Psychiatrie

Der im Beitrag „Psychiatrischer Faschismus“
http://hubwenzl.blog.de/2012/02/03/psychiatrischer-faschismus-12635903/

vorgebrachte Einwand von Missbrauch und Narrenfreiheit (wenn es Psychiater darauf anlegen bzw. sie einen entsprechenden menschenverachtenden Charakter haben) zeigt und erhärtet sich am Beispiel der Wiener Psychiatrie, (Uni-Klinik – nach dem Vorstand auch „Klinik Hoff“ genannt) die in den 1960-er Jahren Patienten einer Malariatherapie „unterzogen“, für die es aber laut Siegfried Kasper, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, gegen psychiatrische Erkrankungen „keine Verwendung“ gab (siehe Schluß). Die Malariatherapie wurde in den späten 1920-er Jahren gegen Syphilis angewandt.

„In einem Wiener Heim untergebrachte Kinder sollen in den 1960er Jahren als Erregerträger (von Malaria) „verwendet“ worden sein.“
„der Standard“

Die Vorwürfe gegen die Wiener Psychiatrie reißen nicht ab. Verhaltensauffällige Kinder wurden als „irre“ abgestempelt.

„Peter Schleicher:
An ihm wurden – wie er sagt – „experimentelle Korrekturmaßnahmen“ durchgeführt. Auf die „Geschlossene“ sei er gekommen, weil er Schauspieler werden wollte.

„Ich war kein fleißiger Schüler. Aber das rechtfertigt die Maßnahmen nicht. Dann müsste heute jeder zweite Schüler ins Irrenhaus.“ Peter Schleicher ist heute 66 Jahre alt. Im Alter von „15 oder 16 Jahren“ wurde der Wiener auf die geschlossene Abteilung der Wiener Uni-Klinik eingewiesen. Weil er, wie er sagt, nicht angepasst war und weil er seinen Berufswunsch geäußert hatte: Schauspieler. Seine Eltern wandten sich daraufhin an seinen Lehrer und der sah nur einen Ausweg: Psychiatrie. Die Diagnose damals: „Manisch-depressives Irresein“. „Wenn damals ein Doktor oder Lehrer etwas von sich gegeben hat, war das wie die Bibel“, erklärt Schleicher heute.

Valium

Rund vier Wochen sei er in der Uni-Klinik (nach dem Vorstand auch „Klinik Hoff“ genannt) gewesen. Auch er wurde mit Malaria „therapiert“, zusätzlich wurden ihm angeblich Sedativa, etwa Valium, eingeflößt. „Die Methoden waren barbarisch“, sagt Schleicher. „Ein besonders grässliches Medikament“, erinnert er sich, war Majeptil. „Danach konnte man weder gehen, noch sitzen, oder stehen. Es ging einem ganz entsetzlich. Die Sinnhaftigkeit ist mir bis heute nicht klar.“ Und weiter: „Bei der Absetzung litt ich unter schlimmsten Panikattacken.“

Schleicher, der später Keyboarder wurde und mit Ludwig Hirsch, Hansi Lang und Wolfgang Ambros spielte, ist nach eigenen Angaben heute noch „valiumsüchtig“.

Andere Stationspatienten seien mit Elektroschocks therapiert worden
„Das hat mich derartig erschüttert“, sagt der 66-jährige Musiker heute.

Auch Wilhelm J., der seine Vorwürfe bereits am Montag öffentlich machte, berichtet von „E-Schocks“ als Behandlung von Kollegen.“

„Johannes Wancata, Leiter der sozialpsychiatrischen Abteilung an der Wiener Uni-Klinik sagt, dass die – wie es heute heißt – Elektrokrampf-Therapie auch damals schon eine „adäquate Behandlungsmethode“ für schwere Schizophrenien oder Depressionen war.“ Ob sie aber „seriös angewendet wurde oder unkritisch und schlampig, das weiß ich nicht“.

[…]

Klinik-Chef Hans Hoff habe ihn dann, im Beisein der Eltern, persönlich aufgenommen. Eine weitere Rolle spielte auch Cornelius Kryspin-Exner, der in den 1960er-Jahren, während der Malaria-Therapien, als Arzt in der Uni-Klinik tätig war.

Der Tirol-Konnex

Später übernahm Kryspin-Exner das Ordinariat für Psychiatrie in Innsbruck. Das ist insofern interessant, weil eine seiner Mitarbeiterinnen die heute äußerst umstrittene Psychiaterin Maria Nowak-Vogl war.

Sie soll über Jahrzehnte hinweg Experimente mit Heimkindern auf der Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation gemacht haben. Wie der KURIER berichtete, wurde Mädchen im Alter von acht oder neun Jahren das Medikament Epiphysan injiziert, um ihr „sexuelles Verlangen“ zu stoppen. Erst auf Grund eines ORF -Berichtes im Jahr 1980 sah sich Kryspin-Exner veranlasst, die Behandlungsmethoden von Nowak-Vogl zu unterbinden. Der Zeithistoriker Horst Schreiber hat die Zeit Nowak-Vogls aufgearbeitet. „Sie war wie besessen davon, sexuelle Regungen im Keim zu ersticken.“ Vor allem „Kinder aus dem Proletariat“ habe sie als „genetisch minderwertig“ abgekanzelt. „Bei ihr kommt immer wieder die NS-Diktion durch.“

Alle genannten Mediziner, die in den 60-Jahren tätig waren, sind mittlerweile verstorben.

http://kurier.at/nachrichten/wien/4484163-neues-opfer-im-malaria-skandal.php

Siehe auch „Die Presse„:
„Malariatherapie“: Anwalt rechnet mit 100 Betroffenen
http://diepresse.com/home/panorama/wien/730626/Malariatherapie_Anwalt-rechnet-mit-100-Betroffenen?direct=730769&_vl_backlink=/home/panorama/index.do&selChannel=615

„der Standard“:
Die „Malariatherapie“ sei ab den späten 1920er Jahren gegen Syphilis zum Einsatz gekommen, ihm selbst sei allerdings nicht bewusst gewesen, „dass das nach dem Zweiten Weltkrieg noch gelaufen ist“. Allerdings: „Für psychiatrische Erkrankungen gab es gar keine Verwendung“, so Kasper.
Um Syphilis-Patienten den Malariaerreger spritzen zu können, habe man freilich „Erregerträger“ gebraucht.
Es sei möglich, dass Menschen mit oder ohne ihr Wissen dafür „verwendet“ wurden, räumte der Klinik-Chef ein.
Anmerkung: dass Psychiatriepatienten bei entsprechender Aufklärung damit einverstanden gewesen wären, kann ich mir nicht vorstellen.
[…]
„Die von dem Juristen (Johannes Öhlböck) angenommene dreistellige Dunkelziffer ergebe sich aus dem Zeitraum, in dem diese Behandlungen offenbar stattgefunden hätten – von etwa 1960/61 bis 1964 -, der berichteten Dauer der „Kur“ (meist 14 Tage) sowie dem Umstand, dass es dafür zwei Kinder gebraucht habe: „Man hat Blut aus der Vene eines Kindes genommen und in den Gesäßmuskel eines anderen Kindes gespritzt“, gab Öhlböck die Darstellungen seiner Mandanten wieder. Das sei vor den Augen der betroffenen Kinder geschehen, und im übrigen auch mit der selben Spritze. (APA)“

http://derstandard.at/1328507211801/Vier-Personen-gemeldet-Malariatherapie-Psychiatrie-Chef-schliesst-Missbrauch-nicht-aus

„Malariatherapie“: Immer mehr Betroffene
Anwalt rechnet mit rund 100 Opfern.

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/434100_Immer-mehr-Betroffene.html

Maria Nowak-Vogl

Experimente an Tiroler Heimkindern

Laut dem Historiker Horst Schreiber sei Nowak-Vogl durch streng katholisches Denken und andererseits durch den Nationalsozialismus geprägt gewesen. In dessen Tradition stehe Röntgenbehandlung, die die Psychiaterin auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch angewandt habe: „Nowak-Vogl beschreibt selbst den Fall eines Fünfjährigen, den sie mit einer Serie von Röntgenstrahlen behandelt hat, wegen des Jähzorns, den er an den Tag legte.“

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/434003_Experimente-an-Tiroler-Heimkindern.html

Maria Nowak-Vogl
Kinder mit Kuhspritze behandelt – Auch Vorarlberger betroffen

„Ihre Methoden kamen erstmals ans Licht, als sich das Fernsehen 1980 für sie interessierte. Im Interview gab Nowak-Vogl, die 1998 verstorben ist, zu, das Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen angewandt zu haben. Nowak-Vogl demontierte sich mit ihren Aussagen vor laufender Kamera selbst. So war die 15-jährige Christine 1978 zu ihr eingeliefert worden, weil sie bei ihrem Freund übernachtet hatte. Nowak-Vogl diagnostizierte sexuelle Verwahrlosung und spritzte dem Mädchen insgesamt zehn Ampullen des Hormonpräparats Epiphysan, das laut Nowak-Vogl ein Jahr lang auf den weiblichen Hormonhaushalt wirkte.“

http://www.vol.at/kinder-mit-kuhspritze-behandelt-auch-vorarlberger-betroffen/3163981